Gute Nachricht Bibel: „Es ging darum, den ersten kühnen Wurf zu bändigen“

Von Philipp Keller

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Interview mit Dr. Rolf Schäfer über die Revision der Guten Nachricht Bibel, welche den ‚kühnen Wurf’ in die zuverlässigste freie deutsche Bibelübersetzung verwandelte.

«Die lin­ke Hälf­te war mit dem Bibel­text bedruckt und in der rech­ten Hälf­te hat man die Noti­zen gemacht»: Dr. Rolf Schä­fer, Revi­sor der Guten Nach­richt Bibel

Herr Schä­fer, ich weiß, sie waren 1968 bei der ers­ten Über­set­zung der Guten Nach­richt Bibel nicht dabei, doch zumin­dest haben Sie im Gegen­satz zu mir damals schon gelebt. Kön­nen Sie etwas zum NT68 sagen?

Ich war 1968 zehn Jah­re alt, daher kann auch ich das nur aus einer gro­ßen Ent­fer­nung beschrei­ben: Die Bibel­ge­sell­schaf­ten haben damals ange­fan­gen, sich zusam­men­zu­schlie­ßen und hat­ten Kon­takt auf­ge­nom­men zur Ame­ri­can Bible Socie­ty. Damals gab es bei der Würt­tem­ber­gi­schen Bibel­an­stalt einen Pfar­rer namens Hans-Ulrich Nübel, der das Poten­zi­al erkannt hat, wel­ches die neue ame­ri­ka­ni­sche Good News Bible auch für die deut­schen Leser besaß. Er war der Über­zeu­gung, man müss­te auch in Deutsch­land eine Bibel in moder­ner Spra­che her­aus­brin­gen – nicht in Umgangs­spra­che, son­dern in einem Deutsch, wie es die Zei­tun­gen schrei­ben. Er woll­te weg von den tra­di­tio­nell gepräg­ten Begrif­fen, und weg von der theo­lo­gisch gepräg­ten Spra­che, hin zu einem natür­li­chen, moder­nen Deutsch. Und er sag­te sich: Das darf man nicht in die Hän­de von Theo­lo­gen geben, weil die sich nicht frei machen kön­nen von dem, was sie auf­grund ihrer Aus­bil­dung, ihrer Lebens­ge­schich­te, ihrer Ein­übung der Bibel auf­ge­so­gen haben. Sie kön­nen gar nicht aus die­sem Kor­sett der Kir­chen- und Theo­lo­gen­spra­che aus­bre­chen. Des­halb hat er etwas gemacht, was natür­lich aus phi­lo­lo­gi­scher Sicht hoch pro­ble­ma­tisch ist: Er hat Jour­na­lis­ten gebe­ten – da er ja die Spra­che der Zei­tun­gen im Visier hat­te – das Neue Tes­ta­ment zu übersetzen.

Natür­lich konn­te er bei den Jour­na­lis­ten kei­ne umfas­sen­den theo­lo­gi­schen und phi­lo­lo­gi­schen Sach­kennt­nis­se vor­aus­set­zen, dar­um sag­te er zu ihnen: Ihr über­setzt nicht aus dem Grie­chi­schen, son­dern zunächst Mal aus dem Eng­li­schen (Anm.: aus der Good News Bible) und erst in einer zwei­ten Redak­ti­ons­stu­fe kom­men dann Theo­lo­gen ins Spiel. Sie prü­fen die Über­set­zung anhand des grie­chi­schen Tex­tes auf deren Vertretbarkeit.

Und das alles in zwei Jah­ren! Geht das nicht zu Las­ten der Genauigkeit?

Sogar in nur ein­ein­halb Jah­ren, denn das ame­ri­ka­ni­sche Vor­bild „Good News for Modern Man“ erschien im Janu­ar 1966 und das deut­sche NT68 kam schon im Herbst 1967 raus. So etwas wür­de man heu­te nicht mehr schaf­fen. Wenn wir das zum Bei­spiel mit der NGÜ ver­glei­chen, bei der die Über­set­zung des NT zwan­zig Jah­re in Anspruch nahm, wird klar, dass da jeweils ein ganz unter­schied­li­cher Anspruch dahintersteht.

