Die BHQ – unabdingbar für wissenschaftliche Exegese

Von Jens Binfet

Rezension
Vor 11 Monaten

Die Über­lie­fe­rung des hebräi­schen (und ara­mäi­schen) Tex­tes des Alten Tes­ta­ments ist eine fas­zi­nie­ren­de Geschich­te die bis zu den moder­nen wis­sen­schaft­li­chen Aus­ga­ben reicht. 

Die masoretische Überlieferung

Der alt­tes­ta­ment­li­che Bibel­text, der uns heu­te vor­liegt, geht auf ein Über­lie­fe­rungs­sys­tem einer Fami­lie aus Tibe­ri­as am See Gene­za­reth zurück: Die Fami­lie Ben-Ascher. Durch ein kom­ple­xes Sys­tem sicher­ten sie die genaue Abschrift der hebräi­schen Schrif­ten und auch ihre Aus­spra­che und Beto­nung. Das wur­de zuneh­mend nötig, weil Hebrä­isch unter Juden mehr und mehr zur Lit­ur­gie­spra­che wur­de, die aber nicht all­täg­lich gespro­chen wur­de. Außer­dem durf­te der Text der Bibel kei­nes­wegs geän­dert werden.

Damit aber immer klar blieb, wie der Text zu lesen ist, führ­ten die sog. Maso­re­ten (d.h. Über­lie­fe­rer) die Punk­tua­ti­on ein. Damit wer­den die Voka­le und Beto­nun­gen qua­si um den unver­än­der­li­chen Kon­so­nan­ten­text her­um doku­men­tiert. Dort wo die Maso­re­ten einen Abschrei­be­feh­ler in ihrem vor­lie­gen­den Text ver­mu­te­ten, kor­ri­gier­ten sie die­sen nicht, son­dern mach­ten eine Notiz am Rand (die sog. Maso­ra par­va = klei­ne Maso­ra). Zusätz­lich ent­wi­ckel­ten sie ein kom­pli­zier­tes sta­tis­ti­sches Sys­tem, das sicher­stellt, dass es kei­ne Abschrei­be­feh­ler gab (die sog. Maso­ra magna = gro­ße Maso­ra). Die Maso­re­ten waren also selbst auch schon Text­for­scher auf einem sehr hohen Niveau. 

Die neuen Funde aus Qumran

Wie gut hat die­se Über­lie­fe­rung funk­tio­niert? Gera­de vor dem Hin­ter­grund der Fun­de aus Qum­ran erge­ben sich span­nen­de neue Erkennt­nis­se, die man grob so zusam­men­fas­sen kann: 

Zum einen bestä­ti­gen die Fun­de die gewis­sen­haf­te Über­lie­fe­rung bibli­scher Tex­te über einen Zeit­raum von über 1000 Jah­ren. Das ist in etwa die Dif­fe­renz zwi­schen dem Alter der Qum­ran­fun­den und dem der bis­her ältes­ten voll­stän­di­gen Schriftzeugnissen. 

Zum ande­ren zeigt es, dass es zur Zeit Jesu ver­schie­de­ne Text­va­ri­an­ten gab, die gewis­se Unter­schie­de zuein­an­der haben. Damit ist noch nicht geklärt, ob die­se “gleich­be­rech­tigt” neben­ein­an­der exis­tier­ten, auch gleich ver­wen­det wur­den, oder z.B. nur von bestimm­ten Son­der­grup­pen oder für bestimm­te Zwe­cke ver­wen­det wurden. 

Die Ent­de­ckung unter­schied­li­cher Text­tra­di­tio­nen in Qum­ran wirft ein neu­es span­nen­des Licht auf die Fra­ge, auf wel­chem Text­typ z.B. die Sep­tuag­in­ta (LXX) als grie­chi­sche Stan­dard­bi­bel der Juden und vor allem Chris­ten basiert. Denn bis­her konn­te man zum Teil nicht gut beur­tei­len, ob die Abwei­chun­gen zwi­schen LXX und sog. maso­re­ti­schem (hebräi­schen) Text auf einer unter­schied­li­chen Vor­la­ge oder einem etwas freie­ren Über­set­zungs­stil beruh­ten. Die For­schung an die­sen Unter­schie­den ist eine wis­sen­schaft­li­che Detail­fra­ge, die Auf­schlüs­se über schwie­rig zu deu­ten­de Stel­len geben kann.

