Welcher Kommentar darf’s denn sein? #1 Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Von Johannes Traichel

November 6, 2017

Welcher Bibelkommentar ist der „Beste“?

Es gibt Kom­men­ta­re wie Sand am Meer. Aber wel­chen oder wel­che lohnt es sich, in der Logos-Biblio­thek zu haben?

Jeder Kom­men­tar hat sei­ne eige­ne Aus­rich­tung und Ziel­set­zung. Die einen sind mehr für die homi­le­ti­sche Pra­xis kon­zi­piert, ande­re sind hin­ge­gen mehr „tech­nisch“ und betrei­ben aus­schließ­lich eine wis­sen­schaft­li­che Exegese.

In die­ser Bei­trags­rei­he wer­den ver­schie­de­ne Bibel­kom­men­ta­re, ihre Ziel­rich­tung und ihre Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten vorgestellt.

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament (kurz: HThKNT).

Es ist eine der Kom­men­tar­rei­hen, auf die ich sowohl im Stu­di­um ger­ne zurück­ge­grif­fen habe, als auch in mei­nem Gemein­de­dienst. Ich möch­te Ihnen den Kom­men­tar in drei Schrit­ten vor­stel­len. Zuerst ord­nen wir ihm sei­nen Platz im gro­ßen Uni­ver­sum der Bibel­kom­men­ta­re zu, im zwei­ten schau­en wir uns den Auf­bau der ein­zel­nen Kom­men­ta­re an und im drit­ten Teil stel­le ich Ihnen vor, wie Sie die­sen Kom­men­tar für Ihre Arbeit ein­set­zen können.

Der erste Eindruck

Der HTh­KNT ist eine wis­sen­schaft­li­che Kom­men­tar­rei­he, wel­che von katho­li­schen Exege­ten ver­fasst wur­de. Aller­dings gilt die­ser Kom­men­tar auch bei evan­ge­li­schen Theo­lo­gen als Stan­dard­werk. Der Grund für die über­kon­fes­sio­nel­le Wert­schät­zung liegt in der hohen Qua­li­tät die­ses exege­ti­schen Kommentars.

Einleitung und Exegese

Zuerst wer­den in der Regel die Ein­lei­tungs­fra­gen aus­führ­lich dis­ku­tiert. So hat der vier­bän­di­ge Johan­nes-Kom­men­tar von Rudolf Schna­cken­burg bereits eine ca. 200 Sei­ten lan­ge Ein­füh­rung, in der neben den Ver­fas­ser­fra­gen auch die Wir­kungs­ge­schich­te, sei­ne Bezie­hung zu den Syn­op­ti­kern und vie­le wei­te­re Fra­gen behan­delt werden.

In den Ein­zel­tex­ten betreibt Her­ders Theo­lo­gi­scher Kom­men­tar zum Neu­en Tes­ta­ment eine sehr gründ­li­che Exege­se auf einem guten wis­sen­schaft­li­chen Niveau, gleich­zei­tig stellt er das Ergeb­nis der Exege­se zumeist nach­voll­zieh­bar dar.

Das heißt, der Ver­fas­ser ana­ly­siert zuerst den Bibel­text. Hier geht er lite­ra­ri­schen Fra­gen gründ­lich nach, z. B., wie der Text im Kon­text des Buches ein­ge­bun­den ist, wel­che sprach­li­chen Beson­der­hei­ten vor­han­den sind, oder er macht lite­r­ar­kri­ti­sche Vorbemerkungen.

Interpretation

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament zum Johannesevangelium
Der Vier­bän­der zum Johan­nes­evan­ge­li­um von Rudolf Schna­cken­burg ist ein Klassiker

Danach folgt die Inter­pre­ta­ti­on, also die Aus­le­gung des Tex­tes. Hier wer­den exege­ti­sche Fra­gen auf­ge­grif­fen und inter­pre­tiert. Wich­ti­ge Über­set­zungs­fra­gen von grie­chi­schen Begrif­fen wer­den behan­delt, aber auch biblisch-theo­lo­gi­sche Lini­en gezogen.

