Rezension: „Willkommen daheim“-Bibel

Was kann die „Will­kom­men daheim“-Bibel – und wo lie­gen ihre Gren­zen? Die­se Rezen­si­on gibt Antworten.

Brauchen wir überhaupt noch eine neue Bibel?

Die­se Fra­ge stellt sich unwei­ger­lich, wenn eine neue Aus­ga­be erscheint. Im Deut­schen steht uns bereits eine beein­dru­cken­de Viel­falt an Bibeln zur Ver­fü­gung: streng am Urtext ori­en­tier­te Fas­sun­gen, Stu­di­en­bi­beln mit aller­hand hilf­rei­chen Kom­men­ta­ren, dyna­misch über­setz­te Bibeln bis hin zu sehr frei for­mu­lier­ten Über­tra­gun­gen. War­um also noch eine? Die Fra­ge ist berechtigt.

Die „Will­kom­men daheim“-Bibel beant­wor­tet die­se Fra­ge bereits in ihrer Ein­füh­rung. Dort ver­weist Fred Ritz­haupt, der Über­set­zer die­ses Pro­jekts, auf die Kunst. Es gibt unzäh­li­ge Gemäl­de, die die­sel­ben bibli­schen Sze­nen dar­stel­len. Aber trotz­dem ist jedes ein­zig­ar­tig, weil jedes ein eige­nes Pro­fil hat. Genau­so hat die­se Über­tra­gung ein ein­zig­ar­ti­ges Pro­fil und unter­schei­det sich somit von ande­ren Bibelausgaben.

Was ist die „Willkommen daheim“-Bibel?

Die „Will­kom­men daheim“-Bibel ist kei­ne voll­stän­di­ge Bibel, son­dern eine Über­tra­gung des Neu­en Tes­ta­ments. Sie wur­de direkt aus dem grie­chi­schen Urtext (Nest­le) erar­bei­tet und ver­steht sich aus­drück­lich nicht als klas­si­sche Bibel­über­set­zung, son­dern als ver­ständ­lich for­mu­lier­te Über­tra­gung. Die­ser Unter­schied ist wich­tig: Wäh­rend eine Über­set­zung mög­lichst nah am Wort­laut des Urtex­tes blei­ben will, arbei­tet eine Über­tra­gung frei­er, erklä­ren­der und dynamischer.

Ver­ant­wort­lich für das Pro­jekt ist Fred Ritz­haupt. Er wur­de 1944 in See­feld in Tirol gebo­ren, war zunächst Jesu­it, kon­ver­tier­te spä­ter zum Pro­tes­tan­tis­mus, wur­de Pas­tor einer Frei­en evan­ge­li­schen Gemein­de und ist als Autor tätig. Zehn Jah­re hat er an die­ser Über­tra­gung gear­bei­tet. Ver­trie­ben wird sie von Gerth Medien.

Ritz­haupt beschreibt sein Über­set­zungs­prin­zip als einen Spa­gat: Er woll­te eine Fas­sung schaf­fen, die am Urtext ori­en­tiert ist und zugleich von Men­schen ohne jede christ­li­che Vor­bil­dung ver­stan­den wer­den kann. Die Über­tra­gung soll sich wie ein nor­ma­les Buch lesen las­sen. An man­chen Stel­len ergänzt er daher erklä­ren­de Wör­ter oder kur­ze Zusät­ze, meist in Klam­mern, um Zusam­men­hän­ge deut­li­cher zu machen. An ande­ren Stel­len bleibt er bewusst nah am grie­chi­schen Wort­laut. Es han­delt sich also nicht um eine durch­gän­gig freie Para­phra­se, son­dern um ein fle­xi­bles Vor­ge­hen, das je nach Text­stel­le vari­iert – stets mit dem Ziel, für jeden ver­ständ­lich zu sein.

