Heilige Drei Könige” – 10 Entdeckungen zur unbekannten Weihnachtsgeschichte

Die eine oder andere Wei­h­nachts­deko ist sicher­lich schon wieder in ein­er Kiste ver­staut. Aber eine Geschichte fehlt noch: Die “Heili­gen drei Könige”. Es ist gut, dass wir zu Beginn des neuen Jahres einen weit­eren Tag Wei­h­nacht­en feiern. Und Matthäus gibt uns in seinem zweit­en Kapi­tel eine unglaublich schöne und etwas andere Per­spek­tive auf das Kom­men des ewigen Königs. 

Als Anre­gung zum Nach­denken und Nach­feiern gibt es von uns 10 Ent­deck­un­gen für Kopf und Herz. 

Die Geschichte neu entdecken

1) Die Drei heiligen Könige waren weder drei, noch heilige, noch Könige 

Natür­lich kön­nten es drei Män­ner gewe­sen sein oder aber auch 12 (wie in östlichen Kirchen angenom­men wird). Die Bibel erwäh­nt allerd­ings nur, dass sie mit drei Geschenken anreis­ten. Von drei Män­nern auf Kame­len zu bericht­en schadet der Aus­sage auf den ersten Blick nicht. Aber vielle­icht verniedlicht es den hohen Sta­tus der uni­ver­sitären Élite, die dort anreisten. 

Matthäus nen­nt sie “Magoi”. Eine schnelle Wort­studie zeigt: Sowohl im NT als auch im AT sind hier königliche Berater gemeint (s. Daniel 2) oder auch okkulte Zauber­er (Apg 13). Im per­sis­chen Reich waren magoi ange­se­hene Astrolo­gen, Philosophen und Priester, die den König bei Entschei­dun­gen bera­tend zur Seite standen.

Heilige waren sie also in gewis­sem Sinne, weil sie zur religiösen Ober­schicht gehörten und zumin­d­est königlich, weil sie zu den königlichen Beratern gehörten. Wahrschein­lich­er ist aber, dass sie deswe­gen Heilige genan­nt wer­den, weil sie die ersten Hei­den waren, die Jesus als König anbeteten.

Woher die Magoi kamen wird disku­tiert. Die bekan­ntesten drei Optio­nen sind in Logos auf dieser Karte zusammengefasst.

2) Die Magoi und Hirten haben sich (wahrscheinlich) nie getroffen.

Es gibt min­destens zwei Hin­weise im Text, dass Jesus zur Zeit des Besuchs deut­lich älter war. Ein Recht­sklick auf das jew­eilige Wort im Text zeigt: Lukas beze­ich­net Jesus expliz­it als “Baby” (βρέφος), Matthäus beze­ich­net ihn als παιδίον (Kleinkind). Außer­dem lässt Herodes alle Kinder bis zu zwei Jahren töten, weil er nachge­fragt hat­te, “wann der Stern erschienen sei” (Mt 2,7). 

Die Hirten und die Magoi haben aber eins gemein­sam: bei­de waren auf sehr unter­schiedliche Weise höchst unwürdi­ge Gäste für den men­schge­wor­de­nen, heili­gen Gott.

3) Herodes war in Krisenstimmung, bevor die Magoi ankamen.

Jesus war nicht das erste Opfer von Herodes’ para­noi­der Macht­gi­er. Um die Thron­nach­folge nach eige­nen Vorstel­lun­gen zu gestal­ten tötete er dutzende Per­so­n­en, sog­ar seine eigene Frau und seinen ältesten Sohn (s. Lexikon zur Bibel, S. 513). Diese Kon­troll­sucht und die Aus­sicht auf seinen baldigen Tod durch eine Krankheit machen seine Reak­tion ver­ständlich­er und gle­ichzeit­ig abscheulicher. 

Als die Magoi am Palast ein­trafen erregte das Auf­se­hen. Hohe königliche Beamte kamen nicht als drei ein­same Män­ner auf Kame­len an die Hin­tertür, son­dern park­ten mit ein­er größeren Karawane vor den Haupt­toren des Palastes. Das Ereig­nis wurde jeden­falls sofort in ganz Jerusalem bekan­nt (Vers 3) und der Schreck­en des Volkes über einen weit­eren Thron-Mit­be­wer­ber ist sehr verständlich. 

4) Der Umweg über die Bibel

Warum führt Gott die Weisen aber nicht direkt zu Jesus? Warum der Umweg? Die Weisen lassen sich nicht aufhal­ten. Sie lassen sich von Gott weit­er­führen. Zuerst per Stern zur Bibel und dann weit­er per Stern. Sie wer­den nicht müde, bis sie ihre Knie vor dem Mes­sias beu­gen können. 

Es gibt viele Berichte von Mus­li­men, die von Jesus träu­men aber sich Ihm erst wirk­lich anver­trauen, wenn sie Ihn durch die Berichte der Bibel ken­nen­ler­nen. Für uns scheint es ein Umweg zu sein, aber Gott unter­stre­icht immer wieder die Überzeu­gungskraft seines Wortes. 

5) Warum Matthäus diese Geschichte erzählt – und Lukas nicht

Jed­er Evan­ge­list präsen­tiert Jesus mit ein­er beson­deren Per­spek­tive. Lukas stellt Jesus als den Men­schensohn vor, der auf Augen­höhe kommt und der die Unbe­deu­ten­den im Blick hat (Maria, Hirten, Sime­on und Han­na). Matthäus betont die königliche Rolle des Mes­sias: Er ist “Davids Sohn” (Mat 1,1.20) und wird von bedeu­ten­den Magoi besucht und beschenkt. Dieses Motiv zieht sich durch bis zum Finale: “Mir ist gegeben alle Macht im Him­mel und auf Erden!” (Mat 28). 

