9 verschiedene Möglichkeiten das Kreuz zu verstehen

Von Manuel Becker

Kreuztheologie, Sühnetheorien
Vor 7 Monaten

Umstrit­ten! Wie genau ist der Tod Jesu am Kreuz zu ver­ste­hen? Ver­schaf­fen Sie sich in 20 Min. einen Über­blick über die aktu­el­le Dis­kus­si­on und ent­de­cken Sie neun unter­schied­li­che Deu­tungs­an­sät­ze des Kreu­zes. Wer weiß, viel­leicht ent­de­cken Sie ja selbst dabei einen neu­en Aspekt des Kreu­zes, der Sie zum Stau­nen bringt, über das, was Jesus für Sie getan hat. 

Das Kreuz

Das Kreuz–ein Sym­bol von Schmerz, Lei­den und Erlö­sung, das seit Jahr­hun­der­ten die Mensch­heit fas­zi­niert. Die Kreu­zi­gung (und die damit ver­bun­de­ne Auf­er­ste­hung) Jesu Chris­ti gilt als der zen­tra­le Punkt in der christ­li­chen Geschich­te und hat unzäh­li­ge Debat­ten, Inter­pre­ta­tio­nen und theo­lo­gi­sche Dis­kus­sio­nen her­vor­ge­ru­fen. Schon Pau­lus hat fest­ge­stellt, dass die Bot­schaft vom Kreuz für vie­le wie Tor­heit wirkt (1 Kor 1,18).

Meine Reise mit dem Kreuz

In der evan­ge­li­ka­len Gemein­de, in der ich auf­ge­wach­sen bin, wur­de mir schon als klei­ner Stöp­sel erklärt, wie das Kreuz zu ver­ste­hen ist:

Gott ist hei­lig und wir als Men­schen sind Sün­der. Durch unse­re Sün­den sind wir von Gott getrennt und Got­tes Gerech­tig­keit ver­langt, dass er uns für unse­re Sün­den bestraft. Jedoch aus Lie­be zu uns sand­te Gott Jesus in die Welt, um die Stra­fe für unse­re Sün­den stell­ver­tre­tend auf sich zu neh­men. Am Kreuz trug Jesus die Bestra­fung, die wir ver­dient hät­ten, und ermög­lich­te so unse­re Ver­söh­nung mit Gott. Das Kreuz wird somit als der Ort betrach­tet, an dem Jesus stell­ver­tre­tend für uns die gerech­te Stra­fe für unse­re Sün­den auf sich genom­men hat.

Die­ses Ver­ständ­nis des Kreu­zes wur­de so tief in mich hin­ein­ge­legt, dass ich den Groß­teil mei­nes Lebens dach­te, es sei der ein­zi­ge Weg das Kreuz zu ver­ste­hen. Als Mis­sio­nar unter Bud­dhis­ten muss­te ich aller­dings fest­stel­len, dass die­se Ver­si­on der Evan­ge­li­ums­bot­schaft reich­lich unin­ter­es­sant für mei­ne Ziel­grup­pe ist, weil die meis­ten Thai­län­der eine sehr ande­re Welt­an­schau­ung haben als Leu­te aus dem Westen.

So fing ich an Bücher zu lesen, um zu ler­nen, wie ich das Evan­ge­li­um so ver­kün­den kann, dass es Sinn ergibt und rele­vant ist für mei­ne Ziel­grup­pe. Dabei wur­de mir klar, dass mein Ver­ständ­nis des Kreu­zes nur einer von vie­len Ver­su­chen ist, das Kreuz zu ver­ste­hen und es in theo­lo­gi­schen Krei­sen tat­säch­lich unzäh­li­ge Dis­kus­sio­nen gibt, wie genau das Kreuz zu ver­ste­hen ist. Je mehr ich das The­ma stu­dier­te, des­to mehr wur­de mir klar, dass es alles gar nicht so ein­fach und so schwarz-weiß ist, wie ich es mir immer gedacht habe. Alle Par­tei­en bezie­hen sich auf die Bibel und haben gute Argumente.

Die Reise die vor uns liegt

In die­sem Blog­ar­ti­kel bege­ben wir uns auf eine Rei­se durch die Jahr­hun­der­te, um die ver­schie­de­nen Blick­win­kel und Denk­an­sät­ze zu erfor­schen, die sich um den Tod Jesu am Kreuz ran­ken. Von den frü­hen Kir­chen­vä­tern bis hin zu moder­nen Theo­lo­gen haben sich Men­schen mit die­ser tief­grün­di­gen Fra­ge aus­ein­an­der­ge­setzt und unter­schied­li­che Ant­wor­ten gefun­den. Ich wer­de neun ver­schie­de­ne Deu­tungs­an­sät­ze vor­stel­len und ver­su­chen stich­punkt­ar­tig zu skiz­zie­ren, wie­so der jewei­li­ge Vor­schlag Sinn ergibt und was kri­tisch zu sehen ist.

Ein sol­ches Pro­jekt könn­te natür­lich ganz ein­fach vie­le dicke Bücher fül­len. Was ich im Rah­men die­ses Blogs machen kann, ist natür­lich stark ver­ein­facht und kein umfas­sen­des Stu­di­um des The­mas, son­dern viel­mehr eine Ein­la­dung einen Über­blick zu gewin­nen und dann selbst tie­fer das The­ma zu studieren.

