Einen Bibeltext mit Logos auslegen: Die Frucht des Geistes

Ver­wirrt, wie Logos beim Bibel­stu­di­um hel­fen kann? In die­sem Arti­kel erklä­re ich Schritt für Schritt, wie ich Gala­ter 5,22–23 (Die Frucht des Geis­tes) mit­hil­fe von Logos stu­die­re. Dabei gebe ich vie­le prak­ti­sche Tipps und stel­le eini­ge der bes­ten Werk­zeu­ge in Logos vor.

Logos — mehr als nur Bibelsoftware

Logos ist viel mehr als eine Bibel-Soft­ware. Es ist ein Werk­zeug, das mir hilft, Bibel­tex­te in einer Tie­fe zu stu­die­ren, wie es mir ohne Logos unmög­lich ist. Logos ist wie ein per­sön­li­cher wis­sen­schaft­li­cher Assis­tent, der mir in Sekun­den­schnel­le zusam­men­stellt, was frü­her stun­den­lan­ge und müh­se­li­ge Arbeit gekos­tet hat. Mit einem Klick kann ich sehen, was im Urtext steht und was die Wor­te bedeu­ten. Ich kann lesen, was die bes­ten Theo­lo­gen der Welt zu dem Bibel­text sagen, und ich bekom­me unzäh­li­ge Infor­ma­tio­nen, die mir hel­fen, den Text bes­ser ver­ste­hen zu können.

Logos ist ein kraft­vol­les Werk­zeug. Und genau weil Logos so vie­le Werk­zeu­ge und Optio­nen bie­tet, ist es für vie­le Leu­te schwie­rig, rein­zu­kom­men, wie man mit Logos einen Bibel­text in der Tie­fe stu­die­ren kann. Des­halb beschrei­be ich in die­sem Blog Schritt für Schritt, wie ich einen Bibel­text mit­hil­fe von Logos stu­die­re. Ich wer­de mei­nen Arbeits­pro­zess ganz prak­tisch demons­trie­ren, indem ich die Frucht des Geis­tes (Gala­ter 5,22–23) studiere.

Schritt 1: Den Text gründlich lesen

Der ers­te Schritt ist, den Bibel­text mehr­fach zu lesen. Dabei lohnt es sich, spon­tan auf­kom­men­de Fra­gen und Gedan­ken sofort fest­zu­hal­ten. Dazu erstel­le ich mir in Logos eine Notiz, die ich mit dem jewei­li­gen Vers ver­knüp­fe. Das geht ganz ein­fach: Rechts­klick auf den Vers und „Neue Notiz“ auswählen.

Logos ver­bin­det die Notiz auto­ma­tisch mit dem aus­ge­wähl­ten Wort oder Satz in der aus­ge­wähl­ten Bibel­über­set­zung. Da ich aber ger­ne ver­schie­de­ne Bibel­über­set­zun­gen par­al­lel lese, lösche ich die­sen Anker und set­ze statt­des­sen einen eige­nen, der nicht an eine bestimm­te Über­set­zung gebun­den ist. Somit erscheint mei­ne Notiz in allen Bibeln, sobald ich den Vers öffne.

Einen Bibel­text zu stu­die­ren kos­tet Zeit – aber es lohnt sich. Alle Ein­sich­ten, die ich im Lau­fe des Stu­di­ums ent­de­cke, hal­te ich in die­ser Notiz fest. So geht nichts ver­lo­ren, und ich habe mei­ne Ent­de­ckun­gen immer griff­be­reit, wenn ich den Vers in Logos aufschlage.

Kei­ne Bibel­über­set­zung ist per­fekt. Dar­um ist es hilf­reich, den Text in ver­schie­de­nen Über­set­zun­gen zu lesen. Mit dem Text­ver­gleich-Werk­zeug geht das in Logos ganz einfach.

Da ich in Logos über 100 Bibeln habe, habe ich mir das Werk­zeug per­so­na­li­siert. So sehe ich nur die Über­set­zun­gen, die mir wirk­lich wich­tig sind. Die­se Anpas­sung dau­ert nur ein paar Minu­ten, bringt aber gro­ßen Nut­zen. Die Ein­stel­lung ist ein­fach: Rechts neben dem Such­feld auf die blau­en Kür­zel der Bibel­über­set­zun­gen kli­cken und die gewünsch­ten Aus­ga­ben auswählen.

