Stilmittel und Strukturen in der Bibel

Von Michael Lauth

Psalmenexplorer, Struktur, Werkzeuge

In die­sem Blog­ar­ti­kel wol­len wir uns mit den Stil­mit­teln und Struk­tu­ren in den Tex­ten der Bibel beschäf­ti­gen und zei­gen, wie uns Logos dabei hel­fen kann. Ver­wen­de­te Stil­mit­tel sind in der Bibel kein Selbst­zweck, son­dern ein Mit­tel zur Kom­mu­ni­ka­ti­on. Das Ver­ständ­nis der Stil­mit­tel hilft uns daher, den Sinn eines Tex­tes bes­ser zu erfas­sen. Wenn wir die ver­wen­de­ten Struk­tu­ren erken­nen, wird das Ziel des Autors kla­rer erkenn­bar, denn er hat sich ja Gedan­ken dabei gemacht, den Text genau so auf­zu­bau­en. Dazu erst eine klei­ne Über­sicht der wich­tigs­ten bzw. häu­figs­ten Stilmittel.

Parallelismus

Ein Par­al­le­lis­mus ist nicht nur eine Sprach­form und blo­ße Wie­der­ho­lung, son­dern eine Denkform.

Den­ken und Reden aus zwei Per­spek­ti­ven bil­den zusam­men ein Gan­zes, wie die bei­den Sei­ten einer Mün­ze. Aus zwei­er oder drei­er Zeu­gen Mund wird jede Sache bestä­tigt wer­den (2Kor 13:1, Mt 18:16, sie­he auch Deu 17:6, 19:15).

Die Rea­li­tät ist so groß, dass sie nicht mit einer Aus­sa­ge allei­ne beschrie­ben wer­den kann. Bereits auf den ers­ten Sei­ten der Bibel wird dies deut­lich im Schöp­fungs­be­richt, der aus zwei Tei­len besteht (1:1–2:3 und 2:4–25).

Selbst gan­ze Bücher wie Köni­ge und Chro­ni­ka machen die­se Denk­wei­se deut­lich, indem sie die Geschich­te der Köni­ge einer­seits aus der Ver­ant­wor­tung des Men­schen und ande­rer­seits aus der Sicht Got­tes beschreiben.

Da auch das Neue Tes­ta­ment über­wie­gend von Juden geschrie­ben wor­den ist, fin­den sich die­se Denk­for­men dort auch und wir wer­den eini­ge die­ser Stil­mit­tel im NT entdecken.

  • Synonymer Parallelismus:

Hier­bei han­delt es sich um ein­fa­che Wie­der­ho­lun­gen ohne Ände­rung in der Bedeutung.

Gen 6:17 „Denn ich, sie­he, ich brin­ge die Was­ser­flut über die Erde …“

Eine übli­che Metho­de, um bestimm­te Wor­te zu beto­nen, sie zu unter­strei­chen und auf sie auf­merk­sam zu machen. Wich­tig für uns, wenn der Hei­li­ge Geist Wor­te beson­ders betont, um unse­re Auf­merk­sam­keit dar­auf zu lenken!

In die­sem Bei­spiel: Gott bringt die Flut. ER ist es und nicht irgend­ei­ne Natur­ge­walt an und für sich.

Bekannt sind auch die Wie­der­ho­lun­gen von Namen durch Gott beim Anspre­chen von Men­schen, wie z.B. in Gen 22:11 „Abra­ham, Abra­ham …“ (sie­he dazu auch „Jakob, Jakob“, aber auch „Herr, Herr“ in Mt 7:21.22, Lk 6:46, 13:25, „Jeru­sa­lem, Jeru­sa­lem“ (Mt 23:37, Lk 13:34) und „Eli, Eli“ in Mk 15:34, Mt 27:46 sowie Ps 22:1.

Hier wer­den ent­we­der die Aus­sa­ge, Situa­ti­on, oder Per­son und ihre Hand­lung beson­ders hervorgehoben.

Ps 96:13 „Denn er kommt, denn er kommt, die Erde zu richten.“

Joh 1:51 „Wahr­lich, wahr­lich, ich sage euch: …“ 25 Aus­sa­gen des Herrn im Johan­nes­evan­ge­li­um, und nur dort!

Es gibt sogar drei­fa­che Wie­der­ho­lun­gen, sie­he dazu z.B. Jer 7:4, 22:29, Jes 6:3, Offb 6:4, 8:13, Hes 21:32.

Wei­te­re For­men sind z.B.

