Kirchengeschichte – Ein Lexikon

Von Joshua Ganz

Vor 9 Monaten

Die Suche nach einer kom­pak­ten Über­sicht eines spe­zi­fi­schen Ereig­nis­ses aus den letz­ten 2000 Jah­ren Kir­chen­ge­schich­te kann ganz schön anstren­gend und lang wer­den. Wie die­ser Satz. Damit ist nun Schluss. Das Lexi­kon der Kir­chen­ge­schich­te, kurz LdK, schafft die­ser lan­gen Suche eine intel­li­gen­te Abhil­fe. War­um die­ses Werk zur Geschich­te des Chris­ten­tums im All­tag hilf­reich ist und dar­über hin­aus sogar hori­zont­er­wei­ternd sein kann, erfah­ren Sie in den nächs­ten sechs Minuten.

Eine ausführliche Rezension zu einem kompakten Lexikon

Das Nach­schla­ge­werk bie­tet als Kom­pakt­aus­ga­be die wich­tigs­ten Arti­kel des renom­mier­ten, elf-bän­di­gen Lexi­kons für Theo­lo­gie und Kir­che (LThK). Ja, Sie haben rich­tig gele­sen. Ein Lexi­kon aus einem Lexi­kon. Die­ses zwei­bän­di­ge Lexi­kon setzt somit die lose Rei­he LThK kom­pakt vom Her­der-Ver­lag fort. Der Inhalt die­ser zwei Bän­de redu­ziert sich bewusst auf die wich­tigs­ten The­men und Orte der Geschich­te des Chris­ten­tums. Ereig­nis­se wie die Auf­klä­rung oder die Kon­stan­ti­ni­sche Wen­de wer­den dar­in detail­liert behandelt.

Doch jetzt fra­gen Sie viel­leicht zurecht: Wozu ein Lexi­kon aus einem Lexikon?

Das riesige Lexikon für Theologie und Kirche (LThK)

Die Über­ar­bei­tung des Lexi­kons begann 1993 und wur­de 2001 abge­schlos­sen. Damit ist die drit­te Auf­la­ge erschie­nen. Die 8.292 Sei­ten der Gesamt­aus­ga­be sind ent­spre­chend umfang­reich. Der Ver­lag Her­der beschloss dar­um, eini­ge Kom­pakt­aus­ga­ben aus dem gro­ßen Lexi­kon zu erstel­len. Die­se Kom­pakt­aus­ga­ben geben einen intel­li­gen­ten und kur­zen Über­blick über die geziel­te The­ma­tik. Bereits erschie­nen sind bei­spiels­wei­se ein Lexi­kon der Päps­te und des Papst­tums oder ein Lexi­kon der christ­li­chen Ethik. Nebst der Aus­ga­be Kir­chen­ge­schich­te fin­det sich im deut­schen Shop das Lexi­kon der Refor­ma­ti­ons­zeit.

Kirchengeschichte, was ist das?

Der Apos­tel Pau­lus schreibt den Chris­ten in Ephesus:

Denn was wir sind, ist Got­tes Werk; er hat uns durch Jesus Chris­tus dazu geschaf­fen, das zu tun, was gut und rich­tig ist. Gott hat alles, was wir tun sol­len, vor­be­rei­tet; an uns ist es nun, das Vor­be­rei­te­te aus­zu­füh­ren.“ (Eph 2,10 – NGÜ).

Kir­chen­ge­schich­te ist, in einem ers­ten Sin­ne, die Refle­xi­on auf die­se aus­ge­führ­ten Vor­be­rei­tun­gen. Die Kir­chen­ge­schich­te beschäf­tigt sich somit mit den Ereig­nis­sen der Kir­che seit der Wir­kungs­zeit von Jesus. Inhalt­lich genau­er defi­niert Dr. Bru­no Stei­mer im Vor­wort den Begriff der Kirchengeschichte:

Kir­chen­ge­schich­te reflek­tiert das his­to­ri­sche Wer­den und die Ent­wick­lung der Kir­che Jesu Chris­ti im zeit­li­chen und räum­li­chen Kon­text. Um die Kir­che in ihrer heu­ti­gen Gestalt zu ver­ste­hen und sich ein Urteil zu bil­den, benö­tigt man Kennt­nis­se über Kon­ti­nui­tät, Kom­ple­xi­tät und Rela­ti­vi­tät kir­chen­ge­schicht­li­cher Ent­wick­lun­gen” (Stei­mer, LdK, S. 7).“

Die­se Defi­ni­ti­on nennt bereits Aspek­te, wes­halb wir uns mit Kir­chen­ge­schich­te beschäf­ti­gen dür­fen. Um den aktu­el­len Zustand der heu­ti­gen Kir­che ver­ste­hen zu kön­nen, ist ein Wis­sen der Geschich­te unab­ding­bar. Die Kir­chen­ge­schich­te zeigt viel­leicht nicht, wo wir gera­de ste­hen. Sie zeigt uns aber, wie und war­um wir dahin gekom­men sind.

