Patrologia Graeca – Das ehrgeizigste Buchprojekt von Logos in 2018

Von Thomas Powilleit

Kirchenväter, Patrologia Graeca

Die Schriften der griechischen Kirchenväter

Das viel­leicht auf­re­gends­te und ehr­gei­zigs­te Pro­jekt des Jah­res 2018 ist die Ver­öf­fent­li­chung des ers­ten Tei­les der Patro­lo­gia Grae­ca (PG). Die Patro­lo­gia Grae­ca ist die größ­te jemals erschie­ne­ne Samm­lung vor­han­de­ner Schrif­ten der grie­chi­schen Kir­chen­vä­ter. Das Gesamt­werk bei Logos ent­hält 167 Bän­de. In den Bän­den 1–80 sind die grie­chi­schen Tex­te par­al­lel Latei­nisch über­setzt. Sämt­li­che Erläu­te­run­gen zu Tex­ten und Autoren sind eben­falls in latei­ni­scher Spra­che verfasst.

Wer in der Lage ist, grie­chisch oder latei­nisch zu lesen, hat mit der Patro­lo­gia Grae­ca ein Werk zur Ver­fü­gung, in dem man die Gedan­ken der Kir­chen­vä­ter im Ori­gi­nal nach­le­sen kann. Da bekannt­lich jede Genera­ti­on ihre blin­den Fle­cken in der Erkennt­nis hat, kann es sehr hel­fen, das Den­ken ande­rer Genera­tio­nen ken­nen­zu­ler­nen, um wich­ti­ge bibli­sche Wahr­hei­ten, die uns viel­leicht ver­lo­ren gegan­gen sind, wiederzuentdecken.

Faith­li­fe hat begon­nen, die­ses groß­ar­ti­ge Werk für Logos digi­tal auf­zu­be­rei­ten und durch­such­bar zu machen. Die ers­ten 18 Bän­de der Patro­lo­gia Grae­ca (von ins­ge­samt 167!) sind teil von Logos 8 Pla­tin (deutsch) und wer­den schon jetzt nach und nach ver­füg­bar. Die­se 18 Bän­de ent­hal­ten das Werk der vor­nizä­ni­schen Kir­chen­vä­ter, die für die Theo­lo­gie­ge­schich­te und Text­kri­tik beson­ders wich­tig sind.

Das Interview zur Patrologia Graeca

Im eng­lisch­spra­chi­gen Logos Aca­de­mic Blog ist ein Inter­view mit Rick Brann­an, einem erfah­re­nen Grie­chisch-Exper­ten bei Faithlife/​Logos und Kyle Ander­son erschie­nen, der für die Pro­duk­ti­on neu­er Inhal­te bei Faith­li­fe zustän­dig ist. Ander­sons Auf­ga­be ist es, die Bän­de der PG in ein digi­ta­les, durch­such­ba­res For­mat zu brin­gen. Ein Pro­jekt, das vor­her so noch nie rea­li­siert wurde.

Wir geben wesent­li­che Aus­sa­gen die­ses Inter­views wie­der, damit man sich ein Bild von der Grö­ße, aber auch dem Nut­zen die­ses Pro­jek­tes machen kann. Wer dar­über hin­aus sich noch inten­si­ver für die Bedeu­tung die­ses monu­men­ta­len Werks und sei­ner anti­ken Autoren inter­es­siert, dem emp­feh­len wir die­sen ergän­zen­den eng­lisch­spra­chi­gen Arti­kel. 

Hier nun die Zusam­men­fas­sung des Inter­views mit der Wie­der­ga­be wesent­li­cher Aussagen:

Hallo Rick, danke für das Gespräch mit uns über die PG. Ist ein Projekt dieser Größenordnung überhaupt jemals von jemanden in Angriff genommen worden, bevor Logos es angepackt hat? 

Brann­an: Es gab auch schon vor Beginn unse­res ehr­gei­zi­gen Buch­pro­jekts die Mög­lich­keit, über den The­sau­rus Lin­guae Grae­cae (TLG) in fast allen grie­chi­schen Tex­ten zu suchen. Der TLG ent­hält neben den Tex­ten, die wir in der PG fin­den, natür­lich noch jede Men­ge wei­te­rer klas­si­scher Tex­te. Vor unge­fähr fünf Jah­ren hat jemand die PG-Tex­te aus dem TLG her­aus kopiert und sie als PDF online ver­füg­bar gemacht. Jemand ande­res hat Sei­ten gescannt und einen Index erstellt, mit dem man nach Autor, Sei­te oder der Spal­te in Goog­le Books oder archi​ve​.org suchen konn­te. Ich bin mir nicht sicher, ob die­ser Zugriff noch funk­ti­ons­fä­hig ist. Die Sei­te Docu­men­ta Catho­li­ca Omnia hat etwas Ähn­li­ches getan. Auch sie haben die Sei­ten genau gescannt und das Ergeb­nis als open source zur Ver­fü­gung gestellt (sie­he: https://​git​hub​.com/​O​G​L​-​P​a​t​r​o​l​o​g​i​a​G​r​a​e​c​a​Dev).

Die Patro­lo­gia Grae­ca (PG) war schon immer ein ein­zig­ar­ti­ges Pro­jekt, weil es ein sehr gro­ßes Pro­jekt ist. Die Patro­lo­gia Grae­ca ist aber auch des­halb wich­tig, weil eini­ge, der in die­sen Bän­den ent­hal­te­nen Tex­te, hier ein letz­tes Mal als grie­chi­scher Text erschie­nen sind.

