Heilige Drei Könige” – 10 Entdeckungen zur unbekannten Weihnachtsgeschichte

Von Simon Rühl

Matthäusevangelium, Weihnachten

Die eine oder ande­re Weih­nachts­de­ko ist sicher­lich schon wie­der in einer Kis­te ver­staut. Aber eine Geschich­te fehlt noch: “Hei­li­ge drei Köni­ge”. Es ist gut, dass wir zu Beginn des neu­en Jah­res einen wei­te­ren Tag Weih­nach­ten fei­ern. Und Mat­thä­us gibt uns in sei­nem zwei­ten Kapi­tel eine unglaub­lich schö­ne und etwas ande­re Per­spek­ti­ve auf das Kom­men des ewi­gen Königs. 

Als Anre­gung zum Nach­den­ken und Nach­fei­ern gibt es von uns 10 Ent­de­ckun­gen für Kopf und Herz. 

Die Geschichte „Heilige Drei Könige” neu entdecken

1) Die Drei heiligen Könige waren weder drei, noch heilige, noch Könige 

Natür­lich könn­ten es drei Män­ner gewe­sen sein oder aber auch 12 (wie in öst­li­chen Kir­chen ange­nom­men wird). Die Bibel erwähnt aller­dings nur, dass sie mit drei Geschen­ken anreis­ten. Von drei Män­nern auf Kame­len zu berich­ten scha­det der Aus­sa­ge auf den ers­ten Blick nicht. Aber viel­leicht ver­nied­licht es den hohen Sta­tus der uni­ver­si­tä­ren Éli­te, die dort anreisten. 

Mat­thä­us nennt sie “Magoi”. Eine schnel­le Wort­stu­die zeigt: Sowohl im NT als auch im AT sind hier könig­li­che Bera­ter gemeint (s. Dani­el 2) oder auch okkul­te Zau­be­rer (Apg 13). Im per­si­schen Reich waren magoi ange­se­he­ne Astro­lo­gen, Phi­lo­so­phen und Pries­ter, die den König bei Ent­schei­dun­gen bera­tend zur Sei­te standen.

Hei­li­ge waren sie also in gewis­sem Sin­ne, weil sie zur reli­giö­sen Ober­schicht gehör­ten und zumin­dest könig­lich, weil sie zu den könig­li­chen Bera­tern gehör­ten. Wahr­schein­li­cher ist aber, dass sie des­we­gen Hei­li­ge genannt wer­den, weil sie die ers­ten Hei­den waren, die Jesus als König anbeteten.

Woher die Magoi kamen wird dis­ku­tiert. Die bekann­tes­ten drei Optio­nen sind in Logos auf die­ser Kar­te zusammengefasst.

Die Route der "Heiligen Drei Könige"

2) Die Magoi und Hirten haben sich (wahrscheinlich) nie getroffen.

Es gibt min­des­tens zwei Hin­wei­se im Text, dass Jesus zur Zeit des Besuchs deut­lich älter war. Ein Rechtsklick auf das jewei­li­ge Wort im Text zeigt: Lukas bezeich­net Jesus expli­zit als “Baby” (βρέφος), Mat­thä­us bezeich­net ihn als παιδίον (Klein­kind). Außer­dem lässt Hero­des alle Kin­der bis zu zwei Jah­ren töten, weil er nach­ge­fragt hat­te, “wann der Stern erschie­nen sei” (Mt 2,7). 

Die Hir­ten und die Magoi haben aber eins gemein­sam: bei­de waren auf sehr unter­schied­li­che Wei­se höchst unwür­di­ge Gäs­te für den mensch­ge­wor­de­nen, hei­li­gen Gott.

3) Herodes war in Krisenstimmung, bevor die Magoi ankamen.

Jesus war nicht das ers­te Opfer von Hero­des’ para­no­ider Macht­gier. Um die Thron­nach­fol­ge nach eige­nen Vor­stel­lun­gen zu gestal­ten töte­te er dut­zen­de Per­so­nen, sogar sei­ne eige­ne Frau und sei­nen ältes­ten Sohn (s. Lexi­kon zur Bibel, S. 513). Die­se Kon­troll­sucht und die Aus­sicht auf sei­nen bal­di­gen Tod durch eine Krank­heit machen sei­ne Reak­ti­on ver­ständ­li­cher und gleich­zei­tig abscheulicher. 

