An der Hand der Kirchenväter mit dem „Handbuch der Patristik“

Von Jens Binfet

Januar 7, 2019

In die­sem Arti­kel ver­fol­ge ich zwei Fragen:

  1. War­um soll­te ich mich über­haupt mit den Schrif­ten der Kir­chen­vä­ter befassen?
  2. Wie kann mir das Hand­buch der Patris­tik von Micha­el Fied­ro­wicz dabei nütz­lich sein?

Bei Adam und Eva anfangen

Fol­gen­de Situa­ti­on kommt Ihnen viel­leicht bekannt vor: Sie sind über eine theo­lo­gi­sche oder bibli­sche Fra­ge gestol­pert. Viel­leicht hat sie auch jemand in der Gemein­de gestellt. Und jetzt ver­su­chen Sie die­se Fra­ge zu klä­ren. Sie durch­for­schen die Bibel – viel­leicht mit­hil­fe von Logos. Sie lesen viel­leicht in einem theo­lo­gi­schen Stan­dard­werk oder einem Kom­men­tar. Man will ja nicht bei Adam und Eva anfan­gen und die­se Fra­ge ganz ohne Vor­wis­sen beant­wor­ten. Das ist sicher sinn­voll. Wir pro­fi­tie­ren von den tol­len Hilfs­mit­teln und Büchern, die uns zur Ver­fü­gung ste­hen. Unnö­ti­ge Arbeit und Feh­ler frustrieren.

Es ist aber häu­fig doch gut – im über­tra­ge­nen Sin­ne – bei Adam und Eva zu beginnen:

Näm­lich in der Kir­chen- und Theo­lo­gie­ge­schich­te. Als Chris­ten haben wir nicht nur ein paar Jahr­zehn­te For­schung, auf die wir zurück­bli­cken kön­nen. Wir haben 2000 Jah­re Geschich­te der Kir­che – mit all ihren Feh­lern und all ihren genia­len Den­kern. Es lohnt sich, die Gedan­ken derer ken­nen­zu­ler­nen, die uns im Glau­ben vor­an­ge­gan­gen sind. Und gera­de die soge­nann­ten Väter (hier meint man meist die Schrift­stel­ler und Theo­lo­gen der ers­ten 500 Jah­re der Kir­chen­ge­schich­te) loh­nen sich aus meh­re­ren Grün­den besonders:

  1. Sie sind beson­ders nah dran an der Zeit Jesu: Die Väter leb­ten noch in dem­sel­ben poli­ti­schen Reich, der­sel­ben Kul­tur und oft auch in der­sel­ben Gegend, in der Jesus und die Apos­tel gewirkt haben. Man­ches, was uns sehr fremd und fern erscheint, lag ihnen noch nahe.
  2. Sie rin­gen um wich­ti­ge Din­ge: Weil der christ­li­che Glau­be noch jung war, muss­te er sich erst gegen alle mög­li­chen Ver­ir­run­gen und Angrif­fe durch­set­zen. Die Väter muss­ten also die grund­le­gen­den Fra­gen des Glau­bens (z. B. Wer ist Gott? Wer ist Jesus? Wie ver­ste­hen wir die Schrift?) klä­ren. Gera­de im nach­christ­li­chen West­eu­ro­pa scheint es mir, dass genau die­se Grund­la­gen wie­der stark ange­grif­fen sind.
  3. Sie sind beson­ders weit weg von unse­rer Lebens­welt: Jede Zeit hat ihre Beson­der­hei­ten, durch die wir die Bibel und den Glau­ben wahr­neh­men. C.S. Lewis schreibt in einem Vor­wort zu einer Aus­ga­be von „De Incar­na­tio­ne“ des Kir­chen­va­ters Atha­na­si­us: „Jedes Zeit­al­ter hat sei­ne eige­ne Per­spek­ti­ve. Es ist beson­ders gut dar­in, bestimm­te Wahr­hei­ten zu sehen und neigt beson­ders zu bestimm­ten Feh­lern. Des­we­gen brau­chen wir Bücher, die die cha­rak­te­ris­ti­schen Feh­ler unse­rer Zeit kor­ri­gie­ren. Und das bedeu­tet vor allem alte Bücher.“ (C.S. Lewis, On the rea­ding of old books in: God in the Docks) Sicher begeg­nen wir in den Schrif­ten der Väter auch ihren blin­den Punk­ten. Aber sie wei­sen uns auch erfri­schend auf die unse­ren hin!

Wozu ein Quellenband der Kirchenväter?

Ein Quel­len­band ist eine sor­tier­te Samm­lung von Aus­zü­gen aus ver­schie­de­nen Wer­ken. Wel­che Vor­tei­le bie­tet das?

  1. Die Über­set­zung bie­tet einen Zugang zu Tex­ten in den alten Spra­chen, auch wenn Sie sie nicht beherr­schen. Das ist bei den Vätern meist Grie­chisch, Latein oder Syrisch.
  2. Die Sor­tie­rung kann hel­fen, schnell pas­sen­de Aus­zü­ge zu fin­den. Das erleich­tert dann auch den tie­fe­ren Ein­stieg – viel­leicht auch in das Original.
  3. Die Vor­auswahl ermög­licht es, mit den Vätern in Kon­takt zu kom­men, ohne sich durch die Mas­sen der Quel­len wüh­len zu müs­sen. Sie müs­sen auch kein Exper­te sein, um die inter­es­san­ten Stel­len zu fin­den und einzuordnen.