Wie wur­de die­se Über­set­zung aufgenommen?

Das NT68 hat stark pola­ri­siert, wie nicht anders zu erwar­ten war. Die einen hat die­se Über­set­zung begeis­tert, da sie die Bibel in einer fri­schen, zeit­ge­mä­ßen Spra­che lesen konn­ten, und den ande­ren ging die gan­ze Sache zu weit. Die tra­di­tio­nel­len Luther­bi­bel-Leser waren natür­lich erschüt­tert. Dabei war das Gan­ze gar nicht so scho­ckie­rend, denn man war in die­ser Zeit auch schon drauf vor­be­rei­tet, dass neue Wege beschrit­ten wer­den. Es gab z.B. die Über­tra­gung von Jörg Zink, die schon 1965 erschie­nen ist, und es war auch die Zeit, in der sich die katho­li­sche Kir­che auf das Kon­zil von 1968 vor­be­rei­te­te, das dann neben vie­len wich­ti­gen Refor­men auch zur Ein­heits­über­set­zung geführt hat. Das The­ma „neue Bibel­über­set­zun­gen“ lag also ohne­hin in der Luft und es gab das Bedürf­nis nach sol­chen Über­set­zun­gen. Inso­fern war das NT68 kein sin­gu­lä­res Vor­pre­schen, son­dern Teil eines Umbruchs auf brei­ter Front.

War die Kri­tik auf die unor­tho­do­xe Vor­ge­hens­wei­se gerich­tet oder auf das Prin­zip der frei­en Übersetzung?

Zunächst ein­mal ist man nicht auf die prin­zi­pi­el­len über­set­zungs-theo­re­ti­schen Fra­gen ein­ge­gan­gen, die wur­den erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt dis­ku­tiert. Anfangs war nur Weni­gen bewusst, dass hin­ter dem NT68 eine von Euge­ne Nida ent­wi­ckel­te über­set­zungs­theo­re­ti­sche Kon­zep­ti­on steht. Die Kri­tik kon­zen­trier­te sich meist auf die vor­der­grün­di­ge phi­lo­lo­gi­sche Ebe­ne und lau­te­te im Kern: „Das ent­spricht nicht mehr dem Grie­chi­schen!“, wobei da eine rela­tiv enge Vor­stel­lung vor­herrsch­te, was „dem Grie­chi­schen ent­spre­chen“ bedeutet.

Danach wur­de das NT 1971 kor­ri­giert und 1982 kam die Voll­bi­bel raus. Was ist da noch passiert?

In der Fas­sung von 1971 wur­de schon die Kri­tik am NT68 berück­sich­tigt, da wur­de wesent­lich nach­be­ar­bei­tet. Im Grun­de genom­men ist die gan­ze wei­te­re Geschich­te davon geprägt, die Gute-Nach­richt-Über­set­zung phi­lo­lo­gisch und theo­lo­gisch genau­er zu machen; den ers­ten küh­nen, schnel­len Wurf zu „bän­di­gen“, wie ein Gärt­ner, der die Was­ser­schos­se zurück­schnei­det, die zu viel ins Kraut schos­sen. Aller­dings: Dies zu tun, ohne den Grund­an­satz zu ändern – das ist eine Gratwanderung.

Der Grund­text blieb aber der vom NT68, und an die­sem Text wur­de immer wei­ter­ge­feilt, richtig?

Ja, an den meis­ten Stel­len hat man ein­fach wei­ter­ge­feilt. Es gibt im Neu­en Tes­ta­ment aber auch gan­ze Pas­sa­gen, wel­che von Grund auf neu über­setzt wur­den. Wenn man die ver­schie­de­nen Fas­sun­gen neben­ein­an­der hält, dann kann man dies ver­fol­gen. Über die Jah­re hat vor allem die „inne­re Kri­tik“, also die der Über­set­zer sel­ber, die Gute-Nach­richt-Über­set­zung ver­bes­sert. Sie haben die Prin­zi­pi­en Nidas immer kon­se­quen­ter umgesetzt.

