R. C. Sproul und der Römerbrief – eine Rezension

Von Adam Yalcinöz

Bibelkommentar, Neues Testament, Paulus, Römerbrief
Vor 4 Monaten

Der Römer­brief zählt zu den meist­ge­le­se­nen und belieb­tes­ten Büchern der Bibel. Und das nicht ohne Grund! Schließ­lich lie­fert Pau­lus im Römer­brief ein umfas­sen­des Ver­ständ­nis sei­ner Bot­schaft – dem Evan­ge­li­um Got­tes. Möch­ten Sie den Römer­brief mit­hil­fe eines Kom­men­tars bes­ser ver­ste­hen ler­nen? Dann lade ich Sie ein, anhand die­ses kur­zen Über­blicks über den Kom­men­tar von R. C. Sproul her­aus­zu­fin­den, ob die­ses Werk eine sinn­vol­le Ergän­zung für Ihre Logos-Biblio­thek wäre.

Der Römer­brief ist kei­nes­wegs das Ergeb­nis der theo­lo­gi­schen Ein­sich­ten von Pau­lus, einem der am bes­ten aus­ge­bil­de­ten Juden im Paläs­ti­na des ers­ten Jahr­hun­derts, son­dern er ist eine Bot­schaft, die aus dem Geist Got­tes kommt, mit der Kraft, Leben zu verändern.”

- R. C. Sproul

Wer war R. C. Sproul?

Robert Charles Sproul (* 13. Febru­ar 1939; ✝14. Dezem­ber 2017) war ein kon­ser­va­ti­ver refor­mier­ter Theo­lo­ge mit einer lei­den­schaft­li­chen Lie­be zur Bibel und zur Theo­lo­gie. Sein Leben lang leb­te er die­se Lei­den­schaft, präg­te unzäh­li­ge Men­schen als Pas­tor in Gemein­den, als Dozent an ver­schie­de­nen Theo­lo­gi­schen Semi­na­ren und durch die media­le Ver­brei­tung des Wor­tes Got­tes über Ligo­nier Ministries.

R.C. Sproul war unter ande­rem Chef­re­dak­teur der Zeit­schrift Table­talk und hat mehr als 100 Bücher ver­fasst, von denen das bekann­tes­te Die Hei­lig­keit Got­tes ist.

Auch über sei­nen Dienst hin­aus setz­te er sich als Vor­sit­zen­der des Inter­na­tio­na­len Rates für bibli­sche Irr­tums­lo­sig­keit für eine bibel­treue Theo­lo­gie ein und erar­bei­te­te gemein­sam mit ande­ren evan­ge­li­ka­len Theo­lo­gen die Chi­ca­go-Erklä­rung. Als cal­vi­nis­tisch gepräg­ter Theo­lo­ge beton­te er das Prin­zip sola scrip­tu­ra und stand mit sei­nem Dienst und Leben dafür ein. Die­se Lei­den­schaft für das Wort Got­tes ist in sei­nen Kom­men­ta­ren und ande­ren Wer­ken spürbar.

Kommentar zum Römerbrief von R.C. Sproul

R. C. Sprouls Sicht auf den Römerbrief

Für R. C. Sproul ist der Römer­brief eine der bedeut­sams­ten Schrif­ten der Bibel. Er bezeich­net den Römer­brief als das, „was im gan­zen Neu­en Tes­ta­ment einer sys­te­ma­ti­schen Theo­lo­gie am nächs­ten kommt.” Das sei es, was den Römer­brief so gewich­tig macht – denn in ihm erkennt R. C. Sproul die Theo­lo­gie des bedeu­tends­ten Mis­sio­nars der Urkir­che: Paulus.

Sproul macht im Vor­wort des Kom­men­tars deut­lich, dass der Römer­brief für ihn mehr als eine theo­lo­gisch inter­es­san­te Schrift ist. Der Brief habe ihn per­sön­lich ergrif­fen. Die Bibel als Gan­zes habe unzäh­li­ge Men­schen ver­än­dert, doch für R. C. Sproul ist es der Römer­brief, den „Gott von allen 66 Büchern (…) am meis­ten gebraucht hat, um Men­schen­le­ben zu verändern.”