Hier fällt schnell auf, dass bestimm­te Wör­ter in den Über­set­zun­gen unter­schied­lich wie­der­ge­ge­ben wer­den. So wird zum Bei­spiel ein Wort ein­mal mit Selbst­be­herr­schung und ein ande­res Mal mit Ent­halt­sam­keit über­setzt. Sol­che Unter­schie­de sind ein Hin­weis dar­auf, dass es sich lohnt, im Urtext genau­er nach­zu­schau­en – oft gibt es näm­lich kein exak­tes deut­sches Äquivalent.

Schritt 2: Der Kontext ist wichtig

Eine her­me­neu­ti­sche Grund­re­gel lau­tet: „Lies nie­mals nur einen Bibel­vers. Lies die Ver­se immer in ihrem Kon­text.“ Wir müs­sen also immer den Kon­text eines Ver­ses stu­die­ren und ernst neh­men. Wor­um geht es in dem Abschnitt vor und nach dem ent­spre­chen­den Vers? Wel­che Bedeu­tung hat der Vers inner­halb des jewei­li­gen Buches?

Hier kommt der Bibel­stel­len-Assis­tent für mich ins Spiel, wel­cher für mich eine der wich­tigs­ten Funk­tio­nen in Logos ist. Auch die­ser Assis­tent lässt sich anpas­sen. Falls also bei Ihnen ein Rei­ter nicht ange­zeigt wird, den ich erwäh­ne, kön­nen Sie ihn ganz ein­fach hin­zu­fü­gen: oben rechts auf „Hin­zu­fü­gen“ kli­cken und den gewünsch­ten Bereich auswählen.

Der Rei­ter „Glie­de­run­gen” kann uns hel­fen, unse­ren Bibel­text im Kon­text des Buches zu verstehen.

Die Glie­de­rung von Koning macht zum Bei­spiel deut­lich, dass es in die­sem Abschnitt dar­um geht, wie die Nach­fol­ge Jesu ganz prak­tisch im Leben Gestalt gewinnt. Die Frucht des Geis­tes dient uns also als Ori­en­tie­rung, wie ein Leben aus­sieht, das unter der Herr­schaft Jesu steht (Koning 2004:64). Außer­dem wird deut­lich, dass der prak­ti­sche Abschnitt bereits am Anfang von Kapi­tel 5 beginnt. Dort fin­det sich eine Auf­lis­tung der Wer­ke des Flei­sches, die als Gegen­satz zur Frucht des Geis­tes zu ver­ste­hen sind.

Eine Sache, die ich an Logos lie­be, ist, dass Logos die Bibel­pro­jekt­vi­de­os in die Soft­ware inte­griert hat. Unter dem Rei­ter „Mul­ti­me­dia“ kön­nen Sie das Bibel­pro­jekt­vi­deo zum Gala­ter­brief schau­en, was einen exzel­len­ten Über­blick über das Buch gibt und hilft, den rele­van­ten Vers in den Kon­text des Buches einzuordnen.

Schritt 3: Den Urtext studieren

Logos ermög­licht es Lai­en, den Urtext genau­er unter die Lupe zu neh­men. Ich nut­ze dafür vier unter­schied­li­che Funk­tio­nen in Logos.

1) Wort für Wort

Der Rei­ter Wort für Wort gibt eine her­vor­ra­gen­de Über­sicht über die grie­chi­schen Wör­ter im Bibel­text und ver­linkt sie zu den Wör­ter­bü­chern in Ihrer Bibliothek.

Wich­tig ist der Hin­weis, dass das grie­chi­sche Wort für „Frucht“ im Sin­gu­lar steht. Dadurch wird deut­lich, dass die Merk­ma­le als Ein­heit zu ver­ste­hen sind. Zusam­men beschrei­ben sie das Leben eines Men­schen, der vom Geist Got­tes gelei­tet wird.

2) Wortstudie

Wenn ich ein Wort genau­er unter­su­chen möch­te, eig­net sich dafür am bes­ten die Wort­stu­die. Im Rei­ter Wort für Wort (oder in jeder Bibel mit Inter­li­ne­ar­über­set­zung) kann ich ein­fach auf das grie­chi­sche Wort kli­cken, um die Wort­stu­die zu öff­nen, und erhal­te dann sofort wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen sowie hilf­rei­che Grafiken.

