Warum sich eine Wortstudie lohnt (Teil 1/​2)

Von Joshua Ganz

Vor 2 Monaten

Wort­stu­die, wie geht das? Hat ein Wort nur eine Bedeu­tung oder meh­re­re, viel­leicht sogar ein gan­zes Spektrum? 

Wel­chen Nut­zen hat eine Wort­stu­die zu einem grie­chi­schen Wort? Wie kann man mit Logos den bibli­schen Urtext bes­ser ver­ste­hen? Wie lässt sich Theo­lo­gie aus einer Wort­stu­die ablei­ten? Um die­se Fra­gen geht es. Im ers­ten Teil des Arti­kels ler­nen Sie vier hilf­rei­che Tools in Logos ken­nen. Teil 2 befasst sich mit einer Wort­stu­die zum Wort „Herr“ (grie­chisch: κύριος) im lukani­schen Doppelbericht.

Lese­zeit: ca. 8 Minuten

Wortstudie für Anfänger

Wortstudie, was ist das?

Eine Wort­stu­die unter­sucht ein Wort im Ori­gi­nal­text, um her­aus­zu­fin­den, war­um die Über­set­zer das Wort so über­setzt haben, wie sie es getan haben. Die­ser Vor­gang wird im Bereich der Über­set­zungs­wis­sen­schaft durch­ge­führt und fin­det auch Anwen­dung in der Exege­se oder der bibli­schen Stu­die zu einem spe­zi­fi­schen Thema.

Eine Wort­feld­un­ter­su­chung ist nichts ande­res als eine Wort­stu­die, bei der man schnell merkt, dass das grie­chi­sche (oder hebräi­sche) Wort ein brei­te­res Bedeu­tungs­spek­trum hat. Ein Bei­spiel hier­für ist das grie­chi­sche Wort „δόξα“. Es hat ver­schie­de­ne Über­set­zungs­mög­lich­kei­ten wie Herr­lich­keit, Glanz oder Ehre. Aller­dings soll­te man nicht ein­fach wahl­los ein deut­sches Wort ein­set­zen. Viel­mehr muss man das Wort­feld (δόξα) genau unter­su­chen, um her­aus­zu­fin­den, wie es an ande­ren Stel­len ver­wen­det wird und wel­che Über­set­zung am plau­si­bels­ten ist.

Im Fol­gen­den wer­de ich Ihnen zei­gen, wie das in einem effek­ti­ven und zeit­spa­ren­den Rah­men gelin­gen kann. Um ein­zu­stei­gen, soll­ten Sie sich zunächst an den zugäng­li­chen Tools ori­en­tie­ren, die ver­mut­lich bereits in ihrem Logos-Paket inte­griert sind. Wenn Sie die­se Tools ken­nen­ge­lernt oder sogar bereits genutzt haben, sind Sie bes­tens auf den zwei­ten Teil die­ses Bei­trags vor­be­rei­tet: eine umfas­sen­de Wort­stu­die zum grie­chi­schen Begriff „κύριος“ (Herr). Doch zuerst kom­men wir zu den vier Tools.

Tool 1: Morphologietabelle (Werk)

Ab Logos Bron­ze gibt es die soge­nann­ten Mor­pho­lo­gie­ta­bel­len. Dabei han­delt es sich um ein inter­ak­ti­ves Medi­um, das Ihnen in Ihrer Biblio­thek als nor­ma­les Werk zur Ver­fü­gung steht. Sie kön­nen es daher durch die Ein­ga­be von „morph“ in Ihrer Biblio­thek öff­nen. Das Tool bie­tet einen ein­fa­chen Ein­stieg, um einen Über­blick über ein Wort zu erhalten.

Wortstudie mit Morphologietabelle
Mor­pho­lo­gie­ta­bel­le – Wie oft kommt ein Wort in wel­chem Kasus vor?

Hier geben Sie ein­fach das gewünsch­te Wort auf Hebrä­isch oder Grie­chisch ein. Sie kön­nen dafür sogar die deut­sche Umschrift ver­wen­den (Bei­spiel: doxa für δόξα). Mit die­ser Tabel­le erhal­ten Sie einen Über­blick dar­über, wie oft ein Wort in wel­chem Kasus vor­kommt. Bit­te beach­ten Sie, dass die­ses Tool nur eines der bei­den Tes­ta­men­te berück­sich­tigt. Obwohl es auch inter­es­sant wäre, grie­chi­sche Wör­ter über die Sep­tuag­in­ta (grie­chi­sche Über­set­zung des Alten Tes­ta­ments) zu unter­su­chen, bleibt die­ses Tool bewusst auf ein Tes­ta­ment beschränkt.