Span­nend für den christ­li­chen Bibel­le­ser ist: Die Apos­tel zitie­ren in den Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments aus bei­den – dem (proto)-masoretischen Text und der Sep­tuag­in­ta – und wei­sen bei­den den Cha­rak­ter der Hei­li­gen Schrift zu, obwohl ihnen durch­aus bewusst war, dass es Vari­an­ten gibt. (Eine gute Res­sour­ce, die­ses The­ma wei­ter­zu­ver­fol­gen, ist z.B. der exzel­len­te Com­men­ta­ry on the New Tes­ta­ment Use of the Old Tes­ta­ment oder der Logos-Daten­satz New Tes­ta­ment Use of the Old Tes­ta­ment.)

Die Fra­ge nach der Text­über­lie­fe­rung rüt­telt also (nicht zwin­gend) am Offen­ba­rungs­cha­rak­ter oder der Gül­tig­keit der Bibel. Den­noch ist sie für alle, die sich in den ursprach­li­chen Text ver­tie­fen, loh­nens­wert zu ver­fol­gen, weil sie Vari­an­ten deut­lich macht. Das ermög­licht zwei wert­vol­le Stoß­rich­tun­gen in der genau­en Erfor­schung und Erfas­sung eines Textes:

  1. Den Ver­such, näher an den Ursprung heranzukommen.
  2. Zu sehen wie der Text z.B. von sehr frü­hen Über­set­zun­gen ver­stan­den wurde. 

Nach­for­schun­gen in einer sol­chen Tie­fe kann man – ver­mut­lich – nicht in jeder Pre­digt­vor­be­rei­tung machen, aber es ist hilf­reich zu wis­sen, wie man vor­geht, wenn man an eine schwie­ri­ge Stel­le gerät. Dann näm­lich kön­nen die Nuan­cen aus der Text­for­schung wert­vol­le Hin­wei­se geben.

Bei aller Berech­ti­gung Text­kri­tik zu betrei­ben, zeigt die­se gera­de, dass der grund­le­gen­de Text, der (fast) allen Über­set­zun­gen zugrun­de liegt, zuver­läs­sig ist und dass der sog. maso­re­ti­sche Text der­je­ni­ge war, der auch zur Zeit Jesu als der Stan­dard­text gegol­ten haben dürf­te. (Wei­ter­füh­ren­de Lek­tü­re dazu: Gen­try, Peter J., „The Text of the Old Tes­ta­ment“, Jour­nal of the Evan­ge­li­cal Theo­lo­gi­cal Socie­ty 52/​1, 2009, 19–45).

Textforschung & textkritische Ausgaben

Wenn wir uns also heu­te um eine genaue Erfor­schung des Tex­tes bemü­hen, befin­den wir uns in einer Linie mit den Maso­re­ten. Heu­te ist Grund­la­ge für die wis­sen­schaft­li­che Beschäf­ti­gung mit dem hebräi­schen Grund­text (seit der Biblia Hebraica 3 – Hg. Rudolf Kit­tel) der soge­nann­te Codex Lenin­gra­den­sis. Die­se Hand­schrift ist mit einem Alter von über 1000 Jah­ren die ältes­te Gesamt­aus­ga­be des Alten Tes­ta­ments und ent­stammt eben jener Ben-Ascher Tra­di­ti­on. Nun gibt es eben auch viel­fäl­ti­ge ande­re Schrift­zeug­nis­se, die z.T. Abwei­chun­gen im Text­be­stand auf­wei­sen. Die wis­sen­schaft­li­chen Aus­ga­ben ver­su­chen die­se mög­lichst gut zu doku­men­tie­ren (der sog. “Appa­rat”), sodass sich jeder ein­zel­ne Leser selbst ein Urteil bil­den kann, wel­che Les­art vor­zu­zie­hen ist. Die unter­schied­li­chen Aus­ga­ben haben aber Unter­schie­de dar­in, wel­che Text­zeu­gen berück­sich­tigt wur­den und wel­che Hilfs­mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Als größ­te Neue­rung der letz­ten Jahr­zehn­te muss man die akri­bi­sche Erfor­schung der unzäh­li­gen Frag­men­te und Schrif­ten aus Qum­ran nen­nen, die den älte­ren Aus­ga­ben noch nicht zur Ver­fü­gung stand. 

