Warum der Kontext beim Bibellesen so wichtig ist: Fünf Beispiele aus dem Neuen Testament

Man­che Tex­te im Neu­en Tes­ta­ment wer­den häu­fig miss­ver­stan­den. Nicht, weil sie unklar sind, son­dern weil wir sie ohne ihren ursprüng­li­chen Kon­text lesen. Wer ihre Welt bes­ser ver­steht, ent­deckt oft eine viel tie­fe­re und über­ra­schen­de­re Bedeu­tung. Die­ser Arti­kel stellt fünf Bei­spie­le vor.

Die missglückte Feier

Es war 16 Uhr. Der Tisch war für 15 Kin­der gedeckt. Mei­ne Toch­ter freu­te sich dar­auf, ihren Geburts­tag mit ihren Kin­der­gar­ten­freun­den zu fei­ern. Aber es kam nie­mand. Das Essen wur­de kalt und mei­ne Toch­ter sehr trau­rig. Ich war sau­er, dass sich nie­mand an die Abma­chung gehal­ten hat­te. Erst um 17 Uhr kamen drei Kin­der. Die Fei­er war halb so lang wie geplant, und das meis­te Essen, das mei­ne Frau vor­be­rei­tet hat­te, blieb unbe­rührt. Was war schief­ge­lau­fen? Kultur.

Als deut­scher Mis­sio­nar in Thai­land hat­te ich erwar­tet, dass ein­ge­la­de­ne Gäs­te, die zuge­sagt haben, auch pünkt­lich erschei­nen. Doch weil wir noch neu in Thai­land waren, wuss­ten wir nicht, dass das in Thai­land anders funk­tio­niert. Zu Fei­ern kommt man spä­ter. Und eine Zusa­ge bedeu­tet wenig, wenn sie nicht am Tag selbst noch ein­mal bestä­tigt wird. In mei­nen Augen hat­ten die ande­ren Eltern uns im Stich gelas­sen. In ihren Augen hat­ten sie die Ein­la­dung aus Höf­lich­keit ange­nom­men, sich dann aber ent­schie­den, uns nicht zur Last zu fal­len – und dies indi­rekt signa­li­siert, indem sie ihre Zusa­ge am Tag der Fei­er nicht erneut bestä­tigt hatten.

Wer schon ein­mal im Aus­land gelebt hat, kennt sol­che Miss­ver­ständ­nis­se. Genau das­sel­be Pro­blem begeg­net uns auch beim Bibel­le­sen. Die Bibel wur­de in einer Zeit und Kul­tur geschrie­ben, die sich stark von unse­rer unter­schei­det. Wenn wir die Bibel wirk­lich ernst neh­men und ver­ste­hen wol­len, dür­fen wir sie nicht durch unse­re moder­ne Bril­le lesen, son­dern müs­sen sie in ihrem ursprüng­li­chen Kon­text lesen.

Im letz­ten Arti­kel habe ich sechs Bei­spie­le aus dem Alten Tes­ta­ment gezeigt, die erst im his­to­ri­schen Kon­text ver­ständ­lich wer­den. In die­sem Arti­kel schaue ich fünf Stel­len aus dem Neu­en Tes­ta­ment an, die ihre vol­le Bedeu­tung erst ent­fal­ten, wenn man sie in ihrem kul­tu­rel­len und his­to­ri­schen Kon­text liest. In einem drit­ten Arti­kel wer­de ich ver­schie­de­ne Res­sour­cen emp­feh­len, die dabei hel­fen kön­nen, den his­to­ri­schen Kon­text von Bibel­stel­len bes­ser zu verstehen.

Fünf NT-Texte, die man nur in ihrem Kontext richtig versteht

Matthäus 5,38–41: „Halte auch die andere Wange hin“

Die­se Wor­te Jesu gehö­ren zu den bekann­tes­ten – und viel­leicht am meis­ten miss­ver­stan­de­nen – Aus­sa­gen der Bibel. Ohne ihren his­to­ri­schen Kon­text wir­ken sie wie ein Auf­ruf zur Pas­si­vi­tät: Chris­ten sol­len sich nicht weh­ren, Unrecht ein­fach hin­neh­men und sich sogar noch mehr aus­nut­zen las­sen. „Die ande­re Wan­ge hin­hal­ten“ klingt wie ein Leben als Fuß­mat­te. Kein Wun­der, dass vie­le die­se Wor­te als unrea­lis­tisch oder sogar gefähr­lich emp­fin­den. Doch im kul­tu­rel­len Kon­text ergibt sich ein ganz ande­res Bild.