Ich lade Sie ein, Ihre eige­nen Über­zeu­gun­gen zu hin­ter­fra­gen, wäh­rend wir die viel­fäl­ti­gen Facet­ten des Kreu­zes erkun­den. Möge die­se Rei­se uns hel­fen, das Ver­ständ­nis für ver­schie­de­ne Stand­punk­te zu för­dern. Las­sen Sie uns gemein­sam ein­tau­chen in die fas­zi­nie­ren­de Welt der theo­lo­gi­schen Refle­xi­on und die Mög­lich­kei­ten ent­de­cken, wie das Kreuz ver­stan­den wer­den kann.

Grundriss der Dogmatik

Logos hat unzäh­li­ge Bücher zu die­sem The­ma im Ange­bot. Ich möch­te mich für die­sen Blog an einer Res­sour­ce ori­en­tie­ren, die ich wirk­lich klas­se fin­de: Grund­riss der Dog­ma­tik. Der „Grund­riss der Dog­ma­tik“ wur­de von Lex­ham Press ver­öf­fent­licht, die man­che Res­sour­cen ganz spe­zi­ell für die Logos Bibel Soft­ware ent­wi­ckeln. Der „Grund­riss der Dog­ma­tik“ bie­tet einen exzel­len­ten und gut nach­voll­zieh­ba­ren Über­blick über die christ­li­che Dog­ma­tik und Sys­te­ma­ti­sche Theologie.

Drei Merk­ma­le cha­rak­te­ri­sie­ren die­ses Werk:

1. Der „Grund­riss der Dog­ma­tik“ orga­ni­siert alle bedeu­ten­den The­men der Dog­ma­tik in einer Hier­ar­chie, die ihre Bezü­ge zuein­an­der abzu­bil­den versucht.

2. Jedes theo­lo­gi­sche The­ma wird kom­pakt, aber trotz­dem nicht zu knapp zusam­men­ge­fasst. Die­se Ein­füh­rung erfolgt aus wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve und ver­sucht alle Posi­tio­nen objek­tiv, wohl­wol­lend und mit Respekt zu behandeln.

3. Der „Grund­riss der Dog­ma­tik“ ent­hält direk­te Ver­knüp­fun­gen mit vie­len sys­te­ma­tisch-theo­lo­gi­schen Wer­ken. Er dient damit als dyna­mi­scher Index für eine Recher­che, was diver­se Theo­lo­gen zu einem bestimm­ten The­ma zu sagen haben. Dank Logos haben Sie dann mit einem Klick direk­ten Zugriff auf wei­ter­füh­ren­de Lite­ra­tur in Ihrer Logos-Bibliothek.

Neun Möglichkeiten das Kreuz zu verstehen

Der „Grund­riss der Dog­ma­tik“ nennt unter der Über­schrift „Süh­ne­theo­rien“ neun ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, das Kreuz zu interpretieren.

1) Die Lösegeldtheorie.

Die­ser Sicht­wei­se nach ist die Süh­ne als eine Bezah­lung zu sehen, die von Gott an Satan gezahlt wur­de, da Satan die Mensch­heit in der Gefan­gen­schaft von Sün­de und Tod gefan­gen hielt. Orig­e­nes argu­men­tier­te im Beson­de­ren dafür, dass das Kreuz eine Löse­geld­zah­lung war, die den glei­chen Wert hat wie die Höhe der Schuld, die durch die mensch­li­chen Sün­den ver­ur­sacht wur­de und sich seit Adams Erb­sün­de ange­häuft hat. Am Kreuz, der Bezah­lung Chris­ti durch sei­nen Tod, war der Teu­fel dazu gezwun­gen, den Men­schen aus sei­ner Gefan­gen­schaft frei­zu­las­sen. (Oli­vero 2018)

Argu­men­te für die Lösegeldtheorie:

  • Das viel­leicht wich­tigs­te Argu­ment ist, dass Jesus selbst in Mar­kus 10,45 (vgl. Mt 20,28; 1 Tim 2,6; 1 Petr 1,18) sein Opfer als ein Löse­geld für vie­le beschreibt.
  • Die­se Sicht fin­det sich bei vie­len pro­mi­nen­ten Kir­chen­vä­tern wie Gre­go­ri­us von Nazi­an­zus und Origenes.

Argu­men­te gegen die Lösegeldtheorie:

  • Die­ser Ansatz geht nicht auf den Aspekt der „Ver­ge­bung der Sün­den“ ein, der in vie­len Bibel­ver­sen betont wird.
  • Die Löse­geld­theo­rie, die auf der Idee beruht, dass Gott den Teu­fel mit einem Löse­geld bezah­len muss­te, könn­te zu einer dua­lis­ti­schen Vor­stel­lung von Gott und dem Teu­fel füh­ren. Dies könn­te zu der Annah­me füh­ren, dass der Teu­fel eine gleich­wer­ti­ge Macht wie Gott ist, was nicht mit der tra­di­tio­nel­len christ­li­chen Leh­re von der All­macht Got­tes übereinstimmt.
  • Vie­le tun sich heu­te schwer mit der Vor­stel­lung der Exis­tenz eines Teu­fels und ver­ste­hen den Teu­fel nicht als eine real exis­tie­ren­de Per­son, son­dern als ein Bild für Cha­os und Sünde.

