Bibelkommentar: Zondervan Exegetical Commentary on the New Testament (ZECNT)

Von Jakob Haddick


Noch ein Kommentar?

Wir leben in einer Zeit, in der es eine schier uner­mess­lich gro­ße Anzahl von Res­sour­cen gibt, die uns hel­fen wol­len, die Bibel bes­ser zu ver­ste­hen. Jedes Jahr erschei­nen etli­che neue Bibelkommentare. 

Kom­men­ta­re haben aber ganz unter­schied­li­che Ziel­grup­pen im Blick. Man­che rich­ten sich an Theo­lo­gen oder Theo­lo­gie­stu­den­ten, ande­re an Pas­to­ren, wie­der ande­re an Lai­en. Eini­ge set­zen die Kennt­nis der Grund­spra­chen vor­aus. Ande­re sind sehr anwen­dungs­be­zo­gen geschrie­ben oder haben den Anspruch, den Leser geist­lich her­aus­zu­for­dern. Des­halb ist es beson­ders wich­tig, das rich­ti­ge Werk­zeug für sei­ne Zwe­cke zu finden.

In den fol­gen­den Wochen möch­te ich vier mei­ner per­sön­li­chen Favo­ri­ten unter den Kom­men­tar­rei­hen vor­stel­len, die­je­ni­gen, die ich per­sön­lich am häu­figs­ten ver­wen­de. Zwei der Rei­hen sind auf das Neue Tes­ta­ment beschränkt und bei drei­en sind noch nicht alle Bän­de ver­füg­bar. Alle haben aber gemein­sam, dass sie ihre Bän­de unter Logos ver­füg­bar sind. In die­sem ers­ten Bei­trag möch­te ich die Rei­he Zon­der­van Exege­ti­cal Com­men­ta­ry of the New Tes­ta­ment (ZECNT) vorstellen.

Die Herausgeber und Autoren der Kommentarreihe

Zondervan Exegetical Commentary on the New Testament (ZECNT)
Zon­der­van Exege­ti­cal Com­men­ta­ry on the New Tes­ta­ment (ZECNT)

Der Her­aus­ge­ber der ZECNT-Rei­he ist Clin­ton Arnold, seit 2012 Dekan und Pro­fes­sor für Neu­es Tes­ta­ment an der Tal­bot School of Theo­lo­gy in Kali­for­ni­en, die zur Bio­la Uni­ver­si­ty gehört. Arnold ist selbst Autor des Kom­men­tars zum Ephe­ser­brief. Mit dem Kom­men­tar zum Jako­bus­brief von Craig Blom­berg und Miri­am Kamell erschien 2008 der ers­te Band der Rei­he. Die Autoren gehö­ren unter­schied­li­chen Deno­mi­na­tio­nen an, stam­men aber alle aus dem kon­ser­va­tiv evan­ge­li­ka­len Lager. Dar­un­ter sind bekann­te Namen wie Grant Osbor­ne, Mark Strauss, Eck­hardt Schna­bel oder Tho­mas Schrei­ner. Mitt­ler­wei­le sind 12 Bän­de ver­füg­bar, 11 davon bereits bei Logos. Ledig­lich der Kom­men­tar zu dem 1. Korin­ther­brief (2018) ist noch nicht bei Logos erhält­lich. Ziel­grup­pe der Rei­he sind Pas­to­ren und Bibellehrer.

Der Aufbau der Kommentare

Jeder Kom­men­tar beginnt wie üblich mit den Ein­lei­tungs­fra­gen zum kom­men­tier­ten Buch. Hier schreibt der Kom­men­ta­tor über die Hin­ter­grün­de des Buches, aber auch über die Haupt­bot­schaft des Buches. Das Kern­stück der Kom­men­ta­re ist dann die exege­ti­sche Betrach­tung der ein­zel­nen Sinn­ab­schnit­te. Schritt für Schritt wird dabei auf­ge­zeigt, wel­che Rol­le ein Sinn­ab­schnitt dabei hat, die Haupt­bot­schaft des Buches zu ver­mit­teln. Die­se Exege­ti­sche Betrach­tung erfolgt in sie­ben Teilen.

