Damit Logos noch besser funktioniert

Von Benjamin Misja


Ein Gast­ar­ti­kel von Peter Engler

Wie kann Bibel­stu­di­um pro­fi­ta­bel wer­den? Wel­che Vor­aus­set­zun­gen gibt es dafür? Und was hat das mit der Bibel­soft­ware Logos zu tun?

Mei­nes Erach­tens reicht es nicht, sich mit dem Pla­tin-Paket der Logos Bibel­soft­ware aus­zu­rüs­ten oder eine umfang­rei­che, aus ech­ten Büchern bestehen­de Biblio­thek auf­zu­bau­en und dann mit der Erfor­schung der Bibel los­zu­le­gen. Viel­leicht legen wir manch­mal zu gro­ßen Nach­druck auf die rich­ti­gen Werk­zeu­ge und Hilfs­mit­tel und zu gerin­gen auf die inne­ren Vor­aus­set­zun­gen, die ein frucht­ba­res Bibel­stu­di­um über­haupt erst ermög­li­chen. Hier ein paar Gedan­ken dazu.

Die „Conditio sine qua non“

Bibel­stu­di­um ist nicht nur eine Fra­ge des Umgangs mit theo­lo­gi­schem Stoff oder Mate­ri­al. Es stellt sich zusätz­lich die Fra­ge nach dem per­sön­li­chen Christ­sein über­haupt. Denn Christ­sein ist Bezie­hungs­sa­che, Glau­be an Jesus eine per­sön­li­che Ver­trau­ens­be­zie­hung. Und ich den­ke, dass wir nie­mals wer­den in den inners­ten Gehalt der Bibel und in die tie­fe­ren Inten­tio­nen des Hei­li­gen Geis­tes ein­drin­gen wer­den, ohne indi­vi­du­el­le Bekeh­rung und Wie­der­ge­burt. Auch in die­sem Bereich gilt: „Es sei denn, dass jemand von Neu­em gebo­ren ist, so kann er das Reich Got­tes nicht sehen” (Joh 3,3). Und folg­lich kann man beim Bibel­stu­di­um die Wahr­heit der Hei­li­gen Schrift auch nur bedingt wahr­neh­men. Die Gram­ma­tik eines Bibel­ver­ses lässt sich zwar ein­fach auf ver­stan­des­mä­ßi­gem Weg erfor­schen, aber nicht die „Her­zens­gram­ma­tik” des Hei­li­gen Geistes.

Des­halb plä­die­re ich mit Nach­druck für eine theo­lo­gia rege­ni­torum, eine „Theo­lo­gie der Wie­der­ge­bo­re­nen”. Wer die Bibel gewinn­brin­gend stu­die­ren will, muss mit dem Autor und Geist der Schrift inner­lich kon­form sein. Aber gott­lo­ses Leben und frag­wür­di­ger Lebens­wan­del stel­len für eine gewinn­brin­gen­de Erkennt­nis der Bibel ein grund­le­gen­des Hin­der­nis dar. Des­halb ist der Glau­be an Jesus sozu­sa­gen der Schlüs­sel oder das Ein­gangs­tor zu den bibli­schen Schatz­kam­mern des Hei­li­gen Geistes.

Vernachlässigte Prämissen für das Bibelstudium

Mei­ner Erfah­rung nach ist nichts schwie­ri­ger, als ein regel­mä­ßi­ges, dis­zi­pli­nier­tes Bibel­stu­di­um durch­zu­füh­ren. Sie wer­den erstaunt sein, was da plötz­lich für Hin­der­nis­se und Pro­ble­me auf­tau­chen. Sie wer­den wahr­neh­men, wel­che „Rie­sen” Ihnen plötz­lich ent­ge­gen­tre­ten, die alles zunich­te machen wollen.

Zeitmangel

Einer davon wird der schlich­te Zeit­man­gel sein. Vie­le von uns sind ein­ge­bun­den in ein stres­si­ges Berufs­le­ben; dazu kom­men unse­re Fami­li­en und die Mit­ar­beit in einer ört­li­chen Gemein­de. Wo soll denn da, bit­te­schön, noch die Zeit für ein „Bibel­stu­di­um in der Stil­le” herkommen?

Aller­dings zeigt sich in vie­len Fäl­len: Was einem wirk­lich wich­tig ist, dafür fin­det sich auch Raum. „Wer etwas wirk­lich will, fin­det einen Weg. Wer etwas nicht wirk­lich will, fin­det Aus­re­den”, hat ein­mal jemand geschrie­ben. Ich fürch­te, das ist nur zu wahr. Wenn wir zu vie­le Aben­de vor dem Fern­se­her ver­brin­gen und zu weni­ge über unse­rer auf­ge­schla­ge­nen Bibel, wird es kein Wun­der sein, wenn wir am Schluss als Bibel­stu­di­en­zwer­ge herauskommen.

