Die Bergpredigt ist weit mehr als eine Predigt – sie ist Jesu revolutionäres Manifest für eine Welt, die auf Liebe, Gerechtigkeit und Vergebung basiert. In 15 Minuten gibt Ihnen dieser Artikel einen Einblick in einige der radikalsten Ideen, die Jesus darin verkündet.
Inhalt
Faszination Bergpredigt
Die Bergpredigt: Jesu Manifest für eine neue Welt
„Wenn da nur die Bergpredigt und meine eigene Interpretation dazu wären, würde ich nicht zögern zu sagen: ‚O ja, ich bin ein Christ […]. Leider ist aber viel, was unter dem Namen Christentum läuft, eine Negation der Bergpredigt.“ (Mahatma Gandhi)
„Die großen Konflikte der Zeit wären lösbar, wenn wir Menschen die Kraft fänden, persönlich und politisch gemäß der Bergpredigt zu handeln.“ (Richard von Weizsäcker)
Die Bergpredigt fasziniert, sie provoziert – und sie hat die Kraft, die Welt zu verändern. Was ist das Besondere an der Bergpredigt, das die Menschen seit Jahrhunderten so tief bewegt – und zugleich so sehr herausfordert?
Die Bergpredigt ist nicht einfach eine von vielen Predigten Jesu. Sie ist sein Manifest, seine Agenda, sein radikaler Entwurf für ein Leben im Reich Gottes. Hier beschreibt Jesus nicht nur, wie seine Nachfolger leben sollen, sondern er stellt die herrschende Weltordnung auf den Kopf. Statt Macht, Gewalt und Selbstbehauptung ruft er zu Demut, Feindesliebe und radikaler Vergebung auf.
Und genau hier liegt die Herausforderung: Die Bergpredigt ist radikal – und deshalb unbequem. Sie inspiriert, doch sie konfrontiert uns gleichzeitig mit der Frage, ob wir wirklich bereit sind, nach ihr zu leben. Viele betrachten die Bergpredigt als ein schönes Ideal – eine Art moralische Utopie, die zwar bewundernswert ist, aber nicht wirklich umsetzbar. Doch was, wenn Jesus genau das Gegenteil wollte? Was, wenn er die Bergpredigt nicht als bloßen Traum formuliert hat, sondern als den einzigen Weg, die Welt zu verändern?
Dieser Artikel sieht die Bergpredigt als das zentrale Vermächtnis Jesu, als seinen Masterplan für eine neue Menschheit – und als den Prüfstein für jeden, der sich Christ nennt.
Reich Gottes in der Bergpredigt: Ein Königreich der anderen Art
Der Kontext der Bergpredigt
Die Autoren der Evangelien haben die Geschichten von Jesus nicht einfach willkürlich aneinandergereiht. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass der Aufbau der Evangelien mit viel Sorgfalt gestaltet wurde. Deshalb gilt die wichtige Regel beim Bibellesen: Der Kontext zählt. Bevor wir die Bergpredigt betrachten, sollten wir uns fragen: In welchen Zusammenhang setzt Matthäus diese Rede? Der Schlüssel dazu liegt in Matthäus 4.
Nachdem Jesus die Versuchungen des Satans überwunden hat, beginnt er öffentlich zu wirken. Er zieht durch das Land und verkündet seine zentrale Botschaft: „Tut Buße, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht.“ (Mt 4,17 BidF). Zudem heißt es: „Und Jesus durchzog ganz Galiläa, … und verkündete die gute Botschaft vom Königreich“ (Mt 4,23 BidF). Tatsächlich wäre es besser, die Bergpredigt als „die gute Botschaft vom Königreich“ zu bezeichnen, da dieser Titel bereits deutlich macht, worum es geht und was uns erwartet.
Parallel dazu ruft Jesus seine ersten Jünger in die Nachfolge (Mt 4,19). Der Kontext der Bergpredigt ist also klar: Jesus verkündet das Königreich Gottes und fordert zur Umkehr und Nachfolge auf. In der Bergpredigt geht es also um das Königreich Gottes und darum, wie Buße und Nachfolge konkret aussehen.
In der Bergpredigt geht es um das Königreich Gottes
Uns modernen Lesern kann leicht entgehen, wie revolutionär die Verkündigung des Königreiches Gottes (griechisch: basileia) für die Menschen damals war. Das herrschende Königreich (basileia) war Rom – eine Macht, die ihre Herrschaft durch Gewalt, Unterdrückung und militärische Stärke sicherte.