2) Die Satisfaktionslehre.

Die­se Sicht der Süh­ne, die auch manch­mal der „latei­ni­sche Typus“ genannt wird, wur­de haupt­säch­lich von Anselm von Can­ter­bu­ry in sei­ner Schrift Cur Deus Homo (War­um Gott Mensch wur­de) ent­wi­ckelt. Die­se Sicht stellt Got­tes Gerech­tig­keit oder Ehre gegen die immense Schuld der mensch­li­chen Sün­de. Die Satis­fak­ti­ons­leh­re war eine Reak­ti­on auf die Löse­geld­theo­rie. Anselm argu­men­tier­te, dass der Mensch sich durch die Sün­de nicht gegen­über dem Satan, son­dern gegen­über Gott ver­schul­de­te. (Oli­vero 2018)

Im Mit­tel­al­ter muss­ten die Unter­ta­nen ihre Her­ren ehren, weil sie sonst die Ehre ihres Her­ren beschmutz­ten. Wer die­ser Pflicht nicht nach­kam, wur­de bestraft. Durch unse­ren sün­di­gen Lebens­stil, haben wir Men­schen Gott, unse­ren Schöp­fer, ent­wür­digt und ent­ehrt. Da nur ein sünd­lo­ser Mensch Gott ange­mes­sen die Ehre geben kann, über­nahm Jesus stell­ver­tre­tend für die gesam­te Mensch­heit die­se Rol­le, indem er ein Leben des Gehor­sams leb­te und Gott dadurch ehrte.

Anselms (1033–1109) Satis­fak­ti­ons­theo­rie bil­de­te die Grund­la­ge, auf der die Refor­ma­to­ren spä­ter die Idee der stell­ver­tre­ten­den Süh­ne (sie­he Theo­rie 4) ent­wi­ckel­ten. Den­noch gibt es wesent­li­che Unter­schie­de zwi­schen Anselm und den Refor­ma­to­ren. Vor allem unter­schied Anselm zwi­schen Satis­fak­ti­on und Stra­fe. Wäh­rend bei der stell­ver­tre­ten­den Süh­ne die Stra­fe als Mit­tel zur Befrie­di­gung der Gerech­tig­keit ange­se­hen wird, betrach­tet Anselm die Satis­fak­ti­on als Alter­na­ti­ve zur Stra­fe. Die Satis­fak­ti­on dient dazu, die Ehre Got­tes wie­der­her­zu­stel­len, sodass die Stra­fe abge­wen­det wer­den kann. Jesus klär­te sozu­sa­gen das Pro­blem, bevor es über­haupt zur Stra­fe kom­men musste.

Die Idee, dass Jesus den Zorn Got­tes auf sich nahm und die Stra­fe erlitt, die wir ver­die­nen, wäre von Anselm nicht befür­wor­tet wor­den, wie es von den Refor­ma­to­ren pos­tu­liert wur­de. Anselm betont, dass jeder, der einen Unschul­di­gen bestraft, um die Schuld ande­rer zu til­gen, selbst ver­dammt wer­den soll­te (Cur Deus Homo, Kapi­tel 8). In Anselms feu­da­ler Gedan­ken­welt war es Got­tes Ehre, die durch stell­ver­tre­ten­den Gehor­sam befrie­digt wer­den muss­te, nicht Got­tes Gerech­tig­keit durch stell­ver­tre­ten­de Strafe.

Wer die­se Gott gebüh­ren­de Ehre nicht erweist, beraubt Gott sei­ner eige­nen und ent­ehrt ihn; und das ist Sün­de. Und solan­ge er nicht zurück­gibt, was er weg­ge­nom­men hat, bleibt er schul­dig; und es genügt nicht, nur das wie­der­zu­ge­ben, was weg­ge­nom­men wur­de, son­dern er muss in Anbe­tracht der ange­bo­te­nen Ver­ach­tung mehr zurück­ge­ben, als er weg­ge­nom­men hat. (Cur Deus Homo, Kapi­tel 11)

Argu­men­te für die Satisfaktionslehre:

  • ver­tritt nicht die Idee, dass Gott einen Unschul­di­gen bestraft
  • weit­ver­brei­te­tes Ver­ständ­nis vom Kreuz vom Mit­tel­al­ter bis zu den Reformatoren
  • passt gut für Men­schen mit einem Ehre-Schande-Weltbild

Argu­men­te gegen die Satisfaktionslehre:

  • Die Satis­fak­ti­ons­leh­re beruht auf mensch­li­chen Geset­zen und kul­tu­rel­len Auf­fas­sun­gen dar­über, was rich­tig ist und „sein muss“, und pro­ji­ziert die­se dann auf Gott. Die Idee, dass Got­tes Ehre durch unse­re Sün­de ent­wür­digt wur­de, ist fest ver­wur­zelt in der Zeit von Anselm, aber heu­te schwer nach­voll­zieh­bar. Damit beruht die gesam­te Theo­rie mehr auf kul­tu­rel­len Ideen der Zeit von Anselm als auf bibli­schen Ideen.
  • Man­gel an bestä­ti­gen­den Bibelstellen

3) Christus Victor.