Den Nutzen eines Lexikons im Alltag ausschöpfen

So weit, so gut. Die Geschich­te zu stu­die­ren, ergibt also durch­aus Sinn. Wie­so soll­te man sich jedoch noch­mals eine Mono­gra­fie dazu anle­gen? Die­se Fra­ge habe ich mir zu Beginn gestellt. Das Lexi­kon bie­tet aber Funk­tio­nen, wel­ches ein nor­ma­les Geschichts­buch zur Geschich­te des Chris­ten­tums nicht bie­ten kann. Zuge­ge­ben, ein Nach­schla­ge­werk von A bis Z ist nicht die gän­gi­ge Art, Geschich­te zu stu­die­ren. Im Wes­ten sind wir eher an eine chro­no­lo­gi­sche Zeit­ab­fol­ge gewöhnt und weni­ger eine alpha­be­ti­sche Zuordnung.

Doch genau die­se alpha­be­ti­sche Stich­wort­ab­fol­ge ist einer der Vor­tei­le die­ses Werks. Was wur­de genau beim Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil bespro­chen? Was hat es mit der Renais­sance auf sich? Sol­che Fra­gen beant­wor­ten Sie sich mit die­sem Lexi­kon ganz schnell. Im ers­ten Fall sprin­gen sie ein­fach im Inhalts­ver­zeich­nis zum Buch­sta­ben V für Vati­kan und wer­den fün­dig. Im zwei­ten Fall wie­der­um zum Buch­sta­be R für Renaissance.

Intelligente und kompakte Wiedergabe der Kirchengeschichte

In sol­che Stichwörter/​Artikel ist das Lexi­kon von A bis Z geglie­dert. Dabei lie­fern die Autoren/​Autorinnen unge­fähr zu 340 Wör­tern ver­läss­li­che, his­to­ri­sche Grund­in­for­ma­tio­nen. Die­se Arti­kel tei­len sich in fol­gen­de Grup­pen auf:

  • Arti­kel mit Ereig­nis­cha­rak­ter (Bei­spiel: Kon­stan­ti­ni­sche Wen­de)
  • Län­der­ar­ti­kel zu den kir­chen­his­to­risch inter­es­san­ten Natio­nen (Bei­spiel: Äthio­pi­en)
  • Sys­te­ma­ti­sche Arti­kel (Bei­spiel: Reich).

So ergibt die Drei­tei­lung der Arti­kel eine gesamt­haft sinn­vol­le Dar­stel­lung der Kir­chen­ge­schich­te. Wäh­rend das gro­ße Lexi­kon (LThK) nam­haf­te 8.292 Sei­ten umfasst, kommt die­se the­ma­tisch ein­ge­schränk­te Ver­si­on mit 900 Sei­ten aus. Ver­gleicht man die Arti­kel im gro­ßen Lexi­kon mit den hier vor­ge­stell­ten, fin­det man kaum Unterschiede.

Es gibt jedoch Punk­te, die sich in die­ser kom­pak­ten Aus­ga­be, gera­de durch die Hil­fe von Logos, ver­bes­sert haben. Denn Bücher, die Sie in Logos kau­fen, sind weit mehr als her­kömm­li­che E‑Books. Logos-Res­sour­cen sind mit Zusatz­in­for­ma­tio­nen und inter­nen Ver­knüp­fun­gen ange­rei­chert, mit denen Sie schnel­ler, genau­er und ein­fa­cher fin­den, was Sie suchen. 

Neuerungen der kompakten Ausgabe

Für die­se 2001 erschie­ne­ne Kom­pakt­aus­ga­be sind Lite­ra­tur­ab­ga­ben aktua­li­siert und ver­al­te­te Abkür­zun­gen und Schreib­wei­sen ange­passt wor­den. Zudem wur­den rele­van­te Arti­kel wie „Refor­ma­ti­on“ und „Zwing­lia­nis­mus“ hin­zu­ge­fügt oder signi­fi­kant erwei­tert. Wäh­rend in der drit­ten Auf­la­ge des elf-bän­di­gen Lexi­kons dem Arti­kel Refor­ma­ti­on ledig­lich 5 Sei­ten zuge­schrie­ben wer­den, streckt sich der Arti­kel in die­sem Lexi­kon über 20 Sei­ten! Grund für die dama­li­ge Unter­be­lich­tung der pro­tes­tan­ti­schen Geschich­te ist die römisch-katho­li­sche Aus­rich­tung des Lexi­kons, was uns zur Hori­zont­er­wei­te­rung führt.