  • Antithetischer Parallelismus

    Die Aus­sa­ge wird durch die Bil­dung einer Anti­the­se ver­stärkt. Bei­spiel Spr 10:1
    „Ein wei­ser Sohn erfreut den Vater, aber ein törich­ter Sohn ist sei­ner Mut­ter Kum­mer.“

  • Synthetischer Parallelismus

    Bei die­ser Form führt der zwei­te Satz- oder Vers­teil den ers­ten fort, wie­der­holt die­sen aber nicht noch ein­mal, son­dern ent­fal­tet die Aus­sa­ge wei­ter und bestimmt sie genauer.
    Bei­spiel Ps 23:1 Der HERR ist mein Hir­te, mir wird nichts man­geln.“

  • Parabolischer Parallelismus

    Die­se Form arbei­tet mit unter­schied­li­chen Ebe­nen, einer Bild- und einer Sach­hälf­te. Der ers­te Teil ent­wirft ein Bild, das vom zwei­ten Teil auf die Sach­ebe­ne über­tra­gen wird.
    Bei­spiel Ps 103:13
    Wie ein Vater sich über die Kin­der erbarmt, so erbarmt sich Jah­we über die, wel­che ihn fürch­ten.“

  • Stufenartiger Parallelismus

    Die­ser Form lie­gen mehr­glied­ri­ge Ver­se zugrun­de, die sich inhalt­lich stei­gern und die Satz­glie­der zuguns­ten der Erhö­hung der Aus­s­sa­ge­kraft par­al­lel anord­nen. Ein schö­nes Bei­spiel bie­tet Psalm 1:1. Sowohl beim Verb als auch beim Objekt zeigt sich eine Steigerung:
    „Glück­se­lig der Mann, der nicht wan­delt im Rate der Gott­lo­sen, und nicht steht auf dem Wege der Sün­der, und nicht sitzt auf dem Sit­ze der Spöt­ter,“
    wan­deln -> ste­hen -> sit­zen [vom gehen zum ste­hen zum sit­zen zeigt eine Ver­fes­ti­gung an] Rat -> Weg -> Sitz [das Befol­gen von Rat­schlä­gen führt auf einen Weg und der wie­der­um zu einem fes­ten Stand­punkt] Gott­lo­se -> Sün­der -> Spöt­ter [von der all­ge­mei­nen Aus­sa­ge ohne Gott hin zu einer Per­son, die in Sün­de lebt und die schließ­lich gegen Gott erhebt]

Chiasmus

Abge­lei­tet vom gr. Buch­sta­ben Chi, der wie ein X aus­sieht, bedeu­tet das grie­chi­sche Wort chi­as­mós „kreuz­wei­se, dia­go­na­le Anord­nung, Anord­nung über Kreuz“ ab und ist eine Son­der­form des Par­al­le­lis­mus, ein Anti-Par­al­le­lis­mus. Man­che sagen auch, es ist das Gegen­teil von Par­al­le­lis­mus und wird des­halb hier auch sei­ner Bedeu­tung wegen als sepa­ra­tes Stil­mit­tel aufgeführt.

Wor­te, Sät­ze, The­men ver­lau­fen gegen­läu­fig, d.h. eine bestimm­te Satz­struk­tur wie­der­holt sich, jedoch mit umge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge der Bestand­tei­le. Man kann sich die Anord­nung auch wie die Scha­len einer Zwie­bel vor­stel­len, also ein kon­zen­tri­scher, ring­för­mi­ger Aufbau.

Ein Bei­spiel mag hier genü­gen, in nach­fol­gen­den Arti­keln wird dar­auf aus­führ­li­cher ein­ge­gan­gen, da nicht nur ein­zel­ne Ver­se son­dern auch Absät­ze, Kapi­tel und sogar gan­ze Bücher in der Bibel die­sen Auf­bau haben.

Ps 51:1

Dies wird meis­tens so dargestellt:

A Sei mir gnä­dig, o Gott

B nach dei­ner Güte

B‘ nach der Grö­ße dei­ner Erbarmungen

A‘ til­ge mei­ne Übertretungen!

Akrostichon

Die jewei­li­gen Anfangs­buch­sta­ben der Ver­se fol­gen den 22 Buch­sta­ben des hebräi­schen Alpha­bets Sie bil­den ein Akro­sti­chon (grie­chisch, zusam­men­ge­setzt aus akros, »spitz«, und stichos, »Vers«, also »Spitz­vers«, da die Ord­nung des gan­zen dem Anfang, der Spit­ze, to akron, jedes Ver­ses folgt).