Die Ziel­grup­pe ist ent­spre­chend breit gedacht. Ritz­haupt hat­te nach eige­ner Aus­sa­ge von Anfang an Super­märk­te vor Augen. Men­schen die beim Ein­kau­fen spon­tan ein Neu­es Tes­ta­ment mit­neh­men (Inter­view mit Ritz­haupt). Die­se Men­schen sol­len beim Lesen nicht an reli­giö­sen Fach­be­grif­fen oder kom­pli­zier­ten Satz­kon­struk­tio­nen scheitern.

Was ist die theologische Prägung der „Willkommen daheim“-Bibel?

Sprach­lich setzt die Über­tra­gung auf moder­ne, gut les­ba­re For­mu­lie­run­gen. Theo­lo­gisch steht sie unter einem klar benann­ten Leit­mo­tiv. In der Ein­füh­rung heißt es:

Zum ande­ren wur­den alle neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­te unter einem beson­de­ren Aspekt über­tra­gen, näm­lich dem völ­lig neu­en Ver­hält­nis zu Gott, unse­rem Vater, das Jesus uns durch sei­ne Leh­re, sein Leben und Ster­ben eröff­net hat und das in dem klei­nen ara­mäi­schen Wört­chen „Abba“ („Vati“, „Papa“ o. Ä.) sei­nen gera­de­zu revo­lu­tio­nä­ren Aus­druck fin­det. Wer die­ses Ver­hält­nis zu Gott für sich ent­deckt, ist ange­kom­men, end­lich „daheim“. (Sei­te 8)

Der Text wird also bewusst aus der Per­spek­ti­ve die­ser neu eröff­ne­ten Got­tes­be­zie­hung gele­sen und for­mu­liert. Im Ver­gleich zu bekann­ten deut­schen Bibel­aus­ga­ben lässt sich die „Will­kom­men daheim“-Bibel nicht im Bereich streng text­na­her Über­set­zun­gen wie Schlach­ter, Elber­fel­der oder Luther ver­or­ten. Sie steht eher zwi­schen ver­ständ­nis­ori­en­tier­ten Fas­sun­gen wie der Guten Nach­richt oder der Hoff­nung für Alle auf der einen Sei­te und sehr frei­en Pro­jek­ten wie der Volx­bi­bel auf der anderen.

Dabei bleibt sie deut­lich mode­ra­ter als die Volx­bi­bel, ver­mei­det extre­me Umgangs­spra­che und grel­le Aktua­li­sie­run­gen, bewegt sich aber spür­bar frei­er als klas­si­sche Übersetzungen.

Die „Willkommen daheim“-Bibel im Vergleich mit der Elberfelder 2006

Matthäus 5,3

Glück­se­lig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Him­mel. (ELB)

Ihr seid geseg­net, wenn ihr wisst, dass ihr wie Bett­ler vor Gott steht. Es ist das sichers­te Zei­chen, dass ihr unter sei­ner Herr­schaft lebt. (WD)

Die For­mu­lie­rung „arm im Geist“ lässt Raum für unter­schied­li­che Deu­tun­gen. Die „Will­kom­men daheim“-Übertragung ent­schei­det sich klar für eine kon­kre­te Aus­le­gung. Dies redu­ziert die inter­pre­ta­ti­ve Viel­falt des Ori­gi­nals auf eine bestimm­te Lesart.

Matthäus 25,45–46

Dann wird er ihnen ant­wor­ten und sagen: Wahr­lich, ich sage euch, was ihr einem die­ser Gerings­ten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan. Und die­se wer­den hin­ge­hen zur ewi­gen Stra­fe, die Gerech­ten aber in das ewi­ge Leben. (ELB)

Er wird ihnen ant­wor­ten: ‚Ich sage euch die gan­ze Wahr­heit: Wann immer ihr Men­schen über­gan­gen habt oder der Ansicht wart, dass sie eure Hil­fe nicht ver­die­nen, seid ihr direkt an mir schul­dig gewor­den.‘ In die­sem Augen­blick wer­den die­se Men­schen auf ewig von mir getrennt. Alle ande­ren aber wer­den von da an ewig mit mir leben.“ (WD)

Die „Will­kom­men daheim“-Übertragung legt den Text deut­lich aus, wenn sie ergänzt: „oder der Ansicht wart, dass sie eure Hil­fe nicht ver­die­nen.“ Die­se inne­re Hal­tung steht so nicht im Text. Durch die Ergän­zung wird der Schwer­punkt vom Han­deln auf eine bestimm­te Moti­va­ti­on verlagert.

