Warum sich eine Wortstudie lohnt (Teil 2/​2)

Wortstudie in den Logos-Apps

Detaillierte Wortstudie zu Apg 11,20

In Teil 1 des Arti­kels zur Wort­stu­die haben Sie eini­ge wich­ti­ge Tools in Logos bereits ken­nen­ge­lernt. Nun möch­te ich mit Ihnen wirk­lich in den Tief­gang gehen. Dafür wer­den wir Theo­rie und Pra­xis mit­ein­an­der ver­bin­den und uns Punkt für Punkt durch eine Wort­stu­die han­geln. Am Schluss fin­den Sie den Ablauf für die­se Wort­stu­die. Natür­lich sind Sie nicht an die­sen gebun­den und kön­nen bei einer eige­nen Wort­stu­die ger­ne davon abweichen.

1. Auswahl und Lokalität des Wortes im Text

Bevor Sie sich im Rah­men einer Exege­se oder einer Pre­digt tief­grün­dig mit einem Wort aus­ein­an­der­set­zen, fra­gen Sie sich sicher­lich zurecht: Wie wäh­le ich über­haupt ein pas­sen­des Wort aus, das sich zu unter­su­chen lohnt? Ich habe dazu eini­ge Beob­ach­tun­gen gemacht, die Ihnen hel­fen kön­nen. Die Num­me­rie­rung gibt auch gleich die Prio­ri­tät an, wor­auf man sich mehr kon­zen­trie­ren sollte.

  1. Gibt es ein Leit­wort? (Wör­ter, die wie­der­holt im Abschnitt vorkommen)
  2. Hat das Wort rele­van­te Über­set­zungs­un­ter­schie­de? (Das sehen Sie zum Bei­spiel bei einem Übersetzungsvergleich)
  3. Gibt es Erkennt­nis­se auf der Text­ebe­ne? (dar­um macht man auch ein Text­schau­bild; wo ist der Haupt­satz? Gibt es dort eine wich­ti­ge Per­son oder Aktion?)
    1. Sub­jekt – Verb (Was tut das Sub­jekt im Hauptsatz?)
    2. Objekt – Adverb (Prä­po­si­tio­na­ler Ausdruck)
    3. Attri­bu­te (Ergän­zung)

Die Entscheidung für ein Wort

Es waren aber unter ihnen eini­ge Män­ner von Zypern und Kyre­ne, die, als sie nach Antio­chia kamen, auch zu den Grie­chen rede­ten, indem sie das Evan­ge­li­um von dem Herrn Jesus ver­kün­dig­ten. (Apg 11,20)

Wenn man sich bei die­sem Vers die oben genann­ten Fra­gen stellt, soll­te man sich rela­tiv schnell für ein Wort ent­schei­den kön­nen. Die ers­te Fra­ge hilft nicht wirk­lich wei­ter, weil kein Leit­wort vor­kommt. Wenn man den Kon­text betrach­tet, merkt man jedoch, dass das Wort „Herr” im fol­gen­den Vers noch zwei wei­te­re Male vorkommt.

Und des Herrn Hand war mit ihnen, und eine gro­ße Zahl, die gläu­big wur­de, bekehr­te sich zum Herrn. (Apg 11,21)

Da hät­ten wir bereits ein Leit­wort! Bei der zwei­ten Fra­ge wird in die­sem Abschnitt nichts auf­fäl­lig anders über­setzt, so über­sprin­gen wir die­sen Punkt. Bei der Text­ebe­ne wird es span­nend. Die han­deln­den Per­so­nen sind irgend­wel­che Män­ner, die in Antio­chia etwas ver­kün­den. Der Inhalt ihrer Ver­kün­di­gung steht zwar im Neben­satz, bil­det aber der Höhe­punkt und Abschluss von Vers 20. Sie ver­kün­di­gen näm­lich nichts weni­ger als die ret­ten­de Bot­schaft von dem Herrn Jesus!

Auch im Vers 21 steht „Herr“ (κύριος) nie im Nomi­na­tiv, doch ist die­ses Wort der Grund dafür, dass sich die Leu­te bekeh­ren! Mit einem Stil­mit­tel (Anthro­po­mor­phis­mus) wird der Fakt, dass der Herr mit die­sen Gläu­bi­gen unter­wegs ist, noch mehr unter­stri­chen. Sie erah­nen es bereits: Wir wäh­len das Wort „Herr“ (κύριος).