Das erkann­te Sproul nicht nur für sein per­sön­li­ches Leben, son­dern auch im Blick auf die Kir­chen­ge­schich­te. Der Brief habe eine star­ke Wir­kungs­ge­schich­te ent­fal­tet, die sich über fast 2000 Jah­re erstrecke:

Die Lis­te von sol­chen, deren Leben durch den Brief von Pau­lus an die Römer ver­än­dert wur­de, reicht bis in unse­re Zeit. Auch ich kann mich in gewis­ser Wei­se mit Augus­ti­nus, Luther und Wes­ley iden­ti­fi­zie­ren, denn kein Buch hat einen der­art mäch­ti­gen Ein­fluss auf mein Leben gehabt wie der Römerbrief.”

- R.C. Sproul

Der Aufbau des Kommentars

Sproul bie­tet gleich zu Beginn eine Zusam­men­fas­sung des Inhalts des Römer­brie­fes. Jedes Kapi­tel wird in einem kur­zen Absatz beschrie­ben, sodass der Leser einen Über­blick über den gesam­ten Brief erhält.

Nach sei­nem Vor­wort, in dem er die Bedeu­tung des Römer­brie­fes her­vor­hebt, geht R. C. Sproul direkt in die Vers-für-Vers-Aus­le­gung über. Im Gegen­satz zu den gän­gi­gen wis­sen­schaft­li­chen Kom­men­ta­ren gibt er kei­ne geson­der­te Erklä­rung zum Anlass des Brie­fes. Das heißt aber nicht, dass der his­to­ri­sche Hin­ter­grund über­haupt kei­ne Rol­le spielt: Wo es von Inter­es­se ist, bezieht er die Ergeb­nis­se in die Aus­le­gung ein. So geht R. C. Sproul in sei­ner Aus­le­gung von Römer 7,1 auf die Fra­ge ein, ob die ursprüng­li­chen Adres­sa­ten des Brie­fes Juden- oder Hei­den­chris­ten waren.

Fragen und Gedichte zum Ende der Kapitel

Am Ende jedes Kapi­tels stellt R. C. Sproul eini­ge Fra­gen zur Ver­tie­fung, die hel­fen, den Inhalt zu fes­ti­gen und wei­ter­zu­den­ken. Die­se Anre­gun­gen eig­nen sich auch für die gemein­sa­me Bear­bei­tung in Klein­grup­pen oder Hauskreisen.

In regel­mä­ßi­gen Abstän­den wer­den in den Kom­men­tar auch Gedichte/​Lieder ein­ge­floch­ten. Auch wenn dies eigent­lich eher unüb­lich ist, hat es doch sei­ne Berech­ti­gung. Schließ­lich haben Men­schen im Lau­fe der Geschich­te ihre Got­tes­er­fah­run­gen immer wie­der auch in poe­ti­scher und sym­bol­haf­ter Spra­che zum Aus­druck gebracht. Hier ein Beispiel:

SCHAU ICH ZU DEINEM KREUZE HIN

When I Sur­vey the Wond­rous Cross

Text: Isaac Watts (1674–1748)
Deutsch: Gün­ter Balders

Schau ich zu Dei­nem Kreu­ze hin,
wo Du für mich gestor­ben bist,
zu Scha­den wird, was sonst Gewinn,
was einst mein Stolz gewe­sen ist.

Dein Kreuz zer­stört den fal­schen Ruhm;
durch Dei­nen Tod bin ich befreit,
gebun­den als Dein Eigentum
an Dich allein für alle Zeit.

Sieh an Sein dorn­ge­krön­tes Haupt,
aus Sei­nen Wun­den quillt Sein Blut,
und wer an sol­che Lie­be glaubt,
dem kommt Sein Kreu­zes­schmerz zugut.

Was ich zum Dank auch gebe Dir,
die gan­ze Welt ist noch zu klein;
der Dank für die­se Lie­be hier
kann nur mein eig­nes Leben sein.

© Ver­lag Sin­gen­de Gemein­de, Wuppertal

Inhalt und Stil des Kommentars

An die­ser Stel­le der Rezen­si­on auf den Inhalt des Römer­briefs aus der Sicht von R. C. Sproul ein­zu­ge­hen, wäre wenig ergie­big und viel zu umfang­reich. Statt­des­sen möch­te ich Sie auf eini­ge Beson­der­hei­ten auf­merk­sam machen, damit Sie sich ein Bild davon machen kön­nen, was Sie im Kom­men­tar erwartet.

