Gute Nachricht Bibel – eine umfangreiche Textanalyse


Wir haben die Gute Nachricht Bibel einem inten­siv­en Test unterzogen.

Wie schon bei der Menge-Bibel haben Ben­jamin Mis­ja und Philipp Keller die Gute Nachricht Bibel einem Elch-Test unter­zo­gen. Ben­jamin Mis­ja hat als Über­set­zer bei der Offe­nen Bibel auch prak­tis­che Erfahrung im Bibelüber­set­zen. Philipp Keller beschäftigt sich inten­siv mit Bibelüber­set­zun­gen und hat dabei schon viele sprach­lich geprüft.

Seit der 1997er-Revi­sion wirbt die deutsche Bibelge­sellschaft damit, dass die Gute Nachricht Bibel (GNB) die zuver­läs­sig­ste der kom­mu­nika­tiv­en deutschen Über­set­zun­gen sei. Das ist natür­lich eine mutige Behaup­tung, welche wir hier nun testen wollen.

Unsere Analyse befasst sich schw­er­punk­t­mäßig mit dem Matthäus- und Marku­se­van­geli­um. Für unsere Analyse haben wir ein paar schwierig zu über­set­zende Stellen genom­men. Diese sind nicht wirk­lich repräsen­ta­tiv, denn der Großteil der Schrift­stellen ist rel­a­tiv unkom­pliziert in der Über­set­zung. Die Analyse haben wir eingeteilt in “1. Über­tra­gen von Aus­drück­en” und “2. Fass­bar machen kom­pliziert­er Passagen”:

Wie die GNB Altertümliches in die Moderne überträgt

Wie in jed­er Sprache gibt es auch in den Sprachen der Bibel Wörter und Wen­dun­gen, die man auf Deutsch nicht ein­fach genau­so sagen kann. Sei es, dass die Sprache ein­fach anders funk­tion­iert als das Deutsche, oder dass uns zum Ver­ständ­nis notwendi­ges Hin­ter­grund­wis­sen fehlt – den Lesern würde der Sinn ent­ge­hen, wenn man sie ein­fach eins zu eins wiedergäbe. Kurz vorneweg: Die Gute Nachricht Bibel als “dynamisch-äquiv­a­lente” Über­set­zung hat zu diesen Aus­drück­en deutsche Pen­dants gefun­den, welche eigentlich durchgängig sehr tre­f­fend sind.

Eine gelungene Abwechslung zu “siehe” und “wahrlich”


Bib­lis­che Wort­studie zu ἰδού: häu­fig­ste Über­set­zun­gen in der ESV

Das Wort “ἰδού” (Luther: ‘siehe’) ist ein häu­figes Wort. Im ganzen Neuen Tes­ta­ment kommt es 187 Mal vor. Manch­mal ist jedoch “siehe” nicht sehr tre­f­fend, z. B. in Mk 10,28: “Da fing Petrus an und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles ver­lassen und sind dir nachge­fol­gt”. Das deutsche Wort “siehe” deutet an, dass etwas mit den Augen wahrnehm­bar ist. Die Bedeu­tung im Griechis­chen ist jedoch all­ge­mein­er: Es hat die Funk­tion, die Aufmerk­samkeit auf das Fol­gende zu lenken. Diese Funk­tion kann man nicht mit dem deutschen “siehe”, son­dern nur mit ein­er sin­ngemäßen Wieder­gabe erre­ichen (Quelle: Runge, Dis­course Gram­mar, 5.4.2)

Eben­so häu­fig ist das “ἀμήν” (Luther: ‘wahrlich’). Aus dem zeit­genös­sis­chen Juden­tum wie aus dem frühen Chris­ten­tum ist es als litur­gis­che Bekräf­ti­gungs­formel bekan­nt. Da wurde es allerd­ings immer am Ende der fraglichen Aus­sage benutzt – ähn­lich wie wir ja auch heute beim Beten “Amen” sagen.

