Fehlerlos? Die Frage der Irrtumslosigkeit der Bibel ist ein heiß diskutiertes und relevantes Thema. Lesen Sie in 13 Min., worum es in der Diskussion geht, was die wichtigsten Argumente sind und warum das Thema für die Hermeneutik eine entscheidende Rolle spielt.
Inhalt
- Was ist Hermeneutik überhaupt? Und was ist der Unterschied zur Exegese?
- Warum eine Reihe zum Thema Hermeneutik?
- Die Hermeneutik und die Frage nach der Irrtumslosigkeit der Bibel
- Die Chicago-Erklärung
- Die Bibel beschützen
- Kritik an der Chicago-Erklärung
- Buchempfehlung
- Warum ist diese Diskussion wichtig für die Hermeneutik?
- Fazit
- Bibliografie zur Hermeneutik und zur Irrtumslosigkeit der Bibel
Was ist Hermeneutik überhaupt? Und was ist der Unterschied zur Exegese?
Dieser Artikel ist der erste einer Reihe zum Thema Hermeneutik. Aber was ist Hermeneutik überhaupt? Worin besteht der Unterschied zwischen Hermeneutik und Exegese? Das Wort Hermeneutik kommt vom griechischen Wort hermēneuō (ἑρμηνεύω) und bedeutet „auslegen“. Ziel ist es, Prinzipien und Leitlinien zu definieren, die sinnvoll und hilfreich für die Auslegung der Bibel sind. Es geht also um die große Frage „Was müssen wir beachten, um die Bibel richtig auslegen zu können?“
Die Exegese hingegen ist der Prozess der konkreten Auslegung eines biblischen Textes. Die Hermeneutik erforscht sozusagen die übergeordneten Prinzipien und die geeigneten Werkzeuge und dient damit als Grundlage für eine fundierte Exegese. Wayne Grudem (2013:119) fasst dies wie folgt zusammen:
Wenn jemand die Prinzipien der Bibelauslegung studiert, so ist dies folglich „Hermeneutik“; wenn aber jemand jene Prinzipien anwendet und tatsächlich beginnt, einen biblischen Text auszulegen, dann betreibt er oder sie „Exegese“.
Warum eine Reihe zum Thema Hermeneutik?
Zweifellos spielt die Bibel eine zentrale Rolle für den christlichen Glauben. Allerdings gibt es eine große zeitliche, sprachliche und kulturelle Kluft zwischen den biblischen Texten und unserer modernen Welt. Die biblischen Autoren sahen die Welt durch andere Augen und schrieben ihre Texte in Sprachen, über deren genaue Bedeutung sich die Theologen bei manchen Wörtern bis heute streiten.
Logos Bibelsoftware existiert, um der Gemeinde Jesu zu helfen, im Licht der Bibel zu wachsen. Logos nimmt die Bibel ernst und bietet deshalb Werkzeuge und Ressourcen an, um den Leib Christi auszurüsten, diese Kluft besser zu überbrücken und Christen zu helfen, die Bibel besser zu verstehen und lehren zu können.
Zweifellos spielen die zugrunde liegenden hermeneutischen Prinzipien eine zentrale Rolle bei der korrekten Auslegung der Bibel. Oft werden aber die hermeneutischen Prinzipien der eigenen Gemeinde einfach unreflektiert übernommen. Hier lohnt sich jedoch ein Blick über den eigenen Tellerrand, denn wir alle erkennen nur bruchstückhaft und brauchen einander, um voneinander lernen zu können.
Diese Hermeneutik-Reihe will zum Nachdenken anregen, verschiedene theologische Perspektiven beleuchten und wichtige hermeneutische Prinzipien benennen und erläutern. Mein Ziel ist es, Anregungen zu geben, die Ihnen helfen, Ihre Hermeneutik zu erweitern und tiefer zu durchdenken, um Ihr Bibelstudium zu vertiefen und zu bereichern.
Die Hermeneutik und die Frage nach der Irrtumslosigkeit der Bibel
Im 20. Jahrhundert gab es eine Reihe von Ereignissen, die die Glaubwürdigkeit der Bibel in Frage stellten. Archäologische Entdeckungen zogen die Historizität mancher biblischen Geschichten in Zweifel. Die Verbreitung der Evolutionslehre und geologische Funde, die auf eine sehr alte Erde hindeuteten, widersprachen einer wörtlichen Auslegung der Schöpfungsgeschichte.