Als Jesus nun verkündete, dass das Reich Gottes nahe sei, haben vermutlich alle Zuhörer automatisch an das römische Reich gedacht. Ihre natürliche Erwartung war, dass Gottes Königsherrschaft ähnlich funktionieren würde: mit Macht, Kriegen und dem gewaltsamen Sturz der Römer. Sie rechneten mit einem Messias, der als politischer Befreier auftritt und das Reich Gottes mit Schwert und Stärke errichtet. Doch Jesus hatte eine ganz andere Art von Königreich im Sinn – eines, das ihre Vorstellungen völlig auf den Kopf stellen würde.
Was ist das Königreich Gottes?
Zur Zeit Jesu war das Bild eines Königreiches völlig selbstverständlich – die Menschen waren Untertanen Roms und verstanden, was Herrschaft bedeutete. Heute ist dieses Bild für viele nicht mehr so zugänglich, weshalb immer wieder versucht wird, alternative Begriffe zu finden, um das Reich Gottes verständlicher zu machen.
Zwar sind die meisten dieser Alternativen nicht vollkommen, da sie oft nur einen Teilaspekt des Königreichs beschreiben. Dennoch können sie helfen, unser Verständnis zu vertiefen. Hier einige Alternativen, die ich im Laufe der Jahre gehört habe: der große Traum Gottes, die Revolution Gottes, die Mission Gottes, der Weg der Liebe, das Reich der Gerechtigkeit, Gottes Vision für die Menschheit.
In der Bergpredigt erklärt Jesus, wie sein Königreich funktioniert – oder anders ausgedrückt: wie sein Weg der Liebe praktisch aussieht. Dass Liebe das zentrale Gebot für seine Nachfolger ist, hat er im Doppelgebot der Liebe klargemacht (Mt 22,37–40). Doch Liebe ist ein dehnbarer Begriff, den Menschen sehr unterschiedlich füllen. Beispielsweise sehen einige es als Ausdruck von Liebe, ihre Kinder durch Schläge zu „erziehen“, während andere – insbesondere diejenigen, die darunter gelitten haben – dies als das genaue Gegenteil von Liebe empfinden.
Wie echte Liebe im Alltag aussieht, ist oft nicht einfach zu erkennen und erfordert Weisheit und Unterscheidungsvermögen. Genau hier setzt die Bergpredigt an: Sie ist wie ein umfassender Kommentar dazu, wie echte Liebe praktisch ausgelebt wird.
Ein radikaler Gegenentwurf
Gottes Königreich ist ein radikaler Gegenentwurf zur römischen Herrschaft. Jesus stellt alle gängigen Vorstellungen über Königreiche auf den Kopf und präsentiert ein Reich, das völlig anders ist als alles, was die Menschen damals kannten.
Das römische Reich war eine hierarchische Machtstruktur, die mit Gewalt, Unterdrückung und Kontrolle regierte. Im Gegensatz dazu ist das Reich Gottes geprägt von Gewaltlosigkeit, Gleichwertigkeit aller Menschen, einem Fokus auf heilen Beziehungen und organischem Wachstum. Die Bergpredigt zeichnet das Bild einer radikal neuen Art zu leben – sie ist Gottes Agenda für die Menschen, die sich seiner Königsherrschaft unterordnen.
Deshalb ist die Bergpredigt nicht einfach eine von vielen Predigten. Wenn wir behaupten, Jesus nachzufolgen, dann müssen wir sie ernst nehmen. Wir können nicht sagen, dass wir Jesus nachfolgen und zugleich die Bergpredigt ignorieren. Das wäre in etwa so, als würde jemand sich als Vegetarier bezeichnen, aber mehrmals die Woche Steak essen.
Wer wirklich Jesus nachfolgen will, kommt nicht daran vorbei, die Bergpredigt sorgfältig zu studieren und zu überlegen, was sie für das eigene Leben bedeutet. Sobald wir anfangen, clevere Argumente oder sogar andere Bibelstellen zu nutzen, um Jesu klare Agenda in der Bergpredigt zu umgehen oder zu entkräften, dann verleugnen wir letztlich nicht nur seine Lehre – sondern Jesus selbst.
Da die Bergpredigt in ihrer ganzen Tiefe nicht in einem einzigen Artikel behandelt werden kann, habe ich drei Beispieltexte ausgewählt, die besonders eindrücklich die Radikalität von Jesu Botschaft verdeutlichen.