  1. Litera­ry Con­text: Hier wird auf­ge­zeigt, wel­che Bedeu­tung der Sinn­ab­schnitt in Bezug auf die Bot­schaft des gan­zen Buches hat.
  2. Main Idea: Der Haupt­ge­dan­ke des Abschnitts wird prä­gnant in weni­gen Sät­zen dargelegt.
  3. Trans­la­ti­on and Gra­phi­cal Lay­out: Auf Grund­la­ge der Über­set­zung des Autors wird der Bibel­text, in der Form eines geglie­der­ten Dia­gramms, wie­der­ge­ge­ben. Die Funk­ti­on der ein­zel­nen Satz­tei­le wird mit Hil­fe von Schlüs­sel­wör­tern aufgezeigt.
  4. Struc­tu­re: Es wird per Dis­kurs­ana­ly­se gezeigt, wie der Schrei­ber sei­ne Gedan­ken in dem vor­lie­gen­den Abschnitt entwickelt.
  5. Exege­ti­cal Out­line: Die Glie­de­rung des Tex­tes wird hier prä­gnant dargelegt.
  6. Explana­ti­on of the Text: Der Text wird auf Grund­la­ge des grie­chi­schen Grund­tex­tes, Vers für Vers, aus­ge­legt. Die Aus­le­gung geht durch­aus in die Tie­fe und es wer­den unter­schied­li­che Posi­tio­nen zahl­rei­cher ande­rer Kom­men­ta­to­ren dis­ku­tiert. Trotz­dem wird auf Ver­ständ­lich­keit geach­tet. Grie­chi­sche Wör­ter wer­den bei­spiels­wei­se direkt mit ihrer eng­li­schen Über­set­zung wiedergegeben.
  7. Theo­lo­gy in App­li­ca­ti­on: Es wird auf­ge­zeigt, wel­che theo­lo­gi­schen The­men der Abschnitt auf­greift und es wird ange­deu­tet, was der Text der Gemein­de heu­te zu sagen hat.

Jeder Kom­men­tar schließt mit einer Dar­stel­lung der gro­ßen theo­lo­gi­schen The­men eines Buches und die­se im bibli­schen Buch ent­wi­ckelt werden.

Was mich an diesen Bibelkommentaren fasziniert

Die Übersichtlichkeit

Bei der ZECNT-Rei­he fällt mir zual­ler­erst ein Schlag­wort ein. Sie ist enorm leser­freund­lich. Durch den kla­ren Auf­bau fin­det man sich schnell zurecht, wenn man eine neue Sei­te auf­schlägt. Das Schrift­bild ist ange­nehm und über­sicht­lich. Hier ein Bei­spiel aus Schrei­ners Kom­men­tar zu Gal 3,26–29:

Zondervan Exegetical Commentary on the New Testament (ZECNT)

Die exegetische Tiefe

Basis für die Aus­le­gung ist der grie­chi­sche Grund­text. Wer sich etwas mit grie­chi­scher Gram­ma­tik beschäf­tigt hat, kann die Dis­kus­sio­nen natür­lich bes­ser nach­voll­zie­hen. Zumin­dest ein Inter­es­se an der Grund­spra­che soll­te man mit­brin­gen, um die Rei­he gut nut­zen zu kön­nen. Hier bei­spiel­haft Schrei­ners Kom­men­tar zu Gal 3,26:


In den Fuß­no­ten, die oben nicht mit dar­ge­stellt sind, nimmt Schrei­ner außer­dem, allein bei die­sem Vers, Bezug auf neun Kom­men­ta­to­ren: Betz, Fung, Light­foot, Lon­gen­ecker, Mar­tyn, Luther, Bruce, Han­sen und Fee.

Wertvolle Diagramme

Kom­men­ta­re soll­te man immer mit einer geöff­ne­ten Bibel lesen. Logos bie­tet her­vor­ra­gen­de Mög­lich­kei­ten, den Bibel­text par­al­lel zu betrach­ten. Die Text­schau­bil­der der ZECNT-Rei­he eig­nen sich aller­dings bes­ser als jede Bibel­über­set­zung, um den Gedan­ken des bibli­schen Autors bzw. des Kom­men­ta­tors zu fol­gen. Die Art der Dar­stel­lung ähnelt der prä­po­si­tio­na­len Glie­de­rung, die bei Logos ver­füg­bar ist, ist aller­dings noch anschau­li­cher. Hier exem­pla­risch das Text­schau­bild für Gal 3,26–29:

Gal 3,26–29 ist dabei an sich noch ein über­schau­ba­rer Text. Es gibt natür­lich deut­lich kom­ple­xe­re Tex­te, für die ein Text­schau­bild noch wesent­lich nütz­li­cher ist.