Müdigkeit

Ein ande­res Pro­blem ist die Müdig­keit. Das ist sicher eine erns­te Sache. Ich ken­ne das auch: Je älter man wird, umso mehr springt sie einen am Ende eines Arbeits­ta­ges an. Da ist die Kraft für ein Bibel­stu­di­um oft ein­fach nicht mehr vorhanden.

Aber war­um kön­nen wir nicht bei­spiels­wei­se am Sams­tag­vor­mit­tag oder Sams­tag­nach­mit­tag (oder auch am Sonn­tag­nach­mit­tag) zwei Stun­den reser­vie­ren für das Stu­di­um der Schrift – als „geist­li­ches High­light” der Woche? Vie­le Juden zum Bei­spiel nut­zen den Sab­bat zum Schriftstudium.

Ich als Voll­zeit­ler bin hier natür­lich pri­vi­le­giert – ich kann es mir ein­rich­ten, mein Bibel­stu­di­um vor­mit­tags durch­zu­füh­ren. Für mich ist das am bes­ten, weil ich dann am fri­sches­ten bin. Aber selbst das ist nicht immer möglich.

Verweltlichung

Das nächs­te Pro­blem ist die Ver­welt­li­chung. Wir alle sind heu­te umge­ben von einer wah­ren Flut von Ablen­kungs­mög­lich­kei­ten: Da lockt die aus­gie­bi­ge Lek­tü­re welt­li­cher Bücher, da sind Fil­me (im Kino, im Fern­se­hen, im Inter­net, oder wo auch immer); es gibt vie­le „coo­le“ Com­pu­ter­spie­le („vor Ort“ auf dem PC, oder online); Strea­ming­platt­for­men für Musik; sozia­le Netz­wer­ke mit ihren unend­li­chen Mög­lich­kei­ten des Pos­tens und Lik­ens und sons­ti­ger Betä­ti­gungs­mög­lich­kei­ten, und, und, und …

Das alles kann uns so „ein­lul­len”, dass am Schluss für ein frucht­brin­gen­des Stu­di­um der Schrift schlicht­weg kei­ne Zeit mehr bleibt. Und vor allen Din­gen hat man dann auch kei­ne Lust mehr darauf.

Eine der­ar­ti­ge Lust gibt es tat­säch­lich, man könn­te sie den Bibele­ros nen­nen: „… son­dern hat Lust am Gesetz des Herrn und sinnt über sei­nem Gesetz Tag und Nacht”, steht in Psalm 1,2 als Beschrei­bung des Glau­ben­den im Gegen­satz zum Gott­lo­sen. All­zu viel welt­li­ches Trei­ben aber, in wel­cher Form auch immer, tötet unse­re Lust am Bibel­stu­di­um. Des­we­gen kann gera­de der stu­die­ren­de Umgang mit der Schrift auch ein Indi­ka­tor dafür sein, wo Sie und ich im Geist­li­chen ste­hen: Zu viel Welt ver­dirbt uns den Geschmack dar­an. Wenn wir in einen „Bereich der Stil­le” ein­tre­ten, die Atmo­sphä­re des Him­mels und eine ech­te und tie­fe Gemein­schaft mit dem Herrn erle­ben wol­len, dann müs­sen wir sorg­fäl­tig dar­auf acht haben, wel­che Ein­flüs­se wir an uns her­an­las­sen und inwie­weit sie uns beherrschen.

Programmstudium statt Bibelstudium

Eine ande­re gro­ße Gefahr zeigt sich beson­ders beim digi­ta­len Bibel­stu­di­um: Wir machen mehr Pro­gramm­stu­di­um statt Bibel­stu­di­um. In der Ein­ar­bei­tungs­pha­se für ein Pro­gramm wie Logos wird sich das nicht ver­mei­den las­sen und hat dort natür­lich sei­ne Berech­ti­gung. Aber es kann auch für erfah­re­ne Anwen­der zu einem gewis­sen Pro­blem wer­den: schnell mal eben noch die­ses Fea­ture aus­pro­bie­ren und ein wenig mit jener Pro­gramm­funk­ti­on spie­len, und dazwi­schen kommt schon wie­der eine Mail oder die neu­es­te Mel­dung vom sozia­len Account, auf die man noch ganz rasch ant­wor­ten sollte…

Des­we­gen wird es am bes­ten sein, vor dem digi­ta­len Bibel­stu­di­um alle Benach­rich­ti­gun­gen vor­über­ge­hend abzu­schal­ten! Schau­en Sie sich dazu die­sen Arti­kel an: Wie Sie mit dem Smart­pho­ne in der Hand ruhig wer­den vor Gott.

