An der Hand der Kirchenväter mit dem “Handbuch der Patristik”

Von Jens Binfet


In die­sem Arti­kel ver­fol­ge ich zwei Fragen:

  1. War­um soll­te ich mich über­haupt mit den Schrif­ten der Kir­chen­vä­ter befassen?
  2. Wie kann mir das Hand­buch der Patris­tik von Micha­el Fied­ro­wicz dabei nütz­lich sein?

Bei Adam und Eva anfangen

Fol­gen­de Situa­ti­on kommt Ihnen viel­leicht bekannt vor: Sie sind über eine theo­lo­gi­sche oder bibli­sche Fra­ge gestol­pert. Viel­leicht hat sie auch jemand in der Gemein­de gestellt. Und jetzt ver­su­chen Sie die­se Fra­ge zu klä­ren. Sie durch­for­schen die Bibel – viel­leicht mit­hil­fe von Logos. Sie lesen viel­leicht in einem theo­lo­gi­schen Stan­dard­werk oder einem Kom­men­tar. Man will ja nicht bei Adam und Eva anfan­gen und die­se Fra­ge ganz ohne Vor­wis­sen beant­wor­ten. Das ist sicher sinn­voll. Wir pro­fi­tie­ren von den tol­len Hilfs­mit­teln und Büchern, die uns zur Ver­fü­gung ste­hen. Unnö­ti­ge Arbeit und Feh­ler frustrieren.

Es ist aber häu­fig doch gut – im über­tra­ge­nen Sin­ne – bei Adam und Eva zu beginnen:

Näm­lich in der Kir­chen- und Theo­lo­gie­ge­schich­te. Als Chris­ten haben wir nicht nur ein paar Jahr­zehn­te For­schung, auf die wir zurück­bli­cken kön­nen. Wir haben 2000 Jah­re Geschich­te der Kir­che – mit all ihren Feh­lern und all ihren genia­len Den­kern. Es lohnt sich, die Gedan­ken derer ken­nen­zu­ler­nen, die uns im Glau­ben vor­an­ge­gan­gen sind. Und gera­de die soge­nann­ten Väter (hier meint man meist die Schrift­stel­ler und Theo­lo­gen der ers­ten 500 Jah­re der Kir­chen­ge­schich­te) loh­nen sich aus meh­re­ren Grün­den besonders:

  1. Sie sind beson­ders nah dran an der Zeit Jesu: Die Väter leb­ten noch in dem­sel­ben poli­ti­schen Reich, der­sel­ben Kul­tur und oft auch in der­sel­ben Gegend, in der Jesus und die Apos­tel gewirkt haben. Man­ches, was uns sehr fremd und fern erscheint, lag ihnen noch nahe.
  2. Sie rin­gen um wich­ti­ge Din­ge: Weil der christ­li­che Glau­be noch jung war, muss­te er sich erst gegen alle mög­li­chen Ver­ir­run­gen und Angrif­fe durch­set­zen. Die Väter muss­ten also die grund­le­gen­den Fra­gen des Glau­bens (z.B. Wer ist Gott? Wer ist Jesus? Wie ver­ste­hen wir die Schrift?) klä­ren. Gera­de im nach­christ­li­chen West­eu­ro­pa scheint es mir, dass genau die­se Grund­la­gen wie­der stark ange­grif­fen sind.
  3. Sie sind beson­ders weit weg von unse­rer Lebens­welt: Jede Zeit hat ihre Beson­der­hei­ten, durch die wir die Bibel und den Glau­ben wahr­neh­men. C.S. Lewis schreibt in einem Vor­wort zu einer Aus­ga­be von “De Incar­na­tio­ne” des Kir­chen­va­ters Atha­na­si­us: “Jedes Zeit­al­ter hat sei­ne eige­ne Per­spek­ti­ve. Es ist beson­ders gut dar­in, bestimm­te Wahr­hei­ten zu sehen und neigt beson­ders zu bestimm­ten Feh­lern. Des­we­gen brau­chen wir Bücher, die die cha­rak­te­ris­ti­schen Feh­ler unse­rer Zeit kor­ri­gie­ren. Und das bedeu­tet vor allem alte Bücher.” (C.S. Lewis, On the rea­ding of old books in: God in the Docks) Sicher begeg­nen wir in den Schrif­ten der Väter auch ihren blin­den Punk­ten. Aber sie wei­sen uns auch erfri­schend auf die unse­ren hin!

Wozu ein Quellenband der Kirchenväter?

Ein Quel­len­band ist eine sor­tier­te Samm­lung von Aus­zü­gen aus ver­schie­de­nen Wer­ken. Wel­che Vor­tei­le bie­tet das?

  1. Die Über­set­zung bie­tet einen Zugang zu Tex­ten in den alten Spra­chen, auch wenn Sie sie nicht beherr­schen. Das ist bei den Väter meist Grie­chisch, Latein oder Syrisch.
  2. Die Sor­tie­rung kann hel­fen, schnell pas­sen­de Aus­zü­ge zu fin­den. Das erleich­tert dann auch den tie­fe­ren Ein­stieg – viel­leicht auch in das Original.
  3. Die Vor­auswahl ermög­licht es, mit den Vätern in Kon­takt zu kom­men, ohne sich durch die Mas­sen der Quel­len wüh­len zu müs­sen. Sie müs­sen auch kein Exper­te sein, um die inter­es­san­ten Stel­len zu fin­den und einzuordnen.