Beispiel 1: Das Gesetz erfüllen (Matt 5,17–20)
Jesus ist sich bewusst, dass seine Worte seine Zuhörer provozieren werden. Für sie wird es so wirken, als würde er dem mosaischen Gesetz widersprechen und es abschaffen. Deshalb stellt er gleich zu Beginn klar, wie er zum Alten Testament (AT) steht. Diese Passage ist entscheidend für unser Verständnis der Schrift, denn sie zeigt, wie Jesus selbst das Alte Testament ausgelegt hat – und damit auch, wie wir es lesen sollten.
Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um außer Kraft zu setzen, sondern um zu erfüllen (alternativ: sondern um volle Geltung zu verschaffen). (Mt 5,17 NGÜ)
Die zentrale Frage ist, was es genau bedeutet, dass Jesus das Gesetz erfüllt hat. Ein guter Bibelkommentar zeigt die Vielfalt an Deutungen auf, die es zu einer Stelle innerhalb des Leibes Christi gibt und hilft dem Leser, sich selbst eine fundierte Meinung zu bilden – anstatt nur eine einzelne Auslegung vorzugeben, besonders wenn es sich um ein kontroverses Thema handelt. Genau das tut der HTA-Bibelkommentar an dieser Stelle: Er führt sechs verschiedene Nuancen auf, in denen das griechische Wort für „erfüllen“ verstanden werden kann.
Nun hat allerdings πληρόω [plēroō] verschiedene Nuancen. Im Einzelnen kann man folgende Bedeutungen unterscheiden: 1) Jemand oder etwas mit einem Inhalt erfüllen. Jesus würde dann in Mt 5,17 die Heilige Schrift mit ihrem wahren göttlichen Sinn erfüllen, das heißt auslegen. 2) Ein Versprechen oder eine Verheißung erfüllen. Jesus wäre dann in Person die wahre Erfüllung dessen, was die Heilige Schrift will, ihr Ziel und ihre eschatologische Erfüllung. 3) Etwas vollenden oder zu einem Ganzen werden lassen, was bisher kein Ganzes war. Jesus würde dann den vollen Sinn der Heiligen Schrift ans Licht bringen und ergänzen, was bisher nur in Teilen vorhanden war. 4) Nahe dabei liegt die Bedeutung: etwas Unvollkommenes vollenden. Jesus würde dann die Heilige Schrift durch seine Lehre erst vollkommen machen. 5) „Voll machen“ im Sinne von „zum Abschluss bringen“. Jesus wäre dann auch in Mt 5,17 wie in Röm 10,4 „des Gesetzes Ende“. 6) Eine Forderung erfüllen. Gerhard Delling weist darauf hin, dass diese Bedeutung von πληρόω [plēroō] sich im NT immer auf den Willen Gottes bezieht.
Der Kommentar ergänzt: Die genannten sechs Bedeutungsmöglichkeiten schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern wurden in der Auslegungsgeschichte oft kombiniert.
Auf welche Weise hat Jesus das Gesetz erfüllt?
Um zu verstehen, wie genau Jesus das Gesetz erfüllt hat, müssen wir uns die nachfolgenden Fallbeispiele in Matthäus 5,21–48 anschauen. Heute wird die Aussage, dass Jesus das Gesetz erfüllt hat, oft so interpretiert, dass er damit das gesamte AT bestätigt und weiterhin für gültig erklärt. Doch während sich diese Sichtweise mit Matthäus 5,21–30 noch gut vereinbaren lässt, wird sie ab Vers 31 zunehmend problematisch.
Denn hier zeigt Jesus, dass er das Gesetz erfüllt, indem er es abschafft und durch seinen Weg der Liebe ersetzt. Er erfüllt das Gesetz, indem er es mit seinem wahren göttlichen Sinn erfüllt. Damit vollendet er gleichzeitig das unvollkommene Gesetz (siehe Option 1 & 4 im HTA-Kommentar). Wir können nicht gleichzeitig dem alttestamentlichen Gesetz folgen und Jesus gehorchen, denn seine Lehre steht in entscheidenden Punkten im direkten Widerspruch dazu:
- Das AT erlaubt das Schwören – Jesus verbietet es.
- Das AT fordert „Auge um Auge“ – Jesus lehrt, die andere Wange hinzuhalten.
- Das AT erlaubt, Feinde zu hassen – Jesus fordert dazu auf, sie zu lieben.
Hier braucht es eine Entscheidung: Folgen wir dem Gesetz des Alten Testaments oder dem Weg Jesu? Beides gleichzeitig geht nicht.