Die­se Sicht auf die Süh­ne argu­men­tiert – in den Wor­ten ihres wich­tigs­ten Ver­tre­ters, Gus­tav Aulén – dass „das Werk Chris­ti zuerst und am meis­ten ein Sieg über die Mäch­te war, die die Mensch­heit in Gefan­gen­schaft gehal­ten haben: Sün­de, Tod und der Teu­fel.“ (Chris­tus Vic­tor, p. 20). (…) Anstel­le einer Zah­lung an den Satan oder an Gott wird der Tod Chris­ti als eine Erobe­rung in einem kos­mi­schen Kon­flikt gese­hen. (Oli­vero 2018)

Argu­men­te für Chris­tus Victor:

  • Die Chris­tus-Vic­tor-Ansicht des Süh­ne­op­fers war über tau­send Jah­re lang die vor­herr­schen­de Ansicht in der Kir­che. (Boyd & Rho­des 2022:125)
  • Die­ses Ver­ständ­nis zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel und ver­eint The­men des AT und NT.
  • Die Chris­tus-Vic­tor-Sicht­wei­se des Süh­ne­op­fers bringt eine sys­te­ma­ti­sche Ein­heit in das Leben, die Leh­ren und das Wir­ken Jesu, wäh­rend die ande­ren Sicht­wei­sen dies nicht tun. (:125)
  • Es gibt vie­le zen­tra­le Bibel­stel­len, die auf die­ses Ver­ständ­nis hin­wei­sen (Gen 3,15; Lk 11,20; Apg 10,38; Eph 1,21; Kol 2,15; Hebr 2,14; 1 Joh 3,8).

Argu­men­te gegen Chris­tus Victor:

  • Die­se Sicht­wei­se gibt Satan viel Macht. Muss der all­mäch­ti­ge, sou­ve­rä­ne Gott des Uni­ver­sums zu solch extre­men Maß­nah­men grei­fen muss, um sei­nen Erz­feind zu besiegen?
  • Die­se Sicht­wei­se wird nicht den vie­len Ver­sen, die von der „Ver­ge­bung der Sün­de“ spre­chen, gerecht.

In einem zwei­ten Arti­kel wer­de ich das Chris­tus-Vic­tor-Motiv noch ein­mal detail­lier­ter beleuchten.

4) Die stellvertretende Sühne.

Die­se Sicht wird häu­fig mit den maß­geb­li­chen Refor­ma­to­ren Mar­tin Luther und Johan­nes Cal­vin ver­bun­den. Eini­ge Stu­di­en haben gezeigt, dass die Schlüs­sel­ele­men­te der stell­ver­tre­ten­den Süh­ne­leh­re eben­falls in den Anfän­gen der Kir­chen­ge­schich­te zu fin­den waren. Das Wort „Stra­fe“ bezieht sich auf die gött­li­che Stra­fe, die am Kreuz ver­ord­net wur­de. Die­se Stra­fe ist mehr als eine Bezah­lung für die Sün­de an Gott (wobei sie auch das ist); sie ist eben­falls der Ort, an dem Gott sei­nen Zorn gegen die mensch­li­che Sün­de ent­la­den hat. Gott kann Rich­ter und Recht­fer­ti­ger der Gott­lo­sen sein, weil Chris­tus anstel­le des Men­schen an das Kreuz ging: er bezahl­te die Stra­fe der Sün­de. Durch sei­nen Opfer­tod „hat [er] den Schuld­schein gegen uns gelöscht, den in Sat­zun­gen bestehen­den, der gegen uns war“ (Kol 2,14). Die Sün­de des Men­schen ist nach die­ser Sicht Chris­tus ange­rech­net und sei­ne Gerech­tig­keit dem Men­schen. (Oli­vero 2018)

Die­se Sicht­wei­se hat ver­schie­de­ne Varia­tio­nen, aber meis­tens umfasst sie, dass alle Men­schen Sün­der sind (Röm 3,23) und des­halb Stra­fe ver­die­nen (Röm 1,18; Eph 2,1–3). Jesus hat die­se Stra­fe stell­ver­tre­tend für uns am Kreuz auf sich genom­men (Jes 53). Dadurch ist Got­tes Gerech­tig­keit erfüllt und wir kön­nen wie­der mit Gott ver­söhnt wer­den. Jesus war das ulti­ma­ti­ve Opfer und durch sein Blut sind unse­re Sün­den ver­ge­ben (Röm 3,25; Heb 9,26; 1 Joh 4,10).