Sprache und Stil

Der Kom­men­tar ist gut ver­ständ­lich geschrie­ben. R. C. Sproul ver­liert sich nicht in theo­lo­gi­schem Fach­jar­gon, sodass auch Ein­stei­ger, die sich erst­mals mit dem Römer­brief beschäf­ti­gen wol­len, mit sei­nen Aus­füh­run­gen etwas anfan­gen können.

Den­noch lie­fert R. C. Sproul zen­tra­le exege­ti­sche Ergeb­nis­se. Er bringt Wort­stu­di­en ein, betrach­tet Par­al­lel­stel­len, ver­weist auf his­to­ri­sche Zusam­men­hän­ge und trägt auf viel­fäl­ti­ge Wei­se dazu bei, den Römer­brief für den Leser ver­ständ­li­cher zu machen. Sehr ange­nehm ist, dass er das auf eine leicht zugäng­li­che Wei­se tut, z.B. wer­den kei­ne Kennt­nis­se des Alt­grie­chi­schen (Koi­ne) vor­aus­ge­setzt. Wenn er sich auf den alt­grie­chi­schen Grund­text bezieht, wird dies ent­spre­chend erläu­tert. Glei­ches gilt für die theo­lo­gi­sche Fach­spra­che, die, wo sie rele­vant wird, hin­rei­chend erklärt wird.

Das bestimmende Motiv: Der Mensch vor Gott

Dar­über hin­aus betont R. C. Sproul immer wie­der die per­sön­li­che Dimen­si­on des Römer­brie­fes. Das zen­tra­le Motiv sei­ner Aus­le­gung ist die Stel­lung des Men­schen vor Gott. Des­halb macht er deut­lich, dass die Aus­sa­gen des Pau­lus uns heu­te eben­so betref­fen wie die Adres­sa­ten damals. Ohne den Römer­brief aus sei­nem his­to­ri­schen Kon­text zu lösen, erkennt Sproul im Römer­brief eine zeit­lo­se Wahr­heit und zeigt auf, wie die Wor­te des Pau­lus auch in die heu­ti­ge Zeit hineinsprechen.

C. Sproul geht anhand des Römer­briefs auch auf gän­gi­ge, unter­schied­li­che Mei­nun­gen in Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie ein und bezieht klar Stel­lung. Ein Bei­spiel hier­für ist die Fra­ge der Prä­de­sti­na­ti­on, die er in sei­ner Aus­le­gung von Römer 8–9 diskutiert.

Im Umgang mit unter­schied­li­chen Mei­nun­gen berück­sich­tigt er die ver­schie­de­nen aktu­el­len Auf­fas­sun­gen und beur­teilt sie im Lich­te des Römer­briefs. Dabei ist Sprouls kon­ser­va­tiv-evan­ge­li­ka­le Aus­rich­tung erkenn­bar.

Klei­ner Hinweis:

Wuss­ten Sie, dass es eini­ge Vor­tei­le bie­tet, Kom­men­ta­re auf Logos zu nut­zen? Sie kön­nen sie sehr leicht nach bestimm­ten Such­be­grif­fen durch­su­chen, die Schrift­grö­ße kann ange­passt wer­den und Sie kön­nen mit einem Klick von einem Kom­men­tar zum nächs­ten wech­seln. Auch eine Ver­lin­kung zwi­schen der Bibel und Ihrem Kom­men­tar ist mög­lich, sodass bei­de Wer­ke par­al­lel neben­ein­an­der laufen.

Für wen ist der Kommentar von R. C. Sproul geeignet?

Ist der Kom­men­tar von R. C. Sproul für Sie geeig­net? Die Ant­wort auf die­se Fra­ge hängt ganz davon ab, mit wel­chem Anlie­gen Sie an den Römer­brief her­an­tre­ten. Haben Sie ein wis­sen­schaft­li­ches Inter­es­se und möch­ten mehr über den Inhalt und die Abfas­sung des Römer­briefs erfah­ren? Oder stel­len Sie sich eher die Fra­ge, wel­che per­sön­li­che Bedeu­tung der Römer­brief für Ihr Leben vor Gott hat?

