Erweiterte Interlinearbibeln auf Steroiden: Visuelle Filter

Von Thomas Zimmermann

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Wäh­rend mei­nes Theo­lo­gie­stu­di­ums im Schwarz­wald stell­te uns der Dozent für die Römer­brief-Vor­le­sung vor fol­gen­de Auf­ga­be: „Lest den Römer­brief kom­plett durch, von vor­ne bis hin­ten. Streicht dabei jeden Indi­ka­tiv rot an, der euch gilt.“

Der Römer­brief ent­hält unheim­lich vie­le Aus­sa­gen dar­über, wer wir in Chris­tus sind. Oder was wir durch Chris­tus haben. Bei­spiel? Röm 5,1: „Da wir nun gerecht gewor­den sind durch den Glau­ben, haben wir Frie­den mit Gott durch unsern Herrn Jesus Chris­tus.“ Oder 5,9: Wir wer­den bewahrt wer­den. 5,10: Wir sind mit Gott ver­söhnt worden.

Allein aus die­sen drei Ver­sen weiß ich nun, dass ich gerecht und mit Gott ver­söhnt wor­den bin und von ihm bewahrt wer­de. Es ist natür­lich span­nend, her­aus­zu­fin­den, was im Römer­brief noch so steckt. Wer bin ich? Der Römer­brief ist eine ech­te Quel­le für Fra­gen rund um mei­ne Iden­ti­tät in Christus.

Im Klas­sen­ex­pe­ri­ment hat sich aber ziem­lich schnell gezeigt, wie feh­ler­an­fäl­lig und selek­tiv wir bei so einer Auf­ga­be oft vor­ge­hen. „Oh, stimmt, die­sen Vers habe ich völ­lig über­le­sen.“ (Schnell noch den Stift raus­ge­holt und ange­stri­chen …). Oder „Äh? Das ist doch kein Indi­ka­tiv …“ Wie sich zeig­te, spiel­te die benutz­te Bibel­über­set­zung eine Rol­le. In eini­gen Über­set­zun­gen waren Ver­se im Indi­ka­tiv über­setzt, die in ande­ren eher nach Impe­ra­tiv klin­gen. Aber es liegt doch der glei­che grie­chi­sche Text zugrun­de? Müss­te ein Indi­ka­tiv im Urtext nicht auto­ma­tisch einen Indi­ka­tiv in der Über­set­zung bedeuten?

Und was ist mit Römer 5,1 aus mei­nem Bei­spiel oben? In der Luther-Über­set­zung ein­deu­tig ein Indi­ka­tiv. Ein kur­zer Blick mit der Inter­li­ne­ar-Funk­ti­on zeigt, dass hier gar kein Indi­ka­tiv im Urtext steht.

In mei­nem letz­ten Post (Erwei­ter­te Inter­li­near­bi­beln ent­de­cken: Glei­che Wör­ter im Urtext fin­den) habe ich gezeigt, wie Logos mit den erwei­ter­ten Inter­li­near­bi­beln den „Text hin­ter dem Text“ anzei­gen kann. Und natür­lich: Wenn ich das Inter­li­ne­ar-Werk­zeug akti­vie­re (1), sehe ich auch die Mor­pho­lo­gie der Ver­ben und erken­ne: „bewahrt wer­den“ steht im Indi­ka­tiv (2).

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Aber was ich mir wirk­lich wün­sche, wäre eine Mög­lich­keit, das auch im Text zu visua­li­sie­ren. So dass ich eben nicht jeden von mir ver­mu­te­ten Indi­ka­tiv ein­zeln ankli­cken und über­prü­fen muss.

Sie ahnen es: Logos hat eine sol­che Funk­ti­on, näm­lich visu­el­le Filter.

Einen visuellen Filter anlegen

Ein visu­el­ler Fil­ter ist ein Logos-Doku­ment. Einen neu­en Fil­ter rich­ten Sie über das Menü Doku­men­te Visu­el­le Fil­ter ein. Es gibt drei Arten von visu­el­len Fil­tern, wir wäh­len für unse­re Zwe­cke zunächst „Morph“ aus (3). Dann kön­nen wir einen sinn­vol­len Namen ver­ge­ben, z. B. „Indi­ka­ti­ve“ (4).

Nun müs­sen wir eine Mor­pho­lo­gie wäh­len, die zum Urtext passt, den wir durch­su­chen wol­len. Für das NT ist das Grie­chisch, Sie neh­men also die „Logos Greek Mor­pho­lo­gy“ (5).

