Im Anlauf zur Auslegung – so gehen Sie die Predigtvorbereitung richtig an [Teil 4]

Von Thomas Powilleit

Homiletik, Predigt

Wer Gottes Wort predigt, hat eine faszinierende Aufgabe

Es ist eine fas­zi­nie­ren­de Auf­ga­be für einen Men­schen, Got­tes Wort zu ver­kün­di­gen. Gott wuss­te, was er tat, als er sein Wort uns als feh­ler­haf­ten Ver­kün­di­gern anver­trau­te, die in ihrer Erkennt­nis begrenzt sind. Aber Gott hat uns trotz­dem damit beauf­tragt, sein Wort zu verkündigen. 

Got­tes Wort in unse­ren Hän­den zu hal­ten, soll uns demü­tig machen. Es soll uns auch bewusst sein, dass wir auf die Lei­tung durch den Geist Got­tes ange­wie­sen sind. Nicht wir kön­nen über Got­tes Wort ver­fü­gen. Der Hei­li­ge Geist will über unser Leben ver­fü­gen und unse­ren Mund gebrau­chen, um Men­schen durch Got­tes Wort zu ermu­ti­gen und zu korrigieren.

Des­halb kön­nen auch nicht unse­re Gedan­ken die Grund­la­ge für eine Pre­digt sein. Auch wenn sie zwangs­läu­fig mit ein­flie­ßen wer­den. Die Grund­la­ge jeder Pre­digt muss Got­tes Wort sein. Die­ses Wort sol­len wir pre­di­gen (2. Tim 4,2). Dann haben wir auch Got­tes Ver­spre­chen, dass sein Wort nicht leer zurück­kommt, son­dern das bewirkt, wozu Gott es (durch unse­ren Mund) gesandt hat (Jes 55,11).

Wer Gottes Wort predigt, muss sich Zeit für die Vorbereitung nehmen

Wer Got­tes Wort aus­le­gen will, muss sich die Zeit für die Vor­be­rei­tung neh­men. Wer meint, eine Pre­digt aus dem Ärmel schüt­teln zu kön­nen, wird sei­nen Zuhö­rern oft nur ärm­li­ches zu sagen haben. Er wird nur Inhal­te brin­gen kön­nen, die der Zuhö­rer beim ober­fläch­li­chen Lesen auch selbst ent­deckt hät­te. So kann eine Gemein­de aber nicht im Wort Got­tes wach­sen und dar­in zuneh­men, Got­tes Wil­len zu erken­nen und zu tun.

Selbst erfah­re­ne Ver­kün­di­ger wie Alex­an­der Strauch, Mark Dever oder John Piper brau­chen 12–14 Stun­den, um eine Pre­digt vor­zu­be­rei­ten. Des­halb muss sich nie­mand, der noch unge­üb­ter ist, schä­men, wenn er mehr als 20 Stun­den braucht, um sich inten­siv mit dem Bibel­text zu beschäf­ti­gen und eine Pre­digt über den Text zu schrei­ben. Natür­lich kann man­cher Pas­tor von sol­chen Vor­be­rei­tungs­zei­ten nur träu­men. Auch mir müs­sen in der Regel 6–10 Stun­den reichen.

Doch ste­hen uns z. B. auch mit LOGOS sehr gute Tools zur Ver­fü­gung, um bibli­sche Aus­sa­gen tie­fer zu ver­ste­hen und auf die Zuhö­rer anzu­wen­den. Wer ein Bibel­pro­gramm benutzt, wird sehr schnell mer­ken: Es ist sein Geld wert, weil es viel Vor­be­rei­tungs­zeit spart.

Trotz­dem ist es nicht so, dass man oben den Bibel­text ins Pro­gramm tippt und unten die fer­ti­ge Pre­digt her­aus­kommt. Auch mit einem sehr guten Pro­gramm wie LOGOS, muss man sich Zeit für die Vor­be­rei­tung nehmen.

Es ist völ­lig in Ord­nung, wenn man nicht jeden Schritt der Vor­be­rei­tung mit dem Bibel­pro­gramm selbst macht. Für sehr vie­le Ver­kün­di­ger ist es immer noch wich­tig, den Bibel­text aus­ge­druckt vor sich lie­gen zu haben. Ande­re schrei­ben ihn sogar mit der Hand ab, um mit dem Text ver­trau­ter zu wer­den. Hier muss jeder Ver­kün­di­ger sei­nen eige­nen Weg fin­den. Aber für alle Ver­kün­di­ger gilt, dass sie sich die Zeit neh­men müs­sen, um genau hin­zu­hö­ren, was Gott ist sei­nem Wort sagt. „Schnell, schnell, Haupt­sa­che fer­tig“ ist bei der Pre­digt­vor­be­rei­tung die fal­sche Einstellung.

