Edition C Bibelkommentar – Eine weihnachtliche Leseprobe

Von Christian Weidtke


Was ist die Edition C?

Die Edi­ti­on C ist ein Bibel­kom­men­tar, der sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten einen fes­ten Platz in den Bücher­re­ga­len vie­ler Bibel­aus­le­ger gesi­chert hat. Für das Neue Tes­ta­ment liegt schon län­ger eine voll­stän­di­ge Samm­lung von 11 Bän­den vor. Für das Alte Tes­ta­ment sind bereits eini­ge Bän­de erschie­nen, an ande­ren wird noch gearbeitet.

Ziel der Edi­ti­on C ist eine gründ­li­che Aus­le­gung der bibli­schen Bücher. Jeder ein­zel­ne Vers wird beleuch­tet. Die Kom­men­tie­rung ist dabei zugleich theo­lo­gisch reflek­tiert und prak­tisch-gemein­de­be­zo­gen aus­ge­rich­tet. Ein­lei­tun­gen zu den bibli­schen Büchern infor­mie­ren über Ent­ste­hung und Eigen­art der betref­fen­den Texte.

Auf 8.944 Sei­ten wird das Bibel­wis­sen vie­ler Gelehr­te in über­zeu­gen­der Wei­se und mit ver­ständ­li­cher Spra­che dar­ge­legt. Dazu exis­tie­ren wert­vol­le inner­bi­bli­sche Quer­ver­wei­se und leicht anwend­ba­re Gesprächs­ent­wür­fe und Bibel­ar­bei­ten. Hilf­reich ist auch die­ses Review:

Von wem wurde die Edition C verfasst?

An der Bibel­kom­men­tar-Rei­he sind bis­her min­des­tens 16 Aus­le­ger betei­ligt, von denen Ger­hard Mai­er auch als Her­aus­ge­ber auf­tritt. Mai­er wur­de 1937 gebo­ren und ist ein deut­scher evan­ge­li­scher Theo­lo­ge pie­tis­ti­scher Prä­gung. 1980 bis 1995 war er Rek­tor des Albrecht-Ben­gel-Hau­ses und 2001 bis 2005 Lan­des­bi­schof der Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che in Württemberg.

An wen richtet sich der Edition C Bibelkommentar?

Wie auch die Wup­per­ta­ler Stu­di­en­bi­bel rich­tet sich die Edi­ti­on C an Chris­ten und Bibel-Inter­es­sier­te. Bei­de Kom­men­tar-Rei­hen erken­nen die Bibel als Got­tes Wort an, das sei­ne Leser unter­wei­sen und erleuch­ten möch­te. Auch theo­lo­gi­sche Lai­en wer­den die­ses Kom­men­tar­werk zu schät­zen wis­sen, wobei sich der prak­tisch-gemein­de­be­zo­ge­ne Inhalt eher an Fort­ge­schrit­te­ne und geist­li­che Lei­ter richtet.

Auszug 1 aus dem Matthäuskommentar der Edition C

1, 22–23: »(22) Das alles aber ist gesche­hen, damit erfüllt wür­de, was vom Herrn durch den Pro­phe­ten gespro­chen wur­de, wenn die­ser sagt: (23) Sie­he, die Jung­frau wird schwan­ger wer­den und einen Sohn gebä­ren, und man wird sei­nen Namen Imma­nu­el nen­nen – was ver­dol­metscht heißt: Mit uns ist Gott.«

»Das alles«: gemeint ist die gesam­te Fami­li­en­ge­schich­te seit Abra­ham und ins­be­son­de­re das, was V. 18–21 berich­ten. Dar­in ist auch das Leid ein­ge­schlos­sen, das Joseph und Maria zu tra­gen hat­ten. Die Wun­der der Bibel sind ja Dienst­wun­der oder Befrei­ungs­wun­der, die uns in Got­tes Dienst stel­len. Gera­de nicht in den Hoch­mut, son­dern in die Ernied­ri­gung wur­den Joseph und Maria geführt!