2. Neutestamentlicher Sprachgebrauch

Das deut­sche Wör­ter­buch Bau­er-Aland über­setzt den Begriff mit „Herr”. Kas­sühl­ke defi­niert es als Herr; Besit­zer; Gebie­ter. Das mas­ku­li­ne Sub­stan­tiv «ὁ κύριος» kommt im Neu­en Tes­ta­ment 716 Mal vor. Das sind Fak­ten, die sich durch das gan­ze Neue Tes­ta­ment zie­hen. Doch genau das ist nicht unbe­dingt von gro­ßer Bedeu­tung. Denn es ist gar nicht klar, ob man den gesam­ten neu­tes­ta­ment­li­chen Text unter­su­chen soll­te. Sol­che Wör­ter­bü­cher dür­fen natür­lich nicht so auto­ri­ta­tiv wer­den, als dass man mei­nen könn­te, das Wort wer­de immer so übersetzt.

Für eine genaue Unter­su­chung ist es in die­sem Fall viel sinn­vol­ler, nur den lukani­schen Dop­pel­be­richt zu unter­su­chen. Das heißt, man unter­sucht nur die Erzäh­lung des Lukas und sei­ne Apos­tel­ge­schich­te. Inner­halb der Tex­te die­ses einen Autors ist es viel wahr­schein­li­cher, dass er die Wor­te mit der­sel­ben Bedeu­tung füllt. Das bedeu­tet nicht, dass ande­re neu­tes­ta­ment­li­che Autoren einen ande­ren Aus­druck für den glei­chen Begriff wäh­len. Aber es ist natür­lich wahr­schein­li­cher, dass ein Autor das­sel­be Wort inner­halb sei­nes Berichts immer gleich über­setzt. Ein sol­ches Vor­ge­hen ist für eine Wort­stu­die üblich. Das wür­de auch die Anzahl der zu unter­su­chen­den Stel­len ver­rin­gern; in der Apos­tel­ge­schich­te kommt der Begriff 107 Mal vor, im Lukas­evan­ge­li­um 104 Mal.

2.1 Kyrios im profanen Sprachgebrauch bei Lukas (Syntaxuntersuchung)

Die­ser Pro­zess ist wich­tig und glück­li­cher­wei­se auch bei dem Assis­ten­ten: Wort­stu­die zu fin­den (Ver­wen­dungs­bei­spie­le sie­he nächs­tes Bild). Dort wer­den Ihnen gleich die Ergeb­nis­se prä­sen­tiert, wo das Wort als Sub­jekt, Objekt usw. genutzt wird. Das wird bei unse­rer Unter­su­chung inso­fern span­nend, als wir her­aus­fin­den wol­len, wie das Sub­jekt Herr han­delt (Aktiv), aber auch, wie am Objekt Herr gehan­delt wird (Pas­siv).

Gliederung der Syntax in einer Wortstudie
Ein schnel­ler Über­blick über die Syn­tax via Assistent.
  • 2.1.1 Κύριος als Subjekt (Nominativ)

    Im lukani­schen Dop­pel­be­richt erscheint Herr 53 Mal im Nomi­na­tiv, davon 23 Mal in der Apostelgeschichte. 

    • Das ers­te Mal wird Chris­tus in Lukas 2,11 als Herr bezeich­net. Und zwar am Tag sei­ner Geburt. Lukas hat also in die­sem Kapi­tel kein Pro­blem damit, den Titel Kyri­os einer­seits neun­mal auf Gott den Vater und ande­rer­seits ein­mal auf den Sohn zu beziehen.
    • In Lukas 6,5 sehen wir ein neu­es Bedeu­tungs­spek­trum. Der Herr wird als irdi­scher Herr bezeich­net, hier der Herr des Sab­bats. Der Men­schen­sohn darf bestim­men, was am Sab­bat erlaubt ist und was nicht.
    • Auch Apos­tel­ge­schich­te 23,11 ist eine span­nen­de Stel­le. Dort erscheint Jesus dem Pau­lus im Traum und ermu­tigt ihn, das Evan­ge­li­um furcht­los zu ver­kün­den. Hier wird der Titel auf den auf­er­stan­de­nen Jesus angewandt.