Nun tip­pen Sie ins freie Feld ein @ und wäh­len aus dem Pop-Up-Menü das Verb aus. (6).

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Nach­dem Sie das Verb aus­ge­wählt haben, wer­den im Menü wei­te­re Optio­nen sicht­bar. Damit kön­nen Sie auf Wunsch eine ganz bestimm­te Verb­form ein­gren­zen: Ten­se (Zeit), Voice (Die­athe­se), Mood (Modus), Per­son usw. Für unse­re Zwe­cke wäh­len wir den „Indi­ka­tiv“ als Modus („Mood“) aus (7) und drü­cken die Tas­te ESC auf der Tastatur.

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Logos hat auf­grund die­ser Anga­be die nicht defi­nier­ten Tei­le mit „?“ ersetzt, wie z. B. die Zeit­form (8). Zuletzt kön­nen wir noch eine For­ma­tie­rung aus­wäh­len. Wie soll der Indi­ka­tiv im Text mar­kiert wer­den? Ich wäh­le „Gelb“ (9) aus, es gibt aber vie­le wei­te­re mög­li­che Auszeichnungsstile

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Jetzt bleibt mir nur noch, mei­ne Lieb­lings­bi­bel mit erwei­ter­ter Inter­li­ne­ar-Funk­ti­on zu öff­nen und den visu­el­len Fil­ter zu akti­vie­ren. (10) Alle Indi­ka­ti­ve im Text wer­den nun markiert.

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Beim Durch­le­sen des Römer­brie­fes wer­den Sie fest­stel­len, dass Logos uns inzwi­schen mehr Ver­ben mar­kiert, als ursprüng­lich beab­sich­tigt. Der Fil­ter hebt jedes Verb im Indi­ka­tiv her­vor, ob es der Auf­ga­ben­stel­lung vom Anfang ent­spricht oder nicht.

Doch das kön­nen wir noch fein­tu­nen. Öff­nen Sie noch ein­mal den visu­el­len Fil­ter „Indi­ka­ti­ve“ und kli­cken Sie wie­der in das Text­feld. Neben dem Indi­ka­tiv legen Sie jetzt zusätz­lich noch die 2. Per­son Plu­ral (ihr) fest und schlie­ßen Sie das Doku­ment. Der Fil­ter wur­de ange­passt und zeigt jetzt nur noch Indi­ka­ti­ve an, in denen Pau­lus sei­ne Leser direkt mit „ihr“ oder „euch“ anspricht. Da sich der Römer­brief an die gan­ze Gemein­de rich­tet, erfasst das nun unse­re Auf­ga­be ziem­lich genau.

Wie gehts weiter?

Das gan­ze kann man belie­big erwei­tern und visu­el­le Fil­ter erstel­len für alle mög­li­chen Zwe­cke. z. B. lohnt es sich, die Evan­ge­li­en mal mit einem Impe­ra­tiv-Fil­ter durch­zu­le­sen (viel­leicht Rot?) oder sich Fil­ter für bestimm­te Zeit­for­men zu erstel­len: Aorist (Schnapp­schuss-Ereig­nis in der Ver­gan­gen­heit) oder Per­fekt (abge­schlos­se­ne Hand­lung in der Ver­gan­gen­heit, Aus­wir­kun­gen auf die Gegenwart).

Wenn Sie die Fil­ter sinn­voll benen­nen und die For­ma­tie­rung unter­schied­lich wäh­len, kön­nen Sie beim Lesen ent­schei­den, wel­che Fil­ter Sie jeweils ein- oder aus­schal­ten wollen.

Mir per­sön­lich hilft es beim Bibel­stu­di­um, wenn ich den Text das zwei­te oder drit­te Mal lese, auf gram­ma­ti­ka­li­sche Beson­der­hei­ten zu ach­ten, die mir sonst viel­leicht nicht auffallen.

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Visu­el­le Fil­ter funk­tio­nie­ren in allen Tex­ten. Sie könn­ten zum Beispiel:

a) einen deut­schen Text nach bestimm­ten Wör­tern durch­su­chen und die­se mar­kie­ren lassen.

b) den Urtext direkt durch­su­chen las­sen, ver­su­chen Sie es doch mit dem Nest­le-Aland-Text aus dem deut­schen Basispaket.

c) alles, was Logos sonst noch an getagg­ten Infor­ma­tio­nen bie­tet, kön­nen Sie her­vor­he­ben. Wie wäre es mit Wor­ten eines bestimm­ten Spre­chers (berühm­tes Bei­spiel: In man­chen Bibeln wer­den Wor­te Jesu rot mar­kiert, es funk­tio­niert in Logos aber mit jedem Spre­cher). Oder las­sen Sie sich doch im Neu­en Tes­ta­ment alle Zita­te aus dem AT her­vor­he­ben.

