Melanchthon war Reformator und Bildungsreformer

Von Benjamin Misja

Bildung, Philipp Melanchthon, Reformation

Ein Leben für die Bildung /„Schulmann“, Arbeitstier und Universalgelehrter /​„Lehren und Lernen gefällt Gott“

Vier Wochen ritt Phil­ipp Melan­chthon von sei­ner dama­li­gen Hei­mat Tübin­gen in Süd­west­deutsch­land ins säch­si­sche Wit­ten­berg. Ihm blie­ben danach nur weni­ge Tage, bevor er sei­ne neue Stel­le als Grie­chisch-Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät antrat. 

Vor rund 500 Jah­ren, am 29. August 1518, hielt er sei­ne Antritts­vor­le­sung, in der er über eine not­wen­di­ge Stu­di­en­re­form sprach und sei­ne Zuhö­rer begeis­ter­te, unter ihnen auch Mar­tin Luther. Melan­chthon wur­de sehr bald zu einem der engs­ten Mit­strei­ter Luthers für die Refor­ma­ti­on und zu einem der ein­fluss­reichs­ten Leh­rer und Bil­dungs­re­for­mer im deut­schen Sprachraum.

Ein Gast­ar­ti­kel von Nor­bert Abt

Wittenberg – Leuchtturm der Bildung

Wit­ten­berg war durch Mar­tin Luther nicht nur das Zen­trum der Refor­ma­ti­on, son­dern auch die Stadt eines Bil­dungs­auf­bru­ches, die der Lan­des­fürst von Sach­sen, Fried­rich III., vor­an­trieb. 1502 grün­de­te er die Uni­ver­si­tät in Wit­ten­berg, die zu einem bil­dungs­po­li­ti­schen Leucht­turm wer­den soll­te. 4000 Ein­woh­ner leb­ten in der Stadt, dar­un­ter allein 2000 Stu­den­ten. Obwohl viel unter­wegs, soll­ten Wit­ten­berg und die Uni­ver­si­tät bis zu sei­nem Tod der Mit­tel­punkt von Phil­ipp Melan­chthons Lehr- und Autoren­tä­tig­keit sein.

Vierbändige Werkausgabe

Logos bie­tet eine vier­bän­di­ge Werk­aus­ga­be zu Phil­ipp Melan­chthon, die die Evan­ge­li­sche Ver­lags­an­stalt (Leip­zig) her­aus­ge­ge­ben hat. Die Tex­te, Reden und Brie­fe Melan­chthons wer­den in einer moder­nen Über­set­zung in den vier Bän­den dar­ge­bo­ten. Sie behan­deln nicht nur Fra­gen der Refor­ma­ti­on und der Theo­lo­gie, son­dern prä­sen­tie­ren auch Tex­te von Melan­chthon zu den The­men­be­rei­chen Schu­le und Uni­ver­si­tät, Phi­lo­so­phie und Medi­zin, Theo­lo­gie und Recht, Geschich­te und Poli­tik. Bei Letz­te­rer geht es nicht nur um Kir­chen­po­li­tik, son­dern – im drit­ten Band – um Europapolitik.

Ein Leben für die Bildung

Mit sei­nem gan­zen Leben stand Phil­ipp Melan­chthon für Bil­dung. Er ver­fass­te Lehr­bü­cher, grün­de­te Schu­len und ent­wi­ckel­te Vor­stel­lun­gen und Leit­li­ni­en für Unter­richt und Leh­re. Zunächst Pro­fes­sor für Grie­chisch, wur­de Melan­chthon spä­ter zusätz­lich Pro­fes­sor für Hebrä­isch und Theo­lo­gie, dann auch in wei­te­ren Fächern. Sei­ne Vor­le­sun­gen waren unter den Stu­den­ten beliebt: Bis zu 400 Stu­den­ten besuch­ten sie – für dama­li­ge Ver­hält­nis­se ein ech­ter “Run“. Melan­chthon bot in sei­nen Lehr­ver­an­stal­tun­gen eine Mischung aus Vor­le­sung und Übung. Auch Rück­fra­gen der Stu­den­ten waren mög­lich. Er war immer bemüht, den Stoff anschau­lich zu vermitteln.

Melanchthons Privatschule

Selbst sein Pri­vat­haus führ­te Phil­ipp Melan­chthon als Schu­le. Er war der ers­te Hoch­schul­leh­rer, der Stu­den­ten in sein drei­stö­cki­ges Haus auf­nahm, dar­un­ter nicht nur begab­te Stu­den­ten, son­dern auch Kin­der ange­se­he­ner Per­sön­lich­kei­ten, die er hier unterrichtete.