Nun betont aber Jesus einige sein­er Aus­sagen, indem er sie mit “amen” begin­nt. Es soll kein Zweifel an der Zuver­läs­sigkeit des Gesagten aufkom­men. Wörtlich über­set­zen kann man so ein Wörtchen kaum. Wenn “amen” ein Gebet abschließt, kön­nte man das auf Deutsch natür­lich mit “Amen” respek­tive “so sei es” wiedergeben, aber so über­set­zt nicht ein­mal die Elber­felder-Bibel. Luthers Über­set­zung ‘wahrlich’ fol­gen bis heute die meis­ten deutschen Über­set­zun­gen. Die Über­set­zung der Guten Nachricht: “Ich ver­sichere Euch” ist für den heuti­gen Leser ver­ständlich­er. Hier ein Beispiel aus Mk 10,28–29:

Gute Nachricht Bibel Luther
28: Da sagte Petrus zu Jesus: »Du weißt, wir haben alles ste­hen und liegen lassen und sind dir gefolgt.« 28: Da fing Petrus an und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles ver­lassen und sind dir nachgefolgt.
29: Jesus antwortete: »Ich ver­sichere euch: Nie­mand bleibt unbe­lohnt, der um meinetwillen …« 29: Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist nie­mand, der Haus oder Brüder oder Schwestern…

Unser Befund: zeit­gemäß und genau

Woher kommt das Kissen im Boot in Mk 4,38?

Als die Jünger auf dem See waren und ein Sturm auf­zog, schlief Jesus auf einem Kissen (Griechisch: προσκεφάλαιον). Dies wird in allen wörtlichen Über­set­zun­gen mit “Kissen” über­set­zt. Beim schnellen Lesen kön­nte man schlicht annehmen, dass es sich dabei um ein Kopfkissen han­delte. Da stellt sich aber die Frage: Wieso führt ein Fis­cher­boot ein Schlafkissen mit? Hat­te es etwa auf einem Fis­cher­boot eine Schlafgele­gen­heit? Wohl kaum.

Es ist allerd­ings bekan­nt, dass einige Fis­cher­boote damals ein Sitzkissen zum Kom­fort von Pas­sagieren oder Rud­er­ern an Bord führten (Guelich 1989). Daher über­set­zt die Gute Nachricht Bibel hier “Sitzkissen”. Das zeigt, dass für diese Über­set­zung auch Infor­ma­tio­nen zur israelis­chen Kul­tur zur Zeit Roms herange­zo­gen wur­den, um den Text für uns zugänglich­er zu machen.

Gute Nachricht Bibel Luther
Jesus aber lag hin­ten im Boot auf dem Sitzkissen und schlief. Und er war hin­ten im Boot und schlief auf einem Kissen.

Unser Befund: ver­ständlich, wenn auch nicht wörtlich

Was heißt: “Das Salz des Könighauses essen” in Esra 4,14?

In die Kat­e­gorie “für den heuti­gen Leser ver­ständlich machen” fällt auch die Über­set­zung ein­er Wen­dung in Esra 4,14. Die Israeliten macht­en sich nach der baby­lonis­chen Gefan­gen­schaft daran, Jerusalem und den Tem­pel wieder aufzubauen. Geg­n­er dieses Vorhabens schick­ten einen Brief nach Baby­lon, um beim König einen Stopp der Bauar­beit­en zu erwirken. Im Brief mussten sie dem König beweisen, dass sie auf sein­er Seite stün­den. Dies tat­en sie mit den Worten “weil wir aber das Salz des Königshaus­es essen”. Diese Redewen­dung ist heute nicht mehr ver­ständlich. Ein Griff zu den Kom­mentaren (Ryle 1901, 59f.; Loken 2011, 4:14) erläutert die Bedeu­tung: Der Aus­druck “das Salz des Königshaus­es essen” bedeutet wahrschein­lich, dass sie durch den Palast die Unter­halt­sleis­tun­gen erhiel­ten. Da sie vom König abhängig waren, woll­ten sie ihm auch nicht die Treue brechen. Daher über­set­zt die Gute Nachricht Bibel tre­f­fend: “Wir haben dem König Treue geschworen”, und fügt fol­gende Fußnote an:

Wörtlich: Wir haben das Salz des Palastes gegessen. Durch Essen von Salz bekräftigte man einen Ver­trag oder ein Bündnis.