Auch die For­mu­lie­rung „In die­sem Augen­blick wer­den die­se Men­schen auf ewig von mir getrennt“ ist theo­lo­gisch hei­kel. Sie kann den Ein­druck erwe­cken, ein ein­zel­nes Ver­sa­gen füh­re unmit­tel­bar und end­gül­tig zur ewi­gen Tren­nung von Gott. Der Text selbst for­mu­liert das Gericht zwar ernst, aber nicht in die­ser zuge­spitz­ten, moment­haf­ten Logik. Hier zeigt sich, wie erklä­ren­de Zusät­ze unbe­ab­sich­tigt pro­ble­ma­ti­sche Vor­stel­lun­gen nahe­le­gen können.

Markus 1,15

Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Got­tes ist nahe gekom­men. Tut Buße und glaubt an das Evan­ge­li­um! (ELB)

Die Zeit ist da! Got­tes Herr­schaft ist mit­ten unter euch. Ändert euer Den­ken, und ver­traut auf das, was ich euch sage.“ (WD)

Die Elber­fel­der bewahrt mit „Reich Got­tes“, „Tut Buße“ und „Evan­ge­li­um“ die theo­lo­gisch rei­chen Schlüs­sel­be­grif­fe des Tex­tes. Die „Will­kom­men daheim“-Übertragung macht sie ver­ständ­lich, indem sie sie kon­kret aus­legt: Aus dem „Reich Got­tes“ wird „Got­tes Herr­schaft“, aus „Tut Buße“ ein „Ändert euer Den­ken“. Gera­de hier zeigt sich jedoch eine deut­li­che Inter­pre­ta­ti­on. Der umfas­sen­de bibli­sche Begriff der Buße wird stark auf eine inne­re Denk­än­de­rung redu­ziert. Auch die Wie­der­ga­be von „glaubt an das Evan­ge­li­um“ mit „ver­traut auf das, was ich euch sage“ ist eine begren­zen­de Auslegung.

Römer 3,25–26

Ihn hat Gott hin­ge­stellt als einen Süh­ne­ort durch den Glau­ben an sein Blut zum Erweis sei­ner Gerech­tig­keit wegen des Hin­ge­hen­las­sens der vor­her gesche­he­nen Sün­den unter der Nach­sicht Got­tes; zum Erweis sei­ner Gerech­tig­keit in der jet­zi­gen Zeit, dass er gerecht ist und den recht­fer­tigt, der des Glau­bens an Jesus ist. (ELB)

Denn ihn hat er das tref­fen las­sen, was wir eigent­lich ver­dient hät­ten: die Stra­fe für unse­re Schuld. Nur weil Jesus für uns sein Blut ver­gos­sen hat, konn­te Gott unse­re Schuld unge­straft las­sen. Dar­in zeigt sich sei­ne gött­li­che Gerech­tig­keit, aber auch sei­ne Hei­lig­keit. (WD)

Die Elber­fel­der bewahrt mit Begrif­fen wie „Süh­ne­ort“ und „Gerech­tig­keit“ die theo­lo­gi­sche Dich­te und Mehr­deu­tig­keit des pau­li­ni­schen Tex­tes. Die „Will­kom­men daheim“-Übertragung for­mu­liert dage­gen deut­lich: Jesus trifft „die Stra­fe für unse­re Schuld“. Damit wird eine klar stell­ver­tre­tend-straf­be­zo­ge­ne Kreu­zes­deu­tung stark betont – eine Inter­pre­ta­ti­on, die im grie­chi­schen Text mög­lich ist, aber nicht zwin­gend so eng geführt wer­den muss. Die argu­men­ta­ti­ve Kom­ple­xi­tät von Römer 3 weicht hier einer ein­deu­ti­gen theo­lo­gi­schen Zuspitzung.

