Hermeneutik 4/​4: Hermeneutik und Exegese

Von Manuel Becker

Bibelstudium, Exegese, Hermeneutik
Vor 1 Monat

Eine gute Her­me­neu­tik ermög­licht eine fun­dier­te Exege­se. In die­sem Arti­kel ler­nen Sie in 17 Min. ein Grund­ge­rüst ken­nen, mit dem Sie, bibli­sche Tex­te gründ­lich stu­die­ren kön­nen, um zu einer fun­dier­ten Aus­le­gung zu gelangen. 

Von der Hermeneutik zur Exegese

Das Ziel der Her­me­neu­tik (= die der Aus­le­gung zugrun­de lie­gen­den Prin­zi­pi­en) ist es, sinn­vol­le Leit­li­ni­en und Prin­zi­pi­en zu defi­nie­ren, die eine fun­dier­te Exege­se (= den kon­kre­ten Akt der Aus­le­gung eines Tex­tes) ermög­li­chen. Her­me­neu­tik und Exege­se sind also eng mit­ein­an­der ver­bun­den und wenn Her­me­neu­tik „prak­tisch wird“ befin­det man sich immer im Bereich der Exegese.

Die­ser letz­te Arti­kel mei­ner vier­tei­li­gen Her­me­neu­tik-Rei­he bie­tet ein detail­lier­tes Grund­ge­rüst, mit dem jeder belie­bi­ge Bibel­text im Detail stu­diert wer­den kann. Die Metho­dik besteht aus 20 Schrit­ten, die ich kurz erläu­te­re und am Bei­spiel von 2 Tim 3,16 (Schlach­ter) illustriere:

Alle Schrift ist von Gott ein­ge­ge­ben und nütz­lich zur Beleh­rung, zur Über­füh­rung, zur Zurecht­wei­sung, zur Erzie­hung in der Gerechtigkeit, …

Ich habe die­sen Vers gewählt, weil er für das The­ma der Her­me­neu­tik beson­ders wich­tig ist. Er wird häu­fig als maß­geb­li­cher Vers zitiert, wenn es um die Irr­tums­lo­sig­keit der Bibel geht. Dahin­ter steht der Gedan­ke, dass Gott voll­kom­men ist und daher alles, was er inspi­riert, eben­falls per­fekt und voll­kom­men ist. Die Fra­ge ist, ob dies eine zuläs­si­ge Aus­le­gung die­ser Bibel­stel­le ist oder nicht. Der Exege­se-Assis­tent in Logos (der indi­vi­du­ell ange­passt wer­den kann) wird uns beim Stu­die­ren der Bibel eine gro­ße Hil­fe sein.

Schritt 1 der Exegese: Beobachten

Der ers­te Schritt besteht dar­in, den Text mehr­mals zu lesen und sich dabei alle Gedan­ken und Fra­gen zu notie­ren, die einem durch den Kopf gehen.

Was ist mit „alle Schrift“ gemeint? Wie hat Gott die Schrift ein­ge­ge­ben? Was bedeu­tet das für den Cha­rak­ter die­ser Schriften?

Schritt 2 der Exegese: Die Textkritik

Die­ser Schritt ist wich­tig, da uns nicht ein ein­zi­ger per­fek­ter Urtext vor­liegt, son­dern wir ledig­lich unter­schied­li­che Per­ga­men­te mit Abschrif­ten der Ori­gi­nal­tex­te zur Ver­fü­gung haben. Die­se Abschrif­ten ent­hal­ten teil­wei­se klei­ne Unter­schie­de. Der Rei­ter „Text­kri­tik“ im Exege­se-Assis­ten­ten ermög­licht einen schnel­len Zugriff auf ver­schie­de­ne Res­sour­cen, die über die Unter­schie­de in den vor­lie­gen­den Abschrif­ten informieren.

Im aktu­el­len Bei­spiel fin­den sich in den Abschrif­ten zwei unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten, den Text zu verstehen:

  1. Alle Schrift ist von Gott ein­ge­ge­ben und nütz­lich zur …(Schlach­ter)
  2. Jede von Gott ein­ge­ge­be­ne Schrift ist auch nütz­lich zur … (Zür­cher Bibel 2007)

Bei­de Lese­ar­ten fin­den sich in den ältes­ten Abschrif­ten. Wel­che davon die rich­ti­ge ist, muss der Aus­le­ger mit Weis­heit und Gebet entscheiden.