Man­che Quel­len­bän­de sor­tie­ren nach den Lehr­the­men der klas­si­schen Dog­ma­tik. Sie brin­gen also z. B. Quel­len zu den The­men: Gott, Schöp­fung, Erlö­sung, Hei­li­gung und Voll­endung. Fied­ro­wicz folgt einer etwas ande­ren Logik: Er folgt den gro­ßen The­men, die für die Zeit der Väter prä­gend ist. Damit nutzt er also ihre eige­ne Sys­te­ma­tik. Das ist ein nach­voll­zieh­ba­rer und loh­nens­wer­ter Ansatz. Aller­dings fin­det man so viel­leicht nicht auf Anhieb die pas­sen­de Rubrik, wenn man eine dog­ma­ti­sche Fra­ge ver­folgt. Ande­rer­seits lädt die­se Sor­tie­rung dazu ein, die Väter auf ihrem eige­nen Ter­ri­to­ri­um ken­nen­zu­ler­nen. Beglei­tend dazu hält Logos auch die „Theo­lo­gie der Kir­chen­vä­ter“ von Fied­ro­wicz bereit.

Wie kann ich mit dem Werk arbeiten?

Das Hand­buch der Patris­tik grup­piert sei­ne Quel­len nach neun The­men­fel­dern (A‑I), mit einer über­sicht­li­chen, fei­ne­ren Glie­de­rung unter jedem Punkt. Jede Ein­heit beginnt mit einem kur­zen kir­chen­his­to­ri­schen und inhalt­li­chen Über­blick über das The­ma sowie Lite­ra­tur­hin­wei­sen. Dar­auf fol­gen dann die fort­lau­fend num­me­rier­ten Quel­len mit Quel­len­an­ga­be und deut­scher Übersetzung.

Die Quel­len­an­ga­be beinhal­tet den Autor (z. B. Cle­mens von Rom) mit Titel (z. B. epis­tu­la ad Corin­thi­os) und Fund­stel­le. Dazu gibt es Hin­wei­se auf die Her­kunft der Übersetzung.

Handbuch der Patristik

Wie bei Logos gewohnt sind die Quel­len­an­ga­ben mit den ent­spre­chen­den Wer­ken ver­linkt, sodass man mit einem Klick in ande­re vor­han­de­ne Quel­len­edi­tio­nen oder Über­set­zun­gen sprin­gen kann. Beson­ders hilf­reich ist die Anga­be der Datie­rung zu jedem Text. So kann man sie auf den ers­ten Blick zeit­lich ein­ord­nen, ohne ein Patris­tik­ex­per­te zu sein. Die Über­set­zung folgt jeweils aner­kann­ten phi­lo­lo­gi­schen Edi­tio­nen und ist durch­weg gut verständlich.

Hilf­reich für die Arbeit mit dem Werk ist auch das Per­so­nen- und Begriffs­re­gis­ter am Ende (in Logos mit hilf­rei­chen Sprung­mar­ken ver­se­hen). Hier kann man schnell bspw. alle Stel­len von Augus­ti­nus oder alle Stel­len zum The­ma Inkar­na­ti­on finden.

Zum Autor

Pro­fes­sor Micha­el Fied­ro­wicz ist ein (katho­li­scher) Kir­chen­his­to­ri­ker an der Uni­ver­si­tät Trier. Er ist Spe­zia­list für Alte Kir­che (Patris­tik). Neben dem Hand­buch der Patris­tik hat er auch eine Theo­lo­gie der Kir­chen­vä­ter geschrie­ben, die auf Deutsch bereits die zwei­te Auf­la­ge erreicht hat und in meh­re­ren Spra­chen (Pol­nisch, Ita­lie­nisch) erschie­nen ist.

Fazit

Das Hand­buch der Patris­tik ist ein soli­des, umfang­rei­ches Nach­schla­ge­werk. Es ist für Theo­lo­gen, Theo­lo­gie­stu­den­ten und Inter­es­sier­te geeig­net. Gera­de in Ver­bin­dung mit der Theo­lo­gie der Kir­chen­vä­ter kann es einen fun­dier­ten Ein­stieg in die Patris­tik bie­ten. Die Kate­go­ri­sie­rung und Regis­ter ermög­li­chen es, auf ver­schie­de­nen Wegen pas­sen­de Tex­te zu fin­den. Die kur­zen Ein­lei­tun­gen hel­fen die Tex­te ein­zu­ord­nen, sind aller­dings auf recht hohem aka­de­mi­schem Niveau verfasst.

Übri­gens, das Hand­buch der Patris­tik ist ab Logos 9 Dia­mand im Paket ent­hal­ten, mit allen Logos-Funk­tio­nen sowie zahl­rei­chen ande­ren Res­sour­cen und Tools für das Bibelstudium.


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Jens Binfet

Über den Autor

Der Autor Jens Binfet ist Doktorand an der Universität Wien. Er hat ein Anliegen, Theologie für die Kirche und den einzelnen Menschen zugänglich zu machen.

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