Der Unterricht – Die Integration von Logos an einer theologischen Ausbildungsstätte 7

Von Stephanus Schäl

Hochschule, Logos, Tipps, Universität

In die­ser Arti­kel­rei­he sind wir schon län­ger gemein­sam unter­wegs. Nach­dem wir über den Traum, die Her­aus­for­de­run­gen, den insti­tu­tio­nel­len Mehr­wert, das Paket, das Cur­ri­cu­lum und die Dozen­ten nach­ge­dacht haben, kommt irgend­wann fol­gen­de Fra­ge auf: Wie sieht der Unter­richt mit Logos ganz kon­kret aus?

In die­sem sieb­ten Bei­trag möch­te ich etwas näher beschrei­ben, wie die Pra­xis an einer theo­lo­gi­schen Aus­bil­dungs­stät­te aus­sieht, die Logos schon inte­griert hat.

Logos im Vorlesungssaal

Es liegt in der Natur der Sache, dass Logos am häu­figs­ten und inten­sivs­ten im Unter­richt selbst genutzt und the­ma­ti­siert wird. Dies geschieht auf ganz unter­schied­li­che Art und Weise.

Einführung in Logos

Am Anfang des Stu­di­ums erhält jeder Stu­die­ren­de sei­ne eige­ne Logos Bibel­soft­ware. Dar­an schließt sich in den ers­ten Wochen der Aus­bil­dung ein Ein­füh­rungs­kurs an. In die­sem Ein­füh­rungs­kurs soll der Stu­die­ren­de die grund­sätz­li­che Funk­ti­ons­wei­se und die dahin­ter­lie­gen­den Prin­zi­pi­en von Logos ver­ste­hen. Die­se Ein­füh­rung ist unbe­dingt not­wen­dig, damit die Dozen­ten nicht in jedem Unter­richt bei „Adam und Eva“ anfan­gen müs­sen, wenn sie Logos zusam­men mit den Stu­die­ren­den nutzen.

Logos als exegetisches Standardwerkzeug

Da alle Dozen­ten und alle Stu­die­ren­den Logos besit­zen, ist Logos in jedem Unter­richt das exege­ti­sche Stan­dard­werk­zeug. Logos ist also Stan­dard­bi­bel, Stan­dard­wör­ter­buch, Stan­dard­le­xi­kon, Stan­dard­kom­men­tar und so wei­ter. Immer häu­fi­ger wird Logos direkt an die Lein­wand pro­ji­ziert. Bibel­tex­te wer­den direkt und live in Logos auf­ge­schla­gen, mar­kiert, struk­tu­riert und via Bea­mer prä­sen­tiert. Wort­stu­di­en wer­den vor aller Augen mit Logos vor­ge­führt. Satz­dia­gram­me wer­den gemein­sam an der Lein­wand erstellt und dis­ku­tiert. Aber auch für die Stu­die­ren­den ist Logos das exege­ti­sche Stan­dard­werk­zeug. Fra­gen im Unter­richt ent­ste­hen auf­grund der in Logos bereit­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen. Par­al­lel­stel­len wer­den schnell und mit einem Klick nach­ge­schla­gen. Aus­sa­gen in Kom­men­ta­ren wer­den mit­hil­fe von Logos in die Dis­kus­si­on ein­ge­bracht. Etc. Kurz: Logos prägt das gan­ze Unter­richts­ge­sche­hen entscheidend.

Logos als explizitert Unterrichtsinhalt

Kern der Inte­gra­ti­on von Logos in das Theo­lo­gie­stu­di­um ist aber nicht nur der Unter­richt mit Logos, son­dern vor allem auch der Unter­richt über Logos. Die gan­ze Inte­gra­ti­on zielt ja auf eine umfas­sen­de Logos-Kom­pe­tenz. Von daher ist Logos sehr häu­fig expli­zi­ter Unter­richts­in­halt. In allen drei Aus­bil­dungs­jah­ren und in fast allen Fächern gibt es des­halb Unter­richts­ein­hei­ten, in denen der Umgang mit Logos gelehrt und gelernt wird. Aus­ge­hend von den Gesamt­lern­zie­len für Logos (vgl. den Arti­kel „Das Cur­ri­cu­lum“) ent­hält jede Kurs­be­schrei­bung immer auch eini­ge Lern­zie­le, die auf Logos bezo­gen sind.