Funde antiker, religiöser Texte, die den biblischen Geschichten verblüffend ähnlich waren, ließen manche Christen an der göttlichen Inspiration des Alten Testaments zweifeln. Einige deutsche Theologen vermuteten, dass der Pentateuch nicht von Mose allein, sondern von mehreren Autoren verfasst worden sei. Die wachsende atheistische Bewegung machte zunehmend auf Widersprüche in der Bibel und auf unmoralische Gottesbilder aufmerksam.
Manche Christen betrachteten die Häufung dieser Ereignisse als eine Art Angriff auf die Inspiration und Autorität der Bibel. Deshalb schlossen sich 1977 Theologen verschiedener Konfessionen zum „International Council on Biblical Inerrancy“ (kurz: ICBI; deutsch: Internationaler Rat für biblische Irrtumslosigkeit) zusammen. Dieser Rat wollte allen Auffassungen entgegentreten, die die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift in Frage stellten. Im Jahr 1978 verabschiedete er die „Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel“.
Die Chicago-Erklärung
Die Logik der Chicago-Erklärung ist, dass „Gott, der selbst die Wahrheit ist und nur die Wahrheit spricht“ (ICBI 2008:7), die Bibel inspiriert hat und deshalb jedes Wort der Bibel 100% wahr ist.
„Da die Schrift vollständig und wörtlich von Gott gegeben wurde, ist sie in allem, was sie lehrt, ohne Irrtum oder Fehler.“ (:7)
Dieser Wahrheitsanspruch schließt ein, dass alles, was in der Bibel berichtet wird, historisch korrekt ist und z. B. auch naturwissenschaftliche Angaben wahr sind. Die Bibel wird als ein Buch verstanden, das einheitlich eine Wahrheit verkündet und keinerlei Widersprüche enthält (Artikel XIV der CE).
Damit geht oft der Gedanke einher, dass, wenn die Bibel in einem einzigen Punkt irrt, sie nicht völlig irrtumslos und unfehlbar ist und damit möglicherweise auch in Fragen des Heils irren könnte. Deshalb wird betont, dass die Irrtumslosigkeit der Bibel eine fundamental notwendige Lehre ist, deren Ablehnung zu „schwerwiegende Konsequenzen für den Einzelnen und die Kirche“ (XIX) führen wird.
Bekannte Theologen, die an der Chicago-Erklärung mitgearbeitet haben, sind z. B. John MacArthur, Josh McDowell, John W. Montgomery, James I. Packer und R. C. Sproul.
Die Bibel beschützen
Es gibt viel Positives über das Anliegen der Theologen zu sagen, die hinter der Chicago-Erklärung stehen. Ihr Aufruf, die göttliche Inspiration der Bibel zu verteidigen, zeugt von einer tiefen Wertschätzung und Liebe zur Bibel. Ihr Ziel war es, die Bibel vor zersetzender Bibelkritik und allen möglichen Angriffen von außen zu schützen. Sie wollten jedem Christen ermöglichen, ein festes Vertrauen in die Bibel haben zu können, ohne an ihrer Glaubwürdigkeit zu zweifeln oder studieren zu müssen, um sie verstehen zu können.
Kompromisse können gefährlich werden und so wollten sie Christen davor bewahren, auf die schiefe Bahn zu geraten, wo ein Kompromiss zum anderen führt und am Ende die ganze Bibel, oder gar der ganze christliche Glaube, abgelehnt wird.
Die häufig zitierten Bibelstellen, auf denen die Idee der Irrtumslosigkeit der Bibel beruht, sind:
Matthäus 5,17–20; 1 Thessalonicher 2,13; 2 Timotheus 3,16; Hebräer 6,18 und 2 Petrus 1,21.
Das RGG versteht die Lehre der Irrtumslosigkeit der Bibel als Fundamentalismus. In solch einem Bibel-Fundamentalismus wird die
wörtlich-buchstäbliche irrtumslose Unfehlbarkeit der Bibel als das »Fundament« des christl. Glaubens propagiert. (RGG 2000:Vol. 3:421)
Kritik an der Chicago-Erklärung
Die Sichtweise der Chicago-Erklärung, dass die Bibel völlig irrtumslos und unfehlbar sein muss, um wirklich Gottes inspiriertes Wort sein zu können, ist unter evangelikalen Christen weit verbreitet, aber in Wirklichkeit nur eine von vielen Sichtweisen in der christlichen Welt. Viele Theologen betrachten die Chicago-Erklärung als eine Ansammlung moderner Ideen, die der Bibel aufgezwungen werden, aber ihrem wahren Wesen nicht gerecht werden.