Gute Nachricht Bibel Luther
Wir haben dem König Treue geschworen und kön­nen nicht taten­los zuse­hen, wenn seine Rechte ange­tastet wer­den. Darum schick­en wir diese Meldung. Weil wir aber das Salz des Königshaus­es essen und die Schmach des Königs nicht länger sehen wollen, darum schick­en wir hin und lassen es den König wissen.

Unser Befund: Die Wieder­gabe der Redewen­dung nach ihrer wahrschein­lichen Bedeu­tung ist zwar Inter­pre­ta­tion, aber verständlicher.

Wie viele Tage vergehen bis zur Reinigung? (Lk 2,22)

Ein weit­eres Beispiel, wo die Gute Nachricht Bibel eine implizite Aus­sage expliz­it macht, ist Lukas 2,22. Hier wird berichtet, wie Josef und Maria Jesus nach sein­er Geburt in den Tem­pel bracht­en, um das notwendi­ge Opfer darzubrin­gen. Aus Lev­i­tikus 12,2–4 kann man ent­nehmen, dass die Zeit ab Geburt bis zum Opfer 40 Tage dauerte. Den Juden zur Zeit Jesu wäre das bekan­nt gewe­sen, dem heuti­gen Leser aber nicht mehr. Daher haben die Über­set­zer der GNB befun­den, diese Infor­ma­tion in den Text ein­fließen zu lassen.

Gute Nachricht Bibel Luther
Vierzig Tage nach der Geburt war die Zeit der Unrein­heit für Mut­ter und Kind vorüber, die im Gesetz Moses fest­gelegt ist. Da bracht­en die Eltern das Kind in den Tem­pel nach Jerusalem, um es Gott zu weihen. Und als die Tage ihrer Reini­gung nach dem Gesetz des Mose um waren, bracht­en sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Her­rn darzustellen,

Unser Befund: passend für eine Lese­bibel, unpassend für Studienzwecke

Wie die GNB komplizierte Passagen fassbar macht

Kom­men wir nun zu eini­gen Stellen, wo zwar die bloße Über­set­zung rel­a­tiv unkom­pliziert, aber dann die Bedeu­tung doch schw­er zu ver­ste­hen ist. Wörtliche Über­set­zun­gen lassen solche Stellen ein­fach ste­hen und der Leser müsste zu Hil­f­s­mit­teln greifen, um die Stelle zu ver­ste­hen. Ein durch­schnit­tlich­er Leser wird über solche Stellen hin­we­gle­sen und sie unver­standen hin­ter sich lassen. Die Gute Nachricht Bibel ver­sucht da dem Leser den Sinn zu erläutern.

Was bedeutet “Reich Gottes”?


Recherche zur Phrase βασιλεία τῶν οὐρανῶν

Der Begriff vom “Reich Gottes” (Griechisch: βασιλεία τοῦ θεοῦ) oder des “Him­mel­re­ichs” (Griechisch: βασιλεία τῶν οὐρανῶν) ist nicht ein­fach zu ver­ste­hen. Viele nehmen zu Anfang ihres Bibel­studi­ums an, dass damit der Him­mel als etwas Zukün­ftiges oder Jen­seit­iges gemeint ist. Das macht aber an eini­gen Stellen keinen Sinn wie bei Mk 1,15 “die Zeit ist erfüllt und das Him­mel­re­ich ist herbeigekommen”.

Das “Reich Gottes” ist ein ziem­lich kom­pliziertes Konzept, das auch heute noch beforscht wird. Luther, Menge, Schlachter, die Zürcher, Ein­heit­süber­set­zung, auch die NGÜ über­set­zen diese Wen­dung stets mit “Reich Gottes”. Die Gute Nachricht nimmt die Her­aus­forderung an, lässt die bish­eri­gen Erken­nt­nisse ein­fließen und schält die wahrschein­lich­ste Bedeu­tung her­aus. Unsre Analyse des Matthäu­se­van­geli­ums hat ergeben, dass die GNB vier ver­schiedene Über­set­zun­gen wählt und je nach Kon­text ein­set­zt, wo Luther “Him­mel­re­ich” hat. Hier eine Zusam­men­stel­lung und der Ver­gle­ich zu der Lutherüber­set­zung: (Details: Alle Stellen in Matthäus aufgeschlüs­selt nach Über­set­zung)