Die Wort­stu­die zum Begriff „πραΰτης“ (Sanft­mut) macht sicht­bar, wie unter­schied­lich die­ses Wort in der Ein­heits­über­set­zung wie­der­ge­ge­ben wird. Das deu­tet dar­auf hin, dass es meh­re­re Facet­ten hat und ver­schie­de­ne Bedeu­tungs­nu­an­cen in sich vereint.

3) Urtext-Kommentare

Wenn ich her­aus­fin­den möch­te, was Urtext-Exper­ten zu einem bestimm­ten Bibel­ab­schnitt sagen, grei­fe ich auf Kom­men­ta­re zurück, die beson­ders auf den Urtext fokus­siert sind. Die­se habe ich ganz oben in mei­ner Kom­men­tar­lis­te plat­ziert. Beson­ders wert­voll sind für mich die Exege­ti­cal Sum­ma­ries von SIL, die NIGTC-Rei­he und die Hand­bü­cher der United Bible Socie­ty. Die­se drei eng­li­schen Kom­men­tar­rei­hen haben sich als äußerst hilf­rei­che Res­sour­cen erwie­sen, die ich von Her­zen emp­feh­len kann. Wenn Eng­lisch für Sie ein Pro­blem ist, dann hilft Logos, den Text mit KI zu über­set­zen oder zusammenzufassen.

4) Filter

Eine wei­te­re hilf­rei­che Logos-Funk­ti­on sind die visu­el­len Fil­ter. Mit ihnen las­sen sich bestimm­te Merk­ma­le des Urtex­tes farb­lich her­vor­he­ben. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den visu­el­len Fil­tern fin­den Sie HIER.

Schritt 4: Parallelstellen

In die­sem Schritt betrach­ten wir den Bibel­text im grö­ße­ren bibli­schen Zusam­men­hang. Der Rei­ter „Par­al­lel­stel­len“ zeigt die wich­tigs­ten Bibel­stel­len mit ähn­li­cher The­ma­tik an.

Die vie­len ähn­li­chen Lis­ten und Par­al­lel­stel­len zei­gen, dass der Bibel­text kei­ne Aus­nah­me ist, son­dern einen zen­tra­len Gedan­ken des Neu­en Tes­ta­ments wider­spie­gelt, der an ver­schie­de­nen Stel­len immer wie­der unter­schied­lich zum Aus­druck kommt. Gleich­zei­tig wird deut­lich, dass die Lis­te nicht voll­stän­dig ist – Begrif­fe wie Gerech­tig­keit (Eph 5,9) oder Erbar­men (Kol 3,12) könn­ten eben­falls ergänzt werden.

Schritt 5: Kommentare

Die vie­len Bibel­kom­men­ta­re in Logos sind ohne Fra­ge ein Herz­stück von Logos. Ein guter Bibel­kom­men­tar wird von jeman­dem ver­fasst, der das jewei­li­ge bibli­sche Buch inten­siv stu­diert und dabei auch das Wis­sen vie­ler ande­rer Theo­lo­gen ver­ar­bei­tet hat. Er stellt unter­schied­li­che Sicht­wei­sen dar und erklärt die Stär­ken und Schwä­chen der jewei­li­gen Ansät­ze. Sie bie­ten Ein­bli­cke in Spra­che, Kul­tur und Theo­lo­gie der Bibel und hel­fen so, den Text tie­fer zu verstehen.

Im Rei­ter „Kom­men­ta­re“ erschei­nen alle Ihre Bibel­kom­men­ta­re, geord­net nach der Prio­ri­sie­rung, die Sie in der Biblio­thek unter „Prio­ri­sier­te Bücher“ fest­le­gen kön­nen. Es gibt vie­le ver­schie­de­ne Arten von Bibel­kom­men­ta­ren. Mehr Infor­ma­tio­nen dazu kön­nen Sie HIER fin­den. Sie kön­nen Ihre Kom­men­ta­re auch nach Rei­he, Ver­fas­ser, Epo­che, Tra­di­ti­on oder Typ sor­tie­ren lassen.