Wenn jemand in der dama­li­gen Welt auf die rech­te Wan­ge geschla­gen wur­de, geschah das in der Regel mit einem Rück­hand­schlag. Ein sol­cher Schlag dien­te weni­ger dazu, kör­per­lich zu ver­let­zen, son­dern viel­mehr dazu, jeman­den zu demü­ti­gen und sei­nen nied­ri­gen Sta­tus zu zei­gen. So behan­del­te man Men­schen, die als unter­ge­ord­net gal­ten (Wink 2003:14).

Wenn Jesus sagt: „Hal­te auch die ande­re Wan­ge hin“, zeigt er einen neu­en Weg – einen Weg aus der Spi­ra­le von Gewalt und Demü­ti­gung. Wer die ande­re Wan­ge hin­hält, nimmt dem Angrei­fer die Mög­lich­keit, ihn wei­ter zu demü­ti­gen. Ein Rück­hand­schlag war eine Ges­te der Ernied­ri­gung, wäh­rend eine Ohr­fei­ge mit der Vor­der­hand nur unter Gleich­ge­stell­ten üblich war. Der Schla­gen­de wird gezwun­gen, sein Gegen­über wie einen Gleich­ge­stell­ten zu behan­deln – oder die Gewalt ein­zu­stel­len (Wink 2003:16). So wird die Spi­ra­le der Demü­ti­gung durch­bro­chen – ein stil­ler, aber kraft­vol­ler Akt der Würde.

Auch die fol­gen­den Bei­spie­le funk­tio­nie­ren ähnlich:

Wer vor Gericht sogar den Man­tel abgibt, tut etwas Uner­war­te­tes: Er gibt nicht nur das gefor­der­te Klei­dungs­stück her, son­dern auch das letz­te, was ihm bleibt – bis er schließ­lich nackt dasteht. In der dama­li­gen Kul­tur war Nackt­heit jedoch nicht nur für die betrof­fe­ne Per­son beschä­mend, son­dern vor allem für den­je­ni­gen, der sie ver­ur­sacht hat­te (Wink 2003:20). Plötz­lich wird sicht­bar, wie unge­recht das Sys­tem ist: Ein Gläu­bi­ger hat einem Armen so viel genom­men, dass die­ser buch­stäb­lich nichts mehr besitzt. Durch die­se Hand­lung wird die Unge­rech­tig­keit öffent­lich ent­larvt und der Klä­ger bloßgestellt.

Auch das Bei­spiel mit der zwei­ten Mei­le funk­tio­niert ähn­lich. Römi­sche Sol­da­ten durf­ten Zivi­lis­ten zwin­gen, ihr Gepäck eine bestimm­te Stre­cke zu tra­gen – aber nur eine Mei­le. Wenn jemand frei­wil­lig noch eine zwei­te Mei­le geht, bringt er den Sol­da­ten in eine unan­ge­neh­me Lage (Wink 2003:25). Denn die­ser ris­kiert nun selbst Ärger mit sei­nen Vor­ge­setz­ten, weil er die Vor­schrif­ten über­schrei­tet. Der ursprüng­lich Unter­drück­te gewinnt dadurch über­ra­schend die Kon­trol­le über die Situa­ti­on und zwingt den Sol­da­ten, neu zu reagieren.

Jesus ruft also nicht zur Unter­wer­fung auf, son­dern zu einer krea­ti­ven, gewalt­frei­en Form des Wider­stands. Er zeigt einen drit­ten Weg: weder pas­si­ves Erdul­den noch gewalt­sa­me Gegen­wehr, son­dern ein muti­ges Han­deln, das Wür­de bewahrt und Unge­rech­tig­keit ent­larvt. Ohne die­sen Hin­ter­grund klingt der Text welt­fremd. Mit ihm wird deut­lich: Jesu Wor­te sind nicht schwach, son­dern revolutionär.

Matthäus 20,1–16: Der großzügige Weinbergbesitzer

Ohne den kul­tu­rel­len Hin­ter­grund wirkt die­ses Gleich­nis schnell unge­recht. Arbei­ter, die den gan­zen Tag geschuf­tet haben, bekom­men genau­so viel Lohn wie die­je­ni­gen, die nur eine Stun­de gear­bei­tet haben. Für moder­ne Leser scheint das unfair. Soll­te Arbeit nicht nach Leis­tung bezahlt wer­den? Doch der his­to­ri­sche Kon­text ver­än­dert das Bild grundlegend.