Es gab also eini­ge Ver­su­che, digi­ta­le Aus­ga­ben der PG zu ver­öf­fent­li­chen. Aber abge­se­hen vom The­sau­rus Lin­guae Grae­cae hat­ten wir es nur mit grie­chi­schen Tex­ten und latei­ni­schen Ein­füh­rungs­tex­ten zu tun, die als Fak­si­mi­le fest­ge­hal­ten wur­den. Das heißt, es sind nur Bil­der der Sei­te (PDF). Ein Anbie­ter hat­te, wie schon gesagt, vor Jah­ren die Sei­ten­scans nach Aus­ga­be, Sei­te und Spal­te indi­ziert, wodurch das Nach­schla­gen von Zita­ten ver­ein­facht wur­de. Es war aber immer noch nicht durch­such­bar. Mit dem Auf­kom­men von Archiv­sei­ten wie archi​ve​.org und Goog­le Books wur­den die Sei­ten zwar durch eine ein­fa­che Fak­si­mi­le-Ver­si­on ver­füg­bar gemacht, blie­ben jedoch wei­ter­hin nicht durch­such­bar. Die Logos-Edi­ti­on will dies nun ändern.

Wenn die PG so wichtig ist, warum hat Logos so lange gebraucht, um das Projekt selbst zu starten?

Ander­son: Die lan­ge und kur­ze Ant­wort ist, dass es wirk­lich teu­er ist. Bei einem Durch­schnitt von 1000 Sei­ten pro Band ist es tat­säch­lich eine rie­si­ge Men­ge an Mate­ri­al, das neu erstellt wer­den muss­te, ins­be­son­de­re wenn man bedenkt, dass man sie jeweils zwei­mal ein­ge­ben und dann auf allen Sei­ten eine Qua­li­täts­prü­fung durch­füh­ren muss.

Könnten Sie beschreiben, wie ein Band dieses Werkes erstellt wird?

Ander­son: Wir haben jedes PDF zwei ver­schie­de­nen Teams zuge­wie­sen. Jedes Team digi­ta­li­siert das PDF mit der­sel­ben Metho­de, indem die Tex­te von Hand ein­ge­ge­ben wer­den. Wir haben kei­ne OCR’s ver­wen­det. (OCR ist Soft­ware, die PDFs und Bil­der nach ein­zel­nen Zei­chen durch­sucht, um die Zei­chen in durch­such­ba­ren, bear­beit­ba­ren Text umzu­wan­deln). Die Teams erstel­len also zwei ver­schie­de­ne Datei­en. Wir ver­glei­chen die bei­den Datei­en dann mit Soft­ware auf Feh­ler hin. Der Vor­teil die­ser Dop­pel-Stra­te­gie ist eine Mini­mie­rung von Feh­lern, da die Genau­ig­keit ver­dop­pelt wird.

Welche Herausforderungen oder Hindernisse habt ihr als Logos-Teams bei der Produktion der PG erlebt?

Ander­son: Die größ­te Her­aus­for­de­rung bestand in den Quell­da­tei­en selbst. Sie sind teil­wei­se undeut­lich und des­halb schwer zu lesen. Das ist auch der Grund, war­um man die­ses Pro­jekt nicht in Angriff genom­men hat. Die PDFs wur­den aus alten Büchern erstellt, was zu unkla­ren oder unle­ser­li­chen Tex­ten füh­ren kann. Wenn man nicht flie­ßend Latein oder Grie­chisch spricht, kann es schwie­rig sein, die rich­ti­gen Buch­sta­ben zu erkennen.

Uns ist wich­tig, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die PG nach wie vor ein Ent­wick­lungs­pro­jekt ist. Des­halb ermu­ti­gen wir jeden Leser aus­drück­lich, uns zu mel­den, wenn wir Wor­te falsch inter­pre­tiert haben. Gemein­sam kön­nen wir die­ses groß­ar­ti­ge Werk fer­tig­stel­len. Wir sind dank­bar, wenn man uns Tipp­feh­ler mit­teilt und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge macht. Der Vor­teil eines digi­ta­len Medi­ums ist eben, dass Feh­ler leicht beho­ben wer­den können.

Die Gelegenheit, die Patrologia Graeca kostengünstig zu erwerben

Wir emp­feh­len Ihnen, sich die 18-Bän­de-PG: Teil 1 zu kau­fen, bevor der Preis nach der Vor­be­stel­lung-Pha­se steigt.

Beach­ten Sie bit­te auch, dass der­zeit die gesam­te Patro­lo­giae Cur­sus Com­ple­tus: Serie Grae­ca mit 167 Bän­den ange­bo­ten wird. Dass Sie die gesam­te Samm­lung zu einem so unglaub­lich nied­ri­gen Preis erhal­ten kön­nen, ist ein Dan­ke­schön von uns, weil Sie uns so mit­hel­fen, die­se wich­ti­ge Res­sour­ce für die Ver­öf­fent­li­chung zu finanzieren.

Der Arti­kel wur­de über­tra­gen und ergänzt.

Thomas Powilleit

Über den Autor

Thomas Powilleit ist Pastor der evangelischen Freikirche „Evangelium für Alle“ in Stuttgart (www.efa-stuttgart.de). Neben seinen Aufgaben dort ist er überörtlich vor allen Dingen im Rahmen des gleichnamigen Netzwerkes „Evangelium für Alle“ zu Seminaren und ausgewählten Einzelveranstaltungen unterwegs.

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