Für gewöhn­lich lau­fen die­se Unter­richts­ein­hei­ten so ab, dass der Dozent den metho­di­schen Weg in Logos zeigt und die Stu­die­ren­den dann an ihrem eige­nen Rech­ner das Gan­ze nach­voll­zie­hen. Wenn ich also im Fach Exo­dus den Stu­die­ren­den bei­brin­gen will, wie man mit Logos hebräi­sche Wort­stu­di­en durch­führt (Lern- und Kom­pe­tenz­ziel 10), dann gibt es eine Unter­richts­ein­heit, in der ich dem Jahr­gang zunächst den metho­di­schen Weg in Logos zei­ge. Im Anschluss dar­an führt dann jeder Stu­die­ren­de sei­ne eige­ne Wort­stu­die durch (ent­we­der im Unter­richt oder als Haus­auf­ga­be), die dann natür­lich auch bewer­tet wird.

Logos kommt im Unter­richt also pri­mär auf zwei­er­lei Art und Wei­se vor: Einer­seits ist es das exege­ti­sche Stan­dard­werk­zeug, ande­rer­seits ist Logos selbst häu­fig expli­zi­ter Unter­richts­in­halt. Das Ziel dabei ist immer das Glei­che: Eine umfas­sen­de Logos-Kom­pe­tenz, weil theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung im Kern Men­schen befä­hi­gen soll, Got­tes Wort aus­zu­le­gen und zu lehren.

Logos in der Predigtvorbereitung

Die meis­ten theo­lo­gi­schen Aus­bil­dungs­stät­ten bil­den haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter für Kir­che und Mis­si­on aus – zumin­dest gilt das in unse­rem Fall. Der Dienst in Kir­che und Mis­si­on ist aber nicht nur ein exege­ti­scher. Viel­mehr soll­te es immer auch ein keryg­ma­ti­scher Dienst sein. Alle Exege­se muss dazu füh­ren, dass die Bot­schaft der Bibel ver­kün­digt wird. Und auch hier ist Logos eine gro­ße Hilfe.

Wir haben Logos in unse­ren gesam­ten Homi­le­tik-Unter­richt inte­griert. Kon­kret haben wir indi­vi­du­el­le Stu­di­en­hil­fen erstellt, mit­hil­fe derer wir die Homi­le­tik unter­rich­ten. Jede Aus­bil­dungs­stät­te und jeder Dozent hat in einem gewis­sen Sin­ne sei­ne eige­ne homi­le­ti­sche Metho­de. Natür­lich könn­te man den in Logos ent­hal­te­nen Pre­dig­tedi­tor als Grund­la­ge des Homi­le­tik­un­ter­richts neh­men. Noch bes­ser und ziel­füh­ren­der ist es aller­dings, wenn eine Aus­bil­dungs­stät­te eige­ne homi­le­ti­sche Stu­di­en­hil­fen erstellt.

Eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen der Genera­ti­on Y ist ihre feh­len­de Umset­zungs­kom­pe­tenz. Wir haben eine Genera­ti­on vor uns, die unglaub­lich vie­le (und gute!) Ideen, Träu­me und Gedan­ken hat, aber viel zu wenig davon umsetzt. War­um? Weil man gar nicht mehr weiß, wie man Din­ge eigent­lich umsetzt. Wo fängt man an? Wie geht man vor? Was sind die ein­zel­nen Schrit­te? Und so wei­ter. Von daher ist es wich­tig, dass Aus­bil­dungs­stät­ten ihren Stu­die­ren­den den metho­di­schen Weg ganz kon­kret und Schritt für Schritt zei­gen. Gera­de des­halb sind die Stu­di­en­hil­fen von Logos so wert­voll. Der Nut­zer wird dort näm­lich „an die Hand genom­men“ und Schritt für Schritt durch den Pro­zess geführt. Und dass die­se Stu­di­en­hil­fen indi­vi­du­ell anpass­bar sind, ist noch besser.

Kon­kret haben wir aus­ge­hend von dem schon in Logos ent­hal­te­nen (und sehr guten!) Pre­dig­tedi­tor und unse­rem Homi­le­tik­kon­zept fünf ver­schie­de­nen Stu­di­en­hil­fen erar­bei­tet. Unse­re Stu­die­ren­den bekom­men eine all­ge­mei­ne Stu­di­en­hil­fe zur Pre­digt­vor­be­rei­tung. Dar­über hin­aus haben wir aber auch noch spe­zi­el­le homi­le­ti­sche Stu­di­en­hil­fen entwickelt:

  • The­men­pre­digt
  • Lebens­bild­pre­digt
  • Buch­pre­digt
  • Pre­digt­rei­he

Unse­rer Erfah­rung nach erleich­tert der Ein­satz die­ser Stu­di­en­hil­fen die Pre­digt­vor­be­rei­tung für die Stu­die­ren­den und erhöht gleich­zei­tig die Qua­li­tät der Pre­dig­ten. Auch hier lohnt sich also der Ein­satz von Logos.

