Wenn Gott uns Fragen stellt. Und die einzige Frage, die Jesus dem Vater stellte.

Von Simon Rühl


Unsere Fragen im Alltag

Wir Men­schen haben vie­le Fra­gen. Wir stel­len im All­tag vie­le Fra­gen aus vie­len unter­schied­li­chen Grün­den! Um jeman­den bes­ser ken­nen­zu­ler­nen und Bezie­hun­gen zu ver­tie­fen. Wir stel­len Fra­gen, weil wir etwas nicht ver­ste­hen oder wis­sen wol­len. Leh­rer stel­len Fra­gen, um unser Wis­sen zu prü­fen. Der Arzt stellt Fra­gen, um eine Dia­gno­se stel­len zu können.

Wenn Gott die Fragen stellt

Neu­lich ist mir etwas Inter­es­san­tes auf­ge­fal­len: Gott stellt uns Men­schen vie­le Fra­gen! Also habe ich eine Suche in Logos gestar­tet: Wo sind Gott oder Jesus die “Spre­cher” und die Satz­art ist eine Frage. 

Irgend­wie selt­sam, dass Gott so viel fragt, wenn er doch eigent­lich alles weiß. War­um macht er das?

Motivation und Intention von Fragen

War­um stel­len wir über­haupt Fra­gen? Wenn wir Fra­gen stel­len, haben wir 

  1. eine per­sön­li­che MOTIVATION und 
  2. eine kon­kre­te INTENTION

Das klingt erst­mal abs­trakt, lass es mich erklären. 

Wir haben eine MOTIVATION, also ein inne­res Anlie­gen! Zum Bei­spiel ist unse­re Moti­va­ti­on bei einem guten Freund oder einer guten Freun­din freund­schaft­li­che Lie­be. Wir fra­gen “Wie geht es dir”? weil man sich wirk­lich interessiert.

Wir haben oft eine kon­kre­te INTENTION, also eine Absicht mit unse­rer Fra­ge! Wir fra­gen in Freund­schaf­ten hof­fent­lich aus Lie­be (Moti­va­ti­on) und um der Freun­din zu hel­fen oder um die Bezie­hung zu vertiefen. 

Gottes Motivation und Intention

Was ist Got­tes Moti­va­ti­on und Inten­ti­on, wenn er uns Men­schen die Fra­gen stellt?

Die erste Frage der Bibel 

Die ers­te Fra­ge der Bibel kommt weder von Gott, noch von Men­schen. “Soll­te Gott gesagt haben…” ist die teuf­li­sche Fra­ge, die die gan­ze Welt aus den Fugen brin­gen wird. Der Teu­fel will kei­ne Infor­ma­ti­on (was hat Gott denn genau gesagt?), son­dern er will mit sei­ner Fra­ge in-Frage-stellen. 

Und sein Plan geht auf. Die Fra­ge ist tech­nisch geni­al und beweist, dass die Schlan­ge das “lis­tigs­te Tier” ist, das auf der Erde leb­te (1. Mose 3,1). 

Aus dem Leben: Die verbotene Haribo-Frucht

Stellt euch Eltern vor, die vie­le klei­ne lee­re Gum­mi­bär­chen-Tüten im Bett ihrer Kin­der fin­den. Sie haben die ver­bo­te­ne Hari­bo-Frucht geklaut und geges­sen. Die ers­te Mög­lich­keit wäre, die Kin­der aus­zu­schimp­fen, anzu­kla­gen, eine Stra­fe zu geben und die Tür zuzu­schla­gen. Das mag berech­tigt sein, aber wäre es auch hilf­reich? Die ange­schla­ge­ne Bezie­hung wür­de noch labi­ler werden.

Wo bist du?

Gott kommt in den Gar­ten und fragt Adam: “Wo bist du?” Was ist sei­ne Moti­va­ti­on und was ist sei­ne Intention? 

Dass er über­haupt eine Fra­ge stellt, zeigt sei­ne Moti­va­ti­on: Er sucht noch immer die Bezie­hung. Er fragt Adam auch, wo er ist, nicht zuerst, was er getan hat. Nicht die zer­stö­re­ri­sche Tat, son­dern die zer­stör­te Bezie­hung ist Got­tes ers­te Fra­ge: “War­um bist du nicht hier bei mir und wir kön­nen spa­zie­ren gehen?”

Adam weicht lei­der aus. Gott wird kon­kre­ter: “Hast du von der Frucht geges­sen?” Adam weicht wie­der aus und beschul­digt gleich­zei­tig Gott (der ihm die Frau gege­ben hat) und Eva (die ihm die Frucht vor die Nase gehal­ten hat). 

Dann fragt Gott auch Eva, aber auch sie fühlt sich nicht zuständig!

Gottes Fragen ermöglichen Beziehung

Jetzt kommt das Inter­es­san­te (V.14): ​Sei­nen Men­schen stellt Gott Fra­gen. Der Schlan­ge stellt Gott kei­ne Frage!

Gott fragt dich: “Wo bist du? War­um bist du nicht (nah) bei mir?” Wow! 
Gott fragt dich: “Was hast du getan? Was steht zwi­schen uns? Kannst du es beim Namen nennen?

Die Schlan­ge wird aus­ge­schimpft und erhält direkt den Fluch. 
Die Men­schen wer­den ein­ge­la­den: zum Gespräch, zur Buße und zur Wiederherstellung. 