Was im NT geschieht, »erfüllt« das im AT Ange­kün­dig­te. Die For­mu­lie­rung: »was vom Herrn durch den Pro­phe­ten gespro­chen wur­de« ist auf­schluß­reich. In den Pro­phe­ten spricht näm­lich der »Herr« selbst. Der Pro­phet ist nur Über­mitt­ler: »durch den Pro­phe­ten«. So ist auch Jes 7, 14 von Gott »gespro­chen«. Auf die­se Wei­se wur­de die Inspi­ra­ti­on und gött­li­che Auto­ri­tät des AT aus­ge­drückt (vgl. 2. Tim 3, 16; 2. Petr 1, 19–21). Nicht die Boten, son­dern Gott steht in der Mit­te der bibli­schen Betrach­tung. Der Begriff »Jung­frau« zeigt, daß die Juden­schaft die »jun­ge Frau« von Jes 7, 14 wirk­lich im Sin­ne der Jung­fräu­lich­keit ver­stand. So über­setzt schon die grie­chi­sche Bibel des 3. Jh.s v. Chr. – also 300 Jah­re vor Mat­thä­us! – mit »Jung­frau«. Man hät­te von da aus nie sagen dür­fen, Jes 7, 14 bezie­he sich gar nicht auf eine unbe­rühr­te Frau. Aber stimmt denn »Jesus« mit dem »Imma­nu­el« von Jes 7, 14 zusam­men? Hät­te Mat­thä­us bei­de für unver­ein­bar gehal­ten, hät­te er sich auf die 1. Hälf­te von Jes 7, 14 beschränkt! Nein, Mat­thä­us sieht gera­de die Über­ein­stim­mung. Die­se »ver­dol­metscht« er. Für wen? Für grie­chi­sche Leser? Aber nach den ältes­ten Kir­chen­ge­schichts­no­ti­zen schrieb Mat­thä­us ursprüng­lich hebrä­isch. Die­ses Urteil wird auch durch die sprach­li­chen Eigen­tüm­lich­kei­ten des Evan­ge­li­ums bestä­tigt. Dar­um ver­mu­ten wir etwas ande­res: Mat­thä­us erfährt im Lich­te Got­tes, daß »Imma­nu­el« in Jes 7, 14; 8, 8, 10 nicht Eigen­na­me im stren­gen Sinn, son­dern ein sinn­bild­li­cher Name ist. Man muß auf sei­ne Bedeu­tung zurück­fra­gen: »Mit uns ist Gott.« Und genau das geschieht in der Per­son und im Werk Jesu: »Mit uns ist Gott.« Jesus ist der Imma­nu­el, auch wenn er nicht direkt »Imma­nu­el« heißt. Von da aus ergibt sich eine wei­te­re Beob­ach­tung. »Gott ist mit uns«, so, daß »Gott (Jah­we) hilft«, näm­lich von den Sün­den. Der »Imma­nu­el« ist also zugleich der »Jesus« (= Jah­we hilft)!

Auszug 2 aus dem Matthäuskommentar der Edition C

4. HEIDEN BETEN DEN NEUGEBORENEN MESSIAS AN, 2, 1–12

Die­ser Vor­gang unter­streicht zwei­er­lei: a) daß Jesus wirk­lich der Mes­si­as ist, und b) daß in ihm der Abra­hams­se­gen für alle Völ­ker in Erfül­lung geht.

2, 1–2: »(1) Als aber Jesus in den Tagen des Königs Hero­des in Beth­le­hem in Judäa gebo­ren war, sie­he, da tra­fen Magi­er aus dem Osten in Jeru­sa­lem ein, (2) die frag­ten: Wo ist der König der Juden, der eben gebo­ren wur­de? Denn wir haben im Osten sei­nen Stern gese­hen, und sind gekom­men, um ihm die Anbe­tung zu erweisen.«

»Sie­he, da tra­fen Magi­er aus dem Osten in Jeru­sa­lem ein«: »Aus dem Osten« wur­de schon gedeu­tet auf Ara­bi­en. Aber nach 4. Mose 23, 7 kommt Bileam aus dem Land am Euphrat vom »Osten«, nach Jes 2, 6 treibt man Wahr­sa­ge­rei »im Osten« = Baby­lo­ni­en, und nach Off 16, 12 gehö­ren der Euphrat und die »Köni­ge vom Auf­gang der Son­ne« = vom Osten zusam­men. So kön­nen wir »vom Osten« nur auf Baby­lo­ni­en deuten.

Die Ein­tref­fen­den sind »Magi­er«. Die Über­set­zung »Wei­se« ist falsch, erst recht die Vor­stel­lung von »den hei­li­gen drei Köni­gen«. »Magi­er« nennt man die per­si­schen oder baby­lo­ni­schen Pries­ter, die in die Stern­kunst ein­ge­weiht sind und die uralten baby­lo­ni­schen astro­lo­gi­schen Über­lie­fe­run­gen fort­set­zen. Zur Zeit Jesu hat der Name bereits den Cha­rak­ter einer gewis­sen Min­der­wer­tig­keit (vgl. Apg 8, 9; 13, 6, 8). Für die Juden stand der, der nicht dem Gesetz Got­tes folg­te, unter der Herr­schaft der Gestir­ne. And­rer­seits dran­gen die Astro­lo­gen bis zur Stel­lung des kai­ser­li­chen Bera­ters vor (vgl. den Magi­er Ely­mas als Ver­trau­ten des römi­schen Statt­hal­ters in Zypern Apg 13, 6, 8). Was nach Mat­th 2, 1ff. geschieht, ist ganz unge­wöhn­lich und hät­te nie erfun­den wer­den können.

Ihre Fra­ge: »Wo ist der König der Juden, der eben gebo­ren wur­de?« muß wie ein Blitz in die dama­li­ge Atmo­sphä­re Jeru­sa­lems hin­ein­ge­fah­ren sein. Gera­de im Jah­re 7, dem Jahr der Stern­stel­lung, hat­te Hero­des ja Alex­an­der und Aris­to­bul, sei­ne Söh­ne, deren Nach­fol­ge er fürch­te­te, hin­rich­ten las­sen. Seit 13 v. Chr. schweb­ten die Gewit­ter­wol­ken über dem Haus des Hero­des. Da muß­te der miß­traui­sche und macht­ver­ses­se­ne König aufs äußers­te bestürzt werden.