In sei­nem Haus gab es Vor­le­sun­gen, Übun­gen und Zei­ten zum selbst­stän­di­gen Ler­nen. Melan­chthon hat­te einen ganz­heit­li­chen Ansatz und woll­te sei­ne Stu­den­ten bil­den und prä­gen. Erfah­run­gen aus dem Mit­ein­an­der in die­ser Lehr- und Lebens­ge­mein­schaft waren Aus­gangs­punkt für neue Ansät­ze im Schul­un­ter­richt und für wei­ter­ge­hen­de Bildungsreformen.

» Sie­he auch: Melan­chthons Bibel­le­se­plan für Studenten

Umfassende Reformen an der Universität

1523 wur­de Melan­chthon Rek­tor der Wit­ten­ber­ger Uni­ver­si­tät. Er schaff­te eine neue Stu­di­en­ord­nung: Jeder Stu­dent hat­te einen Tutor, der indi­vi­du­ell den Stu­di­en­plan fest­leg­te, also wel­che Lehr­ver­an­stal­tun­gen und wel­che anti­ken Tex­te zu bear­bei­ten waren. Leit­li­nie war hier nicht, mög­lichst vie­le Tex­te, son­dern sinn­vol­le Tex­te der Anti­ke zu bear­bei­ten. Dazu kamen regel­mä­ßi­ge schrift­li­che Übun­gen. Der Tutor prüf­te damit die Lern­fort­schrit­te und ach­te­te auch auf die Lebens­füh­rung des Stu­den­ten. Melan­chthon war weni­ger die Aneig­nung von Wis­sen, son­dern die eige­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den Inhal­ten wichtig.

In vielen Fächern bewandert

Der Melan­chthon-For­scher Heinz Schei­ble fand Bele­ge für die The­men­viel­falt der Vor­le­sun­gen Melan­chthons: „mon­tags las er Dia­lek­tik, diens­tags über Cice­ros De offi­ci­is, mitt­wochs und sams­tags Geschich­te, am Don­ners­tag über den Koloss­erbrief, am Frei­tag über das Nicä­num, und an den Sonn- und Fei­er­ta­gen leg­te er das Tages­evan­ge­li­um vor dem Got­tes­dienst latei­nisch aus.“ Und er resü­miert: „Die­se Ver­bin­dung von Phi­lo­so­phie, bibli­scher Exege­se, sys­te­ma­ti­scher Theo­lo­gie und His­to­rio­gra­phie in einer Per­son war nicht zu wie­der­ho­len“, so Schei­ble, Lei­ter der Melan­chthon-For­schungs­stel­le in Heidelberg.

Melan­chthon war ein Uni­ver­sal­ge­lehr­ter, der sich selbst zual­ler­erst als Leh­rer und Phi­lo­soph ver­stand. Doch er arbei­te­te auch in den Berei­chen Geschich­te, Päd­ago­gik, Phy­sik, Astro­no­mie, Mathe­ma­tik und Medi­zin. Sei­ne vie­len Impul­se im Bereich von Bil­dung und Leh­re mach­ten ihn zum Leh­rer Deutsch­lands („Prae­cep­tor Ger­ma­niae“). Als Rek­tor der Wit­ten­ber­ger Uni­ver­si­tät setz­te er sich für die Stär­kung der Natur­wis­sen­schaf­ten und der Medi­zin ein.

Melanchthon: „Lehren und Lernen gefällt Gott“

Glau­be und Wis­sen, Fröm­mig­keit und Bil­dung gehör­ten für Melan­chthon eng zusam­men. So ist es die Fröm­mig­keit, die den Gebil­de­ten vor Hoch­mut bewah­re, zugleich ste­he Fröm­mig­keit ohne Bil­dung in der Gefahr in die Irre und in Über­heb­lich­keit zu füh­ren – das war die fes­te Über­zeu­gung von Melan­chthon. Es kön­ne kein Zwei­fel bestehen, „dass der Lebens­form des Leh­rens und Ler­nens das gröss­te Wohl­ge­fal­len Got­tes“ gelte.

Aus­gangs­punkt für alle Bil­dung war nach sei­ner Vor­stel­lung das Lesen der Hei­li­gen Schrift. Die Bil­dung braucht nach Melan­chthons Auf­fas­sung die Reli­gi­on, weil sie die nöti­ge Ori­en­tie­rung gebe und die­se erwach­se aus dem Stu­di­um der Hei­li­gen Schrift.