2. Korinther 5

Wenn jemand zu Chris­tus gehört (also ihn als sei­nen Herrn und Erlö­ser ange­nom­men hat), dann ist er eine neue Schöp­fung. (WD)

Die „Will­kom­men daheim“-Übertragung ergänzt hier in Klam­mern eine Erklä­rung: „also ihn als sei­nen Herrn und Erlö­ser ange­nom­men hat“. Damit wird eine klar evan­ge­li­ka­le Sicht­wei­se ein­ge­führt, die den pau­li­ni­schen Aus­druck deu­tet. Die Ergän­zung schafft Ver­ständ­lich­keit, redu­ziert jedoch die Brei­te des Begriffs „in Chris­tus“ auf eine bestimm­te theo­lo­gi­sche Lesart.

Galater 5,19–21

Offen­bar aber sind die Wer­ke des Flei­sches; es sind: Unzucht, Unrein­heit, Aus­schwei­fung, Göt­zen­dienst, Zau­be­rei, Feind­schaf­ten, Streit, Eifer­sucht, Zorn­aus­brü­che, Selbst­süch­te­lei­en, Zwis­tig­kei­ten, Par­tei­un­gen, Nei­de­rei­en, Trink­ge­la­ge, Völ­le­rei­en und der­glei­chen. (EB)

Im Gegen­teil: Sei­ne reli­giö­se Ich­be­zo­gen­heit führt oft zu schlim­men Aus­fall­erschei­nun­gen: schäd­li­ches, zügel­lo­ses oder sogar per­ver­ses sexu­el­les Ver­hal­ten, Inter­es­se an magi­schen und okkul­ten Din­gen, gestör­te Bezie­hungs­fä­hig­keit, die sich in Feind­schaf­ten, Streit, Eifer­sucht und Zorn­aus­brü­chen zei­gen kann, aber auch in einer über­trie­be­nen Selbst­sucht, die in jeder Grup­pie­rung zu Neid, Zwis­tig­kei­ten und Spal­tun­gen führt. Men­schen, die sich vor Gott behaup­ten wol­len, müs­sen oft ihren Man­gel an Freu­de durch Maß­lo­sig­keit wett­ma­chen, egal, auf wel­chem Gebiet, häu­fig aber beim Essen und Trin­ken. (WD)

Ich den­ke, hier zeigt sich die Stär­ke der Über­tra­gung. Statt eine Lis­te tra­di­tio­nel­ler Begrif­fe wie „Aus­schwei­fung“ oder „Völ­le­rei“ ein­fach ste­hen zu las­sen, ent­fal­tet der Text die ein­zel­nen Punk­te in heu­ti­ger Spra­che. Begrif­fe, die in klas­si­schen Über­set­zun­gen leicht abs­trakt oder mora­lisch-distan­zie­rend wir­ken, wer­den kon­kret und greifbar.

Kolosser 1,15

Er ist das Bild des unsicht­ba­ren Got­tes. (ELB)

Wenn wir Jesus anschau­en, wis­sen wir, wie Gott ist, den wir mit unse­ren Augen nicht sehen kön­nen. (WD)

Die Elber­fel­der for­mu­liert knapp und theo­lo­gisch ver­dich­tet: Chris­tus ist „das Bild des unsicht­ba­ren Got­tes“. Die „Will­kom­men daheim“-Übertragung ent­fal­tet die­se dich­te Aus­sa­ge und macht ihren Sinn ein­fach ver­ständ­lich. Ich hal­te das für ein gelun­ge­nes Bei­spiel dafür, wie die Über­tra­gung theo­lo­gisch dich­te Aus­sa­gen ver­ständ­lich erschließt.