Argu­men­te für die stell­ver­tre­ten­de Sühne:

  • seit der Refor­ma­ti­on das vor­herr­schen­de Ver­ständ­nis des Kreu­zes, beson­ders in evan­ge­li­ka­len Kreisen
  • beruht auf einer Viel­zahl an Bibel­stel­len (Jes 53; Röm 3,25; Eph 5,2; Hebr 9,22)
  • der Opfer­kult im AT wird oft als Grund­la­ge für die­ses Ver­ständ­nis herangezogen
  • die­se Sicht nimmt alle Ver­se ernst, die von Jesu stell­ver­tre­ten­dem Tod sprechen

Argu­men­te gegen die stell­ver­tre­ten­de Sühne:

  • Die­se Ansicht begrenzt Gott, denn sie sug­ge­riert, dass Gott Sün­den bestra­fen muss. Gott kann Sün­den nicht ein­fach ver­ge­ben. Aber meh­re­re Bibel­stel­len deu­ten dar­auf hin, dass Gott Sün­den auch ohne ein Opfer ver­ge­ben kann. Buße ist die not­wen­di­ge Grund­la­ge für Ver­ge­bung und nicht ein Opfer.
  • Wenn eine Schuld bezahlt ist, dann ist es kei­ne Ver­ge­bung mehr. Ent­we­der ich erlas­se mei­nem Schuld­ner sei­ne Schuld oder ich bekom­me den Betrag bezahlt. Aber wenn der Schuld­be­trag bezahlt wird, dann ist es kei­ne Ver­ge­bung mehr. Damit wird die­se Sicht­wei­se den „Ver­ge­bung der Sün­den“ Stel­len nicht gerecht, weil es sich nicht um Ver­ge­bung han­delt, son­dern ein Abbe­zah­len der Schuld.
  • Man­che argu­men­tie­ren, dass die­se Sicht­wei­se ein schi­zo­phre­nes Got­tes­bild för­dert. Die­se Sicht­wei­se führt zu einer Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen dem Vater und dem Sohn, indem sie sug­ge­riert, dass ein Riss zwi­schen dem Vater und dem Sohn ent­stand, als der Vater den Sohn bestraf­te. Der Vater wird oft als der zor­ni­ge Gott wahr­ge­nom­men, wäh­rend Jesus als der lie­be­vol­le Ret­ter ange­se­hen wird. Die­ses dua­le Bild der Gott­heit ist unver­ein­bar damit, dass der Vater und der Sohn eins sind.
  • Wäh­rend Ver­tre­ter der stell­ver­tre­ten­den Süh­ne sich gewöhn­lich auf den Opfer­kult beru­fen, beto­nen die Kri­ti­ker, dass die Opfer nicht wirk­lich Ver­ge­bung bewirkt haben, son­dern eine Akkom­mo­da­ti­on Got­tes war (Ps 40,7; 51,18–19; Jes 1,10–13; 66,2–4; Hos 6,6; Amos 5,21–27; Hebr 10,1–9). Dabei wird auch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass gera­de der Sün­den­bock nicht getö­tet wur­de, son­dern leben­dig in die Wüs­te geschickt wur­de (Lev 16,21). Auch das Bild des Pas­sah-Lam­mes passt nicht, weil es kei­ne Ver­ge­bung bewirkt hat, son­dern Schutz.
  • Schuld ist eine indi­vi­du­el­le Ange­le­gen­heit und nicht über­trag­bar. Kein Gericht die­ser Welt wür­de es als gerecht aner­ken­nen, einen Unge­rech­ten stell­ver­tre­tend für einen Straf­tä­ter zu bestra­fen. Solch ein Ver­ständ­nis von Gerech­tig­keit ist sehr fragwürdig.
  • Die­se Theo­rie setzt Gerech­tig­keit vor Gna­de und Lie­be; selbst Gott muss dem über­ge­ord­ne­ten Prin­zip der Gerech­tig­keit gehor­chen. Aber das NT for­dert an ver­schie­de­nen Stel­len den Ver­zicht auf Gerech­tig­keit zuguns­ten von Erbar­men, Gna­de und Liebe!

5) Die Sündenbocktheorie.

René Girard, ein römisch-katho­li­scher Phi­lo­soph, ist die Per­son, die am häu­figs­ten mit der Sün­den­bock­theo­rie asso­zi­iert wird. Er bezieht sich dabei auf das Motiv des Sün­den­bocks, des aza­zel, aus dem Süh­ne­ri­tu­al in Levi­ti­cus 16. Die­ser Theo­rie nach wer­den Kon­flik­te in Gemein­schaf­ten, die ansons­ten in Gewalt aus­ar­ten wür­den, auf­ge­löst, indem sie auf einen Sün­den­bock abge­lei­tet wer­den. Als Gott sich in Chris­tus selbst zum Sün­den­bock gemacht hat, und die mensch­li­che Gewalt auf eine unschul­di­ge Par­tei ablei­te­te, offen­bar­te er das Pro­blem, indem er Chris­tus zum Sün­den­bock mach­te und brach somit den Kreis­lauf der Gewalt. (Oli­vero 2018)

Argu­men­te für die Sündenbocktheorie:

  • Ver­steht das Opfer Jesu im Sin­ne von victim (Jesus opfer­te sich zum Wohl aller) und nicht als sacri­fice (Jesus Blut bewirkt Vergebung).
  • Gott wird nicht als ein zor­ni­ger Gott dar­ge­stellt, der stra­fen muss.

Argu­men­te gegen die Sündenbocktheorie:

  • Die­se Sicht­wei­se beruht, ähn­lich wie die Satis­fak­ti­ons­theo­rie, auf dem Ver­such, das Kreuz auf eine logi­sche Wei­se zu erklä­ren. Dadurch kom­men bibli­sche Kern­the­men zu wenig zur Gel­tung, wie z. B. die stell­ver­tre­ten­de Rol­le Jesu und der Aspekt der Ver­ge­bung der Sünde.
  • Der Kreis­lauf der Gewalt zieht sich wei­ter undurch­bro­chen durch die Geschich­te der Mensch­heit. Jesu Opfer hat die Israe­li­ten nicht vor einer Eska­la­ti­on der Gewalt und der damit ver­bun­de­nen Zer­stö­rung Jeru­sa­lems (70 n. Chr.) bewahrt.

