Warum sich eine Wortstudie lohnt (Teil 1/​2)

Wortstudie in den Logos-Apps

Wort­stu­die, wie geht das? Hat ein Wort nur eine Bedeu­tung oder meh­re­re, viel­leicht sogar ein gan­zes Spektrum? 

Wel­chen Nut­zen hat eine Wort­stu­die zu einem grie­chi­schen Wort? Wie kann man mit Logos den bibli­schen Urtext bes­ser ver­ste­hen? Wie lässt sich Theo­lo­gie aus einer Wort­stu­die ablei­ten? Um die­se Fra­gen geht es. Im ers­ten Teil des Arti­kels ler­nen Sie vier hilf­rei­che Tools in Logos ken­nen. Teil 2 befasst sich mit einer Wort­stu­die zum Wort „Herr“ (grie­chisch: κύριος) im lukani­schen Doppelbericht.

Lese­zeit: ca. 8 Minuten

Wortstudie für Anfänger

Wortstudie, was ist das?

Eine Wort­stu­die unter­sucht ein Wort im Ori­gi­nal­text, um her­aus­zu­fin­den, war­um die Über­set­zer das Wort so über­setzt haben, wie sie es getan haben. Die­ser Vor­gang wird im Bereich der Über­set­zungs­wis­sen­schaft durch­ge­führt und fin­det auch Anwen­dung in der Exege­se oder der bibli­schen Stu­die zu einem spe­zi­fi­schen Thema.

Eine Wort­feld­un­ter­su­chung ist nichts ande­res als eine Wort­stu­die, bei der man schnell merkt, dass das grie­chi­sche (oder hebräi­sche) Wort ein brei­te­res Bedeu­tungs­spek­trum hat. Ein Bei­spiel hier­für ist das grie­chi­sche Wort „δόξα“. Es hat ver­schie­de­ne Über­set­zungs­mög­lich­kei­ten wie Herr­lich­keit, Glanz oder Ehre. Aller­dings soll­te man nicht ein­fach wahl­los ein deut­sches Wort ein­set­zen. Viel­mehr muss man das Wort­feld (δόξα) genau unter­su­chen, um her­aus­zu­fin­den, wie es an ande­ren Stel­len ver­wen­det wird und wel­che Über­set­zung am plau­si­bels­ten ist.

Im Fol­gen­den wer­de ich Ihnen zei­gen, wie das in einem effek­ti­ven und zeit­spa­ren­den Rah­men gelin­gen kann. Um ein­zu­stei­gen, soll­ten Sie sich zunächst an den zugäng­li­chen Tools ori­en­tie­ren, die ver­mut­lich bereits in ihrem Logos-Paket inte­griert sind. Wenn Sie die­se Tools ken­nen­ge­lernt oder sogar bereits genutzt haben, sind Sie bes­tens auf den zwei­ten Teil die­ses Bei­trags vor­be­rei­tet: eine umfas­sen­de Wort­stu­die zum grie­chi­schen Begriff „κύριος“ (Herr). Doch zuerst kom­men wir zu den vier Tools.

Tool 1: Morphologietabelle (Werk)

Ab Logos Bron­ze gibt es die soge­nann­ten Mor­pho­lo­gie­ta­bel­len. Dabei han­delt es sich um ein inter­ak­ti­ves Medi­um, das Ihnen in Ihrer Biblio­thek als nor­ma­les Werk zur Ver­fü­gung steht. Sie kön­nen es daher durch die Ein­ga­be von „morph“ in Ihrer Biblio­thek öff­nen. Das Tool bie­tet einen ein­fa­chen Ein­stieg, um einen Über­blick über ein Wort zu erhalten.

Wortstudie mit Morphologietabelle
Mor­pho­lo­gie­ta­bel­le – Wie oft kommt ein Wort in wel­chem Kasus vor?

Hier geben Sie ein­fach das gewünsch­te Wort auf Hebrä­isch oder Grie­chisch ein. Sie kön­nen dafür sogar die deut­sche Umschrift ver­wen­den (Bei­spiel: doxa für δόξα). Mit die­ser Tabel­le erhal­ten Sie einen Über­blick dar­über, wie oft ein Wort in wel­chem Kasus vor­kommt. Bit­te beach­ten Sie, dass die­ses Tool nur eines der bei­den Tes­ta­men­te berück­sich­tigt. Obwohl es auch inter­es­sant wäre, grie­chi­sche Wör­ter über die Sep­tuag­in­ta (grie­chi­sche Über­set­zung des Alten Tes­ta­ments) zu unter­su­chen, bleibt die­ses Tool bewusst auf ein Tes­ta­ment beschränkt.