Ihre Begrün­dung lau­tet: »Denn wir haben im Osten sei­nen Stern gese­hen, und sind gekom­men, um ihm die Anbe­tung zu erwei­sen.« So sicher waren sich die­se Magi­er, daß sie nur noch frag­ten: »Wo ist der König?« Wenn wir in unse­rem Glau­ben auch nur so fel­sen­fest wären! And­rer­seits zeigt sich hier, daß die inne­re Gewiß­heit allein kein aus­rei­chen­des Fun­da­ment bie­tet. Denn es gibt eben Über­zeu­gun­gen, die gegen Gott gerich­tet sind, auch wenn sie uner­schüt­ter­lich daste­hen. Auch der Aber­glau­be hat sei­ne Mär­ty­rer. Aber das eine bleibt: Gott hat den Aber­glau­ben die­ser Leu­te benützt, um sie zu Chris­tus zu füh­ren. So kann auch heu­te noch aus einem fal­schen oder gar aus Aber­glau­ben eine rich­ti­ge Anbe­tung erwach­sen, wenn man sich von Gott füh­ren läßt. Gott kann über­all anknüp­fen. Immer­hin haben die­se Leu­te eine lan­ge, anstren­gen­de Rei­se auf sich genom­men! Luthers Wort ist beden­kens­wert, daß Gott auch den Hei­den Zei­chen gibt, um Got­tes­furcht zu erwe­cken. Die Heils­ge­wiß­heit gibt jedoch Sein Wort allein.

Wo finde ich den Edition C Bibelkommentar?

Eine Mög­lich­keit ist, sich die Bücher über einen her­kömm­li­chen Bücher­shop in phy­si­scher Form zu kau­fen. Alter­na­tiv kön­nen Sie die Rei­he auch in Logos Bibel­soft­ware erwer­ben. Sie wird am 23.12.22 erschei­nen. In Logos Bibel­soft­ware besteht der Vor­teil, dass Sie in Sekun­den­schnel­le die gesuch­ten The­men fin­den und auch die Bibel­stel­len direkt ver­knüpft sind. Sie kön­nen die Kom­men­tar­rei­he oder Titel ein­zeln erwer­ben oder ab Logos 10 Bron­ze (Deutsch) in einem Paket mit Funk­tio­nen und ande­ren Titeln erwer­ben und dabei bis zu 90 % spa­ren.

Christian Weidtke

Über den Autor

Christian ist verantwortlich für den deutschen Logos-Blog und bringt seine Kenntnisse als Online-Unternehmer und Theologe ein. Seine Frau und er wohnen mit ihren zwei Hunden an der bulgarischen Schwarzmeerküste und dienen dort in einer kleinen Gemeinde von multilingualen Christen.

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  1. Hal­lo, ich benut­ze ger­ne den Kom­men­tar Edi­ti­on C. Er befin­det sich auch in mei­nem Paket, das ich bei Logos gekauft habe. Doch lei­der kann ich die Apos­tel­ge­schich­te nicht fin­den. Kann es sein, dass ich da etwas über­se­he? Oder ist er bei Logos nicht vorhanden?
    Ich wäre für eine kur­ze Ant­wort Ihnen dankbar!

    Diet­rich

    1. Hal­lo Dietrich
      sehr auf­merk­sam. Tat­säch­lich ist die Aus­lie­fe­rung des NT erst am 23.12. Das steht zwar auf der Pro­dukt­sei­te für die­je­ni­gen, die Edi­ti­on C noch nicht haben, wird aber für alle ande­ren nicht ersicht­lich. Ich ergän­ze die Infor­ma­ti­on und wün­sche eine schö­ne Weihnachtszeit.

  2. Hal­lo lie­bes Logos Team,
    ich freue mich das Ihr neben der Wup­per­ta­ler Stu­di­en Bibel auch Edi­ti­on C in Logos auf­nehmt und ich wür­de mich ger­ne etwas genau­er mit der Edi­ti­on C beschäf­ti­gen habe aber fest­ge­stellt das z.B. die Mose Bücher und etli­che ande­re AT Kom­men­ta­re noch nicht vor­han­den sind. Gibt es schon einen Ter­min wann die Edi­ti­on kom­plett ist oder gibt es Bücher die Ihr nicht ver­öf­fent­li­chen wer­det /​dürft?

    Jörg

    1. Hal­lo lie­ber Jörg
      Die Edi­ti­on C Kom­men­ta­re decken noch nicht das gan­ze AT ab. Für wei­te­re Ver­öf­fent­li­chun­gen ist der SCM-Ver­lag Ansprech­part­ner. Bis­her ist 2. Mose vor­be­stell­bar und soll Ende Janu­ar 2023 erschei­nen. Wir sind bestrebt, die gan­ze Rei­he auch für Logos ver­füg­bar zu machen, doch wir kön­nen natür­lich erst pro­du­zie­ren, wenn wir die Daten haben.
      Ein geseg­ne­tes neu­es Jahr!
      Chris

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