Tool 2: Wortstudie (Assistenz)

Ein wei­te­res hilf­rei­ches Werk­zeug ist die Wort­stu­die, die unter den Assis­ten­ten zu fin­den ist und nicht mit der gleich­na­mi­gen Stu­di­en­hil­fe ver­wech­selt wer­den darf. Den Unter­schied erkennt man an dem klei­nen Sym­bol links neben dem Wort Wort­stu­die. Hier bei dem Assis­ten­ten han­delt es sich um einen Kreis, der von einem recht­ecki­gen Sym­bol umge­ben ist. Die­ses Sym­bol zeigt einen Pfeil, der nach oben und unten ver­läuft. Im Gegen­satz zur Stu­di­en­hil­fe ver­läuft der Pfeil dort jedoch hori­zon­tal und nur nach rechts.

Bequem und schnell

Den Assis­ten­ten fin­den sie im Haupt­me­nü unter “Assistenten/​Studienhilfen”. Dort ein­fach wie­der den Such­be­griff „Wort“ ein­ge­ben. Even­tu­ell sind Sie aber bereits via Bibel­text direkt in eine Wort­stu­die gelangt. Wenn sie mit der rech­ten Maus­tas­te in einer Bibel ihrer Wahl auf ein Wort kli­cken, kön­nen sie von dort aus direkt eine Wort­stu­die öffnen.

Wortstudie aus dem Bibeltext heraus starten
Bequem und schnell: per Rechts­klick eine Wort­stu­die starten.

Die­ser Assis­tent hilft Ihnen, einen ers­ten Über­blick über das Wort zu gewin­nen. Wie Sie auf dem Bild unten sehen, ent­schei­det jeder sel­ber, wel­che Infor­ma­tio­nen in wel­cher Rei­hen­fol­ge ange­zeigt wer­den. Via „Hin­zu­fü­gen“ oben rechts kann man etli­che Such- und Anzei­ge­op­tio­nen wäh­len. Auch hier sieht man bereits, wie oft das Wort im Neu­en Tes­ta­ment vor­kommt. Doch anders als bei der Tabel­le wird auch ange­zeigt, wie die Wör­ter­bü­cher aus Ihrer Biblio­thek das ent­spre­chen­de Wort übersetzen.

Des Wei­te­ren fin­de ich es extrem hilf­reich, zu sehen, in wel­cher Satz­kon­struk­ti­on das Wort ver­wen­det wird. Dies ist die zwei­te offe­ne Zei­le namens Ver­wen­dungs­bei­spie­le. Dort sieht man schnell, wann ein Nomen ein han­deln­des Sub­jekt ist oder eben ein Objekt, zu dem eine Hand­lung geschieht.

Wortstudie: Die Syntax per Gliederung schnell erfassen
Ein schnel­ler Über­blick über die Syntax.

Der letz­te gro­ße Vor­teil die­ses Assis­ten­ten besteht dar­in, dass Sie die Suche nach Wör­tern in ein­zel­nen Tei­len des Neu­en Tes­ta­ments ein­gren­zen kön­nen. Wenn Sie bei­spiels­wei­se nach einer fer­ti­gen Wort­stu­die zum grie­chi­schen Wort für „Licht” in den johannei­schen Schrif­ten suchen, kön­nen Sie die­se Suche oben einschränken.

Tool 3: Wortstudie (Studienhilfe)

Der letz­te und zugäng­lichs­te Weg, eine Wort­stu­die zu täti­gen, ist die umfang­rei­che Stu­di­en­hil­fe „Wort­stu­die“. Auch die­se fin­den Sie bei den Assis­ten­ten (Kom­pass-Sym­bol) im Haupt­me­nü. Hier spuckt Logos Ihnen kei­ne fixen Daten her­aus, son­dern ermu­tigt Sie, selbst an der Bedeu­tung des Wor­tes zu arbei­ten. Logos stellt Ihnen dafür wich­ti­ge Wer­ke zur Ver­fü­gung, die sich natür­lich immer am rich­ti­gen Ort für Sie öffnen.