Der bekann­te Theo­lo­ge James Dunn zeigt, dass die Frucht des Geis­tes eine Art Skiz­ze des Wesens Jesu dar­stellt (Dunn 1993:310). Da Jesus uns durch sein Leben offen­bart, wie Gott ist, soll­ten die Aspek­te der Frucht des Geis­tes eben­falls als Cha­rak­ter­zü­ge Got­tes ver­stan­den werden.

Schritt 6: Der kulturelle und historische Kontext

Die Bibel ent­stand in einem bestimm­ten his­to­ri­schen und kul­tu­rel­len Umfeld, und sie ernst zu neh­men bedeu­tet, ihre Tex­te in die­sem Kon­text zu lesen. Igno­rie­ren wir die­sen Hin­ter­grund und inter­pre­tie­ren die­se anti­ken Tex­te aus einer moder­nen Per­spek­ti­ve, lau­fen wir Gefahr, sie miss­zu­ver­ste­hen. Der Rei­ter „Kul­tu­rel­le Kon­zep­te“ weist auf Aspek­te im Bibel­text hin, die im dama­li­gen kul­tu­rel­len Rah­men ver­stan­den wer­den müssen.

Hier fin­det sich ein wert­vol­ler Hin­weis: Für die Juden war das Gesetz ein zen­tra­ler Bestand­teil ihres Lebens, und sie haben den Begriff ver­mut­lich umfas­sen­der ver­stan­den, als wir es heu­te tun. Beson­ders im Gala­ter­brief spielt das Gesetz eine ent­schei­den­de Rol­le, da Pau­lus dar­in die Fra­ge behan­delt, wel­che Bedeu­tung es im Leben der Nach­fol­ger Jesu hat. Des­halb lohnt es sich, genau zu beden­ken, was sein Ver­weis auf das Gesetz im Zusam­men­hang mit der Frucht des Geis­tes bedeutet.

Schritt 7: Antike Literatur

Im Rei­ter „Anti­ke Lite­ra­tur“ fin­den sich Tex­te der Kir­chen­vä­ter, jüdi­sche Schrif­ten und ande­re anti­ke Wer­ke, die Par­al­le­len zum Bibel­text auf­zei­gen. Oft ent­deckt man dort wert­vol­le Ein­sich­ten, die hel­fen, den Bibel­text im dama­li­gen Kon­text bes­ser zu verstehen.

So zeigt sich zum Bei­spiel im Bar­na­bas­brief, Kapi­tel 2, dass drei der Früch­te – Geduld, Aus­dau­er und Selbst­kon­trol­le – als Eigen­schaf­ten genannt wer­den, die uns hel­fen, gott­ge­fäl­lig zu leben.

Schritt 8: Vertiefende Literatur

Alle Logos-Biblio­the­ken sind voll­ge­packt mit wert­vol­len Büchern. Mei­ne eige­ne Logos-Samm­lung umfasst über 15.000 Wer­ke – viel zu vie­le, um sie alle durch­zu­le­sen und nach Infor­ma­tio­nen zur Frucht des Geis­tes zu durch­su­chen. Zum Glück über­nimmt Logos die­se Arbeit für mich. Immer wenn ich neue Bücher kau­fe, ord­ne ich die wich­tigs­ten in Samm­lun­gen ein, zum Bei­spiel zu The­men wie Her­me­neu­tik, Kir­chen­ge­schich­te, Mis­si­on, Kir­chen­vä­ter, Gebet, Seel­sor­ge oder ein­fach mei­ne Lieblingsbücher.

Im Rei­ter „Samm­lun­gen“ zeigt Logos mir alle Stel­len aus Büchern einer Samm­lung an, in denen der aktu­el­le Bibel­text erwähnt wird. So bekom­me ich schnell einen soli­den Über­blick dar­über, was mei­ne Lieb­lings­au­toren und die wert­volls­ten Wer­ke in mei­ner Biblio­thek zu die­sem Vers sagen. Oft ent­de­cke ich dabei Bücher, die ich längst ver­ges­sen hat­te und die den Text oder ein The­ma erstaun­lich tief beleuch­ten. Immer wie­der stau­ne ich dann über die Schät­ze, die in mei­ner Biblio­thek schlum­mern – man­che habe ich ganz neben­bei mit­er­wor­ben mit einer Logos-Biblio­thek, ohne ihren wah­ren Wert sofort zu erkennen.