Das Lesen und For­schen in der Bibel war für Melan­chthon ein Gespräch des Men­schen mit Gott: „Groß und bewun­derns­wert ist Got­tes Schöp­fungs­werk, jedoch nicht weni­ger die Wohl­tat, dass er sich selbst ent­hüll­te und zu den Men­schen kam und sich freund­lich mit uns unterhielt.“

Das Christentum und das Buch

Es war Melan­chthons tiefs­te Über­zeu­gung, dass der christ­li­che Glau­be ganz grund­sätz­lich eine sehr eige­ne Bezie­hung zum Buch und zur Bil­dung habe, so wie kei­ne ande­re Reli­gi­on. Im Mai 1545 schrieb Melan­chthon an den Rat der Stadt Hal­le: „Denn christ­li­che Reli­gi­on ist nicht wie ande­re heid­ni­sche Reli­gi­on, die mensch­li­che Ver­nunft selbst gedich­tet hat und bedür­fen kei­ner Bücher und Lehr, son­dern Gott hat sei­nen heim­li­chen Wil­len von Chris­to und Ver­ge­bung der Sünd durch sein Recht geof­fen­bart und die­se Offen­ba­rung in ein Buch gefas­set, das soll man lesen, hören und ler­nen. Dar­um sind Stu­dia in christ­li­cher Reli­gi­on viel höher von­nö­ten, denn bei allen ande­ren Völker.“

Melanchthons persönlicher Bildungsweg

Am 16. Febru­ar 1497 in Bretten gebo­ren, besuch­te Melan­chthon die Latein­schu­le in Pforz­heim. In die­ser Zeit beginnt er auch Grie­chisch zu ler­nen. Er wohn­te bei der Schwes­ter sei­nes Onkels und Huma­nis­ten Johan­nes Reuch­lin, nach­dem sein Groß­va­ter und sein Vater verstarben.

Mit 12 Jah­ren, im Jahr 1509, schrieb er sich in die Hei­del­ber­ger Uni­ver­si­tät ein. Im glei­chen Jahr schenk­te ihm sein Onkel Johan­nes Reuch­lin eine grie­chi­sche Gram­ma­tik und wid­me­te sie, wie damals üblich, sei­nem Nef­fen Melan­chthon (für sei­nen deut­schen Namen Schwarz­erdt). Der Onkel war Melan­chthons Vor­bild, der ihn för­der­te. 1511 erwarb Melan­chthon den unters­ten aka­de­mi­schen Grad eines bac­ca­lau­re­us arti­um.

Danach wech­sel­te er an die Uni­ver­si­tät in Tübin­gen, wo er Arith­me­tik, Geo­me­trie, Musik und Astro­no­mie stu­dier­te und sein Qua­dri­vi­um 1514 abschloss. Er blieb danach in Tübin­gen und arbei­te­te als Grie­chisch­leh­rer. 1518 gab er eine Grie­chisch-Gram­ma­tik her­aus, die über lan­ge Zeit Stan­dard­werk war.

Melanchthon promovierte nie

Man mag es kaum für mög­lich hal­ten, aber der gro­ße Leh­rer, Huma­nist und Bil­dungs­re­for­mer Melan­chthon pro­mo­vier­te nie. Als er sich dar­um bewarb, lehn­ten die Pro­fes­so­ren in Hei­del­berg dies mit Hin­weis dar­auf ab, dass sie ihm nicht die Kraft und Auto­ri­tät eines aka­de­mi­schen Leh­rers zutrau­ten. Melan­chthon war von beson­ders schmäch­ti­ger Gestalt und nur 1,50 Meter groß. Es muss für den jun­gen Melan­chthon eine tie­fe Ent­täu­schung und sicher auch eine Krän­kung gewe­sen sein, denn an man­geln­der Bega­bung lag es ja nicht.

Spä­ter kom­men­tier­te er die Ver­wei­ge­rung einer Pro­mo­ti­on mit fol­gen­den Wor­ten: „Es ist zuwei­len sehr gut, wenn jun­gen Men­schen nicht alle Wün­sche befrie­digt wer­den. Das habe ich in Hei­del­berg erfah­ren. Statt dass mich die Ver­wei­ge­rung des Magis­ter­ti­tels nie­der­ge­schla­gen hät­te, wur­de ich nur des­to mehr zum Fleiß ermuntert.”