Schritt 3 der Exegese: Übersetzungen vergleichen

Lesen Sie den Text in mög­lichst vie­len Bibel­über­set­zun­gen. Das hilft Ihnen, die ver­schie­de­nen Über­set­zungs­mög­lich­kei­ten zu erkennen.

Der „Text­ver­gleich“ in Logos ermög­licht eine schnel­le Über­sicht über die von Ihnen bevor­zug­ten Bibelübersetzungen.

Beim Lesen sind die ver­schie­de­nen Über­set­zun­gen von „ein­ge­ge­ben“ inter­es­sant, wie z. B. „gott­ge­haucht“. Wenn ein Wort oder ein Satz­teil sehr unter­schied­lich über­setzt wird, ist dies ein Hin­weis dar­auf, dass eine Wort­stu­die sinn­voll sein könnte.

Schritt 4 der Exegese: Schlüsselbegriffe finden

Der Rei­ter „Wich­ti­ge Begrif­fe“ hilft bei der Iden­ti­fi­zie­rung von Schlüs­sel­be­grif­fen und ermög­licht eine detail­lier­te Wort­stu­die zu den rele­van­ten Wörtern.

Für unse­ren Vers spielt theopneu­s­tos eine abso­lu­te Schlüs­sel­rol­le. Die Wort­stu­die zeigt, dass die­ses Wort nur ein ein­zi­ges Mal in der Bibel vor­kommt und sich aus the­os (Gott) und pneu­ma (Atem oder Geist) zusam­men­setzt. Die wört­li­che Über­set­zung wäre also tat­säch­lich gott­ge­haucht. Als Alter­na­ti­ve zur Wort­stu­die bie­tet übri­gens auch der Rei­ter „Wort für Wort“ einen kom­pak­ten Über­blick über ver­schie­de­ne Infor­ma­tio­nen und Res­sour­cen aus Ihrer Logos-Biblio­thek zu den Schlüsselbegriffen

Schritt 5 der Exegese: Der direkte Kontext

Eine her­me­neu­ti­sche Grund­re­gel lau­tet: „Lies nie­mals nur einen Bibel­vers. Lies die Ver­se immer in ihrem Kon­text.“ Wir müs­sen also immer den unmit­tel­ba­ren Kon­text eines Ver­ses stu­die­ren und ernst neh­men. Wor­um geht es in dem Abschnitt vor und nach dem ent­spre­chen­den Vers? Wel­che Bedeu­tung hat der Vers inner­halb des jewei­li­gen Buches?

Der Kon­text unse­res Bei­spiels sind ver­schie­de­ne Rat­schlä­ge des Pau­lus an Timo­theus. V.15 weist dar­auf hin, dass sich „alle Schrift“ in die­sem Zusam­men­hang auf das Alte Tes­ta­ment bezieht. Das Neue Tes­ta­ment war zu die­sem Zeit­punkt noch nicht fertiggestellt.

Schritt 6 der Exegese: Parallelstellen und verwandte Stellen

Par­al­lel­stel­len sind für die Exege­se immer wich­tig, weil es sinn­voll ist, die Bibel mit der Bibel aus­zu­le­gen. Drei ver­schie­de­ne Rei­ter, „Par­al­lel­stel­len“, „Wich­ti­ge Par­al­lel­stel­len“ und „Par­al­le­le Peri­ko­pen“ hel­fen, schnell alle rele­van­ten Stel­len sich­ten zu können.

Unser Vers hat kei­ne wört­li­che Par­al­lel­stel­le, aber das Motiv von Got­tes Hau­chen kommt in der Bibel häu­fi­ger vor. Das muss bei der Exege­se unbe­dingt beach­tet wer­den. Drei­mal fin­den wir in der Bibel, dass Gott etwas anhaucht (Gen 2,7; Hes 37,1–14; Joh 20,19–23). In allen drei Fäl­len wird etwas Totes leben­dig. In kei­nem der drei Fäl­le ist das Ergeb­nis von Got­tes Hau­chen Per­fek­ti­on. Das Ver­ständ­nis von theopneu­s­tos in der Bibel ist also, dass Got­tes Hau­chen etwas Totes leben­dig macht. 