In mei­ner Samm­lung „Excel­lent Books“ befin­den sich über 200 Wer­ke. Des­halb habe ich die Ergeb­nis­se „nach Anzahl“ (der Erwäh­nun­gen des Bibel­tex­tes) sor­tiert. Dabei stieß ich auf ein Buch (Zol­tán 2022), das die Frucht des Geis­tes im Licht neu­es­ter psy­cho­lo­gi­scher Erkennt­nis­se unter­sucht. Als ich begann hin­ein­zu­le­sen, habe ich vie­le neue und wert­vol­le Ein­sich­ten gewon­nen. Hier sind eini­ge der Punk­te, die ich aus die­sem Buch mit­ge­nom­men habe:

  1. Die Frucht des Geis­tes soll­te ver­stan­den wer­den als das idea­le Ergeb­nis eines von Gott orches­trier­ten Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­ses, der einen chris­tus­ähn­li­chen Cha­rak­ter im Gläu­bi­gen her­vor­bringt. Die Frucht des Geis­tes skiz­ziert also das Ide­al einer chris­tus­ähn­li­chen Per­sön­lich­keit, nach der Gläu­bi­ge stre­ben und der sie sich so weit wie mög­lich annä­hern soll­ten. (S. X)
  2. In der Anti­ke, wur­de Demut über­haupt nicht als Tugend ange­se­hen, wäh­rend Stolz als ein höchst lobens­wer­ter per­sön­li­cher Wert galt; in der christ­li­chen Tra­di­ti­on war es genau umge­kehrt, bis dahin, dass Stolz tat­säch­lich als die schlimms­te Tod­sün­de ange­se­hen wur­de. (S. 25) Das Leben nach der Frucht des Geis­tes zu model­lie­ren, war eine neue Wei­se, Mensch zu sein. Zuvor hat­te noch nie­mand dar­an gedacht, so zu leben. (S.40)
  3. Als letz­ter Punkt in der Lis­te der Facet­ten der Frucht des Geis­tes nimmt die Selbst­be­herr­schung einen beson­de­ren Platz ein, da die ers­te und die letz­te Posi­ti­on in einer grie­chi­schen Auf­zäh­lung eine beson­de­re Beto­nung impli­ziert. (S.84)

Ein ande­res Zitat, das mir bei der Auf­lis­tung ins Auge gefal­len ist, kam aus der Dog­ma­tik von Wil­fried Här­le. Er argu­men­tiert, dass es nur logisch ist, dass Lie­be der ers­te Aspekt der Frucht des Geis­tes ist, weil Got­tes Wesen selbst Lie­be ist. Des­halb muss unser gan­zes Leben von der Lie­be bestimmt wer­den was unter ande­rem bedeu­tet, dass…

…jeder Geist, der zum Haß oder zur Gleich­gül­tig­keit ande­ren Men­schen gegen­über bewegt, ist jeden­falls nicht der Hei­li­ge Geist, son­dern irgend­ein ungu­ter, wider­gött­li­cher Geist. (Här­le 2022:372)

Schritt 9: Der Jesus-Filter

Die Auf­ga­be der Bibel ist es, auf Jesus zu ver­wei­sen (Joh 5,39). Er ist die Mit­te der Schrift, die Offen­ba­rung, auf die alles ande­re hin­aus­läuft. Des­halb lesen wir die Bibel nur dann rich­tig, wenn wir sie Jesus-zen­triert lesen. Eine mei­ner letz­ten Fra­gen beim Bibel­stu­di­um ist daher immer: Inwie­fern weist das Gelern­te auf Jesus hin? Passt es zu sei­nem Leben und sei­ner Leh­re? Wenn mei­ne Inter­pre­ta­ti­on Jesus wider­spricht, dann bewe­ge ich mich auf gefähr­li­chem Boden und ris­kie­re, den Text falsch aus­zu­le­gen. Des­halb fra­ge ich mich, wie mich das Gele­se­ne kon­kret dar­in unter­stützt, Jesus ähn­li­cher zu werden.