Die Par­al­le­len zum Pen­ta­teuch und Exo­dus sind eben­falls nicht zu überse­hen, wenn man sie ein­mal ent­deckt hat: Der Mord eines bösen Herrsch­ers an Neuge­bore­nen, das Zitat “Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen”, fünf große Reden Jesu als Erfül­lung der Torah, seine Taufe im Jor­dan und die anschließende Ver­suchung in der Wüste, die Jesus mit Zitat­en aus dem fün­ften Buch Mose meistert.

Die Geschichte für uns selbst neu entdecken

6) Der Retter muss gerettet werden.

Matthäus macht klar: Gottes Geschichte ist niemals in Gefahr. Er ist so sou­verän, dass er sich traut, Jesus als Baby zu schick­en. Er ver­sorgt ihn durch teure Geschenke der hei­d­nis­chen Priester, er beschützt ihn durch Israels Erzfeind Ägypten. Und auch wenn Herodes tobt und tötet – nie­mand hält Gottes Plan auf. 

7) Gottes Reich bedroht unser persönliches Reich

Herodes will nicht anbeten. Er will ange­betet wer­den. Er will nicht seine Knie beu­gen, er will dass andere vor ihm auf die Knie gehen. Und wenn sie das nicht tun, wird er sie in die Knie zwingen. 

Wie oft ist der Grund unser­er Wut, dass unser Reich und unser Wille in Gefahr kommt? Wo wer­den wir wütend, wenn Gott uns auf­fordert, unsere Kro­ne abzule­gen und Jesus anzubeten? 

8) Wissen muss nicht Weise machen

Was machen eigentlich die Schrift­gelehrten? Sie haben ger­ade bestätigt: „Der Mes­sias ist in Beth­le­hem geboren.” Was tun sie jet­zt? Nichts. Gar nichts. Sie wis­sen alles. Sie zitieren sofort aus der Bibel, schla­gen nach, lesen vor. Und es ist ihnen völ­lig egal. Warum ziehen sie nicht mit den Weisen? Warum gehen sie nicht, um anzu­beten? Der Kopf ist voll, das Herz ist leer. 

Führt uns unsere Logos Bib­lio­thek in die Anbe­tung? Oder schließen wir unsere Bibel und unsere Soft­ware ohne dass unser Herz mit zu Jesus geht?

9) Weise Menschen beten Jesus an. 

Vielle­icht macht Gott auf sich aufmerk­sam, wie mit einem Stern. Er will uns zu seinem Wort brin­gen und von dort zu seinem Sohn. In diesem unschein­baren Kind an diesem unschein­baren Ort den Mes­sias zu find­en – das ist das Anliegen von Matthäus. Voller Bewun­derung anzu­beten und voller Dank unsere Schätze abzugeben! 

10) Der eine Heilige König

Wenn Matthäus der Geschichte einen Titel geben würde, wäre das nicht „die heili­gen 3 Könige“. Son­dern die Geschichte von dem „einen heili­gen König“. Und der sitzt bei Maria auf dem Schoß. 

Matthäus begin­nt mit ein­er Ein­ladung: Der König lädt Magoi aus ein­er fer­nen Natio­nen ein, zu ihm zu kom­men und ihn anzubeten.

Matthäus endet mit ein­er Aussendung: Der König lädt seine Nach­fol­ger ein, in alle Natio­nen zu gehen und Gottes Reich anzukündigen. 

Denn weise Men­schen beten diesen Einen Heili­gen König an.

Teilen
Von
Simon Rühl

Simon Rühl war 9 Jahre Pastor in Süddeutschland und Wien, bevor er ins deutsche Logos-Team einstieg. Er wohnt mit seiner Frau und 2 Jungs in Landau in der Pfalz. Bei Logos ist seine Leidenschaft, dass Christen zum Bibelstudieren motiviert und befähigt werden.

Alle Artikel
Eine Antwort schreiben

3 Kommentare
  • Danke für den Hin­weis, was man aus dem Alter der getöteten Kinder betr. Zeit­punkt des Besuch­es schliessen kann. Das gibt auch Hin­weise auf das Geburtsdatum.
    Vielle­icht noch ein Hin­weis mein­er­seits: Es ste­ht nicht, dass sie dem Stern gefol­gt sind, son­dern dass sie ihn gese­hen haben. Erst als sie Jerusalem wieder ver­lassen, erscheint er wieder (Und siehe, der Stern, den sie im Mor­gen­land gese­hen hat­ten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über stand, wo das Kind war.). Das würde gut zu den von Kepler ent­deck­ten aber nach Wikipedia nicht direkt mit dem „Stern von Beth­le­hem” in Zusam­men­hang gebracht­en Kon­junk­tio­nen von Jupiter und Sat­urn im Jahr 7 v.Chr. passen (s. https://​de​.wikipedia​.org/​w​i​k​i​/​S​t​e​r​n​_​v​o​n​_​B​e​t​l​e​h​e​m​#​J​o​h​a​n​n​e​s​_​K​e​p​l​e​r​_​(​a​b​_​1​604) (8.1.21)

  • Sehr gute Zusam­men­fas­sung und ansprechende Inhalte zum Nachdenken.
    Eine kleine Ergänzung zu Punkt 2: Ein weit­er­er Hin­weis, weswe­gen die Hirten und die Weisen sich nicht getrof­fen haben kön­nten: Der Ort der Begeg­nung. Die Hirten kamen zu ein­er Krippe (φάτνη), in der Jesus lag. Die Weisen kom­men in ein Haus (οἰκία), wo sie Jesus find­en. Es wird wohl ein gewiss­er Zeitraum ver­gan­gen sein, sodass Maria und Josef in ein Haus gekom­men sind.