Kom­men wir nun zur Revi­si­on 1997, der „neu­en Guten Nach­richt Bibel“. Wer hat die­se Ver­si­on initiiert?

Das war eine Initia­ti­ve der Deut­schen Bibel­ge­sell­schaft. Den Anstoß haben die Über­set­zer sel­ber gege­ben, wel­che an der Über­set­zung von 1982 mit­ge­wirkt hat­ten. Sie haben erkannt, dass es bei der Über­set­zung nach wie vor Schwach­punk­te gab. Das ist etwas, was eigent­lich jeder Über­set­zer emp­fin­det: Es bleibt immer eine gewis­se Unzu­frie­den­heit, weil die Über­set­zung ja nie 100% das Ori­gi­nal tref­fen kann.

Wie ging die Revi­si­on von 1997 vor sich?

Die Arbeit wur­de von vier Revi­so­ren bewäl­tigt: Feder­füh­rend war Dr. Hell­mut Haug, Ger­ma­nist und evan­ge­li­scher Theo­lo­ge; er hat­te schon für die Fas­sung von 1982 unter ande­rem die Pau­lus-Brie­fe bear­bei­tet. Ihm stan­den zwei Über­set­zer zur Sei­te, die eben­falls maß­geb­lich schon an der Fas­sung von 1982 betei­ligt waren: Dr. Joa­chim Lan­ge, ein katho­li­scher Neu­tes­ta­ment­ler und Schü­ler von Rudolf Schnacken­burg, und Dr. Rudolf Kas­sühl­ke, Bap­tist und lang­jäh­ri­ger Mis­sio­nar in Kame­run, wo er die Bibel in die Ful-Spra­che über­setzt hat­te; er war es auch, der den Kon­takt zu Euge­ne Nida her­ge­stellt hat­te. Ich kam als Neu­ling zu die­sem Team hinzu.

Jeder von uns hat eine bestimm­te Por­ti­on des Tex­tes durch­ge­ar­bei­tet – anhand des hebräi­schen und grie­chi­schen Tex­tes und der maß­geb­li­chen neu­en Kom­men­ta­re – und alle Stel­len notiert, wel­che exege­tisch oder phi­lo­lo­gisch pro­ble­ma­tisch schie­nen. Man hat damals auf Papier gear­bei­tet: Die lin­ke Hälf­te war mit dem Bibel­text bedruckt und in der rech­ten Hälf­te hat man die Noti­zen gemacht, und hier und da muss­te man ein oder zwei Bei­blät­ter ein­fü­gen, weil es ein­fach zu vie­le Anmer­kun­gen gab.

Wur­den da auch Kri­ti­ken an der 1982er-Ver­si­on mit eingearbeitet?

Die Kri­ti­ken wur­den über die Jah­re in Ord­nern gesam­melt. Wobei man sagen muss: Eini­ge Kri­ti­ker hat­ten den theo­re­ti­schen Ansatz nicht voll­stän­dig ver­stan­den. Sol­che Kri­ti­ken wur­den in der Regel nicht mit aufgenommen.

Wie wur­den die­se Kri­ti­ken ange­bracht? Waren das Leserbriefe?