6) The Governmental Theory (Die „Regierungstheorie“).

Hugo Gro­ti­us, Charles Fin­ney und wes­leyani­sche Metho­dis­ten haben die­se Sicht­wei­se ver­foch­ten. Nach die­ser „Regie­rungs­theo­rie“ hat Jesus nicht für die Stra­fe für die mensch­li­chen Sün­den bezahlt. Statt­des­sen stell­te er am Kreuz Got­tes Unmut über die Sün­de da. (Oli­vero 2018)

Chris­tus ver­söhnt uns, indem er zum abschre­cken­den Bei­spiel wird (…). Der zen­tra­le Gedan­ke dabei ist, dass Gott Chris­tus zu einem Bei­spiel dafür macht, was mit den gefal­le­nen Men­schen gesche­hen wür­de, wenn er sie für ihre Sün­den so bestra­fen wür­de, wie sie es ver­die­nen. Chris­tus lei­det als eine Art Abschre­ckung, und so wird Got­tes mora­li­sche Regie­rung des Uni­ver­sums auf­recht­erhal­ten (indem er zeigt, was mit der Sün­de ohne sein abschre­cken­des Bei­spiel gesche­hen wür­de). (Crisp 2020:114–115)

Argu­men­te für die Regierungstheorie:

  • Die Regie­rungs­theo­rie betont die Wich­tig­keit, das Leben an Got­tes hei­li­gem Maß­stab auszurichten.
  • Bestä­tigt Got­tes Ver­ge­bung als ech­te Ver­ge­bung, weil kein Preis bezahlt wird, um unse­re Schuld zu bezah­len, son­dern Gott aus sei­ner Gna­de her­aus vergibt.
  • Passt gut zu dem zen­tra­len AT-The­ma, dass Gott ver­sucht, ein Volk groß­zu­zie­hen, das in sei­nen Wegen wan­delt (2. Mose 19,5–6; 2. Chro­nik 7,14; Mat­thä­us 22,36–40). Gott ist ein hei­li­ger Gott, der mit einem Volk Gemein­schaft haben möch­te, das ihn ehrt und sei­ne Hei­lig­keit wider­spie­gelt (2. Mose 19,6; Mat­thä­us 5,48; 1. Petrus 2,9). Von Beginn des Alten Tes­ta­ments an woll­te Gott die Welt regie­ren, indem er den Men­schen sei­ne mora­li­schen Grund­sät­ze ver­mit­telt und sie moti­viert, sich an sie zu halten.
  • Römer 3,25–26 wird oft als Schlüs­sel­stel­le angeführt

Argu­men­te gegen die Regierungstheorie:

  • Die­se Ansicht wird nicht der Idee gerecht, dass Jesus die Schuld der Welt getra­gen hat (Hebr 9,28; 1 Petr 2,24; 1 Joh 2,2).
  • Man­che kri­ti­sie­ren, dass es unge­recht ist, wenn Gott Schuld ein­fach ver­gibt, ohne Sün­der zu bestrafen.

7) Theosis.

Die­se Sicht ist eng ver­knüpft mit der öst­lich-ortho­do­xen Kir­che. Sie betont, dass die Ver­bin­dung des Men­schen mit der Gött­lich­keit das telos, die Voll­endung, der Mensch­heit ist. Das Kreuz macht die Theo­sis mög­lich durch des­sen gro­ßen Akt der Ver­wand­lung von Tod in Leben. (Oli­vero 2018)

Argu­men­te für Theosis:

  • Das Theo­sis-Ver­ständ­nis stützt sich auf ver­schie­de­ne Bibel­stel­len, die die Idee der Teil­ha­be am gött­li­chen Leben beto­nen, wie z. B. 2 Petrus 1,4.
  • Vie­le frü­he Kir­chen­vä­ter wie Atha­na­si­us, Basi­li­us der Gro­ße, Gre­gor von Nyssa und Augus­ti­nus beton­ten die Idee der Ver­gött­li­chung als zen­tra­les Ele­ment der christ­li­chen Erlösung.
  • Das Theo­sis-Ver­ständ­nis betont, dass das Erlö­sungs­werk Jesu uns in eine tie­fe und leben­di­ge Bezie­hung mit Gott einlädt.

Argu­men­te gegen Theosis:

  • Eini­ge Theo­lo­gen argu­men­tie­ren, dass die mensch­li­che Natur von Grund auf begrenzt ist und dass es unmög­lich ist, gött­lich oder gott­gleich zu werden.
  • Die Moti­ve des Opfer­to­des Jesu, die Ver­ge­bung der Sün­den und der stell­ver­tre­ten­de Tod Jesu tre­ten in den Hintergrund.
  • Weni­ge unter­stüt­zen­de Bibelstellen.
  • Gefahr des Pantheismus.

8) Die Beispieltheorie.