Jede Übertragung ist Auslegung

Die Bei­spie­le ver­deut­li­chen, dass das zen­tra­le Anlie­gen der „Will­kom­men daheim“-Bibel dar­in besteht, den bibli­schen Text mög­lichst ein­fach und unmit­tel­bar ver­ständ­lich zu machen. Das ist ein legi­ti­mes Ziel. Aber Ver­ständ­lich­keit ent­steht an vie­len Stel­len nur dann, wenn man inter­pre­tiert. Mehr­deu­ti­ge Begrif­fe müs­sen kon­kre­ti­siert, dich­te For­mu­lie­run­gen auf­ge­schlüs­selt und kul­tu­rel­le Hin­ter­grün­de impli­zit mit­ge­lie­fert wer­den. Genau das geschieht hier.

Das ist weder unge­wöhn­lich noch pro­ble­ma­tisch. In gewis­sem Maß inter­pre­tiert jede Bibel­über­set­zung. Spra­che zwingt zu Ent­schei­dun­gen. Vie­les lässt sich nicht ein­fach über­set­zen ohne jeg­li­che Inter­pre­ta­ti­on. Wich­tig ist jedoch, als Leser sich bewusst zu sein, dass bestimm­te Span­nun­gen oder Mehr­deu­tig­kei­ten bereits zuguns­ten einer Deu­tung auf­ge­löst wur­den. Die „Will­kom­men daheim“-Bibel eig­net sich daher beson­ders gut als ver­ständ­li­che Lese- und Ein­stiegs­bi­bel. Für eine detail­lier­te Exege­se oder ein tie­fer­ge­hen­des Bibel­stu­di­um muss man auf text­na­he Über­set­zun­gen zurückgreifen.

Fazit

Stärken der „Willkommen daheim“-Bibel

Die größ­te Stär­ke der „Will­kom­men daheim“-Übertragung liegt in ihrer kon­se­quen­ten Ver­ständ­lich­keit. Der Text liest sich flüs­sig, klar und zugäng­lich. Kom­ple­xe theo­lo­gi­sche Über­le­gun­gen wer­den so for­mu­liert, dass auch Lese­rin­nen und Leser ohne kirch­li­chen Hin­ter­grund den Gedan­ken­gang nach­voll­zie­hen kön­nen. Dadurch ent­steht eine bemer­kens­wer­te Nied­rig­schwel­lig­keit. Man stol­pert sel­ten über frem­de For­mu­lie­run­gen oder alter­tüm­li­che Wen­dun­gen. Statt­des­sen wirkt das Neue Tes­ta­ment wie ein zusam­men­hän­gen­des Buch, das zum Wei­ter­le­sen einlädt.

Für neue Bibel­le­ser kann die­se Über­tra­gung eine wert­vol­le Hil­fe sein. Zugleich besitzt sie auch für lang­jäh­ri­ge Bibel­le­ser einen eige­nen Reiz. Manch­mal sind wir so ver­traut mit den übli­chen For­mu­lie­run­gen in unse­ren Bibeln, dass wir wegen ihrer Ver­traut­heit gar nicht rich­tig über Aus­sa­gen nach­den­ken. Gera­de hier kann eine anders for­mu­lier­te Fas­sung über­ra­schend wir­ken. Beim Lesen habe ich mich mehr­fach dabei ertappt, wie mir alt­be­kann­te Stel­len neu ins Herz gespro­chen haben – nicht weil der Inhalt anders war, son­dern weil die unge­wohn­te Spra­che mei­ne Auf­merk­sam­keit neu geweckt hat. Das emp­fand ich als erfrischend.