Gottes Anliegen und Absicht

Den­ken wir zurück an die Gum­mi­bär­chen-Affä­re der Kin­der in unse­rem vor­he­ri­gen Bei­spiel. Was wäre, wenn die Eltern nicht toben, son­dern in die Hocke auf Augen­hö­he gehen und fra­gen: “Hey Kids, wir haben euer Bett auf­ge­räumt und etwas gefun­den. Was könn­te das sein?” “Habt ihr die Tüten gestoh­len?” Das gibt die Mög­lich­keit zur Umkehr und zur Wie­der­her­stel­lung der Bezie­hung – Stra­fe ist natür­lich nicht ausgeschlossen.

Das ist Got­tes Art mit Adam und Eva. Er begibt sich auf Augen­hö­he. Er sucht die Bezie­hung, er ermög­licht mehr­fach die Buße. Das gibt die Mög­lich­keit zur Umkehr und zur Wie­der­her­stel­lung der Beziehung. 

Das tut Gott immer und immer wie­der in der Bibel. Den­ken wir an Kain (“Wo ist dein Bru­der?”), Jakob (“Wie heißt du?”), Jona (“Soll­te ich nicht Barm­her­zig­keit haben?”), Mose (“Wer hat den Mund des Men­schen gemacht?”) und meh­re­re Kapi­tel Fra­gen an Hiob.

Got­tes Ziel ist immer, dass wir Men­schen inne­hal­ten, anhal­ten und uns Got­tes Reden stel­len. Sei­ne Moti­va­ti­on ist (hei­li­ge) Lie­be und sei­ne Inten­ti­on eine wie­der­her­ge­stell­te Beziehung.

Wenn Jesus die Fragen stellt

Als Jesus auf der Erde ist, stellt er vie­le, vie­le Fra­gen. Vie­le davon sind sprich­wört­lich berühmt:

Was hat ein Mensch davon, wenn er die gan­ze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst ver­liert oder unheil­ba­ren Scha­den nimmt?

Lukas 9,25

Wes­halb siehst du den Split­ter im Auge dei­nes Bruders?

Mat­thä­us 7,3

Aber wirk­lich beein­dru­ckend ist, wie Gott die Geschich­te von Adam und Eva in Jesus fer­tig schreibt. 

Denn Gott ist noch­mal her­un­ter zu uns in den Gar­ten gekom­men. In unse­re Welt, in der wir Men­schen uns mit unse­ren Geheim­nis­sen vor­ein­an­der und vor Gott ver­ste­cken. Er ist in Jesus noch­mal her­un­ter­ge­kom­men und mit den Men­schen spa­zie­ren gegangen. 

Jesus hat den Men­schen vie­le Fra­gen gestellt… Und auch sei­ne Moti­va­ti­on war Lie­be und sei­ne Absicht die Bezie­hung mit uns! Und es gibt eine Fra­ge von Jesus, die die­se Moti­va­ti­on wie kei­ne ande­re Fra­ge deut­lich macht! 

Es ist die ein­zi­ge Fra­ge, die Jesus je sei­nem Vater gestellt hat. Und auf die­se Fra­ge erhielt er kei­ne Antwort. 

Aber von Mit­tag an und noch den hal­ben Nach­mit­tag lag eine schwe­re Fins­ter­nis über dem gan­zen Land. Zuletzt schrie Jesus laut: „Eli, Eli, lema sabacht­ha­ni?“ Das heißt: „Mein Gott, mein Gott, war­um hast du mich verlassen?“

Mat­thä­us 27,45–46

An die­sem Tag schrie Jesus die­se Fra­ge in den Him­mel. Und er der Sohn erhält kei­ne Ant­wort vom Vater. Jesus erhielt kei­ne Ant­wort, er wur­de zur Ant­wort. WARUM wur­de Jesus ver­las­sen? Damit Gott uns nie­mals ver­las­sen muss. 

Gott ver­steckt sich vor Jesus, damit wir uns nicht mehr ver­ste­cken müs­sen wie Adam und Eva. 

Gott ver­flucht Jesus, damit wir nicht mehr ver­fluch­te wer­den wie Adam und Eva. 

Gott schließt Jesus aus der Bezie­hung aus, damit wir ein­ge­la­den sein können.

Wenn du dei­ne Bezie­hung mit Gott ver­tie­fen möch­test, 
lässt du Got­tes Fra­gen in dei­nem Leben zu!

Wenn du dei­ne Bezie­hung mit Gott ver­tie­fen möch­test, 
schaust du auf sei­ne Ant­wort – auf sei­nen Sohn am Kreuz!

Simon Rühl

Über den Autor

Simon Rühl war 9 Jahre Pastor in Süddeutschland und Wien, bevor er ins deutsche Logos-Team einstieg. Er wohnt mit seiner Frau und 2 Jungs in Landau in der Pfalz. Bei Logos ist seine Leidenschaft, dass Christen zum Bibelstudieren motiviert und befähigt werden.

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  1. Der Bei­trag hat mir gut gefallen.
    Beson­ders weil er hilft inne zu hal­ten und nicht ein­fach dem Bibel­text ‚zuni­cken’ wäh­rend des Lesens 😉
    Die Rück­fra­gen am Schluss zum Text fin­de ich sehr hilfreich.
    Ein wei­te­res Puz­zel­teil­chen um Jesus im Glau­ben bes­ser ken­nen zu ler­nen und Ihm zu vertrauen.

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