Über­set­zung Verse mit dieser Übersetzung Über­set­zung GNB Über­set­zung Luther
Gottes neue Welt 20 Mt.5,3: Freuen dür­fen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten – mit Gott wer­den sie leben in sein­er neuen Welt. Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Herrschaft aufricht­en 13 Mt 3,2: Ändert euer Leben! Gott wird jet­zt seine Herrschaft aufricht­en und sein Werk vollenden! Tut Buße, denn das Him­mel­re­ich ist nahe herbeigekommen!
Werk vol­len­det 3 Mt 25,1: Wenn Gott sein Werk vol­len­det, wird es zuge­hen wie in der fol­gen­den Geschichte: Zehn Brautjungfern gin­gen mit ihren Lam­p­en hin­aus, dem Bräutigam ent­ge­gen, um ihn zu empfangen. Dann wird das Him­mel­re­ich gle­ichen zehn Jungfrauen …
Gottes Herrschaft 2 Mt 21,43: Darum sage ich euch: Das Vor­recht, Gottes Volk unter Gottes Herrschaft zu sein, wird euch entzogen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen.

Wir ver­muten, dass der durch­schnit­tliche Luther-Leser diese Verse nicht ganz nachvol­lziehen kann. Die meis­ten Chris­ten wis­sen, dass Jesus oft vom “Reich Gottes” sprach. Aber was er damit genau meinte, das wis­sen wir nicht so genau. Die Beispiele in der Tabelle zeigen, dass es der Guten Nachricht gelingt, dem Leser die ver­mutete Bedeu­tung zu kommunizieren.

Dabei muss die GNB als freie Über­set­zung die Stellen inter­pretieren: Geht es um etwas, was schon da ist oder unmit­tel­bar bevorste­ht? Dann über­set­zt sie mit “Gott richtet seine Herrschaft auf”. Geht es im Kon­text um etwas Zukün­ftiges? Dann wählt sie “Gottes neue Welt”.

An zwei Stellen in Matthäus ist die Inter­pre­ta­tion etwas über­raschend. Eine davon ist Mt.13,44, der Schatz im Ack­er: Die Über­set­zung der GNB:

Gute Nachricht Bibel
Die neue Welt Gottes ist mit einem Schatz zu ver­gle­ichen, der in einem Ack­er ver­graben war: Ein Men­sch fand ihn und deck­te ihn schnell wieder zu. In sein­er Freude verkaufte er alles, was er hat­te, und kaufte dafür den Ack­er mit dem Schatz.

GNB über­set­zt hier “Him­mel­re­ich” mit “neue Welt”. Es scheint aber, dass der Schatz in dieser Geschichte etwas beschreibt, das schon auf dieser Welt erre­ich­bar ist. Als Über­set­zung hät­ten wir daher den Satz so ange­fan­gen: “Wenn Gott seine Herrschaft aufrichtet, ver­hält es sich wie bei bei einem Schatz, der ver­graben war: …”

Bei allen anderen Stellen wirkt die Inter­pre­ta­tion gelun­gen, zudem führt die Gute Nachricht Bibel kon­se­quent in den Fußnoten die wörtliche Über­set­zung an.

Unser Befund: aufwendi­ge aber auch recht sub­jek­tive Lösung. Viel ver­ständlich­er als wörtliche Über­set­zun­gen, recht zuver­läs­sig

Wer sind die Gewalttätigen in Mt 11,12?

Eine schwierig zu ver­ste­hende Stelle ist Matthäus 11,12. Hier der Ver­gle­ich zwis­chen der Guten Nachricht und der Lutherübersetzung:

Gute Nachricht Bibel Luther
Als der Täufer Johannes auf­trat, hat Gott ange­fan­gen, seine Herrschaft aufzuricht­en; aber bis heute stellen sich ihr Feinde in den Weg. Sie hin­dern andere mit Gewalt daran, sich dieser Herrschaft zu unterstellen. Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute lei­det das Him­mel­re­ich Gewalt, und die Gewalt­täti­gen reißen es an sich.