Schritt 7 der Exegese: Einleitungsfragen

In die­sem Schritt geht es dar­um, die wich­tigs­ten Infor­ma­tio­nen über das bibli­sche Buch zu sam­meln, in dem sich der Vers befindet: 

  • Ver­fas­ser
  • Ort der Abfassung
  • Zeit der Abfassung
  • Empfänger/Zielgruppe
  • Situation/​Anlass, Absicht(en). 

Am wich­tigs­ten sind Anlass und Absicht(en). Hier­bei hilft eine „Ein­lei­tung in das Neue/​Alte Tes­ta­ment“ oder wenn es kurz und knapp sein soll, die Vide­os vom Bibel-Pro­jekt.

Pau­lus schrieb Brie­fe an Timo­theus, um ihn zu befä­hi­gen, Irr­leh­ren zu erken­nen und um zu beto­nen, dass das Ziel aller Leh­re die Lie­be ist (1 Tim 1,3–5).

Schritt 8 der Exegese: Literarische Gattung ermitteln

Die Bibel ist nicht ein Buch, son­dern viel­mehr eine gan­ze Biblio­thek von Büchern. Die Bibel ent­hält his­to­ri­sche Tex­te, Poe­sie, Lie­der, Geschich­ten, die zwar nicht his­to­risch sind, aber den­noch tie­fe und wich­ti­ge Wahr­hei­ten kom­mu­ni­zie­ren, apo­ka­lyp­ti­sche Lite­ra­tur … Jeder Vers muss ent­spre­chend sei­ner lite­ra­ri­schen Gat­tung inter­pre­tiert wer­den. Apo­ka­lyp­ti­sche Lite­ra­tur darf nicht wört­lich und his­to­ri­sche Tex­te soll­ten nicht alle­go­risch ver­stan­den wer­den. Die Bestim­mung der lite­ra­ri­schen Gat­tung schützt vor vie­len gefähr­li­chen Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen. Hier hilft der Rei­ter „Text­sor­te.“

Der 2. Timo­theus­brief ist ein per­sön­li­cher Brief von Pau­lus an Timotheus.

Schritt 9 der Exegese: Syntaktische Merkmale analysieren

In die­sem Schritt wird der Satz­bau ana­ly­siert und über­legt, wel­che gram­ma­ti­ka­li­schen Beson­der­hei­ten für die Aus­le­gung des Tex­tes wich­tig sind. Dabei hilft der Rei­ter „Gram­ma­ti­ka­li­sche Kon­struk­tio­nen“ oder die Inter­li­ne­ar­über­set­zung im Bibel­text, die aller­hand gram­ma­ti­ka­li­sche Infor­ma­tio­nen zum Urtext enthält.

Die Inter­li­ne­ar-Leis­te infor­miert uns z. B. dass theopneu­s­tos ein Adjek­tiv ist, wel­ches die „Schrift“ beschreibt.

Schritt 10 der Exegese: Textlayout erstellen

Nach der Ana­ly­se des Satz­baus ist es manch­mal sinn­voll, ein Text­lay­out zu erstel­len, um die Ergeb­nis­se zu visua­li­sie­ren. Unter dem Rei­ter „Dia­gram­me“ fin­den Sie ihre Logos-Res­sour­cen, die dies bereits für Sie erle­digt haben. Hier ein Beispiel:

Wenn Sie es vor­zie­hen, ein sol­ches Schau­bild selbst zu erstel­len, ist die „Lein­wand“ sehr hilfreich.

Schritt 11 der Exegese: Rhetorische Mittel identifizieren

In die­sem Schritt wer­den rhe­to­ri­sche Mit­tel iden­ti­fi­ziert und inter­pre­tiert. Dazu gehören: 

  • Wie­der­ho­lun­gen
  • Allegorien
  • Chi­as­men
  • Hyper­bel
  • Iro­nie
  • Meta­phern
  • rhe­to­ri­sche Fragen
  • Über­trei­bun­gen
  • Par­al­le­lis­men

Der Rei­ter „Stil­fi­gu­ren mit über­tra­gen­der Bedeu­tung“ ist für die­sen Schritt sehr hilfreich.