Nach dem Erschei­nen der Bibel 1982 gab es vie­le Rezen­sio­nen, in denen die Kri­tik öffent­lich geäu­ßert wur­de, und dann gab es tat­säch­lich eine gan­ze Men­ge Brie­fe: ent­we­der Leser­brie­fe oder Brie­fe von Leu­ten, die spon­tan was ent­deckt hat­ten. Man­che haben auch eine Fra­ge gestellt zu einer Bibel­stel­le und uns damit gezeigt, dass die Über­set­zung die­ser Stel­le miss­ver­ständ­lich oder unver­ständ­lich ist für jeman­den, der ohne Vor­kennt­nis­se an den Text her­an­geht. Die Leser­schaft der Guten Nach­richt unter­schei­det sich ja von der Leser­schaft tra­di­tio­nel­ler Bibeln wie der Luther­bi­bel oder der Elber­fel­der Über­set­zung. Vie­le Leser der Guten Nach­richt sind eher jün­ge­re Leu­te, die ent­we­der frisch zum Bibel­le­sen gekom­men sind und nicht kirch­lich sozia­li­siert sind. Jeden­falls war das in den 80er-Jah­ren so. Heu­te ist die Leser­schaft wesent­lich brei­ter, weil bei­spiels­wei­se die Kon­fir­man­den, die in den 80er-Jah­ren die Bibel zur Kon­fir­ma­ti­on erhal­ten haben, die sind ja heu­te auch ent­spre­chend älter gewor­den und kirch­lich viel­leicht auch bes­ser eingebunden.

Wie wur­den dann die Anmer­kun­gen der vier Revi­so­ren zusammengetragen?

Wir haben Vor­la­gen aus­ge­ar­bei­tet und die­se wur­den dann in mehr­tä­ti­gen Sit­zun­gen zu viert durchgesprochen.

Wie lan­ge haben Sie dar­an gearbeitet?

Fünf Jah­re lang, mit einem Pen­sum von 70–80 Pro­zent. Jeder hat­te sei­nen Teil der Bibel, für den er schluss­end­lich ver­ant­wort­lich war und in des­sen Über­set­zung er die Resul­ta­te die­ser Tagun­gen ein­ge­ar­bei­tet hat­te: Joa­chim Lan­ge hat sich auf das Neue Tes­ta­ment kon­zen­triert, Rudolf Kas­sühl­ke hat sehr viel im Alten Tes­ta­ment gemacht und Hell­mut Haug, der auch Ger­ma­nis­tik stu­diert hat­te, hat den gesam­ten Text durch­ge­ar­bei­tet und in Zwei­fels­fäl­len sti­lis­tisch die letz­te Ent­schei­dung getroffen.

Da war also ein Bap­tist mit dabei, ein Katho­lik und zwei Pro­tes­tan­ten. Wie gut ging die­se Zusammenarbeit?

In die­sem Kreis hat der kon­fes­sio­nel­le Hin­ter­grund gar kei­ne Rol­le gespielt. Höchs­tens viel­leicht, dass Rudolf Kas­sühl­ke mit sei­nem frei­kirch­li­chen Hin­ter­grund auch im Umgang mit der Spra­che irgend­wie frei­er gewe­sen ist. Aber ich mei­ne, das kann man nicht nur auf die Kon­fes­si­on zurück­füh­ren, son­dern es lag ein­fach in sei­ner Per­sön­lich­keit: Er sprüh­te immer vor Ideen und hat oft ein­fach mal ins Unrei­ne einen ori­gi­nel­len Vor­schlag gemacht. Aber das Mit­ein­an­der – ich will das jetzt nicht ver­klä­ren, aber das war eine Freu­de, in die­sem Team zu arbei­ten: die Ernst­haf­tig­keit in der Sache und auch, dass man unge­schützt spre­chen und Vor­schlä­ge machen konn­te, ohne dass man Angst vor despek­tier­li­chen Reak­tio­nen haben muss­te. Da wur­de sach­lich kri­ti­siert. Das war eine sehr schö­ne Zeit. Das betrach­te ich im Rück­blick als ein Geschenk.

Die 97er-Ver­si­on hat die Gute Nach­richt Bibel frau­en­ge­recht gemacht. War das eine Vor­ga­be der Bibelgesellschaft?