Die zwei gängig­sten Inter­pre­ta­tio­nen dieses Vers­es sind:

  1. Die Gewalt­täti­gen sind die Feinde des Evan­geli­ums. Ver­mut­lich sind damit die Phar­isäer gemeint: Sie ver­lacht­en Johannes (V.18) und nutzten ihre Stel­lung in der Gesellschaft (Gewalt), um anderen den Weg ins Reich Gottes zu versperren.
  2. Die Gewalt­täti­gen sind die, welche ins Reich Gottes kom­men wollen. Die Phar­isäer ste­hen vor dem Reich Gottes und alle, die hineinkom­men wollen, müssen es sich mit Gewalt nehmen.

Bei­de Inter­pre­ta­tio­nen haben ihre Tück­en: Sind die Gewalt­täti­gen die Phar­isäer, wie kön­nen sie das Reich Gottes an sich reißen? Sind es aber die Gläu­bi­gen, so ist die gewählte Sprache sehr ungewöhn­lich, denn “Gewalt” wird gewöhn­lich neg­a­tiv benutzt.

Die meis­ten Ausleger fol­gen Option 1, und so wählte auch die Gute Nachricht Bibel diese Inter­pre­ta­tion. Etwas schade ist, dass die alter­na­tive Deu­tung nicht in ein­er Fußnote erwäh­nt wird.

Unser Befund: Man hat die exegetis­che Forschung berück­sichtigt, die alter­na­tive Über­set­zung sollte aber in ein­er Fußnote erwäh­nt sein.

Fasten: nur am Karfreitag oder immer freitags? Mk 2,20

Bei Markus 2,20 geht die Frage der Phar­isäer voraus, wieso denn die Jünger nicht regelmäßig fas­ten, so wie es die Phar­isäer tun. Jesu’ Antwort:

Gute Nachricht Bibel Luther
Die Zeit kommt früh genug, dass der Bräutigam ihnen entris­sen wird; dann wer­den sie fas­ten, immer an jen­em Tag. Es wird aber die Zeit kom­men, dass der Bräutigam von ihnen genom­men wird; dann wer­den sie fas­ten, an jen­em Tage.

Obwohl die Stelle eigentlich gut ver­ständlich ist und keine Inter­pre­ta­tion erfordert, inter­pretiert die GNB das christliche Kart­fre­itags­fas­ten in Jesu Aus­sage hinein: Das “immer” ist ein Zusatz, welche im griechis­chen Orig­i­nal nicht enthal­ten ist. Wir denken, der Hin­ter­grund war, dass man angenom­men hat, dass der Text hier die Fas­ten­tra­di­tion hier schon enthält. Das ist nicht undenkbar, aber auf­grund der Textgrund­lage doch etwas weit herge­holt. Immer­hin fügt die Gute Nachricht Bibel fol­gende Fußnote ein:

Immer ist verdeut­lichen­der Zusatz. Gedacht ist wahrschein­lich an ein regelmäßiges Fas­ten am Kar­fre­itag oder wöchentlich jew­eils am Fre­itag als dem Todestag von Jesus.

Unser Befund dieses Vers­es: Etwas weit herge­holt, in der Fußnote wird erwäh­nt, dass der Zusatz nicht im Orig­i­nal enthal­ten ist.

Was bedeutet “ihnen zum Zeugnis” in Mk 1,44?