Betrach­tet man die Ergeb­nis­se, stellt sich die Fra­ge, ob es legi­tim ist, die Met­ony­mie „alle Schrift“ mit der Bibel gleich­zu­set­zen. Bei „gott­ge­haucht“ han­delt es sich um eine Meta­pher und dem­nach soll­te die­se, ent­spre­chend dem bibli­schen Kon­text, auch als sol­che behan­delt werden.

Schritt 12 der Exegese: Der kulturelle Hintergrund

Vie­le Bibel­stel­len sind nur in ihrem kul­tu­rel­len und zeit­li­chen Kon­text ver­ständ­lich. Daher ist die­ser Schritt sehr wich­tig! Der Rei­ter „Kul­tu­rel­le Kon­zep­te“ gibt hier oft einen guten ers­ten Überblick.

Die Vor­stel­lung, dass der Atem der Göt­ter eine Leben spen­den­de Kraft ist, war in der frü­hen Mytho­lo­gie, ins­be­son­de­re in der grie­chi­schen und ägyp­ti­schen Mytho­lo­gie weit ver­brei­tet. So schwän­ger­te Zeus etwa eine sterb­li­che Frau durch sei­nen Atem (Klein­knecht 1964:341; für wei­te­re Bei­spie­le sie­he auch :343). Im Juden­tum ist der Geist Got­tes der Geist des Lebens. Im ers­ten Jahr­hun­dert n. Chr. herrsch­te wohl vor­herr­schend das Ver­ständ­nis, dass Got­tes Atem Leb­lo­ses zum Leben erwe­cken kann.

Das im 1. Jahr­hun­dert n. Chr. vor­herr­schen­de Ver­ständ­nis von Inspi­ra­ti­on lässt sich mit der Vor­stel­lung vom Geist Got­tes als „einem Luft­strom, der die Flö­te zum Klin­gen bringt“ (Klein­knecht 1964:455) ver­glei­chen. Die­ses Ver­ständ­nis war damals weit ver­brei­tet und wur­de von pro­mi­nen­ten Per­sön­lich­kei­ten wie Pla­ton, Phi­lo, Plut­arch und den frü­hen christ­li­chen Apo­lo­ge­ten geteilt (:347). Die inspi­rier­te Per­son erfuhr dabei kei­ne Ver­wand­lung, son­dern wur­de ledig­lich zum Werk­zeug, durch das Gott spricht.

Schritt 13 der Exegese: Auslegung der Kirchenväter und in der Kirchengeschichte

Die Aus­le­gung der Kir­chen­vä­ter ist oft hilf­reich, weil sie sprach­li­che Fein­hei­ten bes­ser ver­stan­den, die wir viel­leicht über­se­hen und weil sie natür­lich auch deut­lich näher an der dama­li­gen Kul­tur dran waren als wir es heu­te sind. Der Rei­ter „Anti­ke Lite­ra­tur“ ist hier ein Logos-Werk­zeug der Super­la­ti­ve, das in Sekun­den­schnel­le anzeigt, was die Kir­chen­vä­ter zu dem gesuch­ten Bibel­text gesagt haben.

Schritt 14 der Exegese: Untersuchung der geografischen Merkmale

Gele­gent­lich ist es hilf­reich, geo­gra­fi­sche Merk­ma­le eines Ortes bei der Aus­le­gung zu beach­ten, z. B. im Gleich­nis vom barm­her­zi­gen Sama­ri­ter.

Schritt 15 der Exegese: Der Jesus-Filter

In Teil 2 die­ser Her­me­neu­tik-Rei­he, habe ich gezeigt, dass Jesus im Mit­tel­punkt der Bibel steht. Er ist die zen­tra­le Offen­ba­rung der Bibel und des­halb soll­ten wir jede Inter­pre­ta­ti­on eines Bibel­tex­tes mit einem Jesus-Fil­ter prü­fen: Ist unse­re Aus­le­gung mit dem Leben und der Leh­re Jesu vereinbar?