An eini­gen Aus­füh­run­gen wird dabei gele­gent­lich auch deut­lich, dass die Rei­he aus einer katho­li­schen Feder stammt, wie z. B. in der Pas­sa­ge über die Wie­der­ge­burt in Johan­nes 3,5, in wel­cher das Was­ser mit der Tau­fe gleich­ge­setzt wird.

Und den­noch bie­tet auch die­se Kom­men­tie­rung span­nen­de Infor­ma­tio­nen, z. B. zum Rei­ni­gungs­ver­ständ­nis im Juden­tum, die etwa auch für frei­kirch­li­che Aus­le­ger mit einem ande­ren Wie­der­ge­burts­ver­ständ­nis span­nend sein können.

Übertragung

Im letz­ten Teil der Exege­se wird zumeist in ver­schie­de­nen Schrit­ten die Brü­cke in die heu­ti­ge Lebens­wirk­lich­keit ver­sucht. Hier bringt der Kom­men­ta­tor eine Zusam­men­fas­sung der Ziel­rich­tung des Bibel­tex­tes, danach beur­teilt der Kom­men­ta­tor die­se his­to­risch und erör­tert die Fra­ge nach dem his­to­ri­schen Gehalt der Ereig­nis­se. Anschlie­ßend wird der Bogen in die heu­ti­ge Theo­lo­gie und Wirk­lich­keit geschlagen.

Dazu sind vie­le ein­zel­ne Exkur­se vor­han­den. Im Johan­nes­evan­ge­li­um gibt es z. B. Exkur­se zum Prä­exis­tenz-Gedan­ken, im Römer­brief über das Ver­ständ­nis der Sün­de bei Pau­lus und vie­le mehr. Die Rei­he ist somit ganz klar von „exege­ti­scher“ Ausrichtung.

Methodik und Nutzen

Von der Metho­dik her arbei­tet Her­ders Theo­lo­gi­scher Kom­men­tar zum Neu­en Tes­ta­ment durch­ge­hend his­to­risch-kri­tisch. Er bedient sich Metho­den wie u. a. der Lite­r­ar­kri­tik, er fragt nach der his­to­ri­schen Plau­si­bi­li­tät der beschrie­be­nen Ereig­nis­se. Aus der Sicht sei­ner Ver­fas­ser müs­sen nicht alle bibli­schen Ereig­nis­se zwin­gend his­to­risch statt­ge­fun­den haben. Zudem wer­den die ange­ge­be­nen Ver­fas­ser nicht immer als zwin­gend rich­tig angenommen.

Für theo­lo­gisch Kon­ser­va­ti­ve, zu denen auch ich mich zäh­le, kann sich hier die Fra­ge stel­len, wel­chen Wert die Arbeit mit einem his­to­risch-kri­ti­schen Kom­men­tar hat. Ich möch­te Ihnen die Grün­de nen­nen, war­um ich trotz allem ger­ne dar­auf zurückgreife.

Zuerst ist mei­ne Über­zeu­gung, dass ich in Fra­gen der Bibel­aus­le­gung von vie­len Sei­ten ler­nen kann. Im Neu­en Tes­ta­ment grei­fe ich auch ger­ne auf wis­sen­schaft­li­che Kom­men­ta­re aus kon­ser­va­ti­ver Feder wie die His­to­risch-Theo­lo­gi­sche Aus­le­gung zurück (im Alten Tes­ta­ment sieht es im deutsch­spra­chi­gen Bereich hier lei­der etwas karg aus), oder auch eng­lisch­spra­chi­ge Kommentare.

Gleich­zei­tig bin ich der Ansicht, dass ich auch in libe­ra­le­ren Kom­men­ta­ren aus den Ein­zel­schrit­ten der Exege­se, wie z. B. der Unter­su­chung von Begrif­fen, lite­ra­ri­scher Zusam­men­hän­ge, der Wir­kungs­ge­schich­te und vie­ler wei­te­rer Ele­men­te ler­nen kann, ohne dadurch deren gesam­te Aus­le­gung zu über­neh­men. Wenn ein Kom­men­ta­tor z. B. Wun­der­erzäh­lun­gen als nicht zwin­gend his­to­risch sieht, hat er eine Vor­ent­schei­dung getrof­fen, die ich nicht tei­le. Des­sen bin ich mir bereits bei der Lek­tü­re des Kom­men­tars bewusst. So kann ich alles prü­fen und das Gute behalten.