Die­se Stu­di­en­hil­fe basiert auf drei wich­ti­gen Haupt­pfei­lern einer jeden Wort­stu­di­en-Metho­dik. Als Ers­tes geht es dar­um, die Ver­wen­dung des Wor­tes in der Bibel zu unter­su­chen. In einem zwei­ten Schritt führt Sie die Stu­di­en­hil­fe durch Ihre wis­sen­schaft­li­che Biblio­thek anhand des Wor­tes. Sie kön­nen dann direkt zu den Stel­len sprin­gen, die Sie anhand der direkt ver­link­ten Kom­men­ta­re unter­su­chen möchten.

Wortstudie - die Gliederung der Studienhilfe
Ein Assis­tent, der Sie Schritt-für-Schritt ans Ziel bringt.

Der letz­te gro­ße Schritt in die­ser Stu­di­en­hil­fe befasst sich mit dem Gebrauch des Wor­tes in außer­bi­bli­schen Tex­ten. Auch dort hängt es natür­lich davon ab, wie vie­le sol­cher Tex­te und Wer­ke Sie in ihrer Biblio­thek zur Ver­fü­gung haben. Wenn gewis­se Quel­len vor­han­den sind, kön­nen Sie so mehr über die Ver­wen­dung des Wor­tes außer­halb des bibli­schen Sprach­ge­brauchs erfah­ren. Wie sie sicher­lich mer­ken, ein gro­ßer Schritt, wel­chen man als Theo­lo­ge bereits ver­misst: die Rezep­ti­on in einem Wörterbuch.

Tool 4: Das Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament (ThWNT)

Das Theo­lo­gi­sche Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment, kurz ThWNT, ist ein rie­si­ges Werk (10 Bän­de, über 9.000 Sei­ten!), das bereits zu fast jedem Sub­stan­tiv und Verb des Neu­en Tes­ta­ments eine Wort­stu­die erstellt hat. Die­ses monu­men­ta­le Werk ist selbst­ver­ständ­lich auf Logos erhält­lich und in sei­ner digi­ta­len Ver­si­on ein unver­zicht­ba­res Muss für jeden Aka­de­mi­ker, ein­schließ­lich Hob­by-Aka­de­mi­ker. In die­sem Werk wird jede Wort­stu­die zu den drei bekann­ten Schrit­ten geord­net. Unter­sucht wird näm­lich der jewei­li­ge Sprach­ge­brauch im/​in

  1. Neu­en Testament
  2. Alten Tes­ta­ment
  3. Außer­bi­bli­schen Quellen.

Das „Theo­lo­gi­sche Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment” wur­de begrün­det und her­aus­ge­ge­ben von Ger­hard Kit­tel, der durch sei­ne Ver­wick­lung in die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche anti­jü­di­sche For­schung und Pro­pa­gan­da einen unrühm­li­chen Tief­punkt der deut­schen Theo­lo­gie bil­det. Wir haben uns daher ent­schie­den, das Werk auf die­ser Sei­te sowie in exter­ner und inter­ner Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht mehr als „Kit­tel“ zu bezeich­nen. Mehr zu Kit­tels Hin­ter­grund und der Ent­schei­dung auf unse­rem Blog.

Fazit: Gute Tools für die Oberfläche

Die­se Tools eig­nen sich mei­ner Mei­nung nach sehr gut, um einen ers­ten Über­blick über die Bedeu­tung eines Wor­tes zu bekom­men. Die ver­knüpf­ten Wer­ke hel­fen unge­mein, schnell zu der gesuch­ten Infor­ma­ti­on zu gelan­gen. Für eine Aus­le­gungs­pre­digt oder für einen Über­blick rei­chen sol­che Tools auf jeden Fall. Doch manch­mal wünscht man sich eben mehr Tief­gang. Spä­tes­tens bei einer Exege­se ist eine Wort­stu­die unabdingbar.

Joshua Ganz

Über den Autor

Joshua ist seit seinem Bachelor in Theology als Jugendpastor in der Nordostschweiz tätig. In der Schweizer Armee dient er als Armeeseelsorger. Er liebt Theologie, sein Rennrad und Kaffee. Am liebsten alles miteinander, oder zumindest nacheinander ;)

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