Logos und wissenschaftliche Facharbeiten

Ein Theo­lo­gie­stu­di­um muss neben der exege­ti­schen Kom­pe­tenz immer auch die Fähig­keit zum wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten ver­mit­teln. Wis­sen­schaft­lich zu arbei­ten – d.h. eine Sache begrün­det, nach­voll­zieh­bar und logisch anzu­ge­hen – ist ein Hand­werk, das man ler­nen kann. Im Stu­di­um wird die Kom­pe­tenz zum wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten meist durch umfang­rei­che Fach­ar­bei­ten gelehrt und gelernt. Aber auch hier tun sich vie­le Stu­die­ren­de schwer. Was gehört eigent­lich in eine Fach­ar­beit? Wie genau gestal­tet man Ein­lei­tung und Schluss? Wie war das noch mal mit dem rich­ti­gen Zitie­ren? Wel­che Schrit­te wer­den in einer exege­ti­schen Fach­ar­beit erwar­tet? Fra­gen über Fragen.

Neben vie­len klei­ne­ren Fach­ar­bei­ten muss man bei uns in Bra­ke zwei grö­ße­re Fach­ar­bei­ten schrei­ben: Eine exege­ti­sche im zwei­ten und eine the­ma­ti­sche im drit­ten Aus­bil­dungs­jahr. Uns war rela­tiv schnell klar, dass auch hier indi­vi­du­el­le Stu­di­en­hil­fen von gro­ßem Vor­teil wären. So haben wir eine Stu­di­en­hil­fe Exege­ti­sche Fach­ar­beit und eine Stu­di­en­hil­fe The­ma­ti­sche Fach­ar­beit erstellt. Die­se Stu­di­en­hil­fen füh­ren die Stu­die­ren­den Stück um Stück durch die ein­zel­nen Schrit­te des wis­sen­schaft­li­chen Arbeits­pro­zes­ses. Gleich­zei­tig kann er sei­ne Ergeb­nis­se in Logos selbst fest­hal­ten, immer wie­der bear­bei­ten und am Ende sogar expor­tie­ren. Dass Logos dann sogar beim rich­ti­gen Zitie­ren hilft, setzt dem Gan­zen noch die Kro­ne auf 😉. Ins­ge­samt ist Logos auf die­se Art und Wei­se äußerst hilf­reich für das Ver­fas­sen von wis­sen­schaft­li­chen Facharbeiten.

Unterrichtsnotizen in Logos

Noch nicht rea­li­siert, aber in Pla­nung, ist die Inte­gra­ti­on von Unter­richts­no­ti­zen in Logos. Zumin­dest an der Bibel­schu­le Bra­ke ist es so, dass jeder Stu­die­ren­de umfang­rei­che Noti­zen in die Hand bekommt. In exege­ti­schen Fächern glei­chen die­se Skrip­te teil­wei­se umfang­rei­chen Kom­men­ta­ren und da wir Exege­sen zu allen 66 Büchern der Bibel anbie­ten, erhal­ten die Stu­die­ren­den einen Kom­men­tar über die gesam­te Bibel. Der Wunsch nach digi­ta­len Noti­zen ist nicht neu. Neu ist die Mög­lich­keit, umfang­rei­che Noti­zen direkt in Logos zu inte­grie­ren. Wenn das gelingt, dann haben die Stu­die­ren­den zu jedem Bibel­text mit einem Klick die Noti­zen der Dozen­ten – mit Hyper­links und voll­kom­men durch­such­bar. Aller­dings ist die­se Funk­ti­on noch mit erheb­li­chem For­ma­tie­rungs­auf­wand ver­bun­den und etwas umständ­lich. Das Anlie­gen und die Mög­lich­keit an sich sind aber super und eine wei­te­re Form, wie Logos in das Unter­richts­ge­sche­hen inte­griert wer­den kann.

LogosLab

Unse­re regel­mä­ßi­ge haus­in­ter­ne Logos-Schu­lung („Logos­Lab“) gibt es nicht nur für Dozen­ten, son­dern auch für Stu­den­ten. Via der Q&A‑Funktion von Men­ti­me­ter kön­nen die Stu­die­ren­de per­ma­nent Fra­gen in Bezug auf Logos stel­len und sie prio­ri­sie­ren. Ein­mal im Monat tref­fen sich dann alle Inter­es­sier­ten, und ein Dozent beant­wor­tet die Fra­gen und zeigt den Lösungs­weg in Logos. Auch hier wird Logos-Kom­pe­tenz geför­dert, und zwar immer genau an den Stel­len, an denen sich die Stu­die­ren­den gera­de auf ihrem Logos-Lern­weg befinden.