Neben dem Codex Lenin­gra­den­sis ist v.a. in jüdi­schen Aus­ga­ben (z.B. der “Rab­bin­er­bi­bel”) und in den ers­ten zwei Auf­la­gen der Biblia Hebraica die sog. “Bom­ber­gi­a­na“ (benannt nach dem Her­aus­ge­ber und Dru­cker Dani­el Bom­berg) in Ver­wen­dung gewe­sen. Die­se Aus­ga­be weicht aller­dings im Kon­so­nan­ten­text nicht vom Codex Lenin­gra­den­sis ab, son­dern nur in sel­te­nen Fäl­len in Voka­li­sa­ti­on oder Akzentuierung.

Was ist die BHQ?

Die BHQ (Biblia Hebraica Quin­ta) ist, wie ihr latei­ni­scher Name schon sagt, die fünf­te Aus­ga­be der Biblia Hebraica. Sie ist damit die offi­zi­el­le Nach­fol­ge­rin der Biblia Hebraica Stutt­gar­ten­sia (BHS). Die davor lie­gen­den Aus­ga­ben wur­den noch von dem Begrün­der die­ser Edi­ti­on, Rudolf Kit­tel, herausgegeben. 

Die BHS und BHQ gel­ten weit­hin als Stan­dard­aus­ga­ben für das wis­sen­schaft­li­che Stu­di­um des hebräi­schen Tex­tes. Das Pro­jekt der BHQ ist inter­na­tio­nal auf­ge­stellt und ver­ei­nigt sowohl jüdi­sche als auch christ­li­che Her­aus­ge­ber ver­schie­de­ner Kon­fes­sio­nen. Die seit 2004 erschei­nen­den Teil­lie­fe­run­gen (Fas­zi­kel) sind lei­der immer noch nicht voll­stän­dig und wer­den nach und nach her­aus­ge­ge­ben. Auf Logos sind sowohl die ein­zel­nen Fas­zi­kel als auch eine Samm­lung der bis­her sie­ben Tei­le erhältlich. 

Im Fol­gen­den neh­me ich Sie mit in die kon­kre­te Nut­zung der BHQ. Zunächst schau­en wir uns all­ge­mein die Hilfs­mit­tel an, die die BHQ bie­tet. Dann wer­de ich zei­gen, wie man die BHQ in Logos nut­zen kann. 

Zum Abschluss möch­te ich eine vor­sich­ti­ge Wer­tung der BHQ im Ver­gleich zur BHS vor­neh­men und zei­gen, für wen sich der Umstieg jetzt schon loh­nen könnte.

Der Apparat der BHQ

Das wich­tigs­te Werk­zeug jeder text­kri­ti­schen Aus­ga­be ist der Appa­rat. Hier sind die Vari­an­ten zum Text doku­men­tiert, die sich aus ande­ren Text­zeu­gen und alten Über­set­zun­gen erge­ben. Zunächst muss man sich bei der BHQ (und auch der BHS) dar­über im Kla­ren sein, dass der Haupt­text exakt dem eines Code­xes ent­spricht – die soge­nann­te “diplo­ma­ti­sche Wie­der­ga­be”. Das ist ein ande­res Vor­ge­hen, als es z.B. die Nest­le-Aland Aus­ga­be des grie­chi­schen Neu­en Tes­ta­men­tes ver­folgt. Der NA hat einen eklek­ti­schen Text, d.h. der abge­druck­te Text ist selbst schon eine Aus­wahl der Les­ar­ten, die das Gre­mi­um für die ursprüng­lichs­ten hielt. Den Text der NA fin­det man also in kei­nem Manu­skript exakt so wie­der.
Das Vor­ge­hen der BHQ ist mei­ner Ansicht nach etwas trans­pa­ren­ter, weil immer klar ist, zu wel­chem Text­typ der Haupt­text gehört und die Exper­ten­mei­nung des Her­aus­ge­ber­gre­mi­ums nicht so stark ins Gewicht fällt. Die Abwei­chun­gen vom Codex Lenin­gra­den­sis wer­den dann im Appa­rat deut­lich gemacht und der Nut­zer kann und muss sich selbst ein Urteil bilden.