Als die Magoi am Palast ein­tra­fen erreg­te das Auf­se­hen. Hohe könig­li­che Beam­te kamen nicht als drei ein­sa­me Män­ner auf Kame­len an die Hin­ter­tür, son­dern park­ten mit einer grö­ße­ren Kara­wa­ne vor den Haupt­to­ren des Palas­tes. Das Ereig­nis wur­de jeden­falls sofort in ganz Jeru­sa­lem bekannt (Vers 3) und der Schre­cken des Vol­kes über einen wei­te­ren Thron-Mit­be­wer­ber ist sehr verständlich. 

4) Der Umweg über die Bibel

War­um führt Gott die Wei­sen aber nicht direkt zu Jesus? War­um der Umweg? Die Wei­sen las­sen sich nicht auf­hal­ten. Sie las­sen sich von Gott wei­ter­füh­ren. Zuerst per Stern zur Bibel und dann wei­ter per Stern. Sie wer­den nicht müde, bis sie ihre Knie vor dem Mes­si­as beu­gen können. 

Es gibt vie­le Berich­te von Mus­li­men, die von Jesus träu­men aber sich Ihm erst wirk­lich anver­trau­en, wenn sie Ihn durch die Berich­te der Bibel ken­nen­ler­nen. Für uns scheint es ein Umweg zu sein, aber Gott unter­streicht immer wie­der die Über­zeu­gungs­kraft sei­nes Wortes. 

5) Warum Matthäus diese Geschichte erzählt – und Lukas nicht

Jeder Evan­ge­list prä­sen­tiert Jesus mit einer beson­de­ren Per­spek­ti­ve. Lukas stellt Jesus als den Men­schensohn vor, der auf Augen­hö­he kommt und der die Unbe­deu­ten­den im Blick hat (Maria, Hir­ten, Sime­on und Han­na). Mat­thä­us betont die könig­li­che Rol­le des Mes­si­as: Er ist “Davids Sohn” (Mat 1,1.20) und wird von bedeu­ten­den Magoi besucht und beschenkt. Die­ses Motiv zieht sich durch bis zum Fina­le: “Mir ist gege­ben alle Macht im Him­mel und auf Erden!” (Mat 28). 

Die Par­al­le­len zum Pen­ta­teuch und Exo­dus sind eben­falls nicht zu über­se­hen, wenn man sie ein­mal ent­deckt hat: Der Mord eines bösen Herr­schers an Neu­ge­bo­re­nen, das Zitat “Aus Ägyp­ten habe ich mei­nen Sohn geru­fen”, fünf gro­ße Reden Jesu als Erfül­lung der Torah, sei­ne Tau­fe im Jor­dan und die anschlie­ßen­de Ver­su­chung in der Wüs­te, die Jesus mit Zita­ten aus dem fünf­ten Buch Mose meistert.

Die Geschichte „Heilige Drei Könige” für uns selbst neu entdecken

6) Der Retter muss gerettet werden.

Mat­thä­us macht klar: Got­tes Geschich­te ist nie­mals in Gefahr. Er ist so sou­ve­rän, dass er sich traut, Jesus als Baby zu schi­cken. Er ver­sorgt ihn durch teu­re Geschen­ke der heid­ni­schen Pries­ter, er beschützt ihn durch Isra­els Erz­feind Ägyp­ten. Und auch wenn Hero­des tobt und tötet – nie­mand hält Got­tes Plan auf. 

7) Gottes Reich bedroht unser persönliches Reich

Hero­des will nicht anbe­ten. Er will ange­be­tet wer­den. Er will nicht sei­ne Knie beu­gen, er will dass ande­re vor ihm auf die Knie gehen. Und wenn sie das nicht tun, wird er sie in die Knie zwingen. 

Wie oft ist der Grund unse­rer Wut, dass unser Reich und unser Wil­le in Gefahr kommt? Wo wer­den wir wütend, wenn Gott uns auf­for­dert, unse­re Kro­ne abzu­le­gen und Jesus anzubeten? 

8) Wissen muss nicht Weise machen

Was machen eigent­lich die Schrift­ge­lehr­ten? Sie haben gera­de bestä­tigt: „Der Mes­si­as ist in Beth­le­hem gebo­ren.” Was tun sie jetzt? Nichts. Gar nichts. Sie wis­sen alles. Sie zitie­ren sofort aus der Bibel, schla­gen nach, lesen vor. Und es ist ihnen völ­lig egal. War­um zie­hen sie nicht mit den Wei­sen? War­um gehen sie nicht, um anzu­be­ten? Der Kopf ist voll, das Herz ist leer.

Führt uns unse­re Logos Biblio­thek in die Anbe­tung? Oder schlie­ßen wir unse­re Bibel und unse­re Soft­ware ohne dass unser Herz mit zu Jesus geht?

