Jahreslosung 2022: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“

Von Simon Birr

Jahreslosung

Alle Jah­re wie­der trifft sich die öku­me­ni­sche Arbeits­ge­mein­schaft für Bibel­le­sen (ÖAB) und legt die Jah­res­lo­sung fest. Sie ist nicht nur in den ers­ten Wochen des Janu­ars Grund­la­ge vie­ler Andach­ten und Pre­dig­ten. Sorg­sam und mit Fein­ge­fühl wer­den unter­schied­li­che Vor­schlä­ge dis­ku­tiert, bevor das Ergeb­nis ver­öf­fent­licht wird.

Die Jah­res­lo­sung 2022 trifft uns mit­ten im Leben. Abwei­sung gibt es immer wie­der. Hoch­ak­tu­ell erle­ben wir, dass man für vie­le Akti­vi­tä­ten, sogar die meis­ten Got­tes­diens­te im Land, eine Zugangs­be­rech­ti­gung braucht. Ableh­nung und sogar Abgren­zung ande­rer Mei­nun­gen und Lebens­ein­stel­lun­gen sind mitt­ler­wei­le lei­der Teil unse­rer gesell­schaft­li­chen Realität.

Jesus Chris­tus spricht: „Wer zu mir kommt, den wer­de ich nicht abwei­sen.“ Kla­re, ein­fa­che und ver­ständ­li­che Wor­te. Eigent­lich braucht man da über­haupt nichts hin­zu­fü­gen. Die­ses Ver­spre­chen Jesu gilt. Bei ihm gibt es kei­ne Ableh­nung, kei­ne Aus­gren­zung oder Zugangs­be­schrän­kung. Sei­ne Tür steht offen.

Total simpel und doch unendlich tief

Jedes Jahr aufs Neue stau­ne ich über die Klar­heit und Ein­fach­heit der Jah­res­lo­sun­gen. Gleich­zei­tig stau­ne ich aber auch über eine Tie­fe, die uns viel lang­fris­ti­ger, als durch eine ein­zel­ne Andacht oder Pre­digt beglei­ten kann.

Es ist sicher kein Zufall, dass die Ein­heits­über­set­zung für die­se Jah­res­lo­sung gewählt wur­de. Trotz­dem lohnt sich der Ver­gleich, um die Wor­te Jesu zu ergrün­den. Wäh­rend die moder­nen Über­set­zun­gen den Fokus auf der Abwei­sung haben, sind die Wort­ge­treu­en prä­zi­ser. Sowohl Luther, als auch Schlach­ter und Elber­fel­der schrei­ben wort­gleich „den wer­de ich nicht hinausstoßen.“

Ein Blick in den Urtext bringt die­se Prä­zi­si­on ans Licht. Wenn man sich die grie­chi­schen Voka­beln ansieht, stößt man auf mehr, als nur Annah­me und Akzep­tanz. Das grie­chi­sche Wort ekbal­lõ meint „hin­aus­wer­fen“ oder gar „aus­trei­ben“. Im Johan­nes­evan­ge­li­um begeg­ne­te es zuvor bei der Tem­pel­rei­ni­gung, als Jesus die Händ­ler aus dem Tem­pel wies (Joh 2,15).

Jesus ver­spricht sei­nen Jün­gern also nicht nur, dass er sie an- und auf­nimmt. Er sagt ihnen viel­mehr zu, dass er sie nie wie­der in die Welt hin­aus­trei­ben, sie sich selbst über­las­sen wird.

Der Zusammenhang macht es deutlich

Im Text­ver­gleich fällt ein wei­te­res Detail schnell auf: Die Jah­res­lo­sung ist eigent­lich nur der zwei­te Satz aus Vers 37. Die ein­lei­ten­den Wor­te zei­gen auf, was Jesus genau meint. Die­je­ni­gen, die der Vater ihm gibt, wird er nicht hin­aus­sto­ßen. Aus Vers 36 wird außer­dem noch deut­li­cher, dass es um Glau­ben geht – das zen­tra­le The­ma im gan­zen Kapitel.

Das Ver­spre­chen von Jesus Chris­tus steht nicht für sich allein. Im Zusam­men­hang erken­nen wir die Ver­bin­dung zwi­schen sei­nem Heils­auf­trag, dem Glau­ben der Jün­ger und der Per­spek­ti­ve auf die Ewigkeit.

Biblischer Tiefgang für Monate

Die Jah­res­lo­sung bie­tet die Mög­lich­keit zum inten­si­ven Bibel­stu­di­um. Das Kapi­tel sechs im Johan­nes­evan­ge­li­um hat es in sich. Es beginnt mit einem der berühm­tes­ten Wun­der Jesu, der Spei­sung von 5000 Män­nern. Über die Idee die­ser Män­ner, Jesus zum König zu machen, und Jesu Ant­wort, lie­ber den qual­vol­len Tod zu wäh­len, kommt es am Ende zum gro­ßen Bruch in Jesu Ver­kün­di­gung. 4988 Män­ner wen­den ihm den Rücken zu, nur zwölf blei­ben an sei­ner Sei­te, einer von ihnen gar als spä­te­rer Verräter.

Ein­ge­bet­tet in die­se Ableh­nung der Bot­schaft Jesu, also den Unglau­ben der Men­ge, bekommt die Jah­res­lo­sung noch­mal eine ganz ande­re Facet­te. Das Ver­spre­chen Jesu gilt ins­be­son­de­re den­je­ni­gen, die dem Ruf des Vaters fol­gen und dem Sohn Got­tes ohne jede mate­ri­el­le Sicher­heit Ver­trau­en schenken.

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Die Logos Bibel­soft­ware ist eine gro­ße Hil­fe, um die Jah­res­lo­sung und ihren Zusam­men­hang zu ergrün­den. Der Bibel­stel­len­as­sis­tent lie­fert Hin­ter­grund­wis­sen zu Par­al­lel­stel­len, Struk­tur­merk­ma­len und anti­ker Lite­ra­tur. Mit dem Exege­seas­sis­ten­ten kann man den Urtext Wort für Wort ergrün­den. Stu­di­en­hil­fen füh­ren struk­tu­riert durch den Text und über das Kon­text­me­nü wer­den kleins­te Details der Wor­te Jesu sichtbar.

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Simon Birr nutzt Logos Bibel­soft­ware seit 14 Jah­ren. Er ist Pas­tor der Frei­en evan­ge­li­schen Gemein­de Ewers­bach, Blog­ger (www​.sbirr​.de) und christ­li­cher You­Tuber (https://​you​tu​.be/​6​7​i​7​X​M​c​L​BQY).

Simon Birr

Über den Autor

Simon Birr nutzt Logos Bibelsoftware seit 14 Jahren. Er ist Online-Pastor, Teil der betaKirche (www.betakirche.de), Blogger (www.sbirr.de) und christlicher YouTuber (https://youtu.be/67i7XMcLBQY).

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