Wer Gottes Wort predigt, sollte einen festen Vorbereitungsablauf haben

Auch wenn es wesent­li­che Ele­men­te in der Pre­digt­vor­be­rei­tung gibt, die jeder Ver­kün­di­ger berück­sich­ti­gen soll­te, ist die Rei­hen­fol­ge ver­schie­den. Wir sind auch unter­schied­li­che Typen. Man­che Ver­kün­di­ger fol­gen einem sehr struk­tu­rier­tem Vor­be­rei­tungs­plan. Ande­re Pre­di­ger machen vie­les intui­tiv und tren­nen bestimm­te Vor­brei­tungs­schrit­te nicht klar von­ein­an­der ab. Auch hier gibt es nicht die eine rich­ti­ge Art, eine Pre­digt vor­zu­be­rei­ten. Doch es kann sehr hilf­reich sein, sich bewusst zu machen, wel­che ein­zel­nen Schrit­te man in der Pre­digt­vor­be­rei­tung geht.

Pau­lus macht in Eph 4,11–12 deut­lich, dass Chris­ten ihre Gaben auch bekom­men haben, um ande­ren, die die glei­che Gabe haben, zu hel­fen, die­se zu ent­wi­ckeln. Wenn ich ande­ren erklä­ren will, wie man eine Pre­digt vor­be­rei­tet, hilft es sehr, ihnen einen Vor­be­rei­tungs­ab­lauf an die Hand geben zu können.

Irgend­wie kommt am Ende doch eine Pre­digt raus, aber ich habe den Ein­druck, die Vor­be­rei­tung könn­te sehr viel effek­ti­ver sein“, sag­te mir letz­tens ein jun­ger Mann, der mich frag­te, ob ich ihm dabei hel­fen könn­te, sei­ne Ver­kün­di­gun­gen vor­zu­be­rei­ten. Mein ers­ter Schritt wird es sein, ihm einen Vor­be­rei­tungs­ab­lauf zu zei­gen, an dem er sich zunächst fest­hal­ten kann. Spä­ter kann die­ser Ablauf ihm dann in Fleisch und Blut übergehen.

Predigt in weniger als 8 Stunden?

Ein Vor­be­rei­tungs­ab­lauf hilft nicht nur, um ande­ren eine Pre­digt­vor­be­rei­tung zu erklä­ren. Er hilft auch uns selbst. In sei­nem Buch „8 hours or less“ plä­diert Ryan Hugu­ley für einen fes­ten Ablauf in der Pre­digt­vor­be­rei­tung, um die begrenz­te Zeit, die wir haben, effi­zi­ent zu nut­zen. Hugu­ley zeigt in sei­nem Buch, wel­chen Vor­be­rei­tungs­schritt er an wel­chem Tag macht.

  • Am Mon­tag for­mu­liert er den Haupt­ge­dan­ken und die Glie­de­rung des Tex­tes und über­legt sich, wel­che Bot­schaft der den Hörern dar­aus wei­ter­ge­ben will.
  • Am Diens­tag trifft der Autor sich mit bestimm­ten Per­so­nen, um ein Feed­back für sei­nen Pre­digt­ent­wurf zu bekommen.
  • Am Mitt­woch schreibt Hugu­ley sei­ne Ein­lei­tung und
  • am Don­ners­tag den Schluss, um sich
  • Frei­tag die Zeit zu neh­men, die Glie­de­rungs­punk­te näher auszuführen.

Dabei gibt er jedem die­ser Schrit­te nur ein bestimm­tes Zeit­fens­ter. So muss zum Bei­spiel die Ein­lei­tung in nicht mehr als einer Stun­de geschrie­ben sein. Auch beim Schrei­ben des Schlus­ses dis­zi­pli­niert sich Hugue­ly, den Stift nach spä­tes­tens einer Stun­de aus der Hand zu legen oder die Datei zu schließen.

Machbar und sinnvoll?