9) Weise Menschen beten Jesus an. 

Viel­leicht macht Gott auf sich auf­merk­sam, wie mit einem Stern. Er will uns zu sei­nem Wort brin­gen und von dort zu sei­nem Sohn. In die­sem unschein­ba­ren Kind an die­sem unschein­ba­ren Ort den Mes­si­as zu fin­den – das ist das Anlie­gen von Mat­thä­us. Vol­ler Bewun­de­rung anzu­be­ten und vol­ler Dank unse­re Schät­ze abzugeben! 

10) Der eine Heilige König

Wenn Mat­thä­us der Geschich­te einen Titel geben wür­de, wäre das nicht „die hei­li­gen 3 Köni­ge“. Son­dern die Geschich­te von dem „einen hei­li­gen König“. Und der sitzt bei Maria auf dem Schoß. 

Mat­thä­us beginnt mit einer Ein­la­dung: Der König lädt Magoi aus einer fer­nen Natio­nen ein, zu ihm zu kom­men und ihn anzubeten.

Mat­thä­us endet mit einer Aus­sendung: Der König lädt sei­ne Nach­fol­ger ein, in alle Natio­nen zu gehen und Got­tes Reich anzukündigen. 

Denn wei­se Men­schen beten die­sen Einen Hei­li­gen König an.

Simon Rühl

Über den Autor

Simon Rühl war 9 Jahre Pastor in Süddeutschland und Wien, bevor er ins deutsche Logos-Team einstieg. Er wohnt mit seiner Frau und 2 Jungs in Landau in der Pfalz. Bei Logos ist seine Leidenschaft, dass Christen zum Bibelstudieren motiviert und befähigt werden.

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  1. Dan­ke für den Hin­weis, was man aus dem Alter der getö­te­ten Kin­der betr. Zeit­punkt des Besu­ches schlies­sen kann. Das gibt auch Hin­wei­se auf das Geburtsdatum.
    Viel­leicht noch ein Hin­weis mei­ner­seits: Es steht nicht, dass sie dem Stern gefolgt sind, son­dern dass sie ihn gese­hen haben. Erst als sie Jeru­sa­lem wie­der ver­las­sen, erscheint er wie­der (Und sie­he, der Stern, den sie im Mor­gen­land gese­hen hat­ten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über stand, wo das Kind war.). Das wür­de gut zu den von Kep­ler ent­deck­ten aber nach Wiki­pe­dia nicht direkt mit dem „Stern von Beth­le­hem” in Zusam­men­hang gebrach­ten Kon­junk­tio­nen von Jupi­ter und Saturn im Jahr 7 v.Chr. pas­sen (s. https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​S​t​e​r​n​_​v​o​n​_​B​e​t​l​e​h​e​m​#​J​o​h​a​n​n​e​s​_​K​e​p​l​e​r​_​(​a​b​_​1​604) (8.1.21)

  2. Sehr gute Zusam­men­fas­sung und anspre­chen­de Inhal­te zum Nachdenken.
    Eine klei­ne Ergän­zung zu Punkt 2: Ein wei­te­rer Hin­weis, wes­we­gen die Hir­ten und die Wei­sen sich nicht getrof­fen haben könn­ten: Der Ort der Begeg­nung. Die Hir­ten kamen zu einer Krip­pe (φάτνη), in der Jesus lag. Die Wei­sen kom­men in ein Haus (οἰκία), wo sie Jesus fin­den. Es wird wohl ein gewis­ser Zeit­raum ver­gan­gen sein, sodass Maria und Josef in ein Haus gekom­men sind.

  3. Vie­len Dank für die wich­ti­ge Fra­ge unter Punkt 8 in die­sem Arti­kel. Das ist es, wor­auf es wirk­lich ankommt!
    Got­tes Segen.

  4. Hey, star­ker Bei­trag. Dan­ke dir, Simon! 

    Gera­de die Aus­sa­ge unter Punkt 8 „Wis­sen muss nicht Wei­se machen” ist für mich ein wich­ti­ges The­ma gewor­den. Ich lie­be Fak­ten, Daten, tief hin­ein zu schau­en in das Wort und die­ses Meis­ter­werk zu ent­de­cken. Doch all das muss mich immer wie­der in Anbe­tung und Bezie­hung zu Gott führen. 

    Ich freu mich dar­auf noch mehr Arti­kel wie die­sen hier zu lesen. Dan­ke für dei­ne und eure Arbeit! Logos ist eine gro­ße Berei­che­rung für mei­nen All­tag und mein Studium.

    LG

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