Die Anmer­kun­gen des Appa­rats sind in der Druck­aus­ga­be im Text nicht mar­kiert (wie noch in der BHS). Daher muss man zu jedem Vers in den Appa­rat schau­en, ob dort etwas notiert ist. Das mag zunächst ärger­lich erschei­nen, ist aber den­noch sinn­voll: Zum einen schaut man bei einer text­kri­ti­schen Unter­su­chung sowie­so jeden Vers ein­zeln nach Vari­an­ten durch und zum ande­ren wird das Schrift­bild des Haupt­tex­tes nicht noch durch zusätz­li­che Zei­chen überladen. 

Der Apparat am Beispiel: Rut 1,1

Damit man erken­nen kann, wor­auf sich ein Ein­trag im Appa­rat bezieht, wie­der­holt der Appa­rat als ers­ten Ein­trag den Text­teil (auch Fall bzw. case genannt) in Fett­druck (hier: בִּימֵי֙ שְׁפֹ֣ט הַשֹּׁפְטִ֔ים). Dahin­ter fol­gen die Text­zeu­gen, die den Codex Lenin­gra­den­sis stüt­zen: In die­ser For­mu­lie­rung in Rut 1,1 ent­spricht der Maso­re­ti­sche Text also dem Text aus der Rol­le 4QRutha (Qum­ran), eini­gen grie­chi­schen Manu­sskrip­ten (GMss) sowie Vul­ga­ta (V) und Targumen(T).

Dann fol­gen jeweils mit dem senk­rech­ten Strich | abge­grenzt die abwei­chen­den Les­ar­ten. Im Bei­spiel­fall folgt hier zunächst die grie­chi­sche Vari­an­te, die den Aus­druck “in den Tagen” weg­lässt und nur “im Rich­ten der Rich­ter” (d.h. als die Rich­ter rich­te­ten) schreibt. Die drit­te Vari­an­te bezieht sich auf die syri­sche Über­set­zung “Peschit­ta” und ist in der BHQ lei­der nur im Ori­gi­nal (d.h. in syri­schen Let­tern) abge­druckt. Die Her­aus­ge­ber mar­kie­ren aber hier, dass es sich um eine “faci­li­ta­ti­on of a syn­tac­ti­cal dif­fi­cul­ty” (d.h. eine syn­tak­ti­sche Ver­ein­fa­chung) han­delt. Wer kein syrisch lesen kann (was auf die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit aller Nut­zer der BHQ zutref­fen dürf­te) kann sich behel­fen, indem man in den Appa­rat der BHS schaut, die das Syri­sche in hebräi­scher Rück­über­set­zung bringt. Für den nor­ma­len Anwen­dungs­fall reicht aber die Klas­si­fi­ka­ti­on (facil-synt) der Her­aus­ge­ber aus. Die BHQ weist dann noch durch das Kreuz 🕂 dar­auf hin, dass es einen Kom­men­tar zu die­ser Stel­le im Kom­men­tar­teil gibt. Die­ser Kom­men­tar erläu­tert dann wei­te­re Hin­ter­grün­de zu den Vari­an­ten. In die­sem Fall erklärt der Kom­men­tar, dass die alt­sprach­li­chen Über­set­zer den hebräi­schen Aus­druck wohl als syn­tak­tisch red­un­dant emp­fan­den und die­se Anga­be dann unter­schied­lich dem Sprach­ge­fühl der eige­nen Spra­che ange­passt haben. Der Kom­men­tar ent­hält u.U. auch Ver­wei­se auf wei­ter­füh­ren­de Literatur.

Der Punkt ● schließt die Anmer­kun­gen zu die­sem Fall ab. Es folgt ent­we­der ein wei­te­rer Fall im glei­chen Vers oder in einem ande­ren, was durch eine fett­ge­druck­te Stel­len­an­ga­be deut­lich gemacht wird.

Wie man am Bei­spiel der (facil-synt) Anmer­kung oben mer­ken konn­te, ist die Appa­rat­spra­che nicht mehr Latein, son­dern Eng­lisch. Obwohl sich den meis­ten Nut­zern (vor allem Neu­ein­stei­gern in die Text­kri­tik) dadurch ein intui­ti­ve­rer Zugang eröff­nen soll­te, kommt man doch nicht umhin, zumin­dest die meis­ten der Zei­chen und Abkür­zun­gen zu ler­nen, bzw. nachzuschlagen. 