Die Tage­löh­ner gehör­ten zur unters­ten Klas­se der Unter­schicht (Keg­ler 2019:358). Ihnen erging es schlech­ter als den Haus­skla­ven. Für die Haus­skla­ven muss­ten die Besit­zer einen hohen Kauf­preis zah­len; des­halb wur­de dar­auf geach­tet, sie nicht zu sehr zu belas­ten, damit sie vie­le Jah­re arbei­ten konn­ten. Aber für die Tage­löh­ner hat sich nie­mand inter­es­siert; des­halb muss­ten sie die här­tes­ten und gefähr­lichs­ten Jobs übernehmen.

Sie haben von der Hand in den Mund gelebt. Die Tage­löh­ner stan­den schon vor Son­nen­auf­gang an öffent­li­chen Plät­zen, wie dem Markt­platz, und war­te­ten dar­auf, dass sie ein­ge­stellt wur­den. Der Druck auf ihnen war groß, denn ob ihre Fami­lie etwas essen konn­te oder hun­gern muss­te, hing davon ab, ob sie Arbeit für den Tag fanden.

Dass der Wein­berg­be­sit­zer immer wie­der zum Markt­platz zurück­kehrt, zeigt sein Erbar­men (Bai­ley 2018). Die­je­ni­gen, die bis zuletzt dort stan­den, waren die Schwächs­ten: älte­re, kran­ke oder schwa­che Arbei­ter, die von nie­man­dem aus­ge­wählt wur­den. Der Besit­zer ver­spricht ein gerech­tes Gehalt – und genau das zahlt er. Doch „gerecht“ bedeu­tet hier nicht, jedem exakt nach Leis­tung zu geben. Es bedeu­tet, dass nie­mand mit lee­ren Hän­den nach Hau­se geht. Jeder bekommt so viel, dass sei­ne Fami­lie an die­sem Abend zu essen hat. Nie­mand muss sich vor sei­ner Fami­lie schä­men, weil er kei­nen Lohn mit­ge­bracht hat.

Auf­fäl­lig ist auch, dass der Besit­zer bewusst zuerst die Letz­ten aus­zahlt. Er hät­te auch zuerst die Arbei­ter aus­zah­len kön­nen, die den gan­zen Tag gear­bei­tet hat­ten, und sie nach Hau­se schi­cken, um einen Auf­ruhr zu ver­mei­den. Er setzt ein Zei­chen: Auch die Über­se­he­nen, die Schwa­chen und die, die kei­ner woll­te, haben in sei­nen Augen den­sel­ben Wert.

Das Gleich­nis stellt unse­re Vor­stel­lung von Gerech­tig­keit radi­kal infra­ge. Got­tes Gerech­tig­keit funk­tio­niert nicht wie eine Waa­ge, die Leis­tung exakt aus­gleicht. Sie sieht den Wert jedes Men­schen, stellt Wür­de wie­der her und durch­bricht unge­rech­te Struk­tu­ren der Armut. Sie zeigt sich im Erbar­men – einem Erbar­men, das die Wür­de jedes Men­schen schützt und beson­ders die im Blick hat, die sonst über­se­hen wer­den. Wer tie­fer ein­stei­gen möch­te, fin­det in die­sem Arti­kel eine aus­führ­li­che­re Betrach­tung des Gleichnisses.

Lukas 14,15–24: Das Gleichnis vom großen Festmahl

Die­ses Gleich­nis greift eine jahr­hun­der­te­al­te Dis­kus­si­on auf. Sie beginnt in Jesa­ja 25,6–9, wo Gott ein gro­ßes Fest für alle Völ­ker ankün­digt. Doch genau die­se uni­ver­sa­le Visi­on war zur Zeit Jesu höchst umstrit­ten. Obwohl Jesa­ja von einem Fest für alle Völ­ker spricht, zei­gen vie­le Tex­te aus die­ser Zeit, dass die­se Wei­te zuneh­mend abge­lehnt wur­de. In der ara­mäi­schen Über­set­zung (Tar­gum) wird Jesa­jas Visi­on sogar so umge­deu­tet, dass die Völ­ker nicht ein­ge­la­den sind, son­dern gerich­tet wer­den (Bai­ley 2018). Auch ande­re jüdi­sche Schrif­ten machen deut­lich: Das Fest soll­te den „Eige­nen“ vor­be­hal­ten blei­ben. Die uni­ver­sel­le Ein­la­dung war für vie­le schwer zu akzeptieren.