Ich fin­de es sehr ambi­tio­niert, die Vor­be­rei­tungs­zeit mit die­ser Metho­de auf unter acht Stun­den kür­zen zu wol­len. Aber ich glau­be, dass durch klar benann­te Vor­be­rei­tungs­schrit­te, die über die Woche ver­teilt wer­den und jeweils nur ein bestimm­tes Zeit­fens­ter haben, die Vor­be­rei­tungs­zeit wirk­lich effi­zi­ent genutzt wird.

Ein Ver­kün­di­ger hat die Vor­be­rei­tungs­schrit­te in sei­nem To-do-Pro­gramm als Vor­la­ge hin­ter­legt. Das Pro­gramm erin­nert ihn dann auto­ma­tisch, wel­cher Teil der Pre­digt­vor­be­rei­tung heu­te dran ist.

Man mag ein­wen­den, dass neben der Sonn­tags­pre­digt viel­leicht auch noch eine Bibel­stun­de und Klein­grup­pen­tref­fen anste­hen, sodass es gar nicht mög­lich ist, eine Pre­digt über eine Woche zu verteilen.

Es stimmt, man kann nicht jede Ver­kün­di­gung mit der glei­chen Inten­si­tät vor­be­rei­ten. Den­noch hal­te ich es für sehr wich­tig, dem Got­tes­dienst am Sonn­tag­mor­gen ein beson­de­res Gewicht zu geben, da hier am meis­ten Gemein­de­mit­glie­der erreicht wer­den. Hier ist die Mög­lich­keit am Größ­ten, eine Gemein­de durch Got­tes Wort zu prägen.

Des­halb lade ich dazu ein, es mal aus­zu­pro­bie­ren, die Pre­digt­vor­be­rei­tung auf­zu­tei­len und sich Zeit­rah­men zu setzen.

Aussicht

In den nächs­ten Blog­bei­trä­gen wer­de ich hier einen mög­li­chen Ablauf einer Pre­digt­vor­be­rei­tung vor­stel­len. Da, wo es mir sinn­voll erscheint, zei­ge ich, wie LOGOS bei ein­zel­nen Schrit­ten eine gute Hil­fe sein kann. Doch geht es mir bei mei­nen Bei­trä­gen zu die­sem Blog vor allen Din­gen dar­um, den roten Faden zu zei­gen und mich nicht in Details zu verlieren.

So wie ich mei­ne Mit­schrei­ber ken­ne, wer­den sie zei­gen, wie man den einen oder ande­ren von mir erwähn­ten Punkt kon­kret mit LOGOS umset­zen kann. So ergän­zen wir uns als Autoren gegenseitig.

Thomas Powilleit

Über den Autor

Thomas Powilleit ist Pastor der evangelischen Freikirche „Evangelium für Alle“ in Stuttgart (www.efa-stuttgart.de). Neben seinen Aufgaben dort ist er überörtlich vor allen Dingen im Rahmen des gleichnamigen Netzwerkes „Evangelium für Alle“ zu Seminaren und ausgewählten Einzelveranstaltungen unterwegs.

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  1. Der Sonn­tag ist nicht der bibli­sche Sab­bat! Die falsch ver­stan­de­ne Tri­ni­tät eben­falls! Auch ein Prä- und Post­chi­li­as­mus nicht!!!
    16 Jah­re mei­nes Lebens durf­te ich mit theo­lo­gi­schen Aus­bil­dun­gen ver­brin­gen. Zunächst frei­kirch­li­cher Pas­tor, dann uni­ver­si­tä­rer Diplom-Theo­lo­ge. Stän­dig habe ich mei­ne Pas­to­ren­an­stel­lung ver­lo­ren, weio ich nicht bereit bin mit der Bibel Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen. E,mail hartmuthering1952@gmail.de

    1. Ist hier wirk­lich der geeig­ne­te Ort, theo­lo­gi­sche Streit­fra­gen vom Zaun zu bre­chen? Wenn die ange­spro­che­nen Fra­gen wirk­lich so ein­deu­tig von der Schrift her zu beant­wor­ten wären, gäbe es nicht unzäh­li­ge Deno­mi­na­tio­nen, die sich abge­spal­ten haben und immer wei­ter zer­spal­ten, um noch bibli­scher zu sein.

    2. Was hat den das mit die­sem Bericht zu tun? Es ist ein Bericht zur Pre­digt­vor­be­rei­tung und nicht eine Dis­kus­si­on über Sab­bat und irgend ein ismus oder asmus.

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