Diese Diskrepanz, zwischen den Behauptungen der Chicago-Erklärung und der Bibel selbst, ist gefährlich. Warum gefährlich? Viele Prediger betonen, dass die Bibel hundertprozentig fehlerlos sein muss, um wirklich Gottes Wort sein zu können. Wenn Christen dann aber Widersprüche und Fehler in der Bibel entdecken, führt das oft zu einem Vertrauensverlust in die Bibel, in den Prediger und eventuell sogar zu einer Abkehr vom Glauben. Damit bewirkt die Theologie der Chicago-Erklärung in vielen Fällen genau das, was sie eigentlich bekämpfen will.
Hier sind ein paar der Argumente der Kritiker der Chicago-Erklärung:
Argument 1: Die Chicago-Erklärung wird dem Wesen der Bibel nicht gerecht
Der Hauptkritikpunkt ist in der Regel, dass die Form der uns vorliegenden Bibel dem Anspruch des Bibelfundamentalismus einfach nicht gerecht wird. Kritiker sehen die Irrtumslosigkeit der Bibel als eine moderne Idee, die der Bibel übergestülpt wird, obwohl sie diesem Anspruch an vielen Stellen ganz offensichtlich nicht gerecht wird. Damit wird die Gestalt der Bibel nicht ernst genommen, sondern es wird versucht, die Bibel zu etwas zu machen, was sie nicht ist.
Kritiker des Bibelfundamentalismus weisen auf eine Vielzahl von biblischen Aussagen hin, die nicht wahr sind. Hier einige Beispiele:
In Matthäus 13,32 behauptet Jesus, das Senfkorn sei das kleinste aller Samenkörner. Das war das allgemeine Verständnis der Menschen in Israel zur Zeit Jesu. Tatsache ist aber, dass es viele andere Samenkörner gibt, die kleiner sind als das Senfkorn (ca. 1 mm lang), z. B. die Samen der Juwelenorchidee (ca. 0,05 mm lang). Die Aussage Jesu ist also sachlich falsch.
Abjatar (Mk 2,26) war nicht der Hohepriester, als David die Schaubrote im Tempel aß, sondern Ahimelech (1 Sam 21,1). Matthäus schreibt einen Vers fälschlicherweise Jeremia zu, obwohl er ursprünglich aus Sacharja stammt (Mt 27,9–10; vgl. Sach 11,12–13).
Widersprüche in der Bibel
Darüber hinaus wird häufig auf eine Vielzahl von Widersprüchen verwiesen, z. B.:
Bestraft Gott die Nachkommen für die Sünden der Vorfahren oder nicht?
Ja: Ex 20,5 und Jer 16,11
Nein: Deut 24,16 und Jer 31,30 und Hes 18,4.
Wer hat David zur Sünde angestiftet?
Gott: 2 Sam 24,1
Satan: 1 Chr 21,1
Wer war der Vater von Joseph?
Jakob: Mt 1,16
Heli: Lk 3,23–24
Wohin ging Paulus nach seiner Bekehrung?
Nach Arabien, NICHT nach Jerusalem: Gal 1,15–17
Damaskus und Jerusalem: Apg 9,18–25
Es gibt so viele solcher „Problemstellen“ in der Bibel, dass es sogar eine „New International Encyclopedia of Bible Difficulties“ (Neue Internationale Enzyklopädie für biblische Probleme) gibt, die versucht solche schwierigen Stellen zu erklären. Schon die Existenz eines solchen Buches zeigt bereits, dass die uns vorliegende Bibel schwerlich in die Form eines irrtumslosen, in allen Aussagen wahren Buches zu pressen ist.
Dabei zu beachten ist, dass diese problematischen Stellen für die Botschaft und Autorität der Bibel grundsätzlich kein Problem darstellen, da sie zumeist nebensächlich und unbedeutend sind. Problematisch werden sie aber dann, wenn man den Anspruch erhebt, dass jede Aussage in der Bibel zu 100 % wahr sein muss. Dann werden solche Stellen schnell zum Stein des Anstoßes und zum Mittelpunkt hitziger Diskussionen.
Darüber hinaus weisen die uns heute vorliegenden Urtexte gelegentlich orthografische oder grammatikalische Fehler auf. Wie lassen sich diese mit der Vorstellung der Irrtumslosigkeit der Schrift vereinbaren? In der Tat scheint die Gestalt der uns überlieferten Bibel oft schwer vereinbar mit dem Anspruch, ein fehlerfreier und irrtumsloser Text zu sein.