Die Vor­keh­run­gen zur Effek­ti­vi­tät kön­nen sich sogar auf die Hard­ware selbst erstre­cken. Ich bin sehr dank­bar, dass ich einen PC habe, der flüs­ter­lei­se läuft, wie es heu­te so schön heißt. Ein lau­ter Lüf­ter oder eine stän­dig rat­tern­de Fest­plat­te kön­nen auch zum Ablen­kungs­fak­tor wer­den. Zum Glück gibt es aber heu­te mehr­heit­lich gute Gerä­te, und mit einer SSD-Fest­plat­te sind stö­ren­de Geräu­sche in der Regel sowie­so kein Pro­blem mehr.

Gute Beziehungen zu Mitmenschen

Nicht zuletzt darf auch die Fra­ge nach den Bezie­hun­gen zu unse­ren Mit­men­schen gestellt wer­den. Wenn wir unser „hei­li­ges Bibel­stu­di­um” so wich­tig neh­men, dass wir Frau und Kin­der dar­über ver­nach­läs­si­gen, wer­den wir es schwer haben, die Bibel gewinn­brin­gend zu stu­die­ren. Ähn­li­ches dürf­te auch für das Mit­ein­an­der in Ver­wandt­schaft, Nach­bar­schaft oder Gemein­de gel­ten. Die raf­fi­nier­tes­ten Pro­gramm­funk­tio­nen erset­zen lei­der kei­ne hei­len Beziehungen.

Es geht also um ein gehei­lig­tes Leben. Und was wir hier fest­hal­ten, dürf­te genau­so sei­ne Berech­ti­gung haben, wenn es um ein frucht­ba­res Gebets­le­ben geht. Unser Ver­hält­nis zur Bibel und unser Ver­hält­nis zur direk­ten Gemein­schaft mit dem Herrn hän­gen unlös­bar zusammen.

Und gele­gent­lich soll­te man sich viel­leicht auch ein­mal Gedan­ken machen über die Fra­ge, war­um wir das alles machen. Denn wir betrei­ben ja nicht Bibel­stu­di­um um sei­ner selbst wil­len. Es muss ein­ge­ord­net sein in den grö­ße­ren Zusam­men­hang von Gemein­de­grün­dung und Gemein­de­bau, von Evan­ge­li­sa­ti­on und Welt­mis­si­on. Wenn es nicht ein­mün­det in einen kon­kre­ten Dienst für den Herrn, in wel­cher Form auch immer, bekom­men wir am Ende nur Was­ser­köp­fe und geist­li­che Ver­dau­ungs­stö­run­gen. Wir wer­den dann zu „Bücher­wür­mern” und „Bibel­wür­mern”, wie es Edward McKen­dree Bounds ein­mal aus­ge­drückt hat (oder modern: zu „Digi­tal­wür­mern”).

Damit Logos noch besser funktioniert …

… tun wir sicher gut dar­an, die hier beschrie­be­nen Berei­che zu beden­ken. Dabei geht es nicht um Voll­kom­men­heit, son­dern um Grund­satz­ent­schei­dun­gen und ein „Nach­stre­ben” oder „Nach­ja­gen”. Wenn es in meh­re­ren der ange­spro­che­nen Berei­che nicht stimmt, wird mei­ner Mei­nung nach bei unse­rem Bibel­stu­di­um nicht viel her­aus­kom­men. Wenn es aber stimmt, sind sämt­li­che digi­ta­len und auch ana­lo­gen Hilfs­mit­tel eine wun­der­ba­re Sache und wer­den unse­re Freu­de am Herrn und unse­re Erkennt­nis der Bibel nur vermehren.


Über den Autor: Peter Eng­ler ist Pre­di­ger einer ost­baye­ri­schen Frei­kir­che und war vor­her lan­ge Jah­re als Leh­rer im Dienst einer süd­deut­schen Bibel­schu­le und als Pre­di­ger im Gemein­de­dienst einer Schwei­zer Frei­kir­che. Er lebt und arbei­tet mit sei­ner Frau Mar­grit in Regens­burg. Er ist schon lan­ge ein lei­den­schaft­li­cher Leser, Schrei­ber und “Bibel­stu­die­rer”, und freut sich, etwas zur The­ma­tik bei­steu­ern zu können.

Benjamin Misja

Über den Autor

Benjamin Misja leitet das deutsche Logos-Team.

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