Als Chris­ten wis­sen wir, dass Jesus unser Vor­bild ist und wir danach stre­ben, ihm ähn­li­cher zu wer­den. Oft bleibt jedoch unklar, wie das kon­kret aus­se­hen soll. Die Frucht des Geis­tes zeigt es uns deut­lich: Sie beschreibt, wie ein Leben unter der Herr­schaft Jesu aus­sieht. Je län­ger wir mit ihm unter­wegs sind, des­to mehr soll­te die­se Frucht in unse­rem Leben sicht­bar wer­den. Wenn das nicht geschieht, müs­sen wir uns ehr­lich fra­gen, ob wir wirk­lich auf dem rich­ti­gen Weg sind und Jesus ernst­haft nachfolgen.

Schritt 10: Anwendung

Wir sol­len nicht nur Hörer des Wor­tes sein, son­dern Täter. Des­halb ist es wich­tig, am Ende immer zu über­le­gen, wie sich das Gelern­te kon­kret im eige­nen Leben anwen­den lässt. Dafür nut­ze ich ger­ne den Pre­dig­tedi­tor. Klickt man in der obe­ren Leis­te auf „Assis­tent“, öff­net sich am rech­ten Rand ein Fens­ter. Wählt man dort „Anwen­dun­gen“, kann man sich mit­hil­fe von KI prak­ti­sche Umset­zungs­ideen für den All­tag gene­rie­ren las­sen – und das sogar ange­passt an ver­schie­de­ne Alters­grup­pen (Erwach­se­ne, Jugend­li­che, Kin­der) oder Kon­tex­te wie Schu­le, Arbeit, Gemein­de oder Zuhause.

Ich habe die Fra­ge gestellt: „Wie kann ich in der Frucht des Geis­tes wach­sen?“ Eine Ant­wort, die mir beson­ders gefal­len hat, lautete:

Stell dir vor, du bist am Ende eines lan­gen Arbeits­tags und fühlst dich gereizt von Dis­kus­sio­nen zu Hau­se. Um in der Frucht des Geis­tes zu wach­sen, nimm dir jeden Abend 10 Minu­ten Zeit für stil­le Refle­xi­on und Dank­bar­keit. Erstel­le eine Lis­te von drei Din­gen, die du an dei­ner Fami­lie schätzt, und bete für sie. Die­se Pra­xis wird dir hel­fen, Geduld und Lie­be zu ent­wi­ckeln, bevor Kon­flik­te ent­ste­hen, und lässt dich die Frucht des Geis­tes in dei­ner Fami­lie wirken.

Vie­le Bibel­kom­men­ta­re geben auch Anre­gun­gen für die prak­ti­sche Anwen­dung. Zwei Rei­hen, die ich dafür beson­ders hilf­reich fin­de, sind der NIV Appli­ca­ti­on Com­men­ta­ry und die lebens­na­he Rei­he Das Neue Tes­ta­ment für heu­te von N. T. Wright. Wright erin­nert dar­in dar­an, dass der Gala­ter­brief in eine Situa­ti­on geschrie­ben wur­de, in der es Spal­tun­gen unter Chris­ten gab. Die Frucht des Geis­tes beschreibt daher vor allem, wie wir im Mit­ein­an­der han­deln sol­len – gera­de auch dann, wenn Kon­flik­te in der Gemein­de ent­ste­hen oder Unei­nig­keit über Glau­bens­fra­gen besteht. (Wright 2019:95)

Andere wertvolle Werkzeuge

Logos bie­tet noch vie­le wei­te­re Werk­zeu­ge, die – je nach Bibel­text – hel­fen kön­nen, den Text tie­fer zu ver­ste­hen. Man­che davon waren für die­sen NT-Abschnitt nicht ent­schei­dend, aber ich möch­te trotz­dem eini­ge erwäh­nen, die ich ger­ne nutze.

Gera­de im Alten Tes­ta­ment ist es oft schwie­rig, den Über­blick zu behal­ten, wel­cher Pro­phet zu wel­cher Zeit gewirkt hat. Doch genau das ist wich­tig, um die Bot­schaft im rich­ti­gen his­to­ri­schen Kon­text ein­ord­nen zu kön­nen. Hier erweist sich die Erwei­ter­te Zeit­leis­te von Logos als gro­ße Hil­fe. Sie wer­tet die Tags in den Büchern mei­ner Biblio­thek aus und stellt die Infor­ma­tio­nen visu­ell auf der Zeit­leis­te dar. So kann ich zum Bei­spiel sehen, in wel­cher Zeit der Pro­phet Joel ver­mut­lich gewirkt hat.