Eines ist klar: Wer eine his­to­risch-kri­ti­sche Ana­ly­se des Römer­brie­fes sucht, wird bei R. C. Sproul nicht fün­dig wer­den. Sein Kom­men­tar möch­te kei­ne rein wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se eines anti­ken Brie­fes sein. Ganz im Gegen­teil! Er erkennt im Römer­brief eine Schrift, durch die Gott damals wie heu­te Men­schen­le­ben verändert.

Inso­fern ist der Kom­men­tar für alle geeig­net, die sich per­sön­lich mit dem Römer­brief aus­ein­an­der­set­zen wol­len. R. C. Sproul ver­tieft die Bedeu­tung des Tex­tes für die Men­schen aller Zei­ten ein und macht damit deut­lich, dass die Wor­te des Pau­lus auch heu­te nichts von ihrer Aktua­li­tät ver­lo­ren haben.

Dar­über hin­aus ist der Kom­men­tar auch für Ein­stei­ger geeig­net. Die ein­fa­che Spra­che und der ein­gän­gi­ge Stil machen R. C. Sprouls Kom­men­tar für alle inter­es­sant, die sich inten­si­ver mit dem Römer­brief aus­ein­an­der­set­zen wol­len, den theo­lo­gi­schen Fach­jar­gon jedoch nicht beherrschen.

Daher bie­tet es sich auch an, den Kom­men­tar in Klein­grup­pen jeg­li­cher Art zu lesen – die Fra­gen am Ende eines jeden Kapi­tels eig­nen sich dafür, den Inhalt des Römer­brie­fes gemein­sam zu besprechen.

Weitere Werke von R. C. Sproul auf Logos

Neben dem Kom­men­tar zum Römer­brief hat R. C. Sproul eine Viel­zahl von wei­te­ren Wer­ken ver­öf­fent­licht. Eini­ge davon sind auch auf Logos erhältlich.

In deut­scher Spra­che kön­nen Sie vier Bän­de zu zen­tra­len Fra­gen zum christ­li­chen Glau­ben kos­ten­frei bekom­men. In die­sen Bän­den geht R. C. Sproul auf Fra­gen rund um Gott, den Glau­ben und die Zuver­läs­sig­keit der Bibel ein. Zudem kön­nen Sie die Refor­ma­ti­ons-Stu­di­en-Bibel von R. C. Sproul inkl. Inter­li­ne­ar­da­ten­satz erwerben.

Sproul, Reformationsstudienbibel

Sproul, Fragen zum christlichen Glauben

Klei­ner Hinweis:

Die Refor­ma­ti­ons-Stu­di­en-Bibel mit Inter­li­ne­ar­da­ten­satz birgt enor­me Vor­tei­le für das Bibel­stu­di­um, denn sie ver­knüpft die deut­sche Bibel mit dem alt­grie­chi­schen Grund­text. Zum Bei­spiel kann Logos dadurch in kür­zes­ter Zeit gram­ma­ti­ka­li­sche Beson­der­hei­ten aus dem Grund­text auf­zei­gen und ein Dop­pel­klick genügt, um Ihr favo­ri­sier­tes exege­ti­sches Wör­ter­buch zu öffnen.

Selbst­ver­ständ­lich gibt es noch vie­le wei­te­re Wer­ke von R. C. Sproul auf Eng­lisch. Unter fol­gen­dem Link fin­den Sie eine gro­ße Aus­wahl an Kom­men­ta­ren, Mono­gra­fien, Audio­bü­chern und vie­lem mehr:

R.C. Sproul | Logos Bible Software


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Adam Yalcinöz

Über den Autor

Adam Yalcinöz befindet sich aktuell in einem Masterstudium am Forum Wiedenest e.V. im Fachbereich Neues Testament. Seine theologische Grundausbildung hat er zuvor am Theologischen Seminar Erzhausen absolviert. Nebenbei predigt er in verschieden freikirchlichen Gemeinden und bietet Führungen im Bibelhaus Erlebnismuseum in Frankfurt an.

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