Horizonterweiterung

Das Lexi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che (LThK) ist römisch-katho­lisch begrün­det und auch so aus­ge­rich­tet. Im Vor­wort des elf-bän­di­gen Lexi­kons erklärt Wal­ter Kas­per: „Aus­gangs­punkt und Rah­men der Neu­aus­ga­be [gemeint ist die drit­te Auf­la­ge] ist die kirch­li­che Leh­re, wie sie sich im Zwei­ten Vati­ka­num dar­stellt.“ (Kas­per, LThK, S. 5). Die theo­lo­gi­sche Aus­rich­tung ist also durch­weg römisch-katho­lisch. Jedoch bemü­hen sich die Begrün­der des genann­ten Lexi­kons auch „um Wis­sen­schaft­lich­keit und somit auch um Objek­ti­vi­tät und Fair­ness in der Dar­stel­lung der unter­schied­li­chen Posi­tio­nen.“ (Kas­per, LThK, S. 6).

Die­se prak­ti­sche Offen­heit und die­se öku­me­ni­sche Wei­te wird beson­ders für die lose Rei­he LThK kom­pakt gel­ten. Durch ihre kla­re Aus­wahl und Redu­zie­rung der Arti­kel soll das Lexi­kon schließ­lich eine brei­te Leser­schaft fin­den. Die­se brei­te Leser­schaft soll und darf auch aus ande­ren Kon­fes­sio­nen stam­men. Falls Sie also aus einer ande­ren Kon­fes­si­on ent­sprin­gen, wur­de für Sie mit­ge­dacht. Die theo­lo­gisch-kri­ti­schen Arti­kel wie zum Bei­spiel die Refor­ma­ti­on oder der Ablass wer­den sehr sach­lich dar­ge­stellt. Impli­zi­te theo­lo­gi­sche Stand­punk­te sucht man ver­geb­lich. Beim Lesen die­ser Arti­kel merkt man um das Rin­gen des jewei­li­gen Autors, ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen mög­lichst gerecht zu wer­den! Des­halb schafft die öku­me­ni­sche Wei­te letzt­lich eine Nähe zu ande­ren Denk­tra­di­tio­nen, die ich jedem Leser wünsche.

Wo heu­te nach wie vor eine Span­nung zwi­schen ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen fest­zu­stel­len ist, wer­den die­se Stand­punk­te objek­tiv dar­ge­stellt. Sie glau­ben mir nicht? Es gibt nur einen Weg, dies herauszufinden!

Fazit dieses Lexikons für Kirchengeschichte

Das Lexi­kon hat mich auf alle Fäl­le fas­zi­niert. Dies trotz und viel­leicht ja auch gera­de auf­grund mei­nes pro­tes­tan­ti­schen Hin­ter­grun­des. Gespannt las ich den Arti­kel über Refor­ma­ti­on und lern­te eini­ges dazu!

Lexikon der Kirchengeschichte (Lexikon für Theologie und Kirche – kompakt)

Top

Jeder Arti­kel endet mit Quel­len- und Lite­ra­tur­an­ga­ben, um sich bei Bedarf zu ver­tie­fen. Beson­ders hilf­reich emp­fin­de ich die knap­pe, aber hilf­rei­che Zeit­ta­fel am Schluss des Ban­des (Stei­mer, LdK, S. 1787). In zwei Spal­ten wird jeweils die Pro­fan- und die Kir­chen­ge­schich­te über­sicht­lich dar­ge­stellt, mit den wich­tigs­ten Ereig­nis­sen. So wird Kir­chen­ge­schich­te mit dem vor­han­de­nen Wis­sen der Welt­ge­schich­te schnell und sinn­voll verknüpft.

Flop

Etwas scha­de emp­fand ich das Feh­len von Kar­ten­ma­te­ri­al. Kir­chen­ge­schich­te ist bekannt­lich nicht nur Zeit‑, son­dern auch Orts­ge­schich­te. Dem­nach wäre eine Aus­wahl an Kar­ten des römisch-hel­le­nis­ti­schen Umfelds, West­eu­ro­pa und wei­te­ren Gebie­ten von Vor­teil. Als Buch in Logos lässt sich auch die­se Unter­ge­wich­tung schnell behe­ben: Bereits im kos­ten­lo­sen Basis-Paket ist ein illus­trier­tes Bibel­le­xi­kon vor­han­den. Dar­über hin­aus bie­tet Logos mit dem ein­zig­ar­ti­gen Atlas eine gro­ße Samm­lung von regio­na­len, his­to­ri­schen und ereig­nis­ba­sier­ten Landkarten.

Atlas Bibelstudium visuell

Das war das Lexi­kon für Kir­chen­ge­schich­te. Ich hof­fe, mit die­sem Bei­trag den Nut­zen die­ses Lexi­kons gezeigt zu haben. Das Lexi­kon für Kir­chen­ge­schich­te ist ab dem Paket Logos 1o Sil­ber (aka­de­misch) und ab Logos 10 Sil­ber ent­hal­ten. Natür­lich kann man es auch ohne ein Paket kaufen.


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Joshua Ganz

Über den Autor

Joshua ist seit seinem Bachelor in Theology als Jugendpastor in der Nordostschweiz tätig. In der Schweizer Armee dient er als Armeeseelsorger. Er liebt Theologie, sein Rennrad und Kaffee. Am liebsten alles miteinander, oder zumindest nacheinander ;)

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