Vor die­sem Hin­ter­grund gewinnt Jesu Gleich­nis eine ganz neue Schär­fe. Die ursprüng­lich ein­ge­la­de­nen Gäs­te sagen nicht ein­fach ab – sie belei­di­gen den Gast­ge­ber bewusst (Bai­ley 2018). In einer Ehr­kul­tur war dies ein beson­ders schwe­res Ver­ge­hen. Doch die Reak­ti­on des Gast­ge­bers ist über­ra­schend: Sein Zorn führt nicht zur Ver­gel­tung, son­dern wird zum Aus­gangs­punkt für noch mehr Groß­zü­gig­keit. Er öff­net sein Haus für genau die Men­schen, die sonst kei­nen Platz hat­ten – Arme, Kran­ke und Aus­ge­grenz­te – und schließ­lich für alle draußen.

Damit macht Jesus sei­ne Posi­ti­on unmiss­ver­ständ­lich klar: Das mes­sia­ni­sche Fest ist nicht exklu­siv. Es ist offen für alle. Er stellt sich damit bewusst hin­ter die ursprüng­li­che Visi­on Jesa­jas und gegen die ver­eng­ten Erwar­tun­gen sei­ner Zeit.

Lukas 16,1–9: Der „ungerechte“ Verwalter

Ohne Kon­text wirkt die­ses Gleich­nis irri­tie­rend: Ein Ver­wal­ter betrügt sei­nen Herrn – und wird am Ende noch gelobt. Heißt Jesus hier Unehr­lich­keit gut? Der Schlüs­sel liegt im Kon­text. Das Gleich­nis steht direkt nach dem Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn und greift ähn­li­che The­men auf: Schuld, über­ra­schen­de Wen­dun­gen und vor allem die uner­war­te­te Groß­zü­gig­keit eines Herrn.

Der Ver­wal­ter wird ent­las­sen und weiß, dass sei­ne Zeit abge­lau­fen ist. Recht­lich hat er kei­ne Auto­ri­tät mehr (Bai­ley 2018). Der Ver­wal­ter han­delt schnell: In pri­va­ten Gesprä­chen redu­ziert er die Schul­den und lässt neue Ver­trä­ge schrei­ben – im Namen sei­nes Herrn. Den Schuld­nern ist klar, dass es sich um einen inof­fi­zi­el­len Deal han­delt, von dem bei­de pro­fi­tie­ren. Gleich­zei­tig kön­nen sie öffent­lich behaup­ten, sie hät­ten geglaubt, alles sei vom Herrn auto­ri­siert gewe­sen. So sichert sich der Ver­wal­ter ihre Loya­li­tät – und stellt sei­nen Herrn zugleich als groß­zü­gig und barm­her­zig dar (Bai­ley 2018).

Jetzt steht der Herr vor einer Ent­schei­dung: Ent­we­der for­dert er das vol­le Geld zurück und ver­liert sein Anse­hen in der Gemein­schaft – oder er akzep­tiert den Ver­lust und bestä­tigt das Bild sei­ner Groß­zü­gig­keit. Dass er das Geld nicht zurück­for­dert, zeigt, dass er wirk­lich ein skan­da­lös groß­zü­gi­ger Mann ist. Sei­ne Gna­de zeigt sich auch dar­in, dass er den Ver­wal­ter als Skla­ve hät­te ver­kau­fen kön­nen, um den Scha­den aus­zu­glei­chen, aber das tat er nicht.

Der Ver­wal­ter setzt alles auf eine Kar­te: die Groß­zü­gig­keit sei­nes Herrn. Er ris­kiert alles im Ver­trau­en dar­auf, dass sein Herr wirk­lich barm­her­zig ist. Wie auch im Gleich­nis von den Arbei­tern im Wein­berg geht es hier um die über­ra­schen­de, ja skan­da­lö­se Groß­zü­gig­keit Gottes.

Die Offenbarung: Das Genre ist entscheidend

Die bis­he­ri­gen Bei­spie­le haben gezeigt, wie ein­zel­ne Tex­te erst im Kon­text ver­ständ­lich wer­den. Doch die­ses Prin­zip gilt nicht nur für ein­zel­ne Ver­se, son­dern auch für gan­ze Bücher. Beson­ders deut­lich wird das beim Buch der Offen­ba­rung. Die Offen­ba­rung wur­de an Men­schen in einer kon­kre­ten Situa­ti­on geschrie­ben: an Chris­ten, die unter Ver­fol­gung lit­ten. Wäre das Buch ledig­lich ein Fahr­plan für zukünf­ti­ge Ereig­nis­se gewe­sen, hät­te es für sie nur wenig Bedeu­tung gehabt. Doch wenn man die Offen­ba­rung in ihrem ursprüng­li­chen Kon­text liest, wird deut­lich, wie rele­vant sie für ihre ers­ten Leser war.