Die­ser Sicht nach ist das größ­te Bedürf­nis des Men­schen nicht, wie­der mit Gott ver­söhnt zu wer­den. Viel­mehr benö­tigt der Mensch ein ulti­ma­ti­ves mora­li­sches Bei­spiel. Chris­tus hat die­ses Bei­spiel durch sein hin­ge­bungs­vol­les Leben und sei­nen Tod gebo­ten. (Oli­vero 2018)

Das Kreuz offen­bart den Gott, der selbst sei­nen Mör­der ver­gibt (Lk 23,34). Das Kreuz zeigt, dass Gott selbst die schlimms­te Sün­de (den bru­ta­len und unge­rech­ten Mord Got­tes) ver­gibt und nicht Rache sucht. Damit unter­streicht Jesu durch sei­nen Tod sei­ne Leh­re der radi­ka­len Lie­be und Ver­ge­bung und wird zum ulti­ma­ti­ven mora­li­schen Vorbild.

Argu­men­te für die Beispieltheorie:

  • Ver­steht Jesu Leben, Leh­re und Tod in beson­de­rer Wei­se als eins. Jesus leb­te, was er lehr­te. Er lieb­te sei­ne Fein­de, indem er sogar denen ver­gab, die ihn ans Kreuz schlugen.
  • Jesu Tod am Kreuz wird als inspi­rie­ren­des Bei­spiel dafür ange­se­hen, wie man für das Gute und für ande­re hin­ge­bungs­voll sein kann, auch wenn es Opfer erfordert.

Argu­men­te gegen die Beispieltheorie:

  • Die Bei­spiel­theo­rie bie­tet kei­ne kla­re Erklä­rung, wie Jesu Tod am Kreuz zur Süh­ne und Ver­ge­bung der Sün­den beiträgt.
  • Die Theo­rie könn­te dazu füh­ren, dass Jesus nur als vor­bild­li­cher Mensch gese­hen wird, ohne die vol­le Bedeu­tung sei­ner Gött­lich­keit anzuerkennen.

9) Die Solidaritätstheorie.

Die­se Sicht argu­men­tiert, dass Chris­tus sich am Kreuz mit dem Leid der Mensch­heit iden­ti­fi­ziert hat und die­ses über­wand. (Oli­vero 2018)

Jesus wur­de zu Unrecht beschul­digt und zu Unrecht ver­ur­teilt. Sei­ne Ver­ur­tei­lung beruh­te auf fal­schen Anschul­di­gun­gen, von Men­schen, die ihn als Got­tes­läs­te­rer ver­ab­scheu­ten. Sie brach­ten ihn vor Pila­tus als Auf­rüh­rer, um eine Ver­ur­tei­lung zu erwir­ken. Durch die­ses Unrecht iden­ti­fi­ziert er sich mit all jenen, die zu Unrecht Lei­den erfah­ren müs­sen. Durch die­se enge Ver­bun­den­heit mit der Mensch­heit wird Jesus zu einem leben­di­gen Zei­chen von Got­tes barm­her­zi­ger Lie­be und Nähe zu den Men­schen auch in tiefs­tem Leid.

Argu­men­te für die Solidaritätstheorie:

  • Die Soli­da­ri­täts­theo­rie betont, dass Jesus als Got­tes­sohn aktiv am mensch­li­chen Leid teil­nimmt und somit die Erfah­run­gen der Mensch­heit in ihrem gan­zen Umfang versteht.
  • Durch Jesu Teil­nah­me am mensch­li­chen Leben und Lei­den zeigt er, dass Gott sich nicht nur von fer­ne betrach­tet, son­dern per­sön­lich und barm­her­zig mit den Men­schen ver­bun­den ist.
  • Die­ses Ver­ständ­nis schenkt beson­de­ren Trost denen, die im Leid gefan­gen sind und sich fer­ne von Gott fühlen.

Argu­men­te gegen die Solidaritätstheorie:

  • Ver­nach­läs­sigt die zen­tra­le Bedeu­tung des Todes Jesu am Kreuz als Erlö­sungs- und Versöhnungswerk.
  • Kaum Bibel­stel­len, die die­ses Ver­ständ­nis belegen.

Und noch einmal alle neun Theorien im Überblick:

Sühnetheorien Überblick

Relevante Schlüsselstellen zu dem Thema

Gen 3,15; Lev 16; Lev 23; Ex 12,13; Jes 53; Mk 10,45; Röm 3–6; 2 Kor 5,18–21; Gal 3–4; Eph 2,16; Kol 1,13+20; 2,14–15; 1 Petr 2,24; Heb 2,14–15; 8–10; 1 Joh 2,2

Die­se Stel­len könn­ten Sie in eine Vers­lis­te kopie­ren als Start für Ihre per­sön­li­che Samm­lung an Ver­sen zu dem Kreuz. Wenn Sie sich die Arbeit spa­ren wol­len, kön­nen Sie auch ein­fach die Ver­se als Vers­lis­te in den öffent­li­chen Doku­men­ten her­un­ter­la­den. Ich habe sie unter dem Titel „Die Bedeu­tung des Kreu­zes“ hoch­ge­la­den.