Die ver­schie­de­nen Datie­run­gen machen deut­lich, dass sich die Bibel­wis­sen­schaft­ler nicht völ­lig einig sind. Mit einem Klick auf ein Ele­ment in der Zeit­leis­te kann ich jedoch das jewei­li­ge Buch öff­nen und dort mehr dar­über lesen – so kann ich mir eine fun­dier­te eige­ne Mei­nung bilden.

Ein wei­te­res Fea­ture, das ich hilf­reich fin­de, wenn ich über einen Text nach­den­ke, ist der Rei­ter „Logos Ser­mons“ im Bibel­stel­len-Assis­ten­ten. Dort wer­den Pre­dig­ten ande­rer Logos-Nut­zer ange­zeigt, die über den jewei­li­gen Text gehal­ten wur­den. Da wir alle nur stück­wei­se erken­nen, ist es enorm berei­chernd, von­ein­an­der zu ler­nen – und genau das macht Logos mit die­sem hilf­rei­chen Werk­zeug möglich.

Wei­te­re wert­vol­le Werk­zeu­ge, die ich nament­lich nen­nen will, weil sie oft über­se­hen wer­den, sind der Atlas, der Bibel­brow­ser, der Psal­men­ex­plo­rer und die Konkordanz.

Fazit

Die­ser Arti­kel stellt natür­lich kei­ne voll­stän­di­ge Exege­se dar. Ich hof­fe aber, es wird deut­lich, wie man die ver­schie­de­nen Logos-Werk­zeu­ge nut­zen kann, um tie­fer in einen Bibel­text ein­zu­tau­chen und Aspek­te zu ent­de­cken, die sonst viel­leicht über­se­hen wür­den. Die vor­ge­stell­ten Funk­tio­nen sind nur eine klei­ne Aus­wahl der vie­len Mög­lich­kei­ten, die Logos bie­tet. Ich kann jedem nur emp­feh­len, sich Zeit zu neh­men und zu ler­nen, wie man Logos noch effi­zi­en­ter ein­setzt, um dar­aus das Meis­te für das Bibel­stu­di­um her­aus­zu­ho­len. Noch ein letz­ter Tipp: Dabei kön­nen die Web­i­na­re und Lehr­vi­de­os auf dem Logos-You­Tube-Kanal eine gro­ße Hil­fe sein.

Bibliografie

Dunn, James D. G. 1993. The Epist­le to the Gala­ti­ans. Black’s New Tes­ta­ment Com­men­ta­ry (Lon­don: Continuüm).

Koning, Ger de. 2004. Der Brief an die Gala­ter. Eine Erklä­rung spe­zi­ell für dich (Lychen: Daniel).

Här­le, Wil­fried. 2022. Dog­ma­tik, 6. (Ber­lin; Bos­ton: De Gruyter).

Wright, N. T. 2019. Pau­lus für heu­te: Der Gala­ter­brief und der 1. und 2. Thes­sa­lo­ni­cher­brief. (Gies­sen: Brun­nen Ver­lag GmbH).

Zol­tán, Dör­ny­ei. 2022. The Psy­cho­lo­gy of the Fruit of the Spi­rit: The Bibli­cal Por­tra­y­al of the Christ­li­ke Cha­rac­ter and Its Deve­lo­p­ment. (Grand Rapids: Zon­der­van Academic).

Geschrieben von
Manuel Becker

Manuel arbeitet als Gemeindegründer unter einer der 25 größten unerreichten Völkergruppen weltweit. Wenn seine vier Kinder ihn nicht gerade auf Trab halten, liest er gern theologische Bücher oder nutzt Logos, um sich in die Bibel zu vertiefen. Jetzt, wo sein MA-Studium an der Akademie für Weltmission abgeschlossen ist, plant er bald einen PhD in Theologie dranzuhängen. Er ist der Autor des beliebten Kinderbuchs „Der große Sieg“, welches das Evangelium in einer packenden Bildergeschichte für Jung und Alt illustriert.

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Geschrieben von Manuel Becker