Trotz regel­mä­ßig vor­kom­men­der grie­chi­scher Begrif­fe ist die Arbeit mit der Rei­he auch ohne Grie­chisch­kennt­nis­se gut mög­lich. Füh­ren­de Exege­ten haben an die­ser Rei­he mit­ge­schrie­ben. Zu den Autoren gehö­ren u. a. Joa­chim Gnil­ka, Rudolf Pesch und Rudolf Schna­cken­burg. Somit ord­nen wir den HThK als ein wis­sen­schaft­lich hoch­wer­ti­gen, his­to­risch-kri­ti­schen, exege­ti­schen Bibel­kom­men­tar ein.

Die Verwendungsmöglichkeiten

Her­ders Theo­lo­gi­scher Kom­men­tar zum Neu­en Tes­ta­ment ist, wie bereits erwähnt, ein exege­ti­scher Bibel­kom­men­tar. Beson­ders hilf­reich ist er daher, wenn Sie ihn für exege­ti­sche Arbei­ten ein­set­zen. So kön­nen Sie sei­ne exege­ti­schen Ansät­ze sowohl für Ihre Pre­digt-Exege­se, als auch für aka­de­mi­sche Arbei­ten ein­set­zen. Das gilt auch dann, wenn Sie (wie ich) ein kon­ser­va­ti­ves Schrift­ver­ständ­nis haben, da die ein­zel­nen exege­ti­schen Schrit­te vie­le wert­vol­le Infor­ma­tio­nen enthalten.

Der Umfang des HthKNT

Der HTh­KNT deckt fast alle Bücher des Neu­en Tes­ta­ments ab. Da die Rei­he lei­der nie voll­endet wur­de, feh­len ledig­lich der zwei­te Band zum Lukas­evan­ge­li­um ab Kapi­tel 12; die Korin­ther­brie­fe, die Thes­sa­lo­ni­cher­brie­fe und die Offen­ba­rung des Johannes.

HthKNT (24 Bde.)
Hth­KNT (24 Bde.)

HThKNT bei Logos bestellen

Her­ders Theo­lo­gi­scher Kom­men­tar zum Neu­en Tes­ta­ment lässt sich gesamt oder in ver­schie­den Pake­ten bei Logos bestel­len – und das Bes­te: Der Preis ist deut­lich gerin­ger als bei der ursprüng­li­chen Print-Auf­la­ge des Her­der-Ver­lags. Die Ein­bin­dung mit all den Logos-Funk­tio­nen kommt als Bonus hinzu.

  • Das Gesamt­pa­ket fin­den Sie hier.
  • Die Evan­ge­li­en kön­nen Sie ein­zeln oder hier als Paket erwerben.
  • Wenn Sie nur die Pau­lus­brie­fe wün­schen, emp­feh­le ich Ihnen die­ses Paket.
  • Wei­te­re Paket­mög­lich­kei­ten fin­den sie hier.

Hier fin­den Sie eine Über­sicht zu deut­schen Kom­men­ta­ren.


Keine Logos-News mehr verpassen!

Johannes Traichel

Über den Autor

Johannes Traichel ist Pastor der FeG in Donaueschingen.
Der Theologe verfasste die Bücher "Die christliche Taufe" (2020) und "Evangelikale und Homosexualität" (2022). Hinzu kommen Aufsätze in Themenbänden, die sich mit der Systematischen Theologie beschäftigen.
Dazu ist Traichel ein begeisterter und leidenschaftlicher Kaffeetrinker.

Kommentar hinterlassen

Your email address will not be published. Required fields are marked

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Logos Basic jetzt auf deutsch herunterladen

Kostenfrei - Bibelstudium wie nie zuvor!