In die­sem Sin­ne wird die Über­tra­gung ihrem Unter­ti­tel „Eine Über­tra­gung des Neu­en Tes­ta­ments, die den Ver­stand über­rascht und das Herz berührt“ gerecht. Sie will ver­ständ­lich sein und zugleich inner­lich bewe­gen. Bei­des gelingt ihr in bemer­kens­wer­ter Wei­se – und genau dar­in liegt ihre beson­de­re Stärke.

Schwächen der „Willkommen daheim“-Bibel

Die größ­te Gefahr besteht dar­in, dass Lese­rin­nen und Leser nicht wahr­neh­men, dass es sich um eine Über­tra­gung han­delt. Wenn die „Will­kom­men daheim“-Bibel wie eine klas­si­sche Über­set­zung gele­sen wird, wer­den Deu­tun­gen mög­li­cher­wei­se als Wort­laut des Urtex­tes miss­ver­stan­den. Für eine detail­lier­te Exege­se oder ein wis­sen­schaft­li­ches Stu­di­um ist sie nicht geeignet.

Auf for­ma­ler Ebe­ne habe ich die klas­si­sche Ver­sein­tei­lung ver­misst. Zwar lässt sich das Neue Tes­ta­ment dadurch flüs­si­ger wie ein zusam­men­hän­gen­des Buch lesen, doch erschwert es die Ori­en­tie­rung und den Ver­gleich mit ande­ren Bibel­aus­ga­ben. Aber das ist sicher­lich Geschmacks­sa­che. Man­che wer­den gera­de die fort­lau­fen­de Lese­struk­tur als Gewinn empfinden.

Eine wei­te­re Beson­der­heit sind grau unter­leg­te Pas­sa­gen, die laut Ein­füh­rung „für das Neue Tes­ta­ment beson­ders cha­rak­te­ris­ti­sche Stel­len“ mar­kie­ren. Die Aus­wahl wirk­te jedoch stel­len­wei­se etwas will­kür­lich. Per­sön­lich hät­te ich es bevor­zugt, ganz auf sol­che Her­vor­he­bun­gen zu ver­zich­ten – oder sie zumin­dest optio­nal nutz­bar zu machen, etwa als ein- und aus­blend­ba­rer Logos-Filter.

Die­se Punk­te min­dern nicht grund­sätz­lich den Wert der Über­tra­gung. Sie zei­gen jedoch, dass sie bewusst einen bestimm­ten Weg geht – mit kla­rer Ziel­set­zung, aber auch mit ent­spre­chen­den Grenzen.

Für wen ist diese Bibel besonders geeignet?

Die „Will­kom­men daheim“-Bibel eig­net sich vor­ran­gig für neue Chris­tin­nen und Chris­ten, die einen ers­ten Zugang zum Neu­en Tes­ta­ment suchen. Wich­tig ist jedoch, von Anfang an trans­pa­rent zu machen, dass es sich um eine Über­tra­gung han­delt. Auch für Men­schen ohne kirch­li­chen Hin­ter­grund kann die­se Fas­sung ein nied­rig­schwel­li­ger Ein­stieg sein. Gera­de als Geschenk bie­tet sie sich an. Wei­ter­hin kann die Über­tra­gung im Haus­kreis oder für Andach­ten hilf­reich sein, um bekann­ten Tex­ten eine fri­sche Pri­se zu verleihen.

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Manuel Becker

Manuel arbeitet als Gemeindegründer unter einer der 25 größten unerreichten Völkergruppen weltweit. Wenn seine vier Kinder ihn nicht gerade auf Trab halten, liest er gern theologische Bücher oder nutzt Logos, um sich in die Bibel zu vertiefen. Jetzt, wo sein MA-Studium an der Akademie für Weltmission abgeschlossen ist, plant er bald einen PhD in Theologie dranzuhängen. Er ist der Autor des beliebten Kinderbuchs „Der große Sieg“, welches das Evangelium in einer packenden Bildergeschichte für Jung und Alt illustriert.

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Geschrieben von Manuel Becker