Tool 2: Wortstudie (Assistenz)

Ein wei­te­res hilf­rei­ches Werk­zeug ist die Wort­stu­die, die unter den Assis­ten­ten zu fin­den ist und nicht mit der gleich­na­mi­gen Stu­di­en­hil­fe ver­wech­selt wer­den darf. Den Unter­schied erkennt man an dem klei­nen Sym­bol links neben dem Wort Wort­stu­die. Hier bei dem Assis­ten­ten han­delt es sich um einen Kreis, der von einem recht­ecki­gen Sym­bol umge­ben ist. Die­ses Sym­bol zeigt einen Pfeil, der nach oben und unten ver­läuft. Im Gegen­satz zur Stu­di­en­hil­fe ver­läuft der Pfeil dort jedoch hori­zon­tal und nur nach rechts.

Bequem und schnell

Den Assis­ten­ten fin­den sie im Haupt­me­nü unter “Assistenten/​Studienhilfen”. Dort ein­fach wie­der den Such­be­griff „Wort“ ein­ge­ben. Even­tu­ell sind Sie aber bereits via Bibel­text direkt in eine Wort­stu­die gelangt. Wenn sie mit der rech­ten Maus­tas­te in einer Bibel ihrer Wahl auf ein Wort kli­cken, kön­nen sie von dort aus direkt eine Wort­stu­die öffnen.

Wortstudie aus dem Bibeltext heraus starten
Bequem und schnell: per Rechts­klick eine Wort­stu­die starten.

Die­ser Assis­tent hilft Ihnen, einen ers­ten Über­blick über das Wort zu gewin­nen. Wie Sie auf dem Bild unten sehen, ent­schei­det jeder sel­ber, wel­che Infor­ma­tio­nen in wel­cher Rei­hen­fol­ge ange­zeigt wer­den. Via „Hin­zu­fü­gen“ oben rechts kann man etli­che Such- und Anzei­ge­op­tio­nen wäh­len. Auch hier sieht man bereits, wie oft das Wort im Neu­en Tes­ta­ment vor­kommt. Doch anders als bei der Tabel­le wird auch ange­zeigt, wie die Wör­ter­bü­cher aus Ihrer Biblio­thek das ent­spre­chen­de Wort übersetzen.

Des Wei­te­ren fin­de ich es extrem hilf­reich, zu sehen, in wel­cher Satz­kon­struk­ti­on das Wort ver­wen­det wird. Dies ist die zwei­te offe­ne Zei­le namens Ver­wen­dungs­bei­spie­le. Dort sieht man schnell, wann ein Nomen ein han­deln­des Sub­jekt ist oder eben ein Objekt, zu dem eine Hand­lung geschieht.

Wortstudie: Die Syntax per Gliederung schnell erfassen
Ein schnel­ler Über­blick über die Syntax.

Der letz­te gro­ße Vor­teil die­ses Assis­ten­ten besteht dar­in, dass Sie die Suche nach Wör­tern in ein­zel­nen Tei­len des Neu­en Tes­ta­ments ein­gren­zen kön­nen. Wenn Sie bei­spiels­wei­se nach einer fer­ti­gen Wort­stu­die zum grie­chi­schen Wort für „Licht” in den johannei­schen Schrif­ten suchen, kön­nen Sie die­se Suche oben einschränken.

Tool 3: Wortstudie (Studienhilfe)

Der letz­te und zugäng­lichs­te Weg, eine Wort­stu­die zu täti­gen, ist die umfang­rei­che Stu­di­en­hil­fe „Wort­stu­die“. Auch die­se fin­den Sie bei den Assis­ten­ten (Kom­pass-Sym­bol) im Haupt­me­nü. Hier spuckt Logos Ihnen kei­ne fixen Daten her­aus, son­dern ermu­tigt Sie, selbst an der Bedeu­tung des Wor­tes zu arbei­ten. Logos stellt Ihnen dafür wich­ti­ge Wer­ke zur Ver­fü­gung, die sich natür­lich immer am rich­ti­gen Ort für Sie öffnen.