Die Bedeutung des Kreuzes

Fazit: Das Kreuz ist wie ein Diamant

Das Kreuz ist zwei­fel­los fas­zi­nie­rend. Die neun ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven, die wir in die­sem Arti­kel erkun­det haben, ver­deut­li­chen, dass das Werk Jesu am Kreuz weit­aus umfas­sen­der ist, als wir es uns vor­stel­len kön­nen. Die bibli­schen Autoren ver­such­ten, die neue Rea­li­tät, die Jesus durch das Kreuz und die Auf­er­ste­hung geschaf­fen hat, in viel­fäl­ti­ger Wei­se zu illus­trie­ren. Ihre Dar­stel­lun­gen sind Teil­aspek­te die­ser gro­ßen Wahr­heit, und kei­ne ein­zel­ne Inter­pre­ta­ti­on kann das Werk Jesu in sei­ner Gesamt­heit erfassen.

Viel­leicht lässt sich das Kreuz am bes­ten mit einem Dia­man­ten ver­glei­chen. Betrach­ten wir einen Dia­man­ten, so spie­geln sich dar­in zahl­rei­che unter­schied­li­che Far­ben wider, die sei­ne Schön­heit aus­ma­chen. Ähn­lich ver­hält es sich, wenn wir auf das Kreuz schau­en – wir ent­de­cken vie­le ver­schie­de­ne Aspek­te des­sen, was Jesus durch sein Werk am Kreuz voll­bracht hat, und all die­se Facet­ten bil­den zusam­men die Schön­heit sei­nes Werkes.

Es ist jedoch wich­tig anzu­mer­ken, dass nicht jede belie­bi­ge Inter­pre­ta­ti­on des Kreu­zes rich­tig ist. Es gibt Inter­pre­ta­tio­nen, die in der Bibel einen brei­te­ren Raum ein­neh­men als ande­re und in der Kir­chen­ge­schich­te domi­nan­ter sind. Der bekann­te NT-Theo­lo­ge N. T. Wright betont immer wie­der, dass jede Gene­ra­ti­on das Kreuz im Lich­te ihrer Zeit neu ver­ste­hen soll­te. Dabei meint er nicht, dass wir uns unse­re eige­ne Deu­tung des Kreu­zes zusam­men­bas­teln sol­len, son­dern viel­mehr, dass wir die Bibel sorg­fäl­tig stu­die­ren und ver­ste­hen müs­sen, wie die gro­ße Geschich­te der Bibel und das Kreuz in unse­re gegen­wär­ti­ge Zeit hin­ein­spre­chen, um eine rele­van­te Bot­schaft für die heu­ti­ge Gene­ra­ti­on zu erhal­ten. Indem wir uns auf die­se Wei­se mit dem Kreuz aus­ein­an­der­set­zen, kön­nen wir tie­fer in sei­ne Bedeu­tung ein­tau­chen und die zeit­lo­se Bot­schaft von Lie­be, Ver­ge­bung und Erlö­sung für uns und die Welt erkennen.

Für die Ziel­grup­pe der Thai­län­der zeigt sich das Chris­tus Vic­tor-Ver­ständ­nis als beson­ders rele­vant. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel und hat eine lan­ge Tra­di­ti­on in der Kir­chen­ge­schich­te. In einem zwei­ten Teil die­ses Arti­kels wer­de ich die­ses Ver­ständ­nis des Kreu­zes genau­er beleuch­ten, um die Bedeu­tung und Rele­vanz die­ses Deu­tungs­an­sat­zes genau­er zu erforschen.

Abschlie­ßend kön­nen wir fest­hal­ten, dass das Kreuz ein Sym­bol der uner­mess­li­chen Lie­be, Gna­de und Erlö­sung ist. Die Bot­schaft vom Kreuz ist: Gott will sich mit uns ver­söh­nen. Unab­hän­gig von unse­rer per­sön­li­chen Her­an­ge­hens­wei­se an das The­ma, soll­ten wir das Kreuz als die Quel­le unend­li­cher Hoff­nung und Trost betrachten–eine zeit­lo­se Bot­schaft, die die Mensch­heit auch in Zukunft wei­ter­hin fas­zi­nie­ren wird.

Bibliografie

Boyd, Gre­go­ry A., and Paul Rho­des Eddy. Across the Spec­trum: Under­stan­ding Issues in Evan­ge­li­cal Theo­lo­gy. Third edi­ti­on, Bak­er Aca­de­mic: A Divi­si­on of Bak­er Publi­shing Group, 2022.

Crisp, Oli­ver D. Approa­ching the Ato­ne­ment: The Recon­ci­ling Work of Christ. IVP Aca­de­mic, 2020.

Oli­vero, Mark. „Süh­ne­theo­rien“. Grund­riss der Dog­ma­tik, her­aus­ge­ge­ben von Bran­non Ellis u. a., Lex­ham Press, 2018.


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Manuel Becker

Über den Autor

Manuel arbeitet als Gemeindegründer unter einer der 25 größten unerreichten Völkergruppen weltweit. Wenn seine 4 Kinder ihn nicht gerade auf Trab halten, dann liebt er es theologische Bücher in seiner freien Zeit zu lesen, zu fotografieren oder seine Logos-Bücherei zu erweitern. Aktuell studiert er nebenher an der Akademie für Weltmission in Korntal und hofft 2023 sein MA-Studium zu beenden. Er ist der Autor von dem beliebten Kinderbuch „Der große Sieg“.

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