Argument 2: Unterschiedliche Manuskripte
Die Irrtumslosigkeit der Bibel bezieht sich auf welche Bibelübersetzungen? Oder sind alle Übersetzungen fehlerfrei? Oder gilt sie nur für die Urtexte? Auch das ist problematisch. Denn es gibt nicht den einen perfekten Urtext der biblischen Texte. Vielmehr gibt es sehr viele verschiedene Abschriften des Urtextes, aus denen dann der moderne Bibelkanon rekonstruiert wurde.
Es ist ein wahres Wunder, dass die meisten dieser vielen Abschriften eine erstaunliche Übereinstimmung zeigen. Aber es gibt auch einige Texte, bei denen die verschiedenen Abschriften nicht miteinander vereinbar sind. Einige Bibelverse sind in den ältesten Abschriften nicht enthalten, sondern wurden wahrscheinlich erst später hinzugefügt. Es ist also nicht so einfach, genau zu bestimmen, welche Texte fehlerfrei sind und welche nicht.
Argument 3: Das Inspirations-Verständnis der Chicago-Erklärung ist nicht berechtigt
Die Logik des Bibelfundamentalismus lautet:
- Gott ist heilig und kann deshalb nicht lügen (Titus 1,2).
- Die Heilige Schrift ist von Gott eingegeben (eingehaucht) (2 Tim 3,16).
- Was Gott haucht, ist wie Gott, vollkommen und fehlerlos.
- Die Bibel ist irrtumslos und unfehlbar.
Die Argumentation ist logisch einwandfrei. Die Frage ist: Sind alle Thesen haltbar? Die Thesen a und b sind in der Christenheit nahezu universal anerkannt. These c ist der Knackpunkt. Viele Christen sehen kein Problem darin zu glauben, dass die Bibel zu 100 % von Gott inspiriert ist. Dies muss aber nicht notwendigerweise bedeuten, dass sie auch fehlerfrei ist. Die entscheidende Frage ist das Verständnis dessen, was Inspiration genau bedeutet. Die Diskussion dreht sich meist um das Wort „theopneustos“ aus 2 Tim 3,16.
Alle Schrift ist gottgehaucht [theopneustos] und nützlich zum … (2 Tim 3,16 Die Bibel in deutscher Fassung)
Das Wort kommt nur an dieser Stelle in der Bibel vor und ist daher schwer auszulegen. Ein gründliches Bibelstudium ist notwendig, um herauszufinden, was Gott in der Bibel alles anhaucht und was genau das Ergebnis des Anhauchens durch Gott ist. Ein alternatives Verständnis wäre z. B. dass Gottes Hauchen nicht zur Vollkommenheit führt, sondern dazu, dass etwas Totes lebendig wird.
Buchempfehlung
Es ließen sich noch viele weitere Argumente anführen, doch das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. In dem Buch “Five Views on Biblical Inerrancy (Counterpoints)” stellen die Autoren fünf verschiedene Ansichten zum Thema Irrtumslosigkeit der Schrift vor und bringen sie miteinander ins Gespräch. Die Übersetzungsfunktion in Logos ermöglicht es, dass dieses Buch auch Menschen zugänglich ist, deren Englisch ein wenig eingestaubt ist.
Warum ist diese Diskussion wichtig für die Hermeneutik?
Was wir über das Wesen der Schrift glauben, wird die Art und Weise, wie wir an einen biblischen Text herangehen und ihn lesen, massiv beeinflussen. Wenn wir uns der Bibel mit vorgefertigten Vorstellungen darüber nähern, wie diese Texte zu sein haben, können wir sie nicht mit offenem Herzen betrachten. Wir werden dem Text (unbewusst) unsere Vorstellungen aufzwingen und dabei biblische Wahrheiten übersehen, die unserem Paradigma fremd sind.
Ein Beispiel: Ist der Schöpfungsbericht historisch oder nicht?
Für die Vertreter des Bibelfundamentalismus ist es wichtig, dass die biblischen Texte historische Berichte sind. Sie lesen biblische Geschichten konsequent als historische Tatsachenberichte. Zweifellos verstehen sich viele biblische Texte, vor allem im Neuen Testament, als historische Texte (z. B. die Evangelien, die Apostelgeschichte). Der Streit entzündet sich oft vor allem an den Geschichten in den Büchern Genesis und Josua.
Ging es den Autoren der Schöpfungsgeschichte darum, einen Bericht zu schreiben, wie die Welt tatsächlich erschaffen wurde? Oder haben sie, wie alle Völker damals, das Format einer Geschichte genutzt, um tiefe Wahrheiten darüber zu vermitteln, wozu und von wem wir geschaffen sind? Hatten sie wirklich den Anspruch, einen Tatsachenbericht zu schreiben oder war ihnen dieser Gedanke fremd? Wie gehen wir mit der Tatsache um, dass viele andere Mythen aus dieser Zeit fast identische Elemente enthalten?