Man­che Quel­len­bän­de sor­tie­ren nach den Lehrthe­men der klas­si­schen Dog­ma­tik. Sie brin­gen also z.B. Quel­len zu den The­men: Gott, Schöp­fung, Erlö­sung, Hei­li­gung und Voll­endung. Fied­ro­wicz folgt einer etwas ande­ren Logik: Er folgt den gro­ßen The­men, die für die Zeit der Väter prä­gend ist. Damit nutzt er also ihre eige­ne Sys­te­ma­tik. Das ist ein nach­voll­zieh­ba­rer und loh­nens­wer­ter Ansatz. Aller­dings fin­det man so viel­leicht nicht auf Anhieb die pas­sen­de Rubrik, wenn man eine dog­ma­ti­sche Fra­ge ver­folgt. Ande­rer­seits lädt die­se Sor­tie­rung dazu ein, die Väter auf ihrem eige­nen Ter­ri­to­ri­um ken­nen­zu­ler­nen. Beglei­tend dazu hält Logos auch die “Theo­lo­gie der Kir­chen­vä­ter” von Fied­ro­wicz bereit.

Wie kann ich mit dem Werk arbeiten?

Das Hand­buch der Patris­tik grup­piert sei­ne Quel­len nach neun The­men­fel­dern (A‑I) mit einer über­sicht­li­chen, fei­ne­ren Glie­de­rung unter jedem Punkt. Jede Ein­heit beginnt mit einem kur­zen kir­chen­his­to­ri­schen und inhalt­li­chen Über­blick über das The­ma sowie Lite­ra­tur­hin­wei­sen. Dar­auf fol­gen dann die fort­lau­fend num­me­rier­ten Quel­len mit Quel­len­an­ga­be und deut­scher Übersetzung.

Die Quel­len­an­ga­be beinhal­tet den Autor (z.B. Cle­mens von Rom) mit Titel (z.B. epis­tu­la ad Corin­thi­os) und Fund­stel­le. Dazu gibt es Hin­wei­se auf die Her­kunft der Übersetzung.

Handbuch der Patristik

Wie bei Logos gewohnt sind die Quel­len­an­ga­ben mit den ent­spre­chen­den Wer­ken ver­linkt, sodass man mit einem Klick in ande­re vor­han­de­ne Quel­len­edi­tio­nen oder Über­set­zun­gen sprin­gen kann. Beson­ders hilf­reich ist die Anga­be der Datie­rung zu jedem Text. So kann man sie auf den ers­ten Blick zeit­lich ein­ord­nen, ohne ein Patris­tik­ex­per­te zu sein. Die Über­set­zung folgt jeweils aner­kann­ten phi­lo­lo­gi­schen Edi­tio­nen und ist durch­weg gut verständlich.

Hilf­reich für die Arbeit mit dem Werk ist auch das Per­so­nen- und Begriffs­re­gis­ter am Ende (in Logos mit hilf­rei­chen Sprung­mar­ken ver­se­hen). Hier kann man schnell bspw. alle Stel­len von Augus­ti­nus oder alle Stel­len zum The­ma Inkar­na­ti­on finden.

Zum Autor

Pro­fes­sor Micha­el Fied­ro­wicz ist ein (katho­li­scher) Kir­chen­his­to­ri­ker an der Uni­ver­si­tät Trier. Er ist Spe­zia­list für Alte Kir­che (Patris­tik). Neben dem Hand­buch der Patris­tik hat er auch eine Theo­lo­gie der Kir­chen­vä­ter geschrie­ben, die auf Deutsch bereits die zwei­te Auf­la­ge erreicht hat und in meh­re­ren Spra­chen (Pol­nisch, Ita­lie­nisch) erschie­nen ist.

Fazit

Das Hand­buch der Patris­tik ist ein soli­des, umfang­rei­ches Nach­schla­ge­werk. Es ist für Theo­lo­gen, Theo­lo­gie­stu­den­ten und Inter­es­sier­te geeig­net. Gera­de in Ver­bin­dung mit der Theo­lo­gie der Kir­chen­vä­ter kann es einen fun­dier­ten Ein­stieg in die Patris­tik bie­ten. Die Kate­go­ri­sie­rung und Regis­ter ermög­li­chen es, auf ver­schie­de­nen Wegen pas­sen­de Tex­te zu fin­den. Die kur­zen Ein­lei­tun­gen hel­fen die Tex­te ein­zu­ord­nen, sind aller­dings auf recht hohem aka­de­mi­schem Niveau verfasst.

Übri­gens, das Hand­buch der Patris­tik ist ab Logos 8 Gold im Paket ent­hal­ten mit zahl­rei­chen ande­ren Res­sour­cen und Tools für das Bibelstudium.

Logos 8 Gold


Der Autor Jens Bin­fet ist Theo­lo­gie­stu­dent an der STH Basel. Er hat ein bren­nen­des Anlie­gen, Theo­lo­gie für die Kir­che und den ein­zel­nen Men­schen zugäng­lich zu machen. Er bloggt pri­vat unter https://​gott​.ist.

Jens Binfet

Über den Autor

Der Autor Jens Binfet ist Theologiestudent an der STH Basel. Er hat ein Anliegen, Theologie für die Kirche und den einzelnen Menschen zugänglich zu machen. Er bloggt privat unter https://gott.ist.

Kommentar hinterlassen

Your email address will not be published. Required fields are marked

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Logos 9 jetzt auf deutsch herunterladen

Kostenfrei - Bibelstudium wie nie zuvor!