Die­se Stu­di­en­hil­fe basiert auf drei wich­ti­gen Haupt­pfei­lern einer jeden Wort­stu­di­en-Metho­dik. Als Ers­tes geht es dar­um, die Ver­wen­dung des Wor­tes in der Bibel zu unter­su­chen. In einem zwei­ten Schritt führt Sie die Stu­di­en­hil­fe durch Ihre wis­sen­schaft­li­che Biblio­thek anhand des Wor­tes. Sie kön­nen dann direkt zu den Stel­len sprin­gen, die Sie anhand der direkt ver­link­ten Kom­men­ta­re unter­su­chen möchten.

Wortstudie - die Gliederung der Studienhilfe
Ein Assis­tent, der Sie Schritt-für-Schritt ans Ziel bringt.

Der letz­te gro­ße Schritt in die­ser Stu­di­en­hil­fe befasst sich mit dem Gebrauch des Wor­tes in außer­bi­bli­schen Tex­ten. Auch dort hängt es natür­lich davon ab, wie vie­le sol­cher Tex­te und Wer­ke Sie in ihrer Biblio­thek zur Ver­fü­gung haben. Wenn gewis­se Quel­len vor­han­den sind, kön­nen Sie so mehr über die Ver­wen­dung des Wor­tes außer­halb des bibli­schen Sprach­ge­brauchs erfah­ren. Wie sie sicher­lich mer­ken, ein gro­ßer Schritt, wel­chen man als Theo­lo­ge bereits ver­misst: die Rezep­ti­on in einem Wörterbuch.

Tool 4: Das Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament (ThWNT)

Das Theo­lo­gi­sche Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment, kurz ThWNT, ist ein rie­si­ges Werk (10 Bän­de, über 9.000 Sei­ten!), das bereits zu fast jedem Sub­stan­tiv und Verb des Neu­en Tes­ta­ments eine Wort­stu­die erstellt hat. Die­ses monu­men­ta­le Werk ist selbst­ver­ständ­lich auf Logos erhält­lich und in sei­ner digi­ta­len Ver­si­on ein unver­zicht­ba­res Muss für jeden Aka­de­mi­ker, ein­schließ­lich Hob­by-Aka­de­mi­ker. In die­sem Werk wird jede Wort­stu­die zu den drei bekann­ten Schrit­ten geord­net. Unter­sucht wird näm­lich der jewei­li­ge Sprach­ge­brauch im/​in

  1. Neu­en Testament
  2. Alten Tes­ta­ment
  3. Außer­bi­bli­schen Quellen.

Das „Theo­lo­gi­sche Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment” wur­de begrün­det und her­aus­ge­ge­ben von Ger­hard Kit­tel, der durch sei­ne Ver­wick­lung in die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche anti­jü­di­sche For­schung und Pro­pa­gan­da einen unrühm­li­chen Tief­punkt der deut­schen Theo­lo­gie bil­det. Wir haben uns daher ent­schie­den, das Werk auf die­ser Sei­te sowie in exter­ner und inter­ner Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht mehr als „Kit­tel“ zu bezeich­nen. Mehr zu Kit­tels Hin­ter­grund und der Ent­schei­dung auf unse­rem Blog.

Fazit: Gute Tools für die Oberfläche

Die­se Tools eig­nen sich mei­ner Mei­nung nach sehr gut, um einen ers­ten Über­blick über die Bedeu­tung eines Wor­tes zu bekom­men. Die ver­knüpf­ten Wer­ke hel­fen unge­mein, schnell zu der gesuch­ten Infor­ma­ti­on zu gelan­gen. Für eine Aus­le­gungs­pre­digt oder für einen Über­blick rei­chen sol­che Tools auf jeden Fall. Doch manch­mal wünscht man sich eben mehr Tief­gang. Spä­tes­tens bei einer Exege­se ist eine Wort­stu­die unabdingbar.

Geschrieben von
Joshua Ganz

Joshua ist als Jugendpastor in der Nordostschweiz tätig. Aktuell studiert er systematische Theologie auf dem Master-Level und plant einen MTh. In der Schweizer Armee dient er als Armeeseelsorger. Er liebt Theologie, sein Rennrad und Kaffee. Am liebsten alles miteinander, oder zumindest nacheinander ;)

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