Angesichts der Tatsache, dass Jesus in der Bergpredigt Teile des alttestamentlichen Gesetzes abschafft und durch seinen Weg der Liebe ersetzt, ist es schwer zu behaupten, dass er das gesamte AT einfach bestätigt oder „validiert“. Hätte er dies getan, hätten die Schriftgelehrten kein Problem mit ihm gehabt. Doch sie lehnten ihn ab, eben gerade, weil er bestehende Gebote hinterfragte, neu interpretierte und durch seinen höheren Weg der Liebe ersetzte.
Beispiel 2: Die radikale Forderung der Feindesliebe
Die Feindesliebe, die Jesus in der Bergpredigt fordert (Mt 5,44), gehört zu den herausforderndsten Geboten des christlichen Glaubens. Doch warum verlangt Jesus so etwas Radikales? Die Antwort die Jesus gibt: Weil Gott selbst seine Feinde liebt. In Matthäus 5,45+48 erklärt Jesus, dass Gottes Vollkommenheit in seiner Liebe zu allen Menschen liegt – selbst zu denen, die ihn hassen, ablehnen und bekämpfen (vgl. Joh 3,16; Röm 5,6–10). Die Logik des Textes ist: Als Kinder Gottes sollen wir das Wesen unseres Vaters widerspiegeln. Deshalb fordert Jesus uns auf, unsere Feinde zu lieben – genau so, wie Gott seine Feinde liebt.
Doch genau hier liegt eine große Herausforderung: Es ist verlockend, andere Bibelstellen heranzuziehen, um Jesu radikale Forderung abzuschwächen oder gar zu relativieren. In manchen christlichen Kreisen gilt es als „biblisch treu“, Gott als einen zu predigen, der seine Feinde hasst. Und das ist verständlich, gemessen an den vielen Stellen im AT, die Gott genau so darstellen. Doch solche AT-Stellen stehen im direkten Widerspruch zu dem, was Jesus hier lehrt.
Wenn „biblisch sein“ falsch ist
Deshalb gilt in manchen Fällen: Man kann „biblisch“ sein – und trotzdem falsch liegen. Denn wenn „biblisch sein“ bedeutet, dass alle biblischen Texte gleichwertig, wahr und autoritär sind, dann müssten wir auch Sklaverei zulassen (Eph 6,5–9; Kol 3,22–4:1; 1 Tim 6,1–2), ungehorsame Kinder steinigen (5. Mose 21,18–21) und Männern erlauben sich zu scheiden, sobald ihre Frau etwas tut, was ihnen nicht gefällt (5. Mose 24,1). All das ist biblisch – aber sicher nicht im Sinne Jesu. Die Bergpredigt erinnert uns, dass es nicht reicht, einfach „biblisch“ zu sein, sondern als Jünger Jesu müssen wir Jesus-zentriert denken und handeln. Und manchmal bedeutet das sogar, Texte des Alten Testaments hinter uns zu lassen, um Jesus wirklich gehorsam sein zu können.
Die Feindesliebe ist kein Nebenthema – sie ist eher wie ein Prüfstein, ob wir Jesu Lehre wirklich ernst nehmen. Wer die Feindesliebe ablehnt oder sie durch andere Bibelstellen relativiert, läuft Gefahr, Jesus selbst zu widersprechen. Denn Jesu Botschaft ist klar: Gottes Reich basiert auf radikaler Liebe. Wer Jesus nachfolgen will, ist dazu berufen, zu lieben – so großzügig und selbstlos zu lieben, wie der Vater im Himmel es tut.
Beispiel 3: Gottes Gericht
Eine Szene, die ich oft beobachtet habe: Jemand sagt „Gott ist Liebe“, und fast reflexartig ergänzt ein anderer Christ: „Ja, aber Gott ist nicht nur Liebe, er ist auch heilig und gerecht.“
Dieses „aber“ offenbart ein großes Missverständnis. Es klingt, als stünden Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit im Gegensatz zu seiner Liebe – als wären sie miteinander konkurrierende Eigenschaften. Doch Gott ist nicht widersprüchlich. Sein Wesen ist einheitlich, sein Wesen ist Liebe, denn Gott ist Liebe (1. Joh 4,8). Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit widersprechen nicht Gottes Wesen der Liebe – im Gegenteil, sie sind Ausdruck seiner Liebe.