Logos und die Generation Internet

Wenn digi­ta­le Urein­woh­ner ein digi­ta­les Werk­zeug in die Hand bekom­men, dann ent­wi­ckelt sich eine tol­le Eigen­dy­na­mik. Die gegen­wär­ti­ge Genera­ti­on von Stu­die­ren­den ist abso­lut fit und krea­tiv im Umgang mit Logos. So erstel­len sie zum Bei­spiel eige­ne Res­sour­cen, tei­len Noti­zen, arbei­ten gemein­sam an einem Pro­jekt, inte­grie­ren frei zugäng­li­che Lite­ra­tur, nut­zen Faith­li­fe-Grup­pen, pro­du­zie­ren eige­ne Tuto­ri­als und, und, und. Nicht sel­ten brin­gen auch die Stu­die­ren­den den Dozie­ren­den neue Din­ge in Logos bei – und das ist auch gut so. Schließ­lich sind wir alle gemein­sam auf dem Weg, die Bibel so gut wie mög­lich aus­zu­le­gen und zu leh­ren – mit den Werk­zeu­gen des 21. Jahrhunderts.

Fazit

Die Inte­gra­ti­on von Logos hat das Poten­zi­al eine gesam­te Aus­bil­dung und das gan­ze Unter­richts­ge­sche­hen zu ver­än­dern. Und die­se Ver­än­de­rung ist durch­weg posi­tiv. Unse­re Unter­richts­pra­xis hat sich durch Logos deut­lich ver­bes­sert – at least 😉.

Über den Autor: Ste­pha­nus Schäl ist Dozent für Altes Tes­ta­ment an der Bibel­schu­le Bra­ke, pro­mo­viert gera­de in Lea­ders­hip in Theo­lo­gi­cal Edu­ca­ti­on an der Colum­bia Inter­na­tio­nal Uni­ver­si­ty und gehört unter ande­rem zum Lei­tungs­team vom Bibel­pro­jekt und visio­me­dia.

Stephanus Schäl

Über den Autor

Stephanus Schäl (Jg. 1982) lebt mit seiner Frau und ihren vier Kindern in Lemgo. Er ist Dozent für Altes Testament an der Bibelschule Brake, promoviert gerade im Bereich der theologischen Ausbildung und verantwortet darüber hinaus die theologische Leitung des Bibelprojekts in Deutschland. Neben seiner Familie begeistert ihn alles, was mit Theologie, Bildung und Leiterschaft zu tun hat.

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  1. Sehr schön, Prof. in spe Dr. Ste­pha­nus Schäl.
    Ich bewun­de­re den Ansatz, wie in der theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le Bra­ke LOGOS imple­men­tiert wird.
    Es wird beschrie­ben, dass die Gen Z, Mil­le­ni­als vie­le Zie­le, Träu­me, Visio­nen hat. Dabei ist oft der prak­ti­schen Umset­zung nicht sehr viel Bedeu­tung bei­gemes­sen, bzw. fällt ein­fach schwer. -
    Bevor ich im letz­ten Jahr­tau­send auf die Kan­di­da­ten­lis­te von Beröa, dann ICI und spä­ter Glo­bal Uni­ver­si­ty gesetzt wur­de, soll­ten min­des­tens 5 Haus­krei­se, Gemein­den, Mis­si­ons­sta­tio­nen gegrün­det wor­den sein. Hier folg­te der Pra­xis also die Theorie.
    Des­halb möch­te ich ein­mal aus der prak­ti­schen Mis­si­on 18 Bei­spie­le geben, wie Gemein­de-Lea­ders­hip tat­säch­lich funk­tio­niert. https://​faith​li​fe​.com/​p​o​s​t​s​/​4​1​1​7​255 – Das soll kei­nes­wegs den Wert von LOGOS schmä­lern, im Gegenteil.
    Wir haben uns bei Grün­dung von Rosa­ry Mis­si­on Inter­na­tio­nal – INDIA 2009 , in Erwei­te­rung unse­rer LOGOS MISSION INDIA seit 1992, zum Ziel gesetzt, für talen­tier­te Kin­der (Talen­ted Boy´s School- spä­ter Talen­ted Pupil´s School) eine Lehr und Lern­platt­form zu schaf­fen. Mit The Remo­te rese­arch Libra­ry umfasst das bis­her 29 Mit­glie­der. Mit der Ordi­na­ti­on bekom­men dann die Pas­to­ren auch den Zugang zu LOGOS. – Etli­che der frü­he­ren Schü­ler und Fami­li­en, die wir unter­stützt haben, sind nun schon als Pro­fes­so­ren und Dres. tätig. – Got­tes rei­chen Segen!

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