Nein, das war eine Ent­schei­dung der Über­set­zer. Wir haben die­ses The­ma nicht so pro­gram­ma­tisch bear­bei­tet wie zum Bei­spiel die „Bibel in gerech­ter Spra­che“. Aber immer­hin waren wir die ers­te deut­sche Bibel­über­set­zung, wel­che die­ses berech­tig­te Anlie­gen auf­ge­nom­men und an den Stel­len, an denen es gebo­ten war, dann auch umge­setzt hat. Wir haben zum Bei­spiel die Anre­de „adel­phoi“ als „Brü­der und Schwes­tern“ über­setzt, denn es ist exege­tisch und phi­lo­lo­gisch rich­tig, das im Deut­schen so wie­der­zu­ge­ben. Im Grun­de ist die tra­di­tio­nel­le Über­set­zung mit „Brü­der“ unbe­frie­di­gend und genau genom­men sogar inhalt­lich verfehlt.

Schwie­ri­ger ist es mit „Jün­ge­rin­nen und Jün­gern“, denn hier muss man dann exege­tisch ent­schei­den: Ist an der betref­fen­den Stel­le ein erwei­ter­ter Kreis gemeint, sodass man mit Grün­den anneh­men kann, dass auch Frau­en dazu­ge­hö­ren? Oder ist bei­spiels­wei­se der Zwöl­fer­kreis gemeint, sodass man mit Sicher­heit sagen kann, dass nur von Män­nern die Rede ist? Wir haben die­se Fra­ge des­halb nicht gene­rell, son­dern von Fall zu Fall entschieden.

Unse­re Über­set­zungs­ent­wür­fe haben wir an eini­ge Exege­tin­nen zur Durch­sicht unter dem Gesichts­punkt der frau­en­ge­rech­ten Spra­che geschickt und die haben ihrer­seits auf die Tex­te reagiert. Oft gin­gen ihnen unse­re Ent­wür­fe nicht weit genug. Soweit wir dies exege­tisch ver­ant­wor­ten konn­ten, haben wir sol­che kri­ti­schen Rück­mel­dun­gen ein­ge­ar­bei­tet. Aber die Revi­si­on war bezüg­lich frau­en­ge­rech­ter Spra­che sicher kei­ne „Maxi­mal-Lösung“.

Das ande­re war, dass Sie Leit­be­grif­fe wie „Glau­be“ und „Gerech­tig­keit“ wie­der ein­ge­führt haben.

Ja, und das ist eigent­lich das Wichtigere.

Ist das auch von Ihnen gekom­men oder war das eine Vorgabe?

Weder vom katho­li­schen Bibel­werk noch von der Deut­schen Bibel­ge­sell­schaft gab es irgend­wel­che Vor­ga­ben. Die Leit­li­ni­en der Revi­si­on wur­den von den Über­set­zern auf­grund ihrer eige­nen fach­li­chen Über­zeu­gung abgesteckt.

Seit der 97er-Revi­si­on wird die Gute Nach­richt Bibel als die zuver­läs­sigs­te kom­mu­ni­ka­ti­ve Über­set­zung aner­kannt. War das ein Ziel der Revision?

Ja sicher, natür­lich! Das war sogar der Aus­lö­ser. Es war die stel­len­wei­se mit Recht kri­ti­sier­te Unge­nau­ig­keit der Fas­sung von 1982, auf die sich die Revi­si­on kon­zen­trier­te. Des­we­gen wur­de der gesam­te Text exege­tisch auch noch­mals durch­ge­ar­bei­tet, mit dem Ziel, den Sinn des bibli­schen Tex­tes so genau, so voll­stän­dig und so ver­ständ­lich wie mög­lich auf Deutsch wie­der­zu­ge­ben. Das hat sich inso­fern gelohnt, als die Reak­tio­nen auf die 97er-Über­set­zung den Erfolg die­ser Arbeit durch­aus gewür­digt haben. Fach­leu­te kön­nen jetzt in der Regel ohne Schwie­rig­kei­ten erken­nen, wel­che phi­lo­lo­gi­schen Ent­schei­dun­gen oder exege­ti­schen Über­le­gun­gen oder sogar: wel­cher wis­sen­schaft­li­che Kom­men­tar einer bestimm­ten For­mu­lie­rung zu Grun­de liegt.