Die Psal­men 9, 10, 25, 34, 37, 111, 112, 119 und 145 sind so auf­ge­baut. Wei­te­re Bei­spie­le sind Spr 31:10–31 (das Gedicht über die vor­treff­li­che Frau) und das Buch der Kla­ge­lie­der (jedes der fünf Kapitel).

Es gibt meh­re­re Grün­de für die Ver­wen­dung die­ses Stilmittels:

  • Um einen Text lesen und ver­ste­hen zu kön­nen, muss man das gan­ze Alpha­bet kennen.
  • Es liegt auf der Hand, dass die­se Form das Ein­prä­gen ins Gedächt­nis sehr erleichtert,
    damit die Israe­li­ten die wich­ti­gen Beleh­run­gen die­ses Buches nicht so leicht vergessen.
  • Zur Beschrei­bung wird die gan­ze mensch­li­che Spra­che benö­tigt und reicht letzt­end­lich gar nicht aus.
    Eine beschränk­te mensch­li­che Spra­che wird benutzt, um unend­lich tie­fe und gro­ße Din­ge zu beschrei­ben, das ewi­ge, unbe­schränk­te Wort Got­tes legt sich in einer mensch­li­chen Spra­che fest.

Werkzeug in Logos 10

Beson­ders aus­ge­prägt fin­den sich die ver­schie­de­nen Stil­for­men in den poe­ti­schen Büchern, ins­be­son­de­re den Psal­men. Hier­zu gibt es in Logos 10 bereits ein sehr hilf­rei­ches Werk­zeug, in dem bereits eini­ge Stil­mit­tel im Text durch ent­spre­chen­de Label gekenn­zeich­net sind.

Den Psal­men­ex­plo­rer fin­det man im Menü der Start­sei­te auf der lin­ken Sei­te unter Werkzeuge.

Er ist sepa­rat erhält­lich, im Paket Funk­tio­nen und Werk­zeu­ge oder aber auch in Logos 10 Gold (Deutsch) oder höhe­ren Pake­ten enthalten.

Nach­dem „Werk­zeu­ge“ aus­ge­wählt wur­den, fin­den sich in der Lis­te ver­schie­de­ne Kategorien.

Unter „Inter­ak­ti­ve Medi­en“ befin­det sich dann der Psalmenexplorer.

Wenn man den Psal­men­ex­plo­rer aus­wählt, öff­net sich ein Fens­ter mit viel­fäl­ti­gen Ana­ly­se­mög­lich­kei­ten der Psal­men nach The­men, Ver­fas­ser, Buch, Gat­tung etc., dar­un­ter auch Struk­tur. Hier las­sen sich jetzt Stro­phe, Chi­as­mus und Akros­tisch auswählen.

Wenn man mit dem Cur­sor z.B. auf das Wort Akros­tisch geht, wer­den die 9 akros­ti­schen Psal­men in der Gra­fik farb­lich hervorgehoben.

Nach einem Klick auf Akros­tisch wer­den nur noch die 9 akros­ti­schen Psal­men ange­zeigt und eine wei­ter Detail­lie­rung ist durch Klick auf den ent­spre­chen­den Psalm mög­lich. Ober­halb der Gra­fik wird der Fil­ter ange­zeigt, der jetzt aktiv ist.

Literaturhinweise

W. Bul­lin­ger: Figu­res of Speech Used in the Bible: Explai­ned and Illustrated

Hier wer­den 217 Sprach­fi­gu­ren in der Bibel erläu­tert und ent­spre­chen­de Bibel­stel­len dazu aufgezeigt.

Wer ger­ne in Deutsch lesen möch­te, dem rät das Team von Logos zu dem Pro­dukt Sprach­li­che Stil­fi­gu­ren in der Bibel.

Ausblick:

Nach­dem wir die genann­ten Stil­mit­tel etwas ken­nen­ge­lernt haben, wer­den wir uns im nächs­ten Bei­trag ver­schie­de­ne Bei­spie­le aus dem AT und NT anschau­en und ler­nen, wie sie uns hel­fen, den Text bes­ser zu ver­ste­hen, Miss­ver­ständ­nis­se aus­zu­räu­men und sogar bei der Über­set­zung hel­fen. Wir wol­len auch ler­nen, eige­ne Label für Stil­mit­tel in Logos anzu­le­gen und die­se über die Suche wiederzufinden.

Michael Lauth

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