Reformation und Bildung

In den Fürs­ten­tü­mern und Städ­ten, die sich zur Refor­ma­ti­on hiel­ten, war das Schul­we­sen, das bis­her eng mit Klös­tern und Pfarr­kir­chen ver­bun­den war, in wei­ten Tei­len ver­waist. Mar­tin Luther und Phil­ipp Melan­chthon leg­ten die Ver­ant­wor­tung für das Schul­we­sen nun in die Hän­de der welt­li­chen Obrig­keit, also in die der Fürs­ten und Magis­tra­te. Die Refor­ma­ti­on leg­te damit auch den Grund­stein für ein all­ge­mei­nes Recht auf Wis­sen und Bil­dung, das auch Mäd­chen miteinschloss.

Das Griechische wird wiederentdeckt

Erst mit dem 15. Jahr­hun­dert began­nen Huma­nis­ten all­mäh­lich, wie­der grie­chi­sche Wer­ke zu lesen. Selbst am Ende des 15. Jahr­hun­derts gab es nur etwa zehn Gelehr­te in Deutsch­land, die die Spra­che der Anti­ke beherrsch­ten. Grie­chisch hat­te kei­nen guten Ruf, weil es von der Kir­che abge­lehnt wur­de; die Spra­che stand unter dem Ver­dacht der Ket­ze­rei. Man fürch­te­te, dass die Kennt­nis der Urtex­te die bis­he­ri­ge Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie in Fra­ge stel­len könnte.

Dem­ge­gen­über lagen dem über­zeug­ter Huma­nis­ten Melan­chthon die alten Spra­chen beson­ders am Her­zen. Wie kaum einer beherrsch­te er das Grie­chisch der Anti­ke. Für ihn galt die Losung: zurück zu den Quel­len. Er erwar­te­te von Theo­lo­gen, dass sie die alten Spra­chen, eben nicht nur Latein, son­dern auch Grie­chisch und Hebrä­isch, zu beherr­schen hat­ten, um so selbst die Bibel aus­le­gen zu kön­nen. Es ging ihm dar­um, dass sich Theo­lo­gen durch die Kennt­nis der Urspra­chen den Text selbst erschlie­ßen und nicht auf gän­gi­ge Aus­le­gun­gen ande­rer zurück­grei­fen. Für Melan­chthon war Theo­lo­gie ohne die Lek­tü­re der ursprüng­li­chen Bibel­tex­te nicht ernst zu neh­men und nur blo­ßes „Geschwätz“.

Universitätsreformen und Schulgründungen

Melan­chthon ver­fass­te Schul­ord­nun­gen, Lehrpläne und Lehrbücher. Er beriet Schu­len, arbei­te­te als Bera­ter und tat dies durch Besu­che, aber auch durch sei­ne aus­ge­dehn­te Kor­re­spon­denz. Mit sei­nen Gut­ach­ten förderte er Refor­men der Universitäten Hei­del­berg, Tübingen, Frank­furt an der Oder, Leip­zig und Ros­tock. Dazu kam die Grün­dung von Latein­schu­len in Städ­ten wie Eis­le­ben, Mag­de­burg, Gos­lar, Lüne­burg und Nürn­berg. Als Pro­fes­sor sorg­te er für eine neue Genera­ti­on gut­aus­ge­bil­de­ter und moti­vier­ter Leh­rer – es dürf­ten an die 17.000 Stu­den­ten gewe­sen sein, die von Melan­chthon unter­rich­tet wurden.

Wirkung und Bedeutung in ganz Europa

Als Melan­chthon 1560 stirbt, hin­ter­lässt er ein rie­si­ges Werk: Hun­der­te von Büchern, Schrif­ten, Reden, Gebe­ten und Gedich­ten sowie etwa 9.000 Brie­fe. Allein zur Leb­zeit Melan­chthons wur­den etwa 180.000 Bücher von ihm gedruckt, so Ste­fan Rhein, Direk­tor der Luther­ge­denk­stät­ten. Ein Buch­ti­tel hat­te eine durch­schnitt­li­che Auf­la­ge von 1.500 bis 2.000 Exemplaren.