Hilfen zur Anwendung

Die ZECNT-Rei­he ist grund­sätz­lich eher tech­ni­scher Natur und ent­hält nur weni­ge eher abs­trak­te Bei­spie­le, die man direkt in eine Pre­digt ein­flie­ßen las­sen könn­te. Sie weist aber auf theo­lo­gi­sche The­men hin, die im Bibel­text auf­ge­grif­fen wer­den. Bei Gal 3,26–29 zeigt Schrei­ner zwei The­men auf, auf die jeder Ver­kün­di­ger ein­ge­hen soll­te, wenn er den Abschnitt aus­legt. Das ers­te ist die Gleich­wer­tig­keit aller Gläu­bi­gen in Chris­tus. Das zwei­te ist die Fra­ge, ob Gal 3,28 so ver­stan­den wer­den soll­te, dass die Rol­len von Mann und Frau aus­tausch­bar sind. Schrei­ner gibt dazu Leit­li­ni­en für die Anwen­dung. Der Ver­kün­di­ger wird selbst­ver­ständ­lich selbst prü­fen müs­sen, ob er mit Schrei­ner über­ein­stimmt. In jedem Fall hilft es, zu sehen, in wel­che Rich­tung der Ver­kün­di­ger bei der prak­ti­schen Aus­le­gung gehen kann. Kon­kre­te Anwen­dungs­bei­spie­le und Ver­an­schau­li­chun­gen muss der dann selbst finden.

Zusammenfassung

Die ZECNT-Kom­men­tar­rei­he ist eine der neu­es­ten Kom­men­tar­rei­hen und glei­cher­ma­ßen über­sicht­lich wie gründ­lich. Für mich per­sön­lich ist sie in vie­len Fäl­len die ers­te Anlauf­stel­le bei unge­klär­ten Fra­gen zum Text. Für Pas­to­ren und Theo­lo­gen ist sie sehr zu emp­feh­len. Auch für theo­lo­gisch inter­es­sier­te Lai­en kann sie inter­es­sant sein – Vor­aus­set­zung ist aber die Bereit­schaft mit, sich mit der Grund­spra­che auseinanderzusetzen.

Die ZECNT-Rei­he ist im Paket erhält­lich. Alter­na­tiv sind die Bän­de auch zusam­men mit den drei bereits bei Logos erschie­ne­nen AT-Kom­mena­ren aus der ZECOT-Rei­he erhält­lich. Auch der Band zum Johan­nes­evan­ge­li­um ist dann dabei, der im ZECNT-Paket noch nicht mit ent­hal­ten ist. Hier gehts zum Angebot.

Jakob Haddick

Über den Autor

Jakob Haddick ist Pastor der Christlichen Gemeinde Freimersheim und Mitglied im Leitungsteam beim Missionswerk Evangelium für Alle. Dort ist er verantwortlich für nebenberufliche theologische Schulungsarbeit. Privat bloggt er auf jakobhaddick.de.

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  1. Eng­lisch­spra­chi­ge Bücher bit­te woan­ders bewer­ben, gibt ja sonst genug eng­lisch­spra­chi­ge Blogs und Wer­be­fo­ren hier.
    Danke.

    1. Lie­ber Herr Leiendecker,

      auf dem deutsch­spra­chi­gen Blog soll es natür­lich pri­mär um das deutsch­spra­chi­ge Logos und auch dem­entspre­chend um deutsch­spra­chi­ge Wer­ke gehen. Da darf es aber sicher auch Aus­nah­men geben, beson­ders wenn es kei­ne ver­gleich­ba­ren deut­schen Wer­ke gibt und die eng­lisch­spra­chi­gen auch für deut­sche Logos-Nut­zer inter­es­sant sein könn­ten. Das wird aber in Zukunft sicher auch wei­ter­hin due Aus­nah­me statt die Regel sein.

      Mit freund­li­chen Grüßen,
      Jakob

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