Unser Bei­spiel bestä­tigt die Bedeu­tung des Jesus-Fil­ters, denn in 2 Tim 3,15 betont Pau­lus, dass es die Hei­li­ge Schrift ist, die uns wei­se macht, die Ret­tung zu erken­nen, die allein in Jesus zu fin­den ist. Auch hier wird also die zen­tra­le Rol­le Jesu bei der Aus­le­gung der Schrift betont.

Die bis­he­ri­ge Exege­se von 2 Tim 3,16 hat erge­ben, dass Got­tes Hau­chen der Schrift nicht zwangs­läu­fig zur Trans­for­ma­ti­on des Tex­tes führt und einen Text irr­tums­los macht. Viel­mehr wird durch das Hau­chen Got­tes etwas Totes leben­dig. Es ist also der Geist Got­tes, der die bibli­schen Tex­te, selbst wenn sie Feh­ler ent­hal­ten soll­ten, nimmt und sie für uns leben­dig macht, sodass sie uns zu Jesus führen.

Ein sol­ches Ver­ständ­nis der Bibel passt zu dem demü­ti­gen Cha­rak­ter Jesu. Jesus ernied­rig­te sich selbst (Phil 2,8) und kam auf unse­re Ebe­ne, um uns dort zu begeg­nen. Eben­so könn­te man argu­men­tie­ren, dass sich Gott in den Wor­ten der Bibel auf unse­re Ebe­ne begibt, uns in unse­rer Rea­li­tät begeg­net und uns Schritt für Schritt zur Wahr­heit führt. Dies erklärt die wach­sen­de Erkennt­nis der Wahr­heit, die wir durch die Bibel hin­durch finden.

Jesus gebrauch­te unvoll­kom­me­ne Jün­ger, um sein Reich hier auf der Erde aus­zu­brei­ten. Trotz all ihrer Feh­ler wirk­te der Geist durch sie und benut­ze sie, um das Evan­ge­li­um in der Welt zu ver­kün­den. Eben­so gebraucht der Geist Got­tes die Wor­te der Bibel, unab­hän­gig davon, ob sie irr­tums­los sind oder nicht, um durch sie zu wir­ken und sein Ziel zu erreichen.

Schritt 16 der Exegese: Der kanonische Zusammenhang

In die­sem Schritt geht es dar­um, einen Schritt zurück­zu­tre­ten und den Vers im Licht der gesam­ten Bibel zu betrach­ten. Passt die Aus­le­gung zu der gro­ßen Geschich­te, die die Bibel erzählt? Ist sie mit den gro­ßen und kla­ren Offen­ba­run­gen der Bibel vereinbar?

In Teil 3 die­ser Her­me­neu­tik-Rei­he wur­de deut­lich, dass die Autoren des Neu­en Tes­ta­ments das Alte Tes­ta­ment sehr krea­tiv aus­ge­legt und es dabei teil­wei­se revi­diert haben. Wäh­rend die Ver­fas­ser des NT das AT als Hei­li­ge Schrift ver­stan­den und es als maß­ge­bend für ihr Leben aner­kann­ten, ver­stan­den sie es doch als ihre Auf­ga­be, das gesam­te AT im Lich­te Jesu zu lesen und es ent­spre­chend aus­zu­le­gen. Der Hei­li­ge Geist mach­te die­se „toten“ Tex­te des AT für sie leben­dig und half ihnen, Chris­tus in ihnen zu entdecken.

Durch die gan­ze Bibel hin­durch wirkt Gott durch feh­ler­haf­te Men­schen und gebraucht sie für sei­ne Plä­ne. Dies spie­gelt Got­tes Ent­schei­dung wider, in die­ser Welt vor allem durch Men­schen zu wir­ken. Das macht es auch nahe­lie­gend, dass Gott sogar durch ein mög­li­cher­wei­se feh­ler­haf­tes Buch wir­ken und sei­ne Zie­le errei­chen kann.