Die Einleitungen der BHQ

Die BHQ bie­tet – in drei­spra­chi­ger Aus­ga­be (eng­lisch, deutsch, spa­nisch) – eine “All­ge­mei­ne Ein­lei­tung”. Die­se ist ein guter Ein­stieg in die Ver­tie­fung der grund­le­gen­den Ent­schei­dun­gen, Vor­ga­ben und Metho­den der BHQ und der Text­kri­tik des Alten Tes­ta­men­tes allgemein. 

Jedes Buch der BHQ hat dann noch eine eige­ne Ein­lei­tung. In die­ser Ein­lei­tung wer­den die ver­wen­de­ten Text­zeu­gen und die gene­rel­le Lage der Text­kri­tik in die­sem spe­zi­el­len Buch behan­delt. Sor­tiert nach hebräi­schen, grie­chi­schen, latei­ni­schen, syri­schen, ara­mäi­schen Zeu­gen, sowie den Tar­gu­mim oder dem sama­ri­ta­ni­schen Pen­ta­teuch wird die Hand­schrif­ten­la­ge dis­ku­tiert und beson­de­re Pro­ble­me her­aus­ge­stellt, sofern sie die­ses Buch betref­fen. Die Abschnit­te über die Qum­ran­tex­te sind das beson­de­re Klein­od die­ser Ein­lei­tun­gen. Hier kann man auch als Laie die Aus­wir­kun­gen der Fun­de nach­spü­ren. Außer­dem ist für man­che Bücher das Ver­hält­nis zur Sep­tuag­in­ta bzw. grie­chi­schen Über­lie­fe­rung eine span­nen­de Fra­ge. Manch­mal ist der Text der Sep­tuag­in­ta nur von gerin­ger Bedeu­tung, weil die Text­zeu­gen eher schlecht bezeugt sind oder weil sie sehr eng am maso­re­ti­schen Text blei­ben. In man­chen Büchern scheint die Sep­tuag­in­ta aber auch auf einer ande­ren Text­tra­di­ti­on auf­zu­bau­en. Dann wird es span­nend, ob z.B. der Qum­ran­text eher den Sep­tuag­in­ta­text oder eher den maso­re­ti­schen Text stüt­zen. Um die­se Hin­ter­grün­de der Text­for­schung auch als Laie zu erfas­sen, bie­ten sich die Ein­lei­tun­gen der BHQ sehr gut an. 

BHQ in Logos nutzen

Nach­dem wir nun das gene­rel­le Anlie­gen der BHG und die Funk­ti­ons­wei­se des Appa­rats ange­schaut haben gehen wir einen Schritt wei­ter: Wie prä­sen­tiert sich die BHQ in Logos?

Zunächst: Wer ein Fas­zi­kel der BHQ in Logos erwirbt, erhält drei oder vier Res­sour­cen: ein­mal das Text­kor­pus der BHQ mit Ein­lei­tun­gen und Sym­bol- sowie Abkür­zungs­über­sicht. Hier lan­den auch alle fol­gen­den Fas­zi­kel­tex­te. Zusätz­lich hat jedes Fas­zi­kel dann noch je ein­mal den Appa­rat mit Kom­men­tar, die Maso­ra par­va mit Kom­men­tar sowie die Maso­ra magna mit Kommentar.

Aus­gangs­punkt für die gewöhn­li­che Arbeit mit der BHQ ist also die Res­sour­ce, die ein­fach “Biblia Hebraica Quin­ta” heißt. 

Wer schon ein­mal mit der BHS oder dem Nest­le-Aland in Logos gear­bei­tet hat, weiß, dass auch dort der Appa­rat sepa­rat zur Ver­fü­gung steht. Das hat den gro­ßen Vor­teil, dass die Appa­rats­in­for­ma­tio­nen auch per Mou­seo­ver über dem Text auf­ruf­bar sind. 

Außer­dem kann der Appa­rat (genau­so wie die bei­den Masor­ot) par­al­lel neben dem Text geöff­net syn­chro­ni­siert mitscrollen. 

Im Unter­schied zur Druck­aus­ga­be ver­weist Logos aber wei­ter­hin direkt im Text mit einem klei­nen latei­ni­schen a (steht ver­mut­lich für Appa­rat) auf einen Appa­rat­ein­trag hin. Das ist nötig, weil der Appa­rat in Logos eine sepa­ra­te Res­sour­ce ist, die ver­knüpft wer­den muss­te. Mit die­ser Ver­knüp­fung kann man auch den Appa­rat, die Maso­ra par­va (⌜) oder die Maso­ra magna (m) direkt für die aktu­el­le Stel­le aufrufen.