In Markus 1,44 wird ein Aussätziger von Jesus geheilt, Jesus ver­bi­etet ihm aber, anderen davon zu erzählen. Stattdessen soll er zum Priester gehen und das geforderte Opfer dar­brin­gen, “ihnen zum Zeug­nis”. Die zwei gängi­gen Inter­pre­ta­tio­nen dieser Phrase:

  1. Jesus wollte den Priestern vor Augen führen, dass dieser Mann durch ihn geheilt wurde, sodass sie zum Glauben an ihn kom­men (Pesch 1976)
  2. Jesus wusste, die Leute wür­den dem Mann nicht glauben, und wollte daher, dass die Priester die Heilung durch die Annahme des Opfers attestieren, als “öffentlich­er Beweis” (France 2002)

Die GNB wählt eine dritte Inter­pre­ta­tion: “ihnen zum Zeug­nis” kann auch mit “gegen sie zum Zeug­nis” über­set­zt wer­den (so über­set­zt auch die Ein­heit­süber­set­zung). Wählt man diese Option, dann bezieht sich “gegen” ver­mut­lich auf etwas, was die Phar­isäer Jesus vorge­wor­fen haben, und zwar ver­mut­lich auf ihren Vor­wurf, er würde das mosais­che Gesetz mit den Füssen treten. Daher über­set­zt die GNB so: “Die Ver­ant­wortlichen sollen wis­sen, dass ich das Gesetz ernst nehme”. Im Ver­gle­ich die Luther-Übersetzung:

Gute Nachricht Bibel Luther
Sag ja nie­mand ein Wort davon, son­dern geh zum Priester, lass dir deine Heilung bestäti­gen und bring die Opfer, die Mose zur Wieder­her­stel­lung der Rein­heit vorgeschrieben hat. Die Ver­ant­wortlichen sollen wis­sen, dass ich das Gesetz ernst nehme. Sieh zu, dass du nie­man­dem etwas sagst; son­dern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reini­gung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeug­nis.

Die GNB fügt fol­gende Fußnote an:

Wörtlich: ihnen zur Bezeu­gung. Wer von Aus­satz gene­sen war, musste dies zunächst vom Priester bestäti­gen lassen (so verdeut­licht die Über­set­zung; wörtlich nur ‚son­dern geh hin, zeige dich dem Priester‘). »Rein« wurde die geheilte Per­son erst danach durch die ver­schiede­nen Riten und Opfer, die in Lev. 14,1–32 beschrieben sind.

Unser Befund dieses Vers­es: Um ver­ständlich zu sein, hätte die GNB hier nicht so frei über­set­zen müssen.

War Jesu’ innerlicher Seufzer in Mk 8,12 hörbar?

Markus 8,12 ist tat­säch­lich schw­er zu ver­ste­hen: Die Phar­isäer fordern ein Zeichen von Jesus, aber er ver­wehrt es ihnen. Darauf heißt es:

Gute Nachricht Bibel Luther
Jesus stöh­nte und sagte: »Wieso ver­langt diese Gen­er­a­tion einen Beweis? Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen?

In seinem Geist” (Griechisch: τῷ πνεύματι) heißt gewöhn­lich „inner­lich“ und kön­nte bedeuten, dass der Seufz­er ein stum­mer blieb (so z. B. France, 312; NSS). Die Logik spricht jedoch eher für ein hör­bares Stöh­nen. Einen inner­lichen Seufz­er (den ja nur Jesus selb­st mit­bekom­men haben kann) müsste man ja auf die leb­hafte Fan­tasie des Evan­ge­lis­ten zurück­führen! Aus lin­guis­tis­ch­er Sicht stellt sich die Frage, warum er eine unhör­bare Gemüt­ser­re­gung mit einem Wort beschreiben sollte, das sich auf einen hör­baren Laut bezieht. Die Ein­heit­süber­set­zung und die NGÜ über­set­zen „seufzte tief”, die GNB lässt „in seinem Geist“ ganz weg und macht aus dem schw­er zu deu­ten­den ”inner­lichen Stöh­nen” ein Äußer­lich­es. Diese Entschei­dung ist gut nachvollziehbar.

Unser Befund: Ist ver­ständlich und gibt die wahrschein­lich­ste Bedeu­tung wieder.

Fazit

Die Gute Nachricht Bibel ist für eine freie Über­set­zung recht genau. Bei unserem Test haben wir vor allem darauf geachtet, wie die GNB mit einzel­nen schw­er zu über­set­zen­den Wörtern oder schwierig zu deu­ten­den For­mulierun­gen umge­ht. Die besproch­enen Stellen sind daher auch nicht repräsen­ta­tiv für die gesamte Über­set­zung. Von diesen schwieri­gen Stellen abge­se­hen wirkt die GNB von ihrer Art her sehr ver­traut und fühlt sich unter den deutschen Bibelüber­set­zun­gen nicht wie ein Fremd­kör­p­er an.