Der Wit­ten­ber­ger Gelehr­te präg­te weit über sei­ne Zeit hin­aus das Bil­dungs­sys­tem in den deut­schen Fürs­ten­tü­mern und Städ­ten und weit über die deut­schen Gren­zen hin­aus. Die von ihm ver­fass­ten Lehrbücher erschie­nen auch in Schwe­den, Frank­reich, Eng­land, Ita­li­en, Spa­ni­en, Ungarn und Polen. Ver­geb­lich ver­such­ten europäische Universitäten, den „Leh­rer Deutsch­lands“, wie man ihn respekt­voll nann­te, aus Wit­ten­berg abzuwerben.

Melanchthon – Arbeitstier und “Schulmann”

Melan­chthon beschäf­tig­te kei­nen Sekre­tär, wie Luther das tat, son­dern schrieb alles selbst. Er war ein har­ter Arbei­ter und schlief kaum mehr als vier Stun­den. Mor­gens um vier Uhr saß er bereits an sei­nem Schreibtisch.

Kurz vor sei­nem Tod., so ist es über­lie­fert, sprach er mit sei­nem Freund Came­ra­ri­us. Als es dar­um ging, was für ihn die wich­tigs­te Tätig­keit und Beru­fung war, bezeich­ne­te sich Melan­chthon selbst als „Schul­mann“, nicht als Refor­ma­tor oder Theo­lo­ge. Das Höchste für den Men­schen, so die Auf­fas­sung Melan­chthons, sei sei­ne Bildung.

Der Schritt in die „himmlische Akademie“

Bis eine Woche vor sei­nem Tod unter­rich­te­te der lei­den­schaft­li­che Leh­rer sei­ne Stu­den­ten. An einer fieb­ri­gen Erkältung starb Melan­chthon am 19. April 1560 mit 63 Jah­ren im Stu­dier­zim­mer sei­nes Hau­ses. Nach dem Ende sei­nes Todes wünsch­te er sich in die „himm­li­sche Aka­de­mie“, wie er das ewi­ge Leben bezeich­ne­te. Vor sei­nem Tod notier­te der tief­gläu­bi­ge Melan­chthon auf einem Zet­tel eini­ge Grün­de, „war­um man den Tod weni­ger fürch­ten sol­le“. Einer der genann­ten Grün­de lau­te­te: „Du wirst ins Licht kommen“.

Ideen in praktische Pädagogik übersetzt

Für den Theo­lo­gen Fried­rich Schor­lem­mer war Melan­chthon der Mann, „der die gro­ßen Ideen Luthers in prak­ti­sche Päd­ago­gik zu über­set­zen ver­moch­te. Ohne den wär’ die gan­ze Refor­ma­ti­on über­haupt nicht wei­ter­ge­gan­gen. Also: der eine hat die gro­ßen Ideen und der ande­re orga­ni­siert dann, wie man das in schu­li­sche Pra­xis, in die kirch­li­che und gesell­schaft­li­che Pra­xis übersetzt.“

Die Leuchte von ganz Deutschland“

Für den frü­he­ren Theo­lo­gie-Pro­fes­sur und badi­schen Lan­des­bi­schof Klaus Engel­hardt darf Melan­chthons Wir­kungs­ge­schich­te nicht in die des Leh­rers und die des Refor­ma­tors zer­legt wer­den. Sie sei nur in Ver­bin­dung mit­ein­an­der rich­tig zu erfassen.

Was Melan­chthon in Wit­ten­berg als Uni­ver­si­täts­re­for­mer und für ande­re Städ­te als Schul­re­for­mer gewe­sen ist; was ihn zum Prae­cep­tor Ger­ma­niae, zum Brief­part­ner mit Fürs­ten­häu­sern und Gelehr­ten in Euro­pa mach­te; wes­halb er im Jahr 1557 bei einem Besuch in Hei­del­berg als „die Leuch­te von ganz Deutsch­land“ will­kom­men gehei­ßen wur­de, lässt sich nicht tren­nen von sei­ner Rol­le als Refor­ma­tor der Kir­che. Melan­chthon ist eine der gro­ßen Figu­ren, bei denen Glau­be und säku­la­re Kul­tur zusam­men­ge­hö­ren, ohne dass der Glau­be weich­ge­spült oder säku­la­re Kul­tur reli­gi­ös über­frem­det wor­den wäre.“

Zum Autor

Nor­bert Abt, Jour­na­list, stu­dier­te Poli­tik­wis­sen­schaft, Publi­zis­tik und Sozio­lo­gie. Sei­ne Magis­ter­ar­beit hat­te die Zwei-Rei­che-Leh­re bei Luther und Augus­ti­nus zum Inhalt.

Benjamin Misja

Über den Autor

Benjamin Misja leitet das deutsche Logos-Team.

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