Jetzt sind es bald 20 Jah­re seit der Revi­si­on. Sind Sie immer noch zufrie­den mit dem Text? Oder braucht es schon bald eine Neue?

(Lacht) Im Gro­ßen und Gan­zen bin ich immer noch zufrie­den damit. An ein­zel­nen Stel­len wür­de ich jetzt viel­leicht etwas anders for­mu­lie­ren, denn exege­ti­sche Ein­sich­ten und phi­lo­lo­gi­sches Wis­sen ver­än­dern sich eben­so, wie die Sprach­ge­wohn­hei­ten der deut­schen Lese­rin­nen und Leser. Hin­ter mir steht ein Ord­ner, in dem ich sol­che Stel­len samm­le, über deren For­mu­lie­rung man noch ein­mal nach­den­ken muss. Das sind ent­we­der Sachen, die mir sel­ber inzwi­schen beim Lesen auf­ge­fal­len sind, oder auf die ich von ande­ren Lesern hin­ge­wie­sen wur­de. Aber wir machen‘s nicht so, dass wir sozu­sa­gen scheib­chen­wei­se hier und da etwas ändern, son­dern ich samm­le alle Fra­gen und Vor­schlä­ge über eine län­ge­re Zeit, bis wir eines Tages – sicher­lich inner­halb der nächs­ten zehn Jah­re – eine neue Durch­sicht der Über­set­zung in Angriff nehmen.

Man kann sagen, an einer Über­set­zung wie der Gute Nach­richt Bibel zu fei­len, ist eigent­lich eine Sisy­phus­ar­beit, mit der man nie wirk­lich fer­tig wird. Des­halb gibt man nach mei­ner eige­nen Erfah­rung die Über­set­zung nur ungern aus der Hand. In die­sem Sinn ist aus Über­set­zer-Sicht auch die aktu­el­le Fas­sung der Gute Nach­richt Bibel nicht „fer­tig“. Doch wir haben sie 1997 und dann ab 2000 in neu­er Recht­schrei­bung trotz­dem mit gutem Gewis­sen in den Druck gege­ben, weil wir uns sicher waren, dass wir getan und erreicht hat­ten, was in der Zeit mög­lich und erreich­bar war. Die Gute Nach­richt war 1967 die ers­te kom­mu­ni­ka­ti­ve Bibel­über­set­zung in deut­scher Spra­che und heu­te ist sie in der Fas­sung von 1997 auch die zuverlässigste.

Dr. Rolf Schä­fer hat in Tübin­gen Theo­lo­gie stu­diert und wur­de im Fach Altes Tes­ta­ment pro­mo­viert. Dr. Schä­fer arbei­tet bei der Deut­schen Bibel­ge­sell­schaft als Ver­lags­lek­tor und war einer der vier Über­set­zer, wel­che für die voll­stän­di­ge Über­ar­bei­tung der Guten Nach­richt Bibel in den 1990er Jah­ren zustän­dig waren.

Die­ser Arti­kel ist Teil 3 einer vier­tei­li­gen Rei­he über die Gute Nach­richt Bibel. Die ande­ren 3 Beiträge:

  1. Wie­so freie Bibel­über­set­zun­gen belä­chelt wer­den, und was dar­an falsch ist.
  2. Wie es zur ers­ten frei­en deut­schen Über­set­zung kam – eine erstaun­li­che Geschichte.
  3. Gute Nach­richt Bibel – eine umfang­rei­che Textkritik

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Das Wort Got­tes nicht nur lesen, son­dern auch bewun­dern. Das ver­sucht Phil­ipp Kel­ler selbst zu tun, und ande­re dazu zu moti­vie­ren. Er ist Wor­s­hip-Lei­ter und bloggt pri­vat. Auf Twit­ter ist er erreich­bar unter @philippkellr

Philipp Keller

Über den Autor

Das Wort Gottes nicht nur lesen, sondern auch bewundern. Das versucht Philipp selbst zu tun und andere dazu zu motivieren. Er ist Worship-Leiter und bloggt privat. Auf Twitter ist er erreichbar unter @philippkellr

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