In der Kir­chen­ge­schich­te haben sich vier Haupt­an­sät­ze her­aus­ge­bil­det, wie die Offen­ba­rung inter­pre­tiert wer­den kann:

  • Prä­te­ris­tisch: Die meis­ten Ereig­nis­se bezie­hen sich auf die Zeit des ers­ten Jahr­hun­derts und die Situa­ti­on der ers­ten Chris­ten unter römi­scher Herrschaft.
  • His­to­ris­tisch: Die Offen­ba­rung beschreibt sym­bo­lisch den Ver­lauf der gesam­ten Kirchengeschichte.
  • Futu­ris­tisch: Die meis­ten Ereig­nis­se lie­gen noch in der Zukunft und bezie­hen sich auf das Ende der Welt.
  • Idea­lis­tisch (sym­bo­lisch): Die Offen­ba­rung beschreibt zeit­lo­se geist­li­che Rea­li­tä­ten und den fort­wäh­ren­den Kampf zwi­schen Gut und Böse. 

Die­se unter­schied­li­chen Ansät­ze füh­ren zu sehr ver­schie­de­nen Aus­le­gun­gen. Der ent­schei­den­de Punkt ist: Die Offen­ba­rung gehört zur apo­ka­lyp­ti­schen Lite­ra­tur. Die­ses Gen­re arbei­tet mit Bil­dern, Sym­bo­len und dra­ma­ti­schen Visio­nen. Die grund­le­gen­de Funk­ti­on apo­ka­lyp­ti­scher Lite­ra­tur ist klar: Sie soll dem Volk Got­tes Halt geben – beson­ders in Zei­ten von Kri­se und Unter­drü­ckung. Sie kri­ti­siert die Mäch­te, die Unrecht tun, ruft zum Wider­stand auf und schenkt Hoff­nung, indem sie Got­tes end­gül­ti­gen Sieg ver­kün­det (Gor­man 2011). So gele­sen sprach die Offen­ba­rung direkt in die Situa­ti­on ihrer ers­ten Leser hin­ein – und tut es bis heu­te für jede Generation.

Das bedeu­tet: Nur wer die Offen­ba­rung den Regeln ihres Gen­res ent­spre­chend liest, kann ver­ste­hen, was der Autor wirk­lich sagen woll­te. Wenn das Gen­re igno­riert wird, besteht die gro­ße Gefahr, moder­ne Vor­stel­lun­gen in den Text hin­ein­zu­le­sen. Wer tie­fer in die­ses The­ma ein­stei­gen möch­te, fin­det in die­sem aus­führ­li­che­ren Arti­kel mehr Details.

Fazit

Ohne Kon­text kön­nen wir die Bibel schnell miss­ver­ste­hen. Mit Kon­text ent­de­cken wir, wie tief, schön und über­ra­schend ihre Bot­schaft wirk­lich ist.

Empfehlungen

Der kul­tu­rel­le Hin­ter­grund der Bibel erschließt sich oft erst durch sorg­fäl­ti­ge For­schung. Gute Kom­men­ta­re kön­nen dabei eine gro­ße Hil­fe sein. Logos bie­tet eine brei­te Aus­wahl an Wer­ken, die hel­fen, die Welt des Neu­en Tes­ta­ments bes­ser zu ver­ste­hen. Hier ein paar Empfehlungen.

Jesus war kein Europäer

Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel

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Das Neue Testament und seine Welt: Eine realgeschichtliche Einführung

Bibliografie

Geschrieben von
Manuel Becker

Manuel arbeitet als Gemeindegründer unter einer der 25 größten unerreichten Völkergruppen weltweit. Wenn seine vier Kinder ihn nicht gerade auf Trab halten, liest er gern theologische Bücher oder nutzt Logos, um sich in die Bibel zu vertiefen. 2026 plant er, seinen PhD in Theologie zu beginnen. Im Bibel-Podcast „Jesus im Chaos“ taucht er tief in die Bibel ein, um Antworten zu finden, wie man Jesus mitten im Chaos des Lebens nachfolgen kann. Er ist der Autor des beliebten Kinderbuchs „Der große Sieg“, welches das Evangelium in einer packenden Bildergeschichte für Jung und Alt illustriert.

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Geschrieben von Manuel Becker