Ein wei­te­res sehr schö­nes Fea­ture von Logos ist, dass die Erklä­run­gen der Sym­bo­le und Abkür­zun­gen im Appa­rat direkt per Mou­seo­ver zur Ver­fü­gung ste­hen. Das auf­wän­di­ge nach­schla­gen ent­fällt und man lernt die Abkür­zun­gen ein­fach beim Gebrauch. 

Zusätz­lich spart Logos das in der Print­ver­si­on nöti­ge zusätz­li­che Nach­schla­gen im Text­kom­men­tar der BHQ, weil inner­halb von Logos die rele­van­ten Ein­trä­ge direkt anstel­le des Kreuz­zei­chens im Appa­rat auftauchen. 

Lei­der hat die Logos Ver­si­on der BHQ (noch?) kei­ne Lem­ma­ti­sie­rung und Bestim­mung der For­men im Text, wie sie für BHS oder Lex­ham Hebrew Bible vor­lie­gen. Dadurch hat man z.B. weni­ger Optio­nen im Kon­text­me­nü eines Wor­tes und es erscheint kei­ne Bestim­mung am unte­ren Fens­ter­rand beim Über­fah­ren eines Wor­tes mit der Maus. Nach­schla­gen im Wör­ter­buch per Dop­pel­klick auf ein Wort funk­tio­niert aber wie gewohnt.

Wenn man aber eine der ande­ren Bibel vor­lie­gen hat, kann man sich leicht behel­fen, indem man die­se in einer zusätz­li­chen Spal­te syn­chron mit­lau­fen lässt oder die Anzei­ge der BHS/​LHB mit dem des Appa­rats der BHQ verknüpft.

BHQ vs. BHS

Die BHQ ist nicht nur durch ihre Berück­sich­ti­gung von Qum­ran und ihrem aktu­el­le­ren Stand in der Text­for­schung ein tol­ler Schritt in die Zukunft. Ich fin­de vor allem den Anspruch der Her­aus­ge­ber gut, (auf wel­cher theo­re­ti­schen Basis auch immer) ver­mu­te­te oder vor­ge­schla­ge­ne Text­än­de­run­gen ohne Text­zeu­gen­be­fund zu unter­las­sen, wie man sie in der BHS bis­wei­len fin­det. Die BHQ nimmt damit einen neu­tra­le­ren Stand­punkt ein und über­lässt es dem Exege­ten sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen zu zie­hen. Die­se Hal­tung fin­de ich deut­lich ange­mes­se­ner und freue mich über die­se Ent­wick­lung. Aller­dings kann man, wenn man sich die­ses Fakts bewusst ist, die ent­spre­chen­den unbe­leg­ten Appa­rat­ein­trä­ge der BHS ein­fach ignorieren.

Etwas scha­de ist es, dass die syri­schen Tex­te in der BHQ kei­ne hebräi­sche Ent­spre­chung mehr haben, und somit den meis­ten Nut­zern nicht zugäng­lich sind.

Für wen eignet sich die BHQ in Logos?

Die BHQ ist uner­läss­lich, wenn man wis­sen­schaft­li­che Exege­se in einem der bereits erschie­ne­nen Bücher durch­füh­ren will. Hier gebie­tet die wis­sen­schaft­li­che Genau­ig­keit die aktu­ells­ten Infor­ma­tio­nen (Qum­ran!) zu ver­ar­bei­ten. Für die Pre­digt­ex­ege­se oder das per­sön­li­che Stu­di­um reicht die BHS in der Mehr­zahl aller Fäl­le wohl noch völ­lig aus. Vor allem in Anbe­tracht des bis­her noch recht hohen Prei­ses der BHQ soll­te man abwä­gen, ob die­se Aus­ga­be nötig ist.

Für die Zukunft soll­te aber jeder, der mit dem hebräi­schen Text der Bibel arbei­tet, die BHQ im Blick behal­ten. Sobald alle Fas­zi­kel erschie­nen sind, wird es sicher auch kos­ten­güns­ti­ge­re Gesamt­aus­ga­ben geben.


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Jens Binfet

Über den Autor

Der Autor Jens Binfet ist Doktorand an der Universität Wien. Er hat ein Anliegen, Theologie für die Kirche und den einzelnen Menschen zugänglich zu machen.

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