Unser Faz­it:

  1. Die Wieder­gabe des Urtexts in mod­ernem Deutsch unter Ver­mei­dung christlichen Vok­ab­u­lars ist sehr gelun­gen. Einige Para­phrasen (“Salz des Königshofs essen” wird zu “dem König Treue schwören”) geben den Sinn des Urtexts bess­er wieder als wörtliche Übersetzungen.
  2. Wo die GNB mit Inter­pre­ta­tio­nen arbeit­et, sind sie meist gut und beruhen offen­sichtlich auf solid­er Exegese. An zwei Stellen (die Frage des Fas­tens und die Inter­pre­ta­tion von “ihnen zum Zeug­nis”) hät­ten wir selb­st wohl anders übersetzt.

Wir empfehlen daher, the­ol­o­gis­che Erken­nt­nisse aus der GNB mith­il­fe wörtlichen Über­set­zun­gen zu prüfen. Auch beim Lesen in wörtlichen Über­set­zun­gen emp­fiehlt es sich nie, the­ol­o­gis­che Erken­nt­nisse auf nur einen Vers abzustützen, son­dern es soll­ten noch andere Verse und auch Kom­mentare zur Hand genom­men werden.

Da 25% der deutschsprachi­gen Erwach­se­nen nur freie Bibelüber­set­zun­gen lesen kön­nen, hof­fen wir sehr, dass nie­mand aus ein­er Angst her­aus vor freien Über­set­zun­gen abratet. Wir kön­nen die Gute Nachricht Bibel sehr zum Lesen empfehlen, ein­er­seits für Wenig-Leser, aber auch für solche, welche sich in der Bibel schon gut ausken­nen, aber unwis­send über einige Stellen hin­wegge­le­sen haben. Es kann gut sein, dass diese mith­il­fe der GNB zum ersten Mal ver­standen werden.

Dieser Artikel ist der let­zte ein­er vierteili­gen Rei­he über die Gute Nachricht Bibel, die andere Teile waren diese:

  1. Wieso freie Bibelüber­set­zun­gen belächelt wer­den, und was daran falsch ist.
  2. Wie es zur ersten freien deutschen Über­set­zung kam – eine erstaunliche Geschichte.
  3. «Es ging darum, den ersten küh­nen Wurf zu bändi­gen» – Inter­view mit Dr. Rolf Schäfer über die Revi­sion der Guten Nachricht Bibel

Greifen Sie jet­zt zu und erwer­ben Sie die Gute Nachricht Bibel in Logos!


Über die Autoren:

Ben­jamin Mis­ja ist The­ologe und deutsch­er Pro­duk­t­spezial­ist bei Faith­life. Pri­vat blog­gt er auf http://​bib​lio​-blog​.de.

Das Wort Gottes nicht nur lesen, son­dern auch bewun­dern. Das ver­sucht Philipp Keller selb­st zu tun, und andere dazu zu motivieren. Er ist Wor­ship-Leit­er und blog­gt pri­vat. Auf Twit­ter ist er erre­ich­bar unter @philippkellr

Teilen
Von
Philipp Keller

Das Wort Gottes nicht nur lesen, sondern auch bewundern. Das versucht Philipp selbst zu tun und andere dazu zu motivieren. Er ist Worship-Leiter und bloggt privat. Auf Twitter ist er erreichbar unter @philippkellr

Alle Artikel
Eine Antwort schreiben

1 Kommentar
  • Die „Gute Nachricht Bibel in heutigem Deutsch” war meine erste Bibel. Eine kleine grüne Taschenaus­gabe. Es fol­gten größere Aus­gaben wie die Zürcher und die Luther. Nun nahm ich sie wieder Mal zur Hand, schlug Daniel 8,13 auf und staune „Bauk­lötze”, weil diese Stelle, so dargelegt, den Grund­stein des adven­tis­tis­chen Glaubens­ge­bäudes hinwegfegt.