Der Vergleich hinkt sicher an vielen Stellen, aber vielleicht kann man eine Parallele zu dem Entschluss ziehen, die Narnia-Bücher als historische Texte zu lesen. Tut man dies, kann es dazu führen, dass viele unnötige Fragen aufgeworfen werden („Warum können die Tiere reden?“), umständliche Erklärungen gebastelt werden müssen und dabei die tieferen geistlichen Wahrheiten übersehen werden.
Man kann jedoch auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen und alle biblischen Wundergeschichten für Fiktion halten. Auch das kann großen Schaden anrichten.
Wenn wir die Bibel ernst nehmen wollen, müssen wir zuerst prüfen, ob unsere Annahmen (z. B. „Dies ist ein historischer Bericht“) angemessen sind. Dazu müssen wir über die oben skizzierten Fragen nachdenken, denn die Antworten auf diese Fragen tragen wesentlich dazu bei, wie wir die biblischen Texte interpretieren.
Fazit
Jeder Christ sollte sorgfältig und mit offenem Herzen die Argumente für und gegen die Irrtumslosigkeit der Bibel prüfen und versuchen, eine gut informierte Entscheidung in dieser Frage zu treffen. Diese Entscheidung sollte der vorliegenden Form der biblischen Texte gerecht werden und mit der Wahrheit und den Fakten vereinbar sein. Wenn wir ernsthaft nach der Wahrheit suchen, brauchen wir das, was wir finden, nicht zu fürchten, denn Gott ist die Wahrheit – und wer die Wahrheit sucht, wird sie – bzw. letztlich ihn – finden.
Bibliografie zur Hermeneutik und zur Irrtumslosigkeit der Bibel
Grudem, W. (2013). Biblische Dogmatik: Eine Einführung in die Systematische Theologie. Translated by V. Jordan. Bonn; Hamburg: VKW; arche-medien (Theologisches Lehr- und Studienmaterial des Martin Bucer Seminars), p. 119.
Internationalen Rat für biblische Irrtumslosigkeit (ICBI). (2008). Die Irrtumslosigkeit der Bibel: Erste Chicago-Erklärung von 1978. Bibelbund-Verlag
RGG. (2000). Küenzlen, G., Küenzlen, G., et al. “Fundamentalismus,” Religion in Geschichte und Gegenwart. 4., vollständig neubearbeitete Auflage. Edited by H.D. Betz et al. Tübingen: Mohr Siebeck.
Die Bibel hat klare Fehler und Widersprüche.
Sie ist also nicht das Wort Gottes.
Und damit ist die christliche Religion nicht mehr haltbar.
Hallo Manfred.
Danke für deinen Kommentar! Ich denke, viele Menschen heutzutage stimmen dir zu, mit dem, was du sagst. Aber ich schlage vor, dass es sich bei der Logik um ein Missverständnis handelt.
Die Bibel selbst bezeichnet Jesus als das Wort Gottes (Joh 1,1), nicht sich selbst – sie ist also in erster Linie ein Zeugnis über ihn. Die Rolle der Bibel ist Jesus zu bezeugen. Das bedeutet, dass die Bibel nicht das Zentrum des christlichen Glaubens ist, sondern Jesus selbst.
Viele scheinbare Fehler und Widersprüche in der Bibel lassen sich erklären, wenn man die historischen, kulturellen und sprachlichen Hintergründe berücksichtigt. Oft hilft es, den Kontext genau anzusehen, um schwierige Stellen besser verstehen zu können. Aber selbst wenn es einige Stellen gibt, die sich nicht vollständig auflösen lassen oder offensichtlich falsch erscheinen, ist das kein Problem. Die Bibel muss nicht perfekt oder fehlerfrei sein, um ihren Zweck zu erfüllen: nämlich auf Jesus hinzuweisen.
Der christliche Glaube steht und fällt nicht mit der Fehlerlosigkeit der Bibel, sondern mit Jesus selbst – seinem Leben, seiner Lehre und seiner Auferstehung. Und rein historisch betrachtet sind die Evangelien im Vergleich zu anderen antiken Quellen äußerst zuverlässig. Deshalb bleibt der christliche Glaube auch dann haltbar, wenn man anerkennt, dass die Bibel menschliche Elemente enthält.
So verstehe ich es jedenfalls. Ich hoffe das ist hilfreich.
Liebe Grüße
Manuel
Die Bibel hat Fehler . Sie ist also nicht das Wort Gottes.
Und damit ist die christliche Religion nicht mehr haltbar.
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