Ein einfaches Beispiel: Wenn ich als Vater sehe, dass eines meiner Kinder sein Geschwister ungerecht behandelt, dann greife ich ein. Ich sorge dafür, dass sich die Kinder wieder versöhnen und keiner ungerecht behandelt wird. Wahre Liebe bringt Beziehungen in Ordnung und schafft Gerechtigkeit.
Deshalb spricht Jesus in der Bergpredigt so eindringlich darüber, wie wir mit anderen umgehen sollen. Er fordert uns auf zur Vergebung, zur Versöhnung mit unseren Feinden und dazu, aktiv Frieden zu schaffen. Doch wo wir darin versagen, wird Gott selbst für Gerechtigkeit sorgen.
Darum ist es für Jesus kein Widerspruch, in der Bergpredigt einerseits radikale Liebe zu predigen und andererseits konsequent Gottes Gericht anzukündigen. Gottes Liebe und sein Gericht sind keine Gegensätze – sie gehören zusammen, sie sind zwei Seiten derselben Münze.
Gottes Gericht ist ein Ausdruck seiner Liebe – doch das bedeutet nicht, dass wir es auf die leichte Schulter nehmen sollten. Sünde hat zerstörerische Konsequenzen, und im Gericht werden wir die Auswirkungen unseres Handelns spüren. Jesus macht unmissverständlich klar, dass dies ein schmerzhafter Prozess sein wird. Deshalb ruft er uns eindringlich zur Umkehr auf: „Kehrt jetzt um!“
Gottes Gericht ist sein Weg, durch den er alles Böse besiegen, Unrecht abschaffen und sein Reich errichten wird – ein Reich, in dem Gerechtigkeit regiert und alle in Frieden (Schalom) miteinander leben können. Deshalb ist das Gericht Gottes ein wesentlicher Teil der guten Botschaft vom Königreich.
Fazit
Die Bergpredigt ist kein schöner Traum, den man bewundert, aber im Alltag ignoriert – sie ist Jesu Manifest für eine neue Welt. Sie fordert uns heraus, nicht einfach „biblisch“, sondern christusgemäß zu leben. Wer nach Gottes Reich sucht, wird es nicht in Macht, Vergeltung oder Selbstbehauptung finden, sondern in radikaler Liebe, selbst für den Feind. Die Frage ist nicht, ob die Bergpredigt zu extrem ist – die Frage ist, ob wir bereit sind, Jesus wirklich ernst zu nehmen.
Bibliografie:
Gerhard Maier, Das Evangelium Des Matthäus: Kapitel 1–14, ed. Gerhard Maier et al., Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament (Witten; Giessen: SCM R.Brockhaus; Brunnen Verlag, 2015), 282–283.
Herr Becker schreibt, dass Jesus lehrt die andere Backe hinzuhalten. Ich denke das ist ein großes Missverständnis. Jesus bezieht sich meistens auf Situationen die die Zuhörer bestens kennen.
Beinahe 3000 Jahre vor Christus hat Mose festgelegt, dass die Rache nicht größer sein darf als das erhaltene Unrecht. Jesus sagt wenn Du Gleiches mit Gleichem vergiltst bist Du gleich wie der der Dich schlägt. Jesus verwendet eine Stuation, die jeder seiner Zuhörer kennt. Die rechte Hand ist die gute Hand, die linke Hand die schlechte mit der man auch den Hintern putzt. Wenn man einen Sklaven schlägt macht man das mit der linken Hand auf die rechte Gesichtsseite des Sklaven. Wehren konnte sich ein Sklave nicht gegen Schläge. Wenn er nun sagt schlage mich auch auf die linke Wange sagt der Sklave damit, ich bin soviel Wert wie Du. Denn um mich auf die linke Wange zu schlagen musst Du Deine rechte Hand nehmen mit der man nur Gleichrangige schlägt. Durch dieses Angebot bestimmt der Sklave die Handlung. Dies ist nicht ein Zeichen von Unterwürfigkeit sondern eine Anleitung zu gewaltlosem Widerstand.
Danke für diese exzellente und wichtige Ergänzung! Ich stimme Ihnen inhaltlich vollkommen zu – das ist eine ausgezeichnete Erklärung des Konzepts, die den kulturellen und historischen Kontext berücksichtigt.
Allerdings bin ich etwas verwirrt, auf welche Stelle meines Textes Sie sich beziehen, wenn Sie sagen, dass das, was ich schreibe, ein großes Missverständnis sei. Da ich Ihre Auslegung genau so sehe, erkenne ich keinen Widerspruch zwischen dem, was Sie schreiben, und dem, was ich geschrieben habe.
Liebe Grüße
Manuel