Schritt 17: Interpretationsschwierigkeiten lösen

In die­sem Schritt geht es dar­um, mög­li­che Pro­ble­me eines Tex­tes und deren Aus­le­gung zu iden­ti­fi­zie­ren und zu ana­ly­sie­ren. For­mu­lie­ren Sie das Pro­blem. Fin­den Sie ver­schie­de­ne Ant­wort­mög­lich­kei­ten. Über­le­gen Sie, wel­che am bes­ten passt. Ein guter Bibel­kom­men­tar kann dabei hilf­reich sein.

Bei­spiel: Was wür­de es für die Auto­ri­tät der Schrift bedeu­ten, wenn die Bibel tat­säch­lich ein „toter“ (= nicht irr­tums­lo­ser) Text wäre?

Schritt 18: Theologische Lehre

Für wel­che Berei­che der bibli­schen und der sys­te­ma­ti­schen Theo­lo­gie ist der Vers relevant?

Unser Vers spielt eine zen­tra­le Rol­le in der Biblio­lo­gie und hat Aus­wir­kun­gen auf unser Ver­ständ­nis vom Cha­rak­ter Got­tes und sei­nem Wir­ken in der Welt.

Schritt 19: Gewonnene Erkenntnisse anwenden

Im vor­letz­ten Schritt wird über­legt, wie man den Text im eige­nen Leben prak­tisch anwen­den kann, weil wir Täter des Wor­tes und nicht nur Hörer sein wollen.

Wenn “gott­ge­haucht” wirk­lich bedeu­tet, dass Gott feh­ler­haf­te Tex­te nimmt und sie für uns leben­dig macht, dann befreit uns das von der Angst vor „Pro­blem­tex­ten“. Wir brau­chen nicht mehr zwang­haft pro­ble­ma­ti­sche Bibel­tex­te zu recht­fer­ti­gen, son­dern dür­fen dar­auf ver­trau­en, dass Gott durch die Bibel spricht. Auch wenn sie viel­leicht nicht irr­tums­los ist.

Schritt 20: Ergebnisse sichern

Im letz­ten Schritt schrei­ben Sie sich das Ergeb­nis Ihres Bibel­stu­di­ums auf, damit Ihre wert­vol­len Erkennt­nis­se nicht ver­lo­ren gehen. Hier­zu eig­net sich bes­tens eine Notiz, die mit dem ent­spre­chen­den Vers ver­knüpft ist.

Die Rolle von Bibelkommentaren

Gute Bibel­kom­men­ta­re lie­fern die Infor­ma­tio­nen, die für eine fun­dier­te Exege­se not­wen­dig sind. Ich lese ger­ne in 1–2 Kom­men­ta­re rein, bevor ich mei­ne Exege­se begin­ne, um mir einen Über­blick über rele­van­te The­men zu ver­schaf­fen. Ande­re raten, sich erst ein­mal selbst Gedan­ken über den Bibel­text zu machen und im Anschluss dann Kom­men­ta­re zu lesen. Das ist sicher­lich eine per­sön­li­che Ent­schei­dung. Falls Sie auf der Suche nach einem für Sie pas­sen­den Kom­men­tar sind, wer­fen Sie ger­ne einen Blick auf die­se Über­sicht der gän­gigs­ten Bibel­kom­men­ta­re.

Bibliografie

Klein­knecht, Her­mann (1964) “πνεῦμα, πνευματικός, πνέω, ἐμπνέω, πνοή, ἐκπνέω, θεόπνευστος,” Theo­lo­gi­cal dic­tion­a­ry of the New Tes­ta­ment. elec­tro­nic ed. Edi­ted by G. Kit­tel, G.W. Bro­mi­ley, and G. Fried­rich. Vol.6. Grand Rapids, MI: Eerd­mans. 332–359


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Manuel Becker

Über den Autor

Manuel arbeitet als Gemeindegründer unter einer der 25 größten unerreichten Völkergruppen weltweit. Wenn seine 4 Kinder ihn nicht gerade auf Trab halten, dann liebt er es theologische Bücher in seiner freien Zeit zu lesen, zu fotografieren oder seine Logos-Bücherei zu erweitern. Aktuell studiert er nebenher an der Akademie für Weltmission in Korntal und hofft 2023 sein MA-Studium zu beenden. Er ist der Autor von dem beliebten Kinderbuch „Der große Sieg“.

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