Die Mög­lich­kei­ten sind viel­fäl­tig und erstau­nen mich auch immer wie­der aufs Neue.

Ein visu­el­ler Fil­ter mor­pho­lo­gi­scher Art wie der hier vor­ge­stell­te setzt jedoch immer einen Text mit mor­pho­lo­gi­schen Aus­zeich­nun­gen vor­aus. Dass auch Nor­mal­sterb­li­che die­se Funk­ti­on benut­zen kön­nen, gehört zu den ganz beson­de­ren Vor­zü­gen von erwei­ter­ten Interlinearbibeln.

Die erwei­ter­te Inter­li­near­bi­bel zur Luther-Bibel ist bereits in unse­ren Basis­pa­ke­ten ent­hal­ten. Zur Schlach­ter-Über­set­zung lässt sich die­se Funk­ti­on seit kur­zem per Pre-pub (Was ist Pre­pub?) vor­be­stel­len – Sie erhal­ten die­se dann, sobald sie fer­tig ist.

Die erwei­ter­te Inter­li­near­bi­bel zur Schlach­ter­bi­bel 2000 vor­be­stel­len.

Thomas Zimmermann

Über den Autor

Thomas lebt mit seiner Frau Kathrin in Frankfurt am Main und ist dort Mitglied der Frankfurt City Church (FeG). Er arbeitet in der IT und studiert zur Zeit berufsbegleitend am Knox Theological Seminary in Fort Lauderdale, Florida, Theologie. Logos ist dabei eines seiner Hauptwerkzeuge, genauso wie im ehrenamtlichen Dienst als Hauskreisleiter, Prediger, oder auch einfach nur zum persönlichen Bibelstudium.

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  1. Herz­li­chen Dank! Ich nut­ze Logos schon seit einer Wei­le, habe die­se Funk­ti­on aber noch nie genutzt und auch noch nicht gekannt. Ich freue mich auf wei­te­re Artikel! 🙂

    Grü­ße,
    Jakob

    1. Hal­lo Jakob,
      freut mich wenn ich „alten Hasen” auch neu­es zei­gen kann. Bin selbst immer wie­der erstaunt über die Mög­lich­kei­ten die Logos einem so bie­tet. Wenn ich nur mehr Zeit hätte… 😉
      Und wer weiß, viel­leicht hilft der Blog ja die Lern­kur­ve auch für Neu­lin­ge etwas zu minimieren.
      Vie­le Grüße,
      Thomas

  2. Ich habe Logos 7 – Bron­ze. Kann es sein, dass die­se Funk­ti­on hier nicht zur Ver­fü­gung steht? Wenn ich in der Inter­li­ne­ar-Bibel auf visu­el­le Fil­ter gehe, dann habe ich einen Unter­punkt in der Tree­view-Lis­te „visu­el­le Fil­ter”. Er lässt sich aber nicht aufklappen.

    1. Doch, das soll­te auch in Bron­ze funk­tio­nie­ren. Das ist wohl aus­ge­graut, weil noch kein visu­el­ler Fil­ter ange­legt ist oder erkannt wird. Teil­wei­se muss man die Res­sour­ce schlie­ßen und noch ein­mal neu öff­nen, damit der visu­el­le Fil­ter sicht­bar wird.

  3. Guten Tag,

    ist die­se Visua­li­sie­rung auch mit der Elber­fel­der CSV mög­lich? Bei der Schlach­ter funk­tio­niert die­ser Funk­ti­on, ich hät­te es ger­ne auch bei mei­ner CSV Über­set­zung. Dan­ke für die­sen hilf­rei­chen Tipp!

    1. Hal­lo Arthur,

      soweit mir bekannt ist, funk­tio­niert das mit der Elber­fel­der in der CSV Edi­ti­on lei­der nicht.
      Das liegt dar­an das qua­si „hin­ter dem Text” der Urtext lie­gen bzw. damit ver­knüpft sein muss. Erst so wer­den die Inter­li­ne­ar und davon abhän­gi­gen Fea­tures, wie die visu­el­len Fil­ter, möglich.

      Das ist eine ziem­li­che Arbeit, Ben Mis­ja könn­te da mehr erzäh­len. Nur wenn genü­gend Leu­te das für die Elber­fel­der (CSV) möch­ten, kann es sich lohnen.

      Vie­le Grü­ße aus Frankfurt,

      Tho­mas Zimmermann

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