    Die­se kur­ze Unter­su­chung muss vor­erst aus­rei­chen. Wir neh­men mit: Jesus bekommt von meh­re­ren Per­so­nen den Titel Herr und han­delt auch wie ein Herr – im irdi­schen Sin­ne (Lk 6,5), aber auch im himm­li­schen, auf­er­stan­de­nen Sin­ne (Apg 23,11).

    2.1.2 Κύριος als Objekt (Akkusativ)

    Hier ver­su­chen wir her­aus­zu­fin­den, wo der Begriff als Objekt ver­wen­det wird. Dazu suchen wir das Sub­stan­tiv im Akku­sa­tiv. Alter­na­tiv zum Assis­ten­ten kann man auch in einer grie­chi­schen Bibel (Aland oder SBL-Edi­ti­on) via Such­feld und @ nach einem genau­en Wort suchen (sie­he nächs­tes Bild). In Lk-Apg ist dies nur zwölf­mal der Fall. Ver­ein­facht gesagt, fin­den wir so her­aus, was das han­deln­de Sub­jekt am Objekt κύριος tut. Betet der Gegen­stand, ver­mut­lich oft eine Per­son, den κύριος an? Oder nimmt die Per­son einen Auf­trag an?

    • In Lukas 5,8 wird Jesus von sei­nem Jün­ger Simon Petrus als Herr ange­spro­chen. Dies ist ein gutes Bei­spiel für eine sub­ti­le Form von Demut und Anbe­tung. Auf­grund der Wun­der­ta­ten Jesu ist Petrus nicht bereit, sich die­sem κύριος zu nähern.
    • In Lukas 6,46 wird Jesus zwar Herr genannt, aber die Jün­ger gehor­chen ihm nicht, was er anprangert.
    • Ein wei­te­res Bei­spiel fin­det sich in Apos­tel­ge­schich­te 22,8, wo die Blind­heit des Sau­lus beschrie­ben wird. Er fällt auf die Knie und kann nur noch fra­gen: Wer bist du, Herr? Jesus ant­wor­tet: Ich bin Jesus von Nazareth!
  • Wortstudie: Syntaxsuche per Suchfeld
    Via Such­feld eini­ge Syn­tax­su­chen vor­neh­men: einfach!

Aus der Objekt-Unter­su­chung neh­men wir mit: Die Gläu­bi­gen im lukani­schen Dop­pel­be­richt beten die­sen Herrn an, gehen vor ihm auf die Knie und soll­ten ihm gehor­chen. Des Wei­te­ren könn­te man nun noch eine Suche nach dem indi­rek­ten Objekt star­ten oder auch die exak­te Unter­su­chung, was Herr als Titel bedeu­tet. Dies wür­de aller­dings den Rah­men die­ses Arti­kels sprengen.

2.2 Fazit zum Gebrauch im Neuen Testament:

Wir sehen, dass Lukas „Kyri­os” oft, aber nicht nur als Got­tes­na­men ver­wen­det. Jede welt­li­che, auto­ri­tä­re Abhän­gig­keit bzw. jedes Macht­ge­fäl­le kann auch als Herr-Skla­ve Bezie­hung ein­ge­ord­net wer­den. Ange­be­tet wer­den jedoch nur Gott-Vater und Gott-Sohn als Herr. Doch was heißt es, dass Jesus und Gott als „Herr” bezeich­net wer­den? Geht es ledig­lich dar­um, dass wir uns bei­den unter­ord­nen müs­sen, dass bei­de uns Befeh­le ertei­len dür­fen? Die­se Fra­ge neh­me ich in den nächs­ten Schritt mit. Genau das wäre jetzt eine span­nen­de Unter­su­chung, die sich auf das gesam­te Neue Tes­ta­ment aus­wei­ten soll­te. Aber auch das wür­de den Rah­men die­ses Arti­kels sprengen.

3. Alttestamentlicher Sprachgebrauch

3.1 Der Vergleich zwischen Septuaginta (LXX) und hebräischem Urtext (BHS 2.0)

Nun unter­su­chen wir unser grie­chi­sches Wort Kyri­os in der grie­chi­schen Über­set­zung des Alten Tes­ta­ments (LXX/​Septuaginta). „Kyri­os” kommt in der Sep­tuag­in­ta 8.383 Mal vor. Der Got­tes­na­me JHWH kommt in der hebräi­schen Bibel 6.828 Mal vor. Und da wird es rich­tig span­nend. Wenn man die Sep­tuag­in­ta (Ich arbei­te jeweils mit Rahlfs LXX) mit der BHS 2.0 (hebräi­sche Bibel) ver­gleicht, merkt man beson­ders bei den Psal­men, dass „Kyri­os” fast immer als Syn­onym für das Tetra­gramm JHWH ver­wen­det wird. „Herr” ist also in der LXX ein Titel für den jüdi­schen Gott und für den jüdi­schen Gott allein. Auch im Schöp­fungs­be­richt wird dies deut­lich: JHWH wird in der LXX als „Kyri­os” wie­der­ge­ge­ben, wäh­rend ELOHIM meis­tens mit „The­os” über­setzt wird.

3.2 Fazit zum Alten Testament

Das Tetra­gramm wird in der deut­schen Bibel mit HERR oder Jah­we wie­der­ge­ge­ben. HERR in Groß­buch­sta­ben wird ver­wen­det, wenn im Urtext JHWH steht. Wenn im Urtext ein nor­ma­les Wort für Herr ver­wen­det wird, wird jeweils mit „Herr” über­setzt, aber es wer­den kei­ne Groß­buch­sta­ben ver­wen­det. HERR in der deut­schen Bibel zeigt also an, wann der eine Got­tes­na­me gemeint ist. Die Unter­su­chung hat erge­ben, dass wir das Tetra­gramm mit „Kyri­os” gleich­set­zen kön­nen. „Kyri­os” ist im AT fast immer ein Titel für den einen Gott.

4. Außerbiblischer Sprachgebrauch

Im letz­ten Schritt einer jeder Wort­stu­die soll­te man den außer­bi­bli­schen Sprach­ge­brauch klä­ren. Die­ser steht oft in der Gefahr, über­in­ter­pre­tiert zu wer­den. Vie­le deut­schen Wör­ter­bü­cher gehen ihn erst gar nicht. Bei die­sem Schritt geht es dar­um, das Wort aus­schließ­lich in Tex­ten aus dem Umfeld des Neu­en Tes­ta­ments zu fin­den. Wenn wir jetzt „Kyri­os”” irgend­wo im 8. Jahr­hun­dert unter­su­chen, kom­men wir ver­mut­lich zu einer ande­ren Defi­ni­ti­on. Es lie­gen dann aber auch 800 Jah­re zwi­schen Abfas­sung des Neu­en Tes­ta­ments und die­sem Sprachgebrauch.

Hinführung

Des­halb kon­zen­triert man sich unge­fähr auf die Zeit, in der das bibli­sche Buch ver­fasst wur­de. Dafür brau­chen wir natür­lich ein­mal mehr Wer­ke und Quel­len, die aus die­ser Zeit stam­men. Für eine genaue Unter­su­chung müs­sen die Wer­ke selbst­ver­ständ­lich in ihrer Ori­gi­nal­spra­che vor­lie­gen: Alt­grie­chisch. Hier eine kur­ze Lis­te mit mög­li­chen Ressourcen:

Damit kei­ne Zeit ver­lo­ren geht, rufe ich die Stu­di­en­hil­fe Wort­stu­die auf. Im drit­ten Schritt geht es um den außer­bi­bli­schen Sprach­ge­brauch, bei dem Logos mir die rele­van­ten Stel­len am rich­ti­gen Ort anzeigt (sie­he nächs­tes Bild).

Wortstudie: Außerbiblische Quellen auf einen Blick
Ganz schnell zu den rele­van­ten Stel­len springen.
  • Einige Quellen dazu

    Im ers­ten Cle­mens­brief fin­den wir den Herrn:

    Das Szep­ter der Majes­tät Got­tes, der Herr Jesus Chris­tus, ist nicht erschie­nen in prah­le­ri­schem und auf­fal­len­dem Prun­ke, obwohl er es gekonnt hät­te, son­dern in Demut, wie der Hei­li­ge Geist von ihm ver­kün­det hat­te; er sagt näm­lich: ‚Herr, wer hat unse­rer Pre­digt geglaubt?‘ (Ers­ter Brief an die Korin­ther (Epis­tu­la ad Corin­thi­os, S. 10)

    Bei Igna­ti­us auch:

    Der Herr Jesus Chris­tus wird sie ehren, auf den sie hof­fen in Fleisch, See­le, Geist, Glau­be, Lie­be, Ein­tracht. Lebet wohl in Chris­tus Jesus, unse­rer gemein­sa­men Hoff­nung!“ (Die sie­ben Brie­fe des Igna­ti­us von Antio­chi­en, S. 21)

    Bei Jose­phus fin­den wir das Wort Herr einer­seits als irdi­schen Titel, ande­rer­seits als Gottesnamen:

    …oder aber lie­ber Skla­ven­diens­te thun [sic!] woll­ten gleich den Tie­ren, die von ihren Her­ren zu deren Dienst und Nut­zen gemäs­tet wer­den.(Jüdi­sche Alter­tü­mer, S. 139)

    Dei­ner Macht, o Herr, die ich selbst ver­eh­re …, zu miss­trau­en, hal­te ich für die gröss­te Thor­heit [sic!], die ich bege­hen könn­te.“ (Jüdi­sche Alter­tü­mer, S. 119)

    Fazit zu den außerbiblischen Quellen

    Nun wur­de aus die­ser kur­zen Unter­su­chung einer­seits klar, dass „Herr” öfters als ein­fa­cher Titel für eine irdi­sche Per­son mit Macht benutzt wird. Doch in Bezug auf Jesus ist „Herr” immer ein Titel, der anbe­tungs­wür­dig ist. Zudem erwähnt das ThWNT zusätz­lich vor allem mit Zita­ten aus den spät­jü­di­schen Pseu­d­epi­gra­fien, dass HERR oft den Schöp­fer­gott meint, wel­cher über die Erde und jede ein­zel­ne Per­son indi­vi­du­ell Gericht hal­ten wird. (ThWNT, Band 3, Sei­te 1084). Die­ses Ver­ständ­nis fin­den wir natür­lich auch inner­halb der Bibel mit dem Kon­zept Tag des HERRN (Joel 1,15 u. wei­te­re). Das gan­ze Kon­zept von Gericht wird im NT auf Jesus über­tra­gen (Lk 12,46; Mt 24,50).

    5. Fazit zu dieser Wortstudie

    Als gro­ße Erkennt­nis neh­me ich mit, dass Herr und HERR vor allem ein Got­tes­ti­tel ist. Im Neu­en Tes­ta­ment fin­den wir die­sen Titel als Form der Anbe­tung nur für Gott den Vater und für Jesus Chris­tus. Dass Jesus Chris­tus von Naza­reth einer­seits von den Per­so­nen der Geschich­te und ande­rer­seits von den bibli­schen Autoren direkt mit die­sem Titel ange­spro­chen wird, lässt mich zu dem Schluss kom­men, dass dies eine wei­te­re Begrün­dung dafür ist, dass Jesus der Herr ist, der Gott ist. Ins­be­son­de­re kris­tal­li­sie­ren sich mei­ner Mei­nung nach aus die­ser Wort­stu­die drei Grün­de dafür her­aus, dass Jesus Gott ist:

    1. Weil Jesus ein­deu­tig die­sen anbe­tungs­wür­di­gen Titel erhält.
    2. Weil JHWH im Alten Tes­ta­ment mit dem glei­chen Titel asso­zi­iert und über­setzt wird
    3. Weil Jesus sich der Anbe­tung nicht widersetzt.

    Ablauf einer Wortstudie

    Fol­gen­der Ablauf emp­fiehlt sich für jede Art von Wortstudie:

    1. Aus­wahl und Loka­li­tät des Wor­tes im Text
    2. Neu­tes­ta­ment­li­cher Sprachgebrauch
      1. Kyri­os im pro­fa­nen Sprach­ge­brauch bei Lukas (Syn­tax­un­ter­su­chung)
        1. Nomi­na­tiv: Subjektuntersuchung
        2. Akku­sa­tiv: Objektuntersuchung
      2. Fazit aus dem Neu­en Testament
    3. Alt­tes­ta­ment­li­cher Sprachgebrauch
      1. Der Ver­gleich von der Sep­tuag­in­ta (LXX) und dem hebräi­schen Urtext (BHS 2.0)
      2. Fazit aus dem Alten Testament
    4. Außer­bi­bli­scher Sprachgebrauch
      1. Pri­mär­quel­len-Unter­su­chung auf Grie­chisch oder Deutsch
      2. Fazit aus den außer­bi­bli­schen Quellen
    5. Fazit

    Ich hof­fe, dass ich Ihnen den Nut­zen einer grie­chi­schen Wort­stu­die auf­zei­gen konn­te. Wenn Sie noch eine Fra­ge haben, scheu­en Sie sich nicht, die­se in die Kom­men­ta­re zu schrei­ben! Nun möch­te ich Ihnen zum Schluss noch mei­ne Lieb­lings-Wör­ter­bü­cher emp­feh­len, wovon alle bis auf ein Werk auf Logos ver­füg­bar sind.

    Wörterbücher fürs Neue Testament

    Wörterbücher fürs Alte Testament

Geschrieben von
Joshua Ganz

Joshua ist als Jugendpastor in der Nordostschweiz tätig. Aktuell studiert er systematische Theologie auf dem Master-Level und plant einen MTh. In der Schweizer Armee dient er als Armeeseelsorger. Er liebt Theologie, sein Rennrad und Kaffee. Am liebsten alles miteinander, oder zumindest nacheinander ;)

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2 Kommentare
  • Wirk­lich inter­es­san­ter Artikel. 

    Noch bes­ser, wenn eine kon­kre­te tech­ni­sche Anlei­tung den Leser füh­ren wür­de, z.B. in 2.1.1 „Ein schnel­ler Über­blick über die Syn­tax via Assis­tent.” – ah, und wel­cher bit­te? Das Bild dar­über sicher­lich nicht. 

    Auch war mir bis vor kur­zem nicht klar, dass/​wie man die Wort­stu­die auf Bibel­tei­le ein­schränkt. Ich glau­be nicht, dass das für alle Leser selbst­ver­ständ­lich ist.

    • Hal­lo Stephan
      Vie­len Dank für Ihren Kommentar.
      Das Bild dar­über hal­te ich tat­säch­lich für kor­rekt plat­ziert. 2.1.1 beschäf­tigt sich ja mit der Syn­tax­un­ter­su­chung durch den Nomi­na­tiv. Das Bild unter 2.1 zeigt den Assis­tent: Wort­stu­die. Dort sehen wir, wo Kyri­os bei Lukas als Nomi­na­tiv oder eben Akku­sa­tiv (usw.) ver­wen­det wird. Die­ser Assis­tent lie­fert uns also Ver­wen­dungs­bei­spie­le, die in einem ers­ten Schritt ein­fach ein Über­blick bie­ten sol­len. Für die genaue unter­su­chung einer Stel­le kann man dann ent­we­der den Satz auf grie­chisch anzei­gen las­sen oder direkt in die deut­sche oder grie­chi­sche Bibel wechseln.

      Wir sind uns bewusst, dass man­che Tricks und Tipps nicht immer leicht zu ent­de­cken sind. Jedoch ist es auch eine Schwie­rig­keit für uns, einen Bei­trag mög­lichst kom­pakt zu hal­ten und dabei trotz­dem mög­lichst viel zu erklären. 

      Dafür hal­te ich 2 Tipps für unver­zicht­bar als Logos-Nutzer.
      Der ers­te Tipp ist das krea­ti­ve Aus­pro­bie­ren. Als ich noch Logos-Neu­ling war, habe ich mir jede Woche eine Stun­de genom­men, wo ich ein­fach Din­ge ent­de­cken kann und diver­se Assis­ten­ten ken­nen­ler­nen kann. Die­se zweck­freie Zeit habe ich auch mit Tuto­ri­als gefüllt, was mich zum zwei­ten Tipp bringt: You­tube Vide­os von Faithli­fe auf Eng­lisch und Deutsch. Z.b. gibt es die­ses Video, dass sich nur mit Suchen beschäf­tigt: https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​4​2​m​_​g​Z​b​9​S​X​4​&​t​=​2​8​1​8​s​&​a​b​_​c​h​a​n​n​e​l​=​L​o​g​o​s​B​i​b​e​l​s​o​f​t​w​a​r​e​D​e​u​t​sch .
      Ich hof­fe, Ihnen damit